Die Viole mit dem Blut Luzifers

Wie hätte er es anstellen sollen, dass es so schnell vor sich ging, er neben ihr saß, die Hände unter allem, was ihre Haut bedeckte? Hast du den Gestank bemerkt? Du wirst ihn nie wieder irgendwo sonst entdecken; ihn zu beschrieben bleibt eine Herausforderung, zu erraten, was es ist, wird dich schlaflos zurücklassen. Ihr Postfach belief sich auf die Ziffern 1, 1, 6, 6, was eine Quersumme von 14 ergibt, weiter 5, auch wenn man 11 mit 66 multipliziert, also 671 erhält, lautet die Quersumme 14. Die Doppelwoche, die von Vollmond zu Neumond reicht, oder die Anzahl der Teile, in die Osiris von seinem Bruder Seth geschlagen wurde.

Ist es nicht erstaunlich, wie du da hinein geraten bist, in dieses Gitter, bestehend aus Chiffren? All diese Erscheinungen
sprechen eine Sprache, alles Seiende trägt Botschaften in sich, die so schwer zu verstehen sind, dass wir unendlich lange bräuchten, um sie zu entschlüsseln, diese raffinierte Intelligenz der Steine und Büsche, ihre Sprache ist allen anderen Sprachen überlegen. Dort der Wind, wie er über das Strauchwerk föhnt, die Zweige der Erdgöttin kämmt.
Sie ist ein erstaunlicher Schoß, noch beleckt die Sonne das Grün.

Ein Blick nur hinter den Schleier (rücke ihn nur beiseite, es ist gerade niemand da, das Geheimnis macht Pause) und du wirst dem vollkommenen Schrecken gewahr; nicht nur, dass du deinen Verstand verlierst, dein Leben, du wirst dich völlig in der Ewigkeit verirren, aus der es kein Entrinnen geben kann.

Immerdar tost der Lärm ins Gebälk und stark und stärker naht der Traum. Ohne meine Sinne bin ich blind! Siehst du es nicht? Am Ende sind wir Sieger über unsere Siege geworden, Meuchelmord und der darauffolgende Prozess der Weltanschauung, Erwachen; fanden sich die getrennten Teile aber, so schlangen sie die Arme umeinander und schmiegten sich zusammen, voll Begierde, wieder zusammenzuwachsen. Das erste Aufbegehren der Sonne war ihr letztes. Wie vom Blitz gestreift stehen wir an der Tür mit einem bleiernen Antlitz. Sei mit uns, Gesang, und tanze wie ein Tier, den Mänaden zur Freude, tanze und sei und lass dich nicht blenden.
Ihr sucht ein Plaisir in diesem Steingarten, den wir zu einem Nemeton machen werden. Wir duschen unter Gartenschläuchen, die Blicke auf uns, wenn wir uns viel Zeit zum trocknen lassen. Die Zelte werden aufgeschlagen,
wir zigeunern in Tüchern umher. Jeder, der ohne den Anderen kam, fand den Anderen, fand jemanden, der der Andere war. Ich sah eine mit ihrem Pelz spielen
(das war ich):

Was kann ich tun, mein Geist? Wenn ich erwache, treibst du dich in Kellern, in Ecken, hinter Schränken herum. Jeder Schatten nimmt sich die Formen, die er bespringen kann; gibt sie als Zerrbild wieder aus: In dieser Steinwüste, gesäumt von unerschütterlichem Grün; dort liegt ein Schädel mit mahlenden Kiefern, aus denen noch Votivgaben hängen, ein letzter Zipfel Mesopotamiens. In dieser großen Hütte erkenne ich sie wieder; es ist alles nur erträumt, da gibt es nur den Traum rings um uns herum, der wie eine Nebel zunimmt, über den Boden schleift wie ein Gespenst ohne Füße, wobei dann nicht mehr von ’schleifen‘ die Rede sein kann.
„Ich gehe besser.“
Das geschah aber nicht, sie blieb.
„Du weißt doch, wovon ich spreche…“
Sie ganz verdutzt, die Beine stramm zusammengepresst, als wären sie im Ganzen ein Mund, dem das Blut ausgeht.

Sie weiß nicht, wovon ich spreche, wird es nie herausfinden, ist ein Dorffeger, nicht mehr als ein Zufall, der in meinem Sessel Platz genommen hat, übriggeblieben vom Tage.
„Es ist spät.“
Es ist nicht spät, es ist noch nicht einmal abendlich, aber ich knie da auf dem Bett, warte, das verändert ihre Zeit, die sie mit der Störung konfrontiert, mich wahrzunehmen, der ich überhaupt nicht in ihr Leben gehöre, nur ein Zufall, der auf dem Bett kniet.
(Was für eine Betäubung ich mir wünsche?)
Den ganzen Tag unterwegs, tuckernder Zug, keiner erinnert sich daran, wann ich das geschrieben habe.

Die Haut straff übers Fleisch gezogen; allesamt machten sie sich nichts aus Sommergewittern, während ich die Kleider ablegte, in der Nacht den nassen Asphalt einsog, hoffte, ein in Blitz würde in mich fahren.

Die Verwüstungen waren nicht zu übersehen, der Wald barg die Gefallenen, dich im barfüßigen Regen, das Herz an der Schwelle zum Gaumen, sie: „Es ist spät!“
Endlich verschwunden, im Sessel kein Abdruck ihres zufälligen Seins.
Ein Impuls, der Äther weckt auch Monster. Aber sie würde mich des Sturms wegen in meiner vagen Stimme nicht hören, mich nicht sehen, ihre liebevollen Details (im Badezimmer, der Küche, im Wohnraum) mit sich zur Deckung bringen, die Nagelfeile fragen, wer ist sei, die verlorene Spur (bejackter Stuhl, Kräuter, die ich tränke), Lichter, die ich zünde, ein entwurzelter Baum an ihrer Schlafstatt, das kleine Püppchen mit der Feder im Rücken, so klein wie eine Fingerkuppe, so wichtig für die Spur, der ich folge. Aber dein Fehlen ist mein Untergang, der Rausch wie nach dem Kriege, grunderschöpft. Alles ist zu Grund und Boden verbrannt, so dass es nun eine frucht- und baumlose Fläche bildet.

Von hier aus: das kreisförmige Labyrinth der Stoiker, in dem ich wandle und nach Fluchten Ausschau halte, nach einer neuen Physis, die mich nährt. Manchmal habe ich den Geist verflucht, der mir an beiden Ufern meines Lebensstroms Weisungen haucht. Manchmal sah sich sein Antlitz im Traume wieder, verscheuchte durch ihn mein eigenes Spiegelbild, fand es erst in den verzerrten Äußerungen eines Löffels wieder, am Morgen. Morgen nach anderen Morgen. Was aber wird aus den Tagen, wenn aus ihnen die Nacht nicht weicht? Wenn sich nur eine schüttere Sonne zeigt, sich eine finstere Wolke dem Auge darbietet, das dich mit Blicken aus den opulenten Manövern göttlicher Herbarien schnitzt?

Als es mit den dunklen Wolken begann lag ich unter einem blutrotem Himmel, lag im aschefarbenen Schaum, der immer noch hernieder schwebte. Sie wollten mich nicht entkommen lassen in meine schwelende Nacht, die ich nun bewohnte. Das Martyrium war ihr Himmelreich, Sklaven wollten sie sich erschaffen in ihrer Genienstube, die
von glänzenden Säulen getragen ihre Gewalt untermauert.

Du gingst durch die Betten der Alleingelassenen. Philomena bekam das Kind in einer Blutlache und verendete in ihr,

Eisendampf und Erz drang durch die Ritzen der nichtverlehmten Hütte. Und da waren sie, die Schwerter im Zorn geschwungen Kolben, der Heldenmut war noch nicht erfunden; eine Kraft, die fröhlich sterben macht. Ewiges Rätsel, deshalb Zufall geheißen. Das gewaltige Dach besteht aus Energieformen, die sich selber lenken.

Wir sind Reisende in Chronos, dem Gliedabsichler (nur um den Menschen zu zeigen, wie fürchterlich zu denken ist), denn es war zu bezeugen, dass die Titanen mit ihren bisschen 1,67 nichts anfangen konnten, außer zu prahlen. In der
isländischen Penissammlung des Herra Hjartarson fehlt ein göttliches Gemächt, aber die Frauen lassen sich ersatzweise gerne neben den großen Wal-Schwänzen ablichten. Was dem Virilen seine Länge, ist der Virosen die Aufnahmefähigkeit, Fleisch mit Sauce, vielleicht eine Erklärung, warum sich manche gleich einen ganzen Unterarm hineindehnen lassen. Der Lust förderlich ist das kaum, jedoch eine eindeutige Ansage an Thanatos. Das ist ein Akt der Huld, sich aus dem Leben reißen zu wollen, sich quasi hinwegzustülpen (ein sehr kesses Auflösen). Ein oder zwei Damen soll es selbst beim Pfählen gekommen sein. (Malleus Maleficarum, ein frühes Rekorde-Buch).

Doch wir sind Reisende in Chronos, und dieser kleine Penetranz-Exkurs zeigt nur, wie merkwürdig sich Superlative in gewissen Regionen ausmachen können.
Wir sind Reisende in Chronos, wo reisen wir?
Im Rachen des Gefräßigen, der uns die Lebenszeit nimmt, der aber, bevor er kaut und schlingt, bei manchem Häppchen innehält, bis die Beize eingezogen ist.

Das Wasser verschlingt alle Sandburg-Ruinen, schlecht gebaute wie solche für die Ewigkeit, die auch jetzt, da sie verschlungen, den Sand – Donjon, Mantelmauer, ausgestattete Kemenaten – zur Mineralienkette hinzufügen, noch immer ätheral, das heißt ›unsichtbar aber vorhanden‹ vor Ort stehen, und so im Architekten selbst herumlungern.

Der Unterschied zwischen einer trutzigen Sandburg und einem flüchtigen Brief, ist keiner, das Bürglein hinweggeschwappt, das fragile Brieflein nicht minder hinfortgedurstet. Was soll der Ritter ohne Fels? Ohne berittene Aue, ohne sandbürgerliches Gemach? Bauen ist Zitieren.

Manchmal saß ich draußen und es war Nacht. Niemand konnte mit der Nacht umgehen, so irrte jedermann wie durch ein Labyrinth aus Staub, der sich vor die Sonne warf, in der Erwartung, zu blenden.

„Ich bin ein antideluvialer Stein am Wegesrand und ich bestehe aus Zeit.“

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