Gelächter hinter den Schächten

Dort flattern Engel aufgeregt ums Licht, stürzen mit versengten Flügeln in den Urgrund (Bäche Flüsse), bleiben zuckend liegen, schreien den Menschen um Hilfe an.

Wir sind von der Schlange unterbrochen worden; weißt du es noch, mein Ebenstern, mein simmerndes, einsames Lied, das ich dir von den Lippen stahl? Flogen oft hinunter zum Urgrund, der ätherischen Kraft entlang, Kundalini-Schübe zitterten mit uns, für andere war es nur ein Tanz. Wir kannten kein Ich, all unsere Instinkte markierten den Weg zur ungelenkten, chaotischen Kraft, getrennt durch flächige Membrane, silberschön. So atmeten wir die letzten Tabus, kannten kein Wesen, das uns an Kraft überlegen gewesen wäre, doch erobern wollten wir nur die Entdeckungen in uns, fanden wir dort doch die Welt in ihrem Keim, feindispers in einer fluiden Phase. In der Morgendämmerung des menschlichen Weltgefühls driftet, von Goldschatten eingekreist, der Drachenwurm in seiner perfekten Kreisform durch Himmel und Erde vor ihrer Trennung, ‚flos sapientum‘ auf dem unendlich ausgebreiteten Rücken, schön wie ein Diamant, der in seine Einzelteile zerfällt, Geburts- und Zeugungsakt in einem. Wir, der wir der große Er/Sie sind, vereinigen uns mit unserem eigenen Schatten, kriechen aus unseren eigenen Höhlen und brüten aus Götter.

Schatten warfen sich neben sie, Kleinvieh flüchtete, den Berg, der zum Propheten kommt, ignorant auf sie herab scheinen sehend. Hand an Hand klebend warfen sie einen Blick nach oben zur Fassade, die sehr schön war, beinahe so schön wie ihre ineinander verschränkten Hände.

Die Stadt blinkt, Spielhölle, die sie ist; der menschgeschaffene Urwald blökt seine künstlichen Töne, Paarungsrufe oder Warnungen, unter das Dach der Smokglocke. Der Wind täuscht, es ist nicht frisch – bringt Erzählungen, die auf der Brise reiten, von Geschehnissen, diesem flüchtigen Gas. Von Lebensfetzen angestoßen wird er sich in einen Orkan verwandeln, der die Zwillingserde erreicht. Morgen vielleicht.
Ach, wenn ich Tal wäre, auch mal Berg (und Sonnenschein), eine Lache Regenfläche, Pferdehälfte (gut abgehangen)! So ein Wunsch nach Ornamenten, kyrillischer Weberei; an den Borden entlang holpern, ganz der Teppich, der sich unter Sohlen schmiegt (die auch auf glühenden Kohlen gehen könnten).

Ähnliche Beiträge

  • Früher war Paris sehr fremd

    Unsere Romantiker waren nicht so gut auf die französische Metropole zu sprechen. In seiner „Reise nach Frankreich“ notiert Friedrich Schlegel:

    In Paris findet man alles für die Sinnlicheit, aber nichts für die Phantasie.

    Verwundern darf das nicht; auch nicht, dass Kleist etwas Ästhetisches vermerkt, denn in der Großstadt zeigten sich anscheinend Entfremdung und psycho- wie soziopathische Zustände des modernen Menschen und seiner zweiten, von der Zivilisation deformierten Natur besonders krass.

    Die Gasbeleuchtung gab es erst am 1817, die Boulevards waren ebenfalls noch nicht erbaut. Haußmann hatte das geniale Paris noch nicht geschaffen.

    Was Kleist, Tieck und Eichendorff jedoch als Gemeinplatz in ihre Schriften einfließen ließen, war ja nicht zuletzt die Klage gegen die vorgefundene Dominanz des kalten Verstandes über die Empfindungen.

    Eine Parallele zu heute hieße: vor lauter Pornographie entdecken wir den Körper nicht mehr. Wir fühlen uns frei, nach Herzenslust zu vögeln – jeder Körper ist austauschbar. Doch unter dem Schein dieser angeblichen Freiheit ist die Sinnlichkeit gänzlich abwesend und die Unzufriedenheit nimmt gefährliche Züge an.

  • Der Arm im Schrank

    Er lehnte sich zurück und nahm die Brille ab, die sich in Zeiten periodischer Weltbrände dem Urozean anschloss.
    Er antwortete ihr in Druckschrift, dann entzündet er ein Räucherstäbchen, die Fresken auch. Durch die Bohlen der Kabine hörte er die Matrosen brüllen. Der Tag ging im nächsten Salon zu Ende, Spiegel an der Bar und Kronleuchter, schmiedeeiserne Türklopfer und Symphonien auf Notenpapier.
    Der Alte legte eine Leiter an die östliche Wand der Kammer, jeweils eine Handbreit mit hellem Sand gefüllt, flach auf den Bauch. Es gab allerdings noch eine andere Möglichkeit, die Zwischenzeit sinnvoll zu nutzen, doch das war alles Nebensache geworden.

  • Schluchten

    Zerrüttet ist das Schiff
    zersprungen an der Kehle
    Ein
    Gigant
    der außer sich
    die Taue kämmt

    Eine Zahl wievieler Welten, den Nordwind
    unterm Hemd, das den Applaus beginnt.
    Beschwert sind die Lider, geduckt die Membran
    wo Aberwitz ins Tal gelassen

    Möchtest du deine
    Schluchten schluckend schlürfen?
  • Moribund und stattlich

    Unser natürliches Handeln ist es, zu überleben, an 
    Eine Schnittstelle gekoppelt, die Vogelschreie
    Durch die Adern gedrückt, allein durch die Wellenbewegung
    Einer überschwappenden Lauchcremesuppe,
    Ausgelöst von einem Hustenanfall der Person

    Dort am Fenster. Die Brocken verändern sich,
    Wechseln die Garderobe in den Fluten der
    Zwiebelmaische, die neue Situation wie die
    In einem Stummfilm erkannt, Klappe und Text
    Auf einem Schafott (dem kleinen).

    Das Gebilde bewegt sich unruhig umher, ein
    Pilot unter den uneindeutigen Aussagen, die
    Zu treffen sind, sobald sich der Meißel wieder
    Aufwärts bewegt, ein Pendel, das er nicht ist,
    Gekleidet wie ein Stahlhammer, mit dem Wort,

    Das ihn definiert. Das Erschauern läuft den
    Klettverschluß entlang, entlädt sich wie ein
    Ganz und gar geharnischtes Schweineschwänzchen,
    Überwältigt von Lobpreisungen und rotziger Spucke,
    Die einen Namen an der Fensterscheibe hinterläßt.

    Call me Ishmael.
  • Die Kammer und der Teekessel

    Ich sehnte mich nach Ruhe, doch die Sterne
    hielten mich wach. Ihr Licht galoppierte
    an meinem Augenkranz entlang und verfing sich
    dort in meiner Realität, die nicht selten zerbröselte
    wie trockener Sandstein. Eine Burg, ja,
    wenn man die Regeln der Zeit beachtet. Jedes Konstrukt
    haucht sich selbst das Leben ein durch seine Form. Auch
    wenn ich versucht war, dem ganzen zu entschwinden,
    gehörte ich doch den gesetzlosen Schimären an, die nicht
    wissen, was sie tun und deshalb das richtige tun. Ein Entzug
    des Beinahen, ein Entzug vom Beinahen,
    vom Nahenden, dem Nahenden also auszuweichen –
    das alles tat ich, indem ich mich nach Ruhe sehnte.

    Doch die Sterne hielten mich wach. Sie glitzerten
    wie feuchte Augen, und einem solchen magischen Blick
    konnte ich mich noch niemals entziehen.
    Wer mag da draußen seine Runden drehen,
    ungesehen in der Dunkelheit, der Tiefe von Kavernen?
    Man sieht ihn nicht, sieht nicht, was sich unsichtbar
    bewegt. Etwas bewegt sich unablässig um das Haus. Es
    poltert nicht oder knurrt. Kein Gras knickt unter Hufe, kein
    Atem bräst über fremde Lippen.
    Nichts.

    Ich erhob mich von der Chaiselongue und sah mich
    in der Kammer um, in der alle Dinge tanzten. Sie
    bewegten sich nicht, aber sie vibrierten, wie alle
    Dinge, die eine Nachricht brachten. Auch sie
    zog es zum Sternenlicht, von dem sie munter und
    halbschattig begünstigt wurden. Nun war der Teekessel
    auf meinem Stövchen das einzige Ding, mit dem ich
    ein Gespräch beginnen konnte, vor allem
    um diese Uhrzeit, wo mir doch alle anderen Utensilien
    versuchten, einen Bären aufzubinden.

    Du reflektierts den Schein, sagte ich. Wie
    meine Augen auch. Glaubst du
    denn nicht auch, das Licht sei gekommen,
    um uns einen Weg zu bahnen in
    unbekanntes Territorium?

    Ich würde etwa fünf Minuten warten müssen,
    bis sein Wasser kochte und er eine
    pfeifende Antwort geben konnte. Derweil
    zählte ich die Schnecken in meinem Gesicht, die dort
    nach etwas suchten, das ich unter dem Teppich
    versteckt hielt. Ich hielt es vor ihnen geheim,
    denn falls sie auf die Idee kamen, unter den Teppich zu schlüpfen,
    um danach zu suchen, bestünde die
    Gefahr, dass ich sie zertrat.

    Als das Pfeifen den Raum erfüllt und Dampf aufwallte,
    stellte ich mein Gehör etwas nach rechts, fand
    erst nicht die korrekte Frequenz, konnte dann
    aber die Antwort meines Kessels klar und schwebend
    in diesem kargen Zimmer vernehmen, indem ich nun
    seit neun Jahren darauf wartete, dass
    sich ein Weg zurück fand. Das Sternenlicht war
    sicher ein neuer Hinweis, doch der Kessel spottete nur.

    Ich koche und kühle ab. Was außen schimmert
    erblickt in mir nur verkalkte Reste, so wie du. Ich
    kann dir dienen, du mich wienern, du trinkst Tee und
    ich pfeife dir die Bereitschaft einer Jahrhunderte alten Gabe.
    Aber im ausgeschenkten Wasser
    steckt immer auch ein Teil von mir selbst. Mit
    Lichtern bin ich weniger vertraut.

    Nun stolperte ich über die Heringe eines Zeltes,
    das nie aufgebaut worden war. Ich ließ sie liegen,
    damit ich mich daran erinnerte, dass es einst eine
    Welt gab, die ein Draußen kannte. Schwimmende Räume
    ohne Wasser sind instabile Gefährte, sie navigieren
    auf unbekannten Bahnen. Der Tee
    schmeckte wie Stroh, alt und trocken.

  • Der Brunnen der Yoni

    Denkst du noch daran, wie du deine Kleider ablegtest, danach dein Höschen wieder anzogst, einen Ohrring herausnahmst? Du zerrißt das Höschen, bis du nur noch den Hosenbund trugst, von dem eine Triangel hing. Du sahst, wie etwas aus dem Meer gekrochen kam und dich musterte, was dir nicht unangenehm war. Du wolltest einen Brunnen graben und brauchtest jemanden, der dir dabei behilflich war.

    »Kennst du dich damit aus?«

    »Natürlich kenne ich mich damit aus, du hast doch gesehen, woher ich gekommen bin!«

    »Das ist nicht dasselbe! Das Meer, das wurde nicht gemacht, das hat niemand geplant.«

    Der große Frosch war anderer Meinung und teilte es dir mit, würgte eine Fliege hervor, würgte noch eine Fliege hervor. »Hier«, seine Zunge deutete auf die schwarzen Punkte im Sand, »hier ist die Mitte des Brunnens.«

    »Ich sehe sie«, sagtest du. Ihr begannt gemeinsam zu graben, es veränderte sich nur das Wetter. I went down to the crossroads, try to flag a ride. 

    Du lernst kennen und du vermisst; die eigentliche Art bleibt dir fremd. Du kommst gut nach Hause und schlecht aus dem Haus, ein Luftspuk, wo immer du bist. So zittern die Stunden, die Jahre vorbei, ein Traum ist so gut wie der nächste, die rührende Nähe der Wünsche vertreibt die Scheu, sich allein im Spiegel zu betrachten. Du gingst (später) in die Stadt der Schenkel, kamst über Haut gepilgert, die wie Sand ihre Formen verändert, gingst zum Brunnen der Yoni und wusstest nicht mehr, was du vorher wusstest.