Die Einsamkeit langer Distanz

Diese Allmacht der Augen; ich sehe mich wie folgt darin um: Donner rührt sich trocken. Nicht eingreifen in das Wahrscheinliche, das Wunder fordern, unverstehbar bleiben, Menschen auslachen, 1 Pudding kochen, während man sich von fern betrachtet. Zur Baba Yaga gehen auf einen Trunk, aber auch wieder fortkommen. Jede Sprache hat ihr Wort, da ist das Wort selber zur Sache geworden, sagt Hugo Ball. Heute am 14. Juli 1916. Omelette. Wichtig: Eier vor dem Mehl, die Füllung mit Pariser Champignons. Wir können sagen, was wir wollen (das ist das Eigentliche), die einen kümmert’s, die anderen kümmert’s nicht (das ist das Eigentliche), der eine sagt’s der andere hört’s (das ist das Eigentliche), von Mund zu Ohr (das ist so eigentlich). Da zittert die Luft vor lauter Gesagtem und eigentlich ist das gut gesagt. Kotelett erinnert den Speiser an seine urzeitliche Neigung, das Fleisch gleich aus dem lebenden Tier zu beißen, sehr umständlich diese Situation: dem Ren hinterherrennen, versuchen, es mit einem Brandeisen vorzugaren, noch im Laufschritt (das Kotelett macht es uns einfacher, hält still). Der Knochen stimuliert einige tiefe Stellen im Großhirn, im Primitivhirn, im Althirn klar: im Meisterhirn, im Sündengrau.

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    »Was machst du da? Du durchwühlst doch nicht etwa Schubladen?« Ella stand an der Tür und hatte festgestellt, dass sie verschlossen war, dass Maltes Eisenbahner-Wohnung einer Festung glich, denn auch die kleinen Fenster ließen sich nicht dazu bewegen, eine Verbindung nach draußen herzustellen.

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  • Aus den Brunnen

    Geschrieben von A. Anders

    Wir haben verwahrt, aufgebahrt und hergerichtet.
    Die Tische. Die Stühle. Auf den Tellern
    die Masken. Die gelösten
    Zungen im Glas. Nun ist dieser Raum
    offenen Mundes
    für immer zu schließen.

    Nackt und uneingeladen
    steigt aus den Brunnen
    die Wahrheit mit ihrem Reisigbesen.

  • Ein Eintopf voller Rätsel

    Das ist alles, was wir spüren: diese Erde, dieses alte Fleisch, durch unsere Fußsohlen bis nach oben, wer weiß, wohin.

    Die Schlangenenergie, die sich das Rückgrat hinaufschiebt, Hitze aufstaut, auch auf dem kühlen Boden, auch auf dem nassen Boden. Ihre Täler sind unsere Täler, wir füllen den Raum um ihr Humus-Rund herum mit aberwitzigen Geschichten, mit hohen Sprüngen und einer Menge gebrochener Knochen. Das einzige, das am Abend übrigbleibt, sind gewaschene Füße. Von den Spuren im Haus bleiben nur die Abdrücke vor der Tür, die sich bereits mit Wasser füllen, einen Trog formen, aus dem die wilden Hunde trinken, die man gerne irrtümlich im Abendnebel für Wölfe hält. ›Sauhundgrausen‹ ist das Wort für dieses Wetter, den ganzen Tag überschwänglich schön und am Abend so, als schütteten sämtliche Dämonen der Umgebung ihren Eintopf auf die Straße. Einen Eintopf voller Rätsel.

    Der Himmel zieht sich zusammen, es brennt lichterloh in fetten Farben. Sebastiana ruft: »Adam!«

    Es wird regnen, es wird donnern, es wird blitzen. Adam ist hinausgegangen, er ist unter den Himmel getreten. Das Gras im Saft, die Welt im Wachstum, die Wolken abgerissen, herausgeschleudert aus dem Teig, der in der Erdschüssel gärt. Die Erde eine Schüssel, kein Kreis, keine Kugel, kein Ei.

    Man hört es schon. Ein mächtiger Gott trampelt die Stufen hinunter und schlägt die Türen zu, saugt seinen Blasebalg randvoll mit photosynthetischen Abfällen, atmet aus. Wind zieht auf, die Blätter twisten. Äste schlagen um sich, zürnen ihren Stämmen. Blumen verneigen sich, rot, gelb, blau. Adam hört : »Adam!« durch den Muttermund formuliert.

    »Sieh doch, Mutter, ein Gesicht!«

    Die Wolken malen, was sie wollen. Du wirst nass, die Wäsche wird nass.

    »Komm rein und bring die Wäsche mit!«

    Als ob ein Hammer auf die Bergkämme schlägt, ein Meister der Skulpturen. Wer hat dieses Bild in den Himmel gemalt, wer hat so ein Antlitz je mit eigenen Augen gesehen, vom Feuerrot umzingelt wie die wunderliche Walküre, die dem Einen harrt. Der Wind bläst die Laken vom Gestänge, pfeift polyphon auf allen Flöten des Pan das Lied einer Begegnung. Die Mädchen holen Wäsche ein und decken Töpfe zu. Die Gärten werden abgesperrt, die Läden schon geschlossen. Nur Adam kann sich nicht lösen und sieht zum Himmel auf, erblickt dort seine Vergangenheit. Er ahnt etwas für seine Zukunft. Das Gesicht hat Bestand, auch wenn alles andere flüchtet. Sebastiana bewegt stumm ihre Lippen, wie vor seiner Geburt, die Lippen: »Die Wäsche wird nass und du wirst nass!«

    Am 25. Januar 1788 erhielt der Feldjäger Geyer den Auftrag, mitten im Winter bei tiefstem Schnee die Jagdtrophäen von Kaiserhammer über Bayreuth nach Triesdorf zu bringen. Auf mehreren Schlitten hatte er 77 Hirschgeweihe mit holzgeschnitzten Köpfen und silbernen gravierten Schildchen.

    Adams Notizbuch:

    Die Romantische Zeit: Ich möchte sie mir gerne vorstellen als den sensiblen Aufbruch des Geistes, der sich seiner Fesseln entledigt. Mir selbst ist das Licht der Gegenwart zu grell. Man geht bekleidet vor die Tür und kehrt völlig nackt zurück, weil die Umgebung mächtig gefräßig die Plünnen abreißt. Wenn man dann in ein Gemälde hineingehen könnte, Farb-Äste beiseite beugen (ein wenig ducken muss man sich schon, ein wenig in die Farbe tauchen). Rascheln alter Pinsel, die niemand mehr führt. Die Bewegung nur eine mathematische Gleichung. Ich bin eingeplant, ein X, eine Rune, Klamotten, die im Bild ich trage. Oder ich denke mir: Wenn ich so einen Garten hätte, in dem die Blumen zur Erdmitte hin wachsen, müsste ich niemanden absorbieren, um dieses Dorf zu konservieren.

  • Schlitter

    Die Straßenlaternen haben zugenommen
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    Um dabeizusein wenn alles zusammenbricht
    Oder nicht
    Es wäre ohnehin so weit gekommen und die
    Altertümlichen Schreine, die tagein tagaus mit der
    Post versendet werden ohne je wirklich anzukommen
    Meist stehen sie als Herde zusammen um
    Eine alte Badewanne herum der Tradition wegen zwischen
    Bohnenranken, die hinauf führen in unbekanntes Blau

    Wir hörten der Welt beim Angeln zu, so mancher
    Fisch ist hier zuhause und arbeitet seinen Schuppen entgegen
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    Aber ohne Dampf waren auch die Drüsen machtlos
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    Taucht ein solches Fest zu keiner Zeit auf
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  • Regen in der Stadt

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    der Wetterbericht, der Sturm nicht angekündigt, der sich über Mülleimer hermacht, wie ein zorniges Kind Zweige von den Bäumen der Alleen bricht und die herabstürzenden Tropfen in jeden Winkel wirbelt, wer in den Betten liegt
    – Es geht etwas vor
    wird durch das Trommeln gegen die Fensterscheiben und heruntergelassenen Rolladen dazu ermuntert, sich tiefer in den Schlummer zu begeben, niemand wagt sich um diese Zeit freiwillig nach draußen, sag es mir, wo bist du gewesen
    – Wo gehst du hin
    wenn du dich aus dem Atelier schleichst, wenn du
    (wie ich weiß)
    im Werkzeug wühlst, was uns trennt, was uns noch nicht trennt, die Nacht das Zepter in der Hand, wie es aussieht, wird es einen neuen Tag nicht geben
    -Ein Traum
    wenn es gut geht, läuft es auf ein Unentschieden hinaus, die Sonne brennt ein diffuses Licht in die Schwärze, ohne sich auch nur einmal sehen zu lassen, das Ergebnis ist ein nebelverhangener Schleier, der wie eine Glocke über allem hängt
    (kein Traum, sondern)
    niemand ist da, um die Gestalt in dem knöchellangen Mantel zu beobachten, die dem Wind trotzt, ihre linke Hand faßt den Kragen enger, als würde sie sich selbst würgen, die rechte trägt einen hellen Ballon, torkelnd kommt das Wesen, sich weit nach vorne beugend die Straße entlang, hält im Torbogen kurz inne und müht sich weiter zum Rain, seit 1478 das Festgelände, dort findet es, was es sucht
    – Da geht etwas vor sich und du wirst mir nicht erlauben, was es ist
    (einen Pfahl, an dem noch lose ein paar Drahtreste hängen)
    der Draht ist unwichtig, aber auf dem Pfahl soll das Ding, das der Mann mit sich führt, seinen Platz einnehmen
    – Sei ruhig, sei wieder ruhig
    vereinzelt tropft immer noch Blut aus dem abgeschlagenen Kopf, rinnt durch den Regen begünstigt das Holz hinunter als er aufgespießt wird
    (werden es morgen wissen)
    der Umfang des Pfostens ist wie eigens dafür geschaffen in den abgehackten Hals zu gleiten, kurz betrachtet der Unheimliche sein Werk, nickt
    (und das Haus hat Schaden genommen)
    und schlenderte an der Unteren Mühle vorbei Richtung Rotmoos, wo er verschwindet
    – Es geht etwas vor
    – Was denn
    sei ruhig, es war nur ein Traum, ein Traum, der dich einlud, vor die Türe zu sehen, aber da war nichts
    – Aber es geht etwas vor
    – Aber da ist nichts, nur ein Wetter
    nur das Wetter gegen das Haus, alter grober Wind, was bläst du so stark
    (alter grober Wind)
    wie eine übermütiges Kind