Das forschende Licht blinder Augen

In das vor den Stadttoren beginnende wallende Brachland einen Fuß zu setzen, ist nicht unmöglich, aber unbesonnen, denn dort nistet das Unheil, das von den Ausscheidungen der Steppengeister angesteckt in den Disteln laicht, die gelernt haben, ihre Dornen harmlos aussehen zu lassen, um dann mit irrwitziger Geschwindigkeit sich in das ungeschützte Etwas zu haken. Hier liegt das letzte Lästerland, und seine Kreaturen mutieren in den Köpfen der Reisenden und der hinter den Felsbrocken Verschanzten. Wohin die Reise geht, entscheidet sich in Träumen.

Das forschende Licht blinder Augen. Was derart wirklich über uns hingeistert sind Puppen-Tätigkeiten, das ganze Gewirr der Welt ein falsches Tun und Stümpern, keine Fakultät ohne niederste Saukunde, alles ringsum aufgemästet mit der widerwärtigsten Tortur des Lebendig-Losen, so dass ich mich frage: Wann starb der letzte Mensch und lebt vielleicht noch einer?

Warmer Wind fährt auf den Mauern, von oben herab glotzen Kälber auf den Zuritt und wissen nicht genau, wann sie zu lauten haben, denn auch sie erblicken nur den gestaltlosen Morast, der am Horizont nach hinten kippt, wo gleich einer auftaucht, der die Brunnen mit sich selbst vergiftet.

Es käme uns sicherer vor, in den Taschen zu forschen, in ihnen zu wühlen wie in einem Fleischkoben, ausgenommen von goldenen Forken aus dem Archiv der Schmuckschatullen des Schlosses. Was auf dem Tisch ausgebreitet werden wird, sollte nur mit dem Kinn über der Schulter besehen werden, mit dem Rücken zum daliegenden Torso, den Fußspitzen zur Tür (geöffnet ist sie eine Wucht gegen ritterliche Gebaren). Neid ungeschmeichelt die Flanken der übrigen Pferde, das Gift nähert sich auch durch die Luft.

Der Schatten nähert sich mit seinem Auslöser; keine Armee, die anrückt; das Wurzelwerk aller Tage und aller Nächte, noch zu weit entfernt, um die Unruhe zu einer Symphonie werden zu lassen. Doch er wird nichts anderes tun, als sich in jeden Bach, in jedes Rinnsal zu legen, zickzackicht, leise. Die grauen Torturen seiner Haut, die lotternden Schritte, das Kapital der Verrücktheit. Jetzt löst sich der Schatten, denn er will allein sein. Unter der Himmelsuppe keimt die Wildnis aufs Neue, rennt an gegen den schmatzenden Untergang. Wie viele Tage passen in einen Stundengang? Jetzt ist die Rache eine Bilderflut leerer Momente. Er würde sich in Bewegung setzen, um den Brunnen zu erreichen, aber er denkt sich ein blasses Kleid, das ihn beherbergt – und es ward, doch der Schatten trägt es. Ihn kleidete all das Verborgene, doch in diesem Gedankenstaat ist er weithin sichtbar, so dass die Kälber beginnen zu lauten. Pech fällt vom Himmel, aber nie hat eine schwarze Melange sich selbst das Fleisch von den Knochen geschält. Die Schritte verdampfen und können auch Jahrhunderte später nicht mehr rekonstruiert werden. Die Mauern verglühen und vor dem Fiebermann liegt der ersehnte Brunnen, die Wände hinunter kriecht er bar jeder Behinderung durch die Schwerkraft.

Schnabelratten krümmen sich in von der Wolle angereicherten Pfützen tiefer Kavernen; ihre tränenden, flitzlichtigen Augen registrieren die Ankunft einer willkommenen Entität und zersetzen die liebkosende Fäulnis unter ihren Bäuchen etwas langsamer als zuvor. Das Inner-Unterste bläht sich zu einer neuen Welt. Besprechen wir das ferne Geistern. Komm, besprechen wir das Wesen der Furcht; komm, wir verändern die Ansicht über die Worte, die Lautverschiebung der Zaubersprüche, die der Schlot, der aus deinem Kopfe ragt, weht durch entsetzlichen Gestank! Setzʼ dich zu uns und entschlüpfe deiner Haut! Wir beschreiben sie aufʼs Neue für dich, Fremdling, Todesbote!

Hirngedanken abgestaubt. Im Biss der Ruin, im Tanz die Wandlung der Fortbewegung. Im Entstehen deiner Sprache, die, aufgesaugt, eine fremde Transzendenz erfährt. Zwischen den Totenbarken wurdest du erschaffen durch Absonderung und Leid. Jetzt schlürfst du aus unserer Pfütze, dein Schatten aber durchdringt warnend die Bauwerke und befielt den Gespenstern, mit ihnen zu kommen. Todesbote! Bringer eines Anderen Todes, krüppelkleines Wehwehchen, verweile! Kälber rotzen von den Scharten und weihen damit die Passion deines abgestellten Herzens. Ich bin mit mir im Reinen, den Ratten, den Schatten, den bösen Wassern der Kavernen.

Deine vorbildliche Wut. Ich kenne deine Knoten. Bleibt ein Abbild von jeder erdenklichen Welt, ein Katarakt der Tragödien, in einem einzigen Brunnen gefangen, der dann die Welt mit seinen Wassern umspülte? Lose hängen die Staubwände von den Simsen, die herrenlosen Kälber tölpeln durch zerbrochene Fluchten, die Zierde ewiger Ausschau. Jetzt greift der Fiebermann absichtsvoll nach den Erzählungen seiner Furcht, sammelt seine Schwäche in den vorgewölbten Händen und lässt sie für immer los. Hinter ihm wiegt sich das Neuland vor den Bergen, die er nie besucht. Unser glückloses Schwärmen, in Bechern gehalten, flieht vor unserem Durst.

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