Sprühkörper

Unser Wechselritual wurde erfolgreich absolviert. Wir begannen bereits um 18 Uhr mit der Flut an Bildern PLUS musikalischer Untermalung, und es war einfach, sich gegen 2 Uhr in die Liegestatt zu begeben. Das Donnern der Kanonen und Sprühkörper war diesmal ein eher astrales Schauspiel und nicht plump derbe wie in den letzten Jahren. Kempten ist eine ruhige Stadt, und das ist vielleicht der Augenblick, von einer Perle zu sprechen, die sich wohl von den meisten deutschen Städten abhebt, ohne dass es jemand von außerhalb bemerkt. Dafür werde ich heute noch in den Haferschleim tauchen und (wie gestern) in den Kartoffelkanon. Selbstverständlich gibt es die neujährlichen Versuche, verschiedene Änderungen einzuleiten (das Datum verführt stets aufs Neue). Wie will sich etwas ändern, wenn mir noch der Schweiß tropft? Durch einen saugfähigen Pyjama zum Beispiel, durch Tee, der den Magen durchläuft und ausspült, was sich in den Darmschatten verstecken möchte.

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    Turmzimmer zu Karstenfels (Re-up mit Bild)

    Ich muß erneut eingeschlafen sein. So viele Schlafe, da mag ein Schlaf getrost kein Schlaf sein. Schlaff natürlich wird der Körper, daher kommt’s; aufstehen, erschlaffen und so fort. Ich stecke im Hotelzimmer meiner Chimären fest, das vorzeitige Erwachen betrifft nur meine doppelte Existenz. Jede der beiden will die Oberhand gewinnen. Das könnte sich als wichtig erweisen, wenn es einmal darum geht, wer ich bin, wer ich heute bin, wer ich gestern war. Der Ausschluß anderer Existenzen ist der konsequente Wegfall vieler alternativer Möglichkeiten, aber die Existenz selbst ist so schwammig, daß jedes Philosophieren darüber nur ein weiteres Spiel bleibt, ein Zeitvertreib; jeder Gedanke an ein anderes Leben ein Schatten, der nie wirklich da ist, aber auch niemals ganz verschwunden; mauvaise foi.

    Unter verklebten Lidern befindet sich noch ein Rest der wirklichen Umgebung, eine dampfende Laterne, von Faltern umschwärmt. Da ist keine Erinnerung, nur eine trockene Kehle. Körperfunktionen halten inne, der Puls ist ein kleinwüchsiges Klopfen, die Säfte sind erstarrt, tief ins Gewebe zurückgezogen; die letzten Inseln lauernder Funktionslosigkeit. Bilder kehren mit dem Blut zurück zum Herzen, reisen mit Transferrin im Eisenbahnwaggon, Schubtore geschlossen, damit während der Langsamfahrt niemand aufspringen kann, Rucksack in die Ecke, Guitarre raus (ein Hobo!). Nichts gegen den King Of The Delta Blues Singers oder Steve Earle, wir aber reden hier von Gedanken, von Geschehnissen. Das ist kein Swamp-Soundtrack, das ist eine Geige, die sich Ritzen sucht. Da fällt durch, was sie ausscheidet, klagende, kratzende Diarrhoe.

    Das Licht spielt, wie es von jeher mit der Welt spielte. Planetenstaub, angebumst von koronalen Massenauswürfen, Tiktaalik rosea, der dann Affe wurde. Bettzeug, das nach barocken Liebeslagern muffelt. Die Zunge der Zeit hat hier mit fetten Zotten den frischen Geschmack in den Rachen befördert. Der Eindruck ist nur noch ein finsteres, oxidierendes Relief. Wo bin ich? Ich will nur meine Stimme hören, die mir der Katzenjammer zugesteht. Es gibt Märchen, da antwortet der Teekessel überschwappend der magischen Brühe : »Rauss mitt diiir, bevor man die Prinsesssin skalpiert!«

    Und ein Pferd tritt ein (Ah! es ist ein Friesenhengst, mit Hafer in den Ganaschen!), der junge Held von burlesker, ganymed’scher Schönheit tränkt seinen Körper im jetzt golden dahinfunkelnden Sonnenschein, der durch die Risse der garstigen Schwiegermutterscheiben taumelt. Dann ein recht merkwürdiger Name, sagen wir, Behroka, sagen wir, Behroka Espenlauba, die zitternd mit noch blonder Mähne im Turmzimmer zu Karstenfels ganz oben unterm Dach dem Einen harrt, der eine sehr, sehr durstige Kehle hat. Das Märchen beschreibt das runde, zugige, und von außen abgeriegelte Zimmer mit ein, zwei romantischen Paradesätzen, verschweigt die Bettpfanne, den stinkenden Essenstrog, erwähnt allerdings die Unmöglichkeit, das Gemäuer zu erklimmen. Viele haben’s schon versucht, hört man da, alle sind sie schauerlich deformiert und zerbreit an ihrem Leib ins Geisterreich gefahren.

  • Kleewald Robinson

    In der Staraba, einer Bar am Rande der Stadt, die bekannt war für ihre zwielichtigen Dienstleistungen – sogar eine Wochenzeitung gab man heraus, die gespickt war mit Kleinanzeigen, die ein Normalsterblicher nie hätte entziffern können – saßen Mention Handsome, der seine Frau umbringen lassen wollte und Carl Canal, der Chefredakteur besagter Wochenzeitung 23 Minuten vor der Sperrstunde am Tisch mit der Nummer 7. Die Zeitangabe ist nicht so wichtig, man sehe es mir als eine Marotte nach, die Tischnummer allerdings, die dürfen Sie sich merken, wenn Sie wollen.

    “Wenn du die Sache perfekt erledigt wissen willst, gibt es nur einen, den ich empfehlen kann: Kleewald Robinson“, sagte Carl.

    “Du weißt, dass ich so gut wie keine Erfahrung im Umgang mit … dieser Sache habe. Ich werde dir vertrauen müssen, auch wenn es mir nicht schmeckt.“

    Mention Handsome, der gerne etwas getrunken hätte, aber kein Geld bei sich trug, was er für die Zukunft zu ändern gedachte, befummelte die Tischplatte. Seine Finger hinterließen einen schmierigen Film auf dem Polymer.

    “Kleewald Robinson ist der, den du brauchst. Schlag ein oder lass es.“
    “Erzähl mir was über ihn.“
    “Hm. Das wird schwierig sein am Telefon.“
    “Telefon? Was für ein Telefon?“

    “Sagen wir so: ich fühle mich in deiner Gegenwart immer wie am Telefon. Und da rede ich nun mal nicht gern. Aber ich kann dich hinbringen. Vielleicht erzähle ich dir unterwegs, was ich weiß. Ich hol‘ dich in einer Viertelstunde ab. Ich leg‘ jetzt auf.“
    “Sag mal, Carl … übertreibst du das mit dem Telefon-Gefühl nicht etwas?“

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  • Ein ellenlanger Korridor

    Im Innern des Küchenflügels roch es nach Linoleum und warmem Holz. Die breiten Treppenstufen quietschten bei jedem Schritt, den Carisma und ihr Enkelsohn taten. Das Geräusch erfüllte auch jene Ecken des Gebäudes, die gar nicht bekannt waren, die sich in fremden Winkeln und Fluchten verschanzten und den Schall mit der Beigabe ihrer Existenz zurückwarfen. Etwas Nachdrückliches lag in dieser Architektur, die sie zu einem vergessenen Bruder des Brandenburger Tors oder der Bayreuther Schlossanlagen machte.

    Carisma atmete schwer, als sie die letzten Stufen erklommen hatten und inmitten eines Korridors standen, der hoch und lang in beide Richtungen floh. Unter einem Arm trug sie einen Wäschekorb aus Bast, in den sie beabsichtigte, einige wertvolle Stücke zu packen, die sich zweifellos unter den Hinterlassenschaften der jüngst verstorbenen Johanna befanden. Schon seit geraumer Zeit kam sie jeden Tag hier in den leeren Küchenflügel des ehemaligen Jagdschlosses, um das kleine Erbe zu sichten, zu verschnüren, und von Schmutz zu befreien, denn die Jahre lagen auf allen Dingen. Und heute wollte ihr Adam dabei behilflich sein.

    »Wenn ich es nicht besser wüsste … aber diese Treppe scheint jeden Tag ein paar Stufen mehr zu bekommen.«

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  • Tragetraum

    Es wäre falsch zu behaupten, die schwarze Galle kochte mir nicht über. Man entflieht der Welt nur durch Tod oder Wahnsinn, beides ist nicht so recht herzustellen, wenn das Vehikel dabei nicht beschädigt werden soll. Eine Perspektive könnte der Traum sein, den man so lange glättet, bis er sich leicht am Leibe tragen lässt.

  • Ich bin die Nacht: 12 Hohenner will die Augen

    Richard beachtete den vor Nervosität tänzelnden Roland nicht, als er einen einzigen Satz zwischen seinen strichartigen Lippen zerquetschte. »Das warʼs«, sagte er, als wäre eine langfristige Arbeit nun endlich erledigt. Dann stapfte er in seinen gumpelnden Gummistiefel, in die er die Röhren seiner braunen Latzhose gesteckt hatte, auf den Wendenschuch-Baum zu, drehte sich zu den anderen um, die sich nicht rührten und nur beobachteten, wie der Fliegenschwarm um seinen Kopf herum brauste und sich Richard Finner dadurch in den Beelzebock verwandelte. Ein von Schwärmen umgarnter Georges Gurdjieff (die Ähnlichkeit nämlich war nicht zu leugnen). Er befahl Erich, den Doktor zu holen, und das ein bisschen plötzlich, wandte sich dann seinem toten Sohn zu und achtete darauf, nicht auf das Gekröse zu treten. Dann zückte er ein Messer, das er in einer Lederscheide an seinem Gürtel hängen hatte und schnitt das Seil durch. »Und bring auch eine Schubkarre mit!«

    Statt vornüber zu kippen, rutsche Helmuts sterbliche Hülle ein Stück am Stamm hinunter und fiel dann zur Seite. Mittlerweile sah die Leiche aus wie eine Strohpuppe, wie sie immer im Mai vor dem Haus verbrannt wurde. Erich rauschte wütend davon, aber er widersprach nicht. Obwohl es nicht seine Angelegenheit war, stand ihm nicht der Sinn danach, eine Diskussion zu entfachen. Nicht in dieser beschissenen Situation, denn es gab da ein Geheimnis zwischen ihm und diesem Teufel, der den Honigpott besaß, aus dem er sich selbst schon bedient hatte. Er wollte nicht riskieren, dass er mit unterging, falls das alles einmal herauskommen sollte. Aber noch weniger wollte er riskieren, nicht mehr davon naschen zu dürfen.

    Trotzdem fand er eine Möglichkeit, seine Wut auf sich selbst zu mindern. Er entdeckte Roland, der immer noch hinter diesem Baum vor dem Trampelpfad stand und begierig jedes Detail in sich aufnahm, ging schnaubend auf ihn zu und schlug noch im Gehen mit der Faust ins Gesicht. Die ganzen zwölf Lebensjahre wichen aus Rolands Augen, als seine Nase in einem Feuerball explodierte und er zu Boden ging. »Du kommst mit!«, knirschte er, hielt aber nicht eine Sekunde inne, sondern marschierte den gewundenen Weg hinunter zur kasernenartigen Anlage, in der sie alle lebten. Roland rappelte sich auf und torkelte schniefend hinter seinem Vater her. Durch die Nase atmen war von jetzt an erst einmal vorbei. Gar nicht auszudenken, wenn das mit der Münze …

    Etwa zwei Stunden später tauchte Dr. Sebastian Hohenner mit einer Ledertasche auf. Der Hemdkragen schnürte in seinen wuchernden Hals hinein. Er blickte verdrießlich, als er ganz allgemein fragte, was hier eigentlich los sei. Manfred war unten am Feldweg geblieben, um zu verhindern, dass es noch mehr Zeugen gab. »Das waren die Wölfe«, erläuterte ihm Finner das Gemetzel. Hohenner blickte sich erst einmal um, wobei sein Blick an keinem bestimmten Ort verharrte. »Aha!«, sagte er. »Wurden sie gesehen, diese Wölfe?« Darauf antwortete niemand. »Was glauben Sie also, was ich hier mache? Haben Sie die Polizei verständigt?«

    Als wieder niemand antwortete, fuhr er fort: »Das habe ich mir gedacht.«

    »Wir wollten erst sehen, was Sie dazu sagen.« Richard kratzte sich am Kinn und blickte dann zur Fliegeninvasion hinüber.

    Die aus dem Gesicht ragenden Augenbrauen Hohenners sprengten nach oben. »Was haben Sie hier eigentlich veranstaltet? Am Telefon sagte man mir, es hätte einen Unfall gegeben, aber das da drüben sieht mir nicht nach einem Unfall aus. Soll ich es mir wirklich ansehen, was meinen Sie?«

    »Vielleicht können Sie ja den Totenschein ausstellen.« Richard begleitete den Arzt, dem sein wütender Blick angeboren schien, zur Esche, an der das Blut jetzt braun und festgebacken war. Der Gestank stand wie unter einer Käseglocke, aber niemand reagierte darauf. Einige Meter vor Helmuts Überresten entfernt blieben die beiden Männer stehen. »Was zum Henker?«

    Richard zuckte zusammen. »Das müssen die Wölfe gewesen sein!«, sagte er und wirkte dabei nicht wenig debil.

    »Das … scheint mir etwas abwegig, und ich glaube, Sie wissen das auch!«

    Im Hintergrund nutzte Roland die Gelegenheit, den Boden abzusuchen. Niemand achtete auf ihn.

    »Sehen Sie die Rostblättchen?« Der Arzt ging in die Hocke, zog einen Gummihandschuh aus der Tasche seines Wollsakkos und fuhr mit den Fingern an den Rändern der Bauchwunde herum. Richard sah ihn düster an.

    »Wie kommen Sie denn auf Wölfe?«

    »Wer sollte so eine Verrücktheit sonst veranstaltet haben?«

    »Erstens gibt’s hier keine Wölfe mehr, und schon gar nicht im Sommer, zweitens hantieren Wölfe nicht mit einer Säge herum, und drittens holen sich Wölfe nur etwas, wenn sie Hunger haben. Wer immer das hier getan hat, dem ging es nicht um Nahrungsaufnahme.«

    Im Traum ist alles Gegenwart. Jedes Erwachen zieht fürchterliche Konsequenzen nach sich. Die Elemente des Traumes pressen sich zu einem verschwindenden Punkt zusammen, drücken von innen gegen die Augäpfel, bevor sie, von Blutkörperchen aufgegriffen, in den Verdauungstrakt befördert werden, als wolle sich der Körper augenblicklich von aller Illusion befreien, so gering sie auch immer scheinen mag. Es sind nur Bruchteile von Sekunden, die darüber entscheiden, wo und wie man aufwachen wird, langgestreckt oder kauernd. Jede Nacht verändert die Struktur des Denkens.

    »Gut, von mir aus, aber die Bisse … «

    »Stammen von menschlichen Zähnen. Und die Zunge …« Hohenner fingerte in der Mundhöhle herum, gefüllt mit gestocktem Blut, als wäre Helmut an Schokoladenpudding erstickt. »Die hat jemand abgeschnitten und vermutlich mitgenommen, oder haben Sie irgendwo eine Zunge gefunden?« Hohenner erhob sich, wedelte ein paar Fliegen aus seinem Gesicht, und sagte laut, dass es auch Ludwig mitbekommen konnte: »Meine Herren, das hier ist ein Tatort. Ich kann hier keinen Totenschein ausstellen. Der junge Mann wurde ermordet. Will mir jemand erklären, was diese Seile zu bedeuten haben?«

    Es stank nach Senf, Mosterd, Moutarde, Mustard, den man in Dijon nicht mit Essig sondern mit unreifen Trauben bespritzt, den pubertären Reben, die aufgrund ihres Quotienten die Aufnahmekriterien zum Wein nicht erfüllen können.

    Richard tat sich schwer damit, von einem alten Ritual zu sprechen, von dem er selbst nicht genug wusste, das sich aber im Laufe der Zeit als praktisch erwiesen hatte, auch wenn man es kaum mehr nutzte. Die Zeiten der Moderne rückten immer näher und würden bald eine tote Erde hinterlassen haben, die niemand mehr düngt. »Das hier ist unser Sühnebaum, Hohenner! Hier regeln wir unsere häuslichen Angelegenheiten.«

    Der Arzt starrte Richard verblüfft an. »Aber das sind keine häuslichen Angelegenheiten mehr!Damit haben Sie jetzt ein Problem, bei dem ich Sie nicht unterstützen kann. Ich kenne derartige Geschichten natürlich. Wir sind hier sehr weit vom Schuss, wie wir alle wissen. In Hebanz hat vor Kurzem eine Mutter ihren Sohn mit der Zunge an der Tischplatte festgenagelt, weil der sich nachts aus dem Haus schlich, um Zigaretten zu rauchen, die er ihr gestohlen hatte. Ich habe ihn verarztet. Schwamm drüber. Aber das hier ist etwas völlig anderes. Das ist Ihnen doch klar?«

    »Wenn Sie es nicht ausplaudern …« Der Satz war kaum zu hören, so leise kam er aus Richards Mund. Manch gefährlicher Ton bahnt sich sanft seinen Weg.

    »Was?«

    Richard fuchtelte in einer hilflosen Geste mit den Händen in der Luft herum, als wolle er ein Bild dort malen. »Sie sind hier, weil wir dachten, Sie würden sich um die Angelegenheit kümmern, und zwar ohne dass wir hier bei Stahlnetz landen. Einen Totenschein wollen wir von Ihnen, in dem steht, dass mein Sohn von Wölfen angefallen wurde.«

    Hohenner sah ihn an, als hätte er völlig den Verstand verloren. Dann sagte er gefasst: »Selbst wenn es so wäre, wie Sie es wollen, müssten wir die Polizei verständigen. Bei jedem Todesfall übrigens, der einige Zweifel aufwirft. Herrgott, wissen Sie das denn nicht?« Dann warf er seine grimmigen Blicke auf Ludwig. »Und Sie? Sie wissen das auch nicht?«

    »Wir werden die Sache regeln. Aber wir müssen es auf unsere Weise tun«, sagte Ludwig.

    »Und was war mit dem Sturm 1971!« Richard verschluckte sich fast an diesem nahezu brutal herausgespuckten Satz. »Ramelow und dieser andere Kerl?«

    Der Arzt sah überrascht von einem zum anderen. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden Fälle etwas miteinander zu tun haben.«

    »Laut Frankenpost haben Sie damals gesagt, es handle sich um die Bissspuren eines Wolfes.«

    Hohenner seufzte, Luft ging durch seinen Körper. »Ich habe damals gesagt, es handle sich um ein Tier mit einer enormen Bisskraft, und das …« Er deutete hinter sich, »war verdammt noch mal kein Wolf.«

    »Sie wissen, wie viele Menschen in den letzten Jahren einfach verschwunden sind.« Richard wechselte offensichtlich das Thema. »Ich meine, interessiert das überhaupt jemanden? Das hier ist schlimm. Sehr schlimm. Aber wir regeln das eben auf unsere Weise.«

    Hohenner sah ein paar Minuten nachdenklich drein, hielt sein Kinn mit der rechten Hand fest und stakte, scheinbar tief in sich versunken, auf der Lichtung herum. Richard und Ludwig sahen sich an. Es war kaum zu merken, dass sich die beiden Männer spinnefeind waren. Der Arzt blieb abrupt stehen, richtete sich auf, klatschte in die Hände und sagte: »Also gut. Ich will die Augen!«