Torotto

Ein wirklich hervorragendes Gift
ist dieses junge Spezialgift, wie
ein Welpe schaut es dich an,
Geräusche jenseits der Datenbank.
Gehörnte Schnecken : auch das ist ein
Fingerzeig für etwas Anderes.
Und so schließen wir mit einem
deftigen Duft und singen.

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    Die Nacht –
    manchmal glaubt man, sie sei ein lebendiges Wesen. Sie bewegt sich, und wer ständig in Bewegung ist, hat etwas zu verbergen. Woher sollte diese Rastlosigkeit sonst kommen? Aber lassen wir die Nacht in ihrer bizarren Formlosigkeit verharren. Sprechen wir lieber von dem, was sich in ihr befindet – oder hinter ihr.

    Die Nacht
    ist ein Zauberer, gleichzeitig ist sie der Theatervorhang, der sich hebt und die Scheinwerfer auf das fallen lässt, was sie auf der Bühne schon vorbereitet hat. Wegen ihr kommen die Zuschauer in Scharen, wegen ihr zahlen sie jeden Preis. Die Nacht spricht durch Symbole, nie benutzt sie ihre eigene Stimme. Sie imitiert Ängste und verdrängt Gelüste.

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    Nur die Steine sprachen miteinander. Fünfzehn Stufen
    lagen vor mir, und die erste fand ich hell erleuchtet.

    Nebel, die Stufen aus Knochenmark geformt, in der Mitte schwielig,
    Braun zurückgelassener Fußabdrücke, Dornenstaub darüber,
    Gestalt des Wahnsinns.

    Hört auf, mich zu halten, Skelette!
    Würmer kriechen aus euren Mündern, an den Kiefern kleben
    niemehrkauend gelbe Zähne, Knochenhälse recken aus dem Morast,
    Mooszyrrhose. Man krönte mich zum König,

    man hängte mir geräucherte Würste um den Hals,
    man baute mir ein Bett aus Gammelmais und Daunen,
    dreizehn Nymphen, kleiner als ein Daumennagel, putzen meinen Körper.
    Prinzessinnen wollen saubere Kandidaten.

    Kraft meines Amtes
    darf ich entscheiden, wem man heute die Augen aussticht,
    ich entscheide mich für einen Bankier,
    der Augensaft, die Tränke der Nymphen;
    das Geschrei des Sterbenden wird untermalt von Pauken,
    bucklige Glöckner schwingen den Klöppel.

    Ich bin der König der Skelette, ich bin
    der gesäuberte, bezirzte neue König, werde in Plasma gebadet
    und besteige hierzu eine gusseiserne Glocke,
    meine Augenbrauen verfärben sich rot.

    Der Fremde blieb fremd, tastete nach seinem Hals:
    »Verzeihen Sie mir, ich suche eine Inspiration und weiß nicht, wo ich suchen soll!«

    Sitzt an meinem Tisch und beobachtet mich
    mit Zonulafasern, Linse, Augenstiel.
    Beinahe hätte ich ein Lied daraus gemacht: Oh Zonula Augenstiel,
    Netzhaut, Binde-hau-tsa-hack!

    Er beugte sich über die Schreibmaschine (Hermes Baby),
    roch nach Moschusdrüsen und Schweiß, und bellte,
    die Lippen straff geöffnet,
    künstliches Loch, die Zunge wie ein Rollmops;
    als wisse der, wer ich bin.

  • Der Hexenschuss am Abend

    Es ist die dritte Nacht, in der mich die Poltergeister drangsalieren. Heute war es die Hexe mit ihrem Hexenschuss (wahrscheinlich habe ich mir einen Nerv im Steiß eingeklemmt), so dass ich bei jeder Drehung aufwachte. Als ich schließlich den Abort aufsuchen musste – ein Drang, der weißgott nicht zu ignorieren ist, will man überhaupt noch ein Auge zutun – kam ich nicht in die Höhe. Nach einer Viertelstunde hatte ich mich zumindest an der Bettkante aufgesetzt. Es gelang mir, mich in die Küche zu schleppen, um etwas Voltaren aufzutragen und siehe da, es wurde zumindest in der Weise erträglich, dass ich mich Bewegen konnte.

    Tagsüber war davon überhaupt nichts zu spüren, das Flanieren über den Flohmarkt an der Allgäuhalle war sogar wieder sehr ertragreich. Drei Plattenstände abgegrast und bei jedem fündig geworden. Selbst Raritäten wie Larry Coryells The Restful Mind waren zu finden. Eine wirklich erstaunliche Entwicklung für Kempten.

    Selbst ein kleines Spitzweg-Gemälde fand seinen Umschlag. Der gute alte Biedermeier-Stil – hier der „ewige Hochzeiter“, was ja nun wirklich kein unbekanntes Gemälde ist. Interessant ist die Rahmung, die aus alten österreichischen und schweizer Abbruchhäusern aus dem 16ten bis 19ten Jahrhundert rührt und zusammengesetzt wurde. Leider ist das Gemälde nicht komplett gefasst, sondern nur die Blumengabe an der Treppe. Natürlich ist ein Begriff so gut wie der andere; wenn man bedenkt, dass der Biedermeier vor dem „Realismus“ angesetzt war – eine Epoche, die im Grunde zur Verlogensten überhaupt gehörte (was der Name „Realismus“ ja schon aussagt), ist es kein Wunder, dass in permanenter Unstetigkeit ein Elysium aus Behaglichkeit auch heute noch bei empfänglichen Menschen durchschlägt, vor allem deshalb, weil sich heute mehr das Irrationale und völlig Menschenverachtende des Realismus durchgesetzt hat.

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