Ich bin auf der Suche nach dem Seltsamen. Das Leben, die entblößten Träume… oder mehr noch : der fehlende Sinn, der nur dann fehlt, wenn er wirklich fehlt und nicht etwa wenn es ihn gar nicht gibt.
Dieser Baustein, der beweisen könnte dass die Schöpfung eine runde Sache ist, alles eingerastet und läuft wie geschmiert, wir haben die Vernunft doch tatsächlich als solche erkannt, hurra.
Die Gebäude und Räume können nur von einer Seite aus betreten werden, eine Auswahl fällt daher leicht. Im Innern aber stecken die Möglichkeiten einer ausgedehnten Traumwanderung, die
– wie eine gute Geschichte – irgendwo anfängt und irgendwo aufhört. Das Vorher und Nachher ist nur als Potenz vorhanden, aber es wiegt schwer in seiner Nichtausgesprochenheit.
Das Leben, die entblößten Träume…
Das Seltsame hat einen anderen Grund als das Gewöhnliche zu konterkarieren, es führt seinen Tanz in Stille aus und ist präsent wie ein Bild, das von einer ruchlosen Hand überpinselt wurde, in der Annahme, niemand würde kratzen oder schaben oder sich fragen, warum die Farbe derart monströs aufgetragen wurde, ob sich da nicht ein Geheimnis finden ließ bei der Entscheidung :
Welches der beiden Kunstwerke soll dem Vergessen in den Rachen geworfen werden? – von denen eins vielmehr ein quasi-Kunstwerk ist, mit einem quasi-Dasein.
Zerstören wir das Sichtbare für etwas, das wir nicht kennen – und wäre ein Vergleich nicht ohnehin töricht? Eine Skizze ist der erste Beleg für die Dauer, denn solange immer alles möglich ist, vergeht kein Gedanke ungedacht.
Die Hochzeit: Schlitten, die auf Rädern die Kufen nachstellten, schneelos den Asphalt berollten, klingelten herbei, schön geschmückt mit Glöckchen und Glocken und Bändchen, schöner gar als die Jungfern trugen. Hypnose ist kein Schlaf sondern ein Wachzustand. Achatne Kugeln pilgerten die künstlich angelegten Gartenwege entlang, die allein dem Zweck dienten, die Braut für fotodokumentarische Zwecke dort entlang schweben zu lassen, wenn sie denn eintrifft (sie scheint sich zu verspäten). Aus Wasserspeiern pinkelt goldeingefärbtes Wasser, das in reichverzierten Auffangbecken glitzert.
Ich hatte mich am Denken gehindert und stopfte alles in mich hinein, das mich an ein Zwiegespräch erinnern könnte. Es war wie ein Frieden, auf einmal war Frieden. Mir sollten die Tage nicht lang genug werden, denn die Dämmerung zog früh schon heran. Ich genieße die Beschreibung, aber ich selbst fülle nur die Korridore aus, nie die Zimmer. Ich bin noch keinem Leuchten begegnet, das mir nicht auswich. Es liegt das Fremde nie weit entfernt, es setzt sich in der Nähe an den nächsten Tisch. Und an den nächsten. Es kann alle Fassaden erklimmen und in allen Gläsern zuhause sein, so lange man nur nicht weit entfernt erspäht werden kann.
Ich könnte mich hinabwinden in die Katakomben von Paris, die dem Schlund der Hölle entsprechen. Ich werde nicht ankommen in meinem verlorenen Paradies, aber wenn ich dort eine kleine Bastion in Form eines Appartements hätte, mit Licht und einer gemütlichen Uhr, die nicht nur den Staub vertreibt – die finsteren Momente wären nur noch Willkür. Ich dürfte nur nie versuchen, wieder an die Oberfläche zu kommen, denn der Weg wäre mörderisch und führte direkt in den Wahnsinn.
wo ihr jetzt zu den Windmühlen gelangt & die Wassermenschen jagt mit Sonar verachte ich euch tiefer, wünsche euch die Schrecken jedes einzelnen Fluchs jeder einzelnen schwarzen Gallsaft=Lippe aller Zeiten alle Qualen
es ist der falsche Jasmin, der diesen Wachtraum verursacht, in dem die Erkenntnis steckt, daß der Mensch in seiner Seele eine Welt vergangener Existenzen trägt
vom fetten Wahn wie Trauben springen ein ausge- peitschter Wurm peitscht hinternlästig nie näher an den Traum, man gelangt nie näher hin zum Staub
Jemand trat aus der Wand, und ihm war es nicht anzusehen. Wäre es nicht möglich, dass die Lichtfelder, die uns beständig umkreisen, aus den Schalen kleiner Flusskrebse gewonnen werden? Das Inventar wird zu jeder vollen Stunde geflutet, die verstreuten Symbole nehmen wir beim Verlassen des Raumes vorsorglich mit uns, der Eintritt in den Tag ist frei; das Geländer entlang, aufrecht in Etappen – wenn du auf das Wasser deutest, beruhigt sich nicht nur das Bild von all den eingezäunten Stränden, auch die Hiebe gegen den Türstock werden leiser, denn jetzt kann man durch alle Hindernisse schreiten, für den heimlichen Besuch haben wir nur Wein eingekauft.
Für wen sind all die Gruben nützlich, von schwarzgrauen Blumen berankt an der Südseite einer Schneise hangend, barfüßige Gräfinnen zogen dort ihre nimmermüden Kreise, Ausschau haltend nach den Dingen, die vom Tal zu ihnen hinaufwehten und in einem Korbgeflecht gesammelt an die hiesigen Gräser verfüttert werden konnten, solange die Schlappen im Gartenhaus an der Grenze zum Nichtmehrsein verblieben. Andersherum wäre das Ärgernis verströmter Nächte untragbar geworden. Die Lüfte eigneten sich kaum dazu, mit ihnen eine Unterhaltung zu beginnen, eingesackt und versunken änderten sie ihre Lebensansichten mit einer Unvorhersehbarkeit und einem Takt, der nicht zu tanzen war.
Wie immer auch die Giraffe in den siebten Stock befördert wurde, konnten wir nicht erkennen. Von außen erschien das Gebäude wie aus Regen gezimmert und mit Schiffsplanken verblendet, was allerdings später geschehen sein musste. Die Zeitfolge versprach uns eine Beobachtung sonderer Güte, doch als wir ankamen, stolzierten bereits behütete kleine Zauberer auf dem Boulevard und kein Geld dieser Welt hätte ausgereicht, die prachtvolle Straße zu überqueren. Die Aussichtspunkte wurden bewacht von hohen Tonnen, bewaffnet mit je einem Arm aus der Werkstätte des großen Doktor Faust. Hinter den Türen standen Mäuse, die sich im Vogelsang übten, und unsere Ohren waren nicht vorbereitet auf das Gezeter dieser anscheinend so filigranen Entourage.
Die Aufzählung einiger Banalitäten versandete, während der Druck der imaginierten Leitungen dem ein oder anderen zu Kopf stieg. Sorglosigkeit hatte es sich mit weiten Ärmeln bequem gemacht und nur die Verschwiegenheit der Wolken gewährleistete eine Ansicht von oben. Dennoch trieben die Baumstämme in diesem abgenagten Fluss und erkletterten das Land, sobald man sie brauchte, um einen neuen Wald zu geben.
Es war kein weiteres Gedeck nötig, denn sie wussten, was alle wussten: Der Tagtraum zog nach Norden, von wo er einst gekommen war. Man erzählte sich, dass der große Abgrund mit seinen erhabenen Metaphern nicht mehr so schön anzusehen war wie in ihren Kindertagen; eine Vermutung, die den Anwesenden viel Leid ersparte, aber nicht, wenn man alles wissen wollte und dazu bereit war, all das zu erwähnen.
Die Lebkuchen gaben ihre angestammte Position auf, verließen die senkrechte Seite des Hauses und kullerten auf den Steg, an dem die unförmigen Objekte festgetaut auf Nachzügler warteten. Sollte der Zeitpunkt gekommen sein, würden sie erneut hier stehen und Ausschau halten nach dem Glück, einst heimisch in ihren ausgelaugten Taschen. Es gab ein Gesetz, das Wanderschaft verbot, und wer sich daran hielt, bekam statt welker Blumen eine neue Disziplin zugeteilt. Die Körper wurden straff durch fein gemahlenen Marmor, die Rezepte standen in hölzernen Lettern unter den Dielen, graviert mit ungehöriger Tiefe; oft fing sich das Wasser darin und versuchte, noch vor dem Morgengrauen zu entkommen.
Von der Geschichte geht der originelle Trick aus, so zu tun, als wäre sie nicht das Paradebeispiel des Fiktiven; als Zeuge ist sie vielleicht hinfällig, ihr Argument liegt jedoch darin, überall dort aufzutauchen, wo man Doughnuts im Zehnerpack für einige wenige Groschen ergattern kann. Die Fahrt dorthin wird unterbrochen durch sanfte Flugangst, die sich mit musikalischer Unterstützung steigern lässt. Wer die Erfindung der Momente einfriert, wird wissen, wohin er sich zu wenden hat, wenn das angereicherte Material zur Debatte steht. Mit einem Verrat kann immer dann gerechnet werden, wenn sich die Summe aus wenigen Teilen zusammensetzt, die sich in Nähkästchen verstecken lassen.
Beim Gehen verlor sie einen Schuh, der sich silber glitzernd von ihrem Fußschiff löste und augenblicklich erhob, um auf ein gesprenkeltes Hausdach zu schweben. Obwohl ihr Gang jetzt etwas läppischer war als zuvor, erreichte sie die anvisierte Kreuzung noch vor der Zeit, die ihr zur Verfügung stand, drehte sich mehrmals im Kreis und löste sich dann in ihre Bestandteile auf. Aus geöffneten Fenstern entwichen die Gerüche einiger Kochkünste und versammelten sich an Ort und Stelle. Der Tumult hatte längst auch die geheimen Nischen erreicht, ob sie nun überdacht waren oder nicht. Das Pulver, das daraus entstand, genügte den hier lebenden Nasen für ein weiteres Jahr ihrer Effizienz. Ihrer Beschleunigung war es zu verdanken, dass die Kassen gefüllt und das Trapez mit dicken Schnüren gespannt blieb.
Die Art und Weise wie eine Wand zurückstarrt, sollte in nocturnen Untersuchungen festgehalten werden. Zunächst mag die Freude ungetrübt sein, die Wand vor unliebsamen Zusammenkünften schützen; man gibt sich eifersüchtig, wenn sie sich ihren freien Tag nimmt, um einmal in der Woche den Tango der Argentinier einzustudieren. Doch dann beginnt das Unwohlsein wie ein verkannter Spruch tief in den Eingeweiden zu rumoren. Man möchte sich erheben und einen Schürhaken schwingen, um der peinlichen Stille gebührend zu begegnen. Was man dann jedoch zustande bringt, ist kein nennenswerter Gesichtsausdruck, kein plötzliches Schluchzen oder Innehalten, man marschiert im Zimmer auf und ab und wirft verstohlene Blicke zur Vitrine.
Wer die Gefahr kommen sieht, kann durchaus noch die Hand ausstrecken, um das Seil, das zur Glocke führt, zu ziehen. Ein neues Zeitalter einzuläuten, sagst du, ist der richtige Zeitvertreib nach einer langen Nacht der Wunder. Doch das Gebirge, das sich nähert, das in all seinen Formen unnachgiebig danach trachtet, den Schlund zu verstopfen, wird nicht verstehen, warum deine Hand sich zurückzieht, um im Sumpf nach Machtmonopolen zu graben. Ein Schritt mag genügen, um über schönere Exemplare sprechen zu können. Du müsstest nur einmal da gewesen sein und zugesehen haben, wie das Schiff in schlüpfrigen Reimen davon sang, gegebenenfalls entkommen zu wollen. Die Melodie einzelner Takte verkommt auch hier zu einer reinen Schneelandschaft.
Meine Bitte war noch nicht zugestellt, als du die Dinge auf den Tisch legtest. Für heute waren wir fertig und zeigten uns gegenseitig das freudige Gefühl, das, gestaffelt, vor aller Augen einen glamourösen Morgen band, der gar nicht so kalt war, wie wir es besprochen hatten. Es stellte sich die Frage, was zu tun sei, wenn all das – diese mikroskopischen Sinne und Fürsprachen – nicht mehr dort zu finden wären, wo wir sie vermuteten. Gab es diesen latenten Kreis wirklich? Oder waren wir alle nur Teufel, gefangen in einem nervösen Rinnsal, das von aufgespannten Schuhen tropfte? Die Löcher waren bereits groß genug, um nichts mehr damit anfangen zu können. Es waren großartige Bilder, die hinter uns standen, aber ihre Sprache war neunmalklug, also ließen wir das Ganze einfach sein.
Als lebten wir in der Spirale mörderischer Weihen, als tauchte neues Leben in die blinden Statuetten, ausgefranst und mütterlich treu. Es käme auf den Versuch an, hinwegzutauchen, das Gras in seiner vollen Pracht auf den nächsten Sommer zu vertrösten, nur um zu erkennen, dass wir keine Rösser sind. Der Sternentrunk am Mittag, in ausgespülten Kelchen treibt eine neue Form der Reinheit ein Spiel mit unserer Wohlgefälligkeit. Das Biest steht stramm, nichts welkt in einer leeren Brust, erfindet stattdessen fremde Existenzen in rohen Augenblicken. Die Klänge wandern den Flur entlang, hinter uns her schleifen die Brocken abgehackter Stunden, denn sie wissen von unserem Schwur, zu verweilen.
Was ich auf der Straße sehe, sind durchgehangene Tauben. Im Licht eines unbekannten Spektrums leuchten sie, vom Knick ihrer Rollen ausgehend, wie ein Diamant, der im rauschenden Wasserfall eines Sauerbrunnens gefertigt, das Tarotbäumchen zur Demut zwingt. Ein gelbes Fieber wandelt, durch unzählige Manöver geortet, über die Schwierigkeiten einer losgelösten Schienenbahn, einst der stolze Besitz immenser Beschleunigung. Das Entsetzen teilt Wege, aber an oberster Stelle darf der Kronzeuge nicht fehlen, darf er kein Wort von dem verlautet lassen, was wir hier wagen zu besprechen. Es könnte sein, dass sonst die Stimmungen siegen und die feine Natur der Atempausen chronisch abwinken. Wir können das nicht wollen.
Ich erwache erneut. Es ist immer ein Wunder dafür verantwortlich. Manches davon erscheint mir wie eine Schallplatte – rund. Und dann befinde ich mich an einem anderen Ort, der wie ein Damm um mich herum gebaut ist. Manchmal denke ich an seinen Schutz, manchmal denke ich an eine Trennung. Die Welt hat ihren Zustand verändert, ist jetzt gasförmiger denn je.
Es gibt Menschen; zumindest glaube ich, dass es sich um Menschen handelt, wenn ich ihnen auf der Straße begegne und sie mich in ihre Einkaufstüten schauen lassen. Es schwebt mir noch immer dieses schwarze Ding vor den geschlossenen Augen, das eine Störung der Netzhaut sein mag. Noch einmal werde ich aufräumen müssen, die Gabeln müssen bei den Gabeln liegen.
Sie trägt ihr Kostüm wie eine Uniform, aus langweiligen Stoffbahnen geschnitten, eine Schürze. Die Schaufensternacht bricht herein wie eine Enterdregge, die in die Rahen haut, das weiße Linnen, das sich noch vor Stunden mit vor Stolz geschwelltem Busen gegen den Salzauswurf gestemmt hat, Wachablösung, Schichtwechsel. Aber dann läuft sie zwischen beleuchtetem Glas hindurch, für einen Augenblick der optischen Täuschung unsichtbar, unberührbar von echten Händen, kehrt zurück und öffnet ihr schwarzes Ungeheuer, in dem die Münzen liegen, die nicht ihr Material Wert sind. Sie steht da und ist ihm vollkommen zu Diensten, möchte jetzt den Verkehr mit ihm zu einem Abschluss gebracht haben. Ich bezahle Teile ihres Midnight-Blue-Nagellacks. Müsste ich mich entscheiden, welchen Finger ich ihr abschneiden würde, käme für mich nur der kleine infrage. Den Kaffee bezahle ich nicht.