steinbruch 1

Das Kleid

Geschrieben und gesprochen von A. Anders

Ich verdünnte Familienengel und andere Haushaltsgegenstände,
trug das elegante alte Kleid aus Mousseline-Pfannkuchen,
Schleier, Baumwolle, und Spitze aus den 1910er Jahren
mit ein paar Flecken aus dem Mittelalter.

Wie sie sehen können, ist es sehr auffällig!

Das Kleid wird mit einem seitlichen Reißverschluss befestigt,
der Gürtel ist aus schwarzem Seidensamt
mit schönen warmen Blumen.

Hier habe ich das Kleid mit den Mägen zusammengenäht.
Es kann rückgängig gemacht werden: mit einer Prise
LIVE-Moosschlösser aus Neuengland.

Dieses Kleid wird Köpfe drehen!

Ähnliche Beiträge

  • Der Taubenfütterer: 2 Der Zufall des Duchamp

    Es gibt sie freilich, die verruchten Fuchsmaschinen, die durch die Menschheitsgeschichte fimmeln. Damen, die so sonderbar in ihren Neigungen, dass sich dagegen so manches Menschheitsereignis wie kleines Gekekse ausmacht. Dem Weibe fällt es zu, uns mit dem Ende der Milch zu versöhnen. Ende der Milch bedeutet: schale Wasser für die Zukunft. Wir heiligen sie, die Giftmischerinnen, Rosinanten, Saubesen, Nachtvögel, Herrscherinnen und Hellerhuren. Myrrha war diejenige, die ihn in die Welt der Psychometrie führte. Entscheidungen traf sie stets mit einer Münze, einem originalen Louis dʼOr, der, wenn er nicht gebraucht wurde, auf dem Schweiß zwischen ihren Brüsten haftete. Es fiel leicht, über beide zu lachen, wenn man sie, in einer Gruppe stehend, bei Tag aus der Ferne erspähte, aber die Wenigsten wären so mutig gewesen, ihnen alleine zu begegnen. Sie: maliziös; er: schon halb verrückt.

    Mehr lesen „Der Taubenfütterer: 2 Der Zufall des Duchamp“
  • Zur Nacht

    Zur Nacht – ich mag an einer bestimmten Stelle der Nacht Müdigkeit empfinden – aktiviert sich das Nachtgehirn, das sich ganz und gar von dem des Tages unterscheidet. Vielleicht tritt es gerade durch die Erschlaffung der körperlichen Funktion hervor. Ich ging auf und ab vor meiner Bücherwand; gehe ich nahe an sie heran, sind es viele, trete ich etwas zurück, bemerke ich vor allem das Fehlen jener Bücher, die noch nicht da sind. Dieses Fehlen fällt mir auf, weil noch Wand zu erkennen ist. Ich habe Mühe, die Nacht zu verschlafen – ein Traum ist ja nicht garantiert. Eine Nacht ohne Traum wäre allerdings vertan, also muss der Ersatz, der sichere Ersatz, die Lektüre sein. Nicht das lineare Zeilenfolgen, sondern das Fliegen durch auffällige Bände, die sich anbieten durch ihr leichtes Vorstehen, das Durchbrechen der sauberen Linie.

  • Die Fliegenpilzin

    Anders als ein Pfad ist die Straße stets nur eine Schneise und führt in die Städte, die sich wie ein Geschwür auf dem Fleisch des Landes ausbreiten, hinein oder aus ihnen heraus. Der Pfad hingegen kreuzt geheimnisvolle Orte, so dass man irgendwann das Gefühl hat, angekommen zu sein, auch wenn man mitten im Nirgendwo steht, ein Teil der Vollkommenheit wird, die nur aus Nichts bestehen kann.

    Mehr lesen „Die Fliegenpilzin“
  • Egon Brunswik: Die Villa

    [embeddoc url=“https://veranda.michaelperkampus.net/wp-content/uploads/2025/11/14-Egon-Brunswick-Die-Villa.pdf“]
  • Schlafmähre

    Landschaft verschwimmt mitsamt unseren Körpern zu einem ununterscheidbaren Gewimmel. An der Oberfläche blendet uns das Licht, in der Tiefe verwirrt uns die Fülle, die wir uns nur zu ertasten wissen. Etwas steht uns bevor: wir werden uns von Raupen in Schmetterlinge und Falter verwandeln, von Milch- in Reißzähne.

    Mehr lesen „Schlafmähre“