Du wirst wandelbar in meiner Haut

Die Schilde wurden von starker Hand
gehalten, Stühle auf dem Boden
festgeschraubt. Auch hingen besagte Bilder
bereits an den zu spät entdeckten
Wänden, die aus diesem Grunde
einen Schatten zogen.

Jetzt entsteigt sie :
sehen Sie sich ihr Profil an :
ist das nicht die Kontur des Kontinents?
Des Gesuchten? Hier, in diesen
drei Wänden stolpert jede Gewissheit.

Pulkende, Pullende, Pumpende
Sommerstrahlung
Dauernde, Lauernde, aufgestaute
Verglasung
Ohne Ornamentik, kahl, beinahe
zu kahl. Das wird ein Spiel
um den höchsten Grad der Verzückung,

das wird ein sich aufbäumender Raum,
der sich über die ohnehin vorhandenen
Veränderungen stülpt. Die Negation
kann die Form eines Fisches
annehmen, außerhalb des Schwarmes,
dem Zahn-Balken ausgeliefert, weil
selbst nicht hungrig genug, einer
Gefahr das Herz auszubeißen.

Inmitten des Ozeans ist die
Schwerelosigkeit ein drückendes
Beispiel marodierender Existenz.

Algen :
Schergen des Gärprozesses, winselndes
Gebräu des Urschlamms, Vollstrecker,
Bruder Schlamm, Schwester Fäulnis.

Du wirst wandelbar in meiner Haut,
wie willst du mich umarmen?

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    hielt, bekam statt welker Blumen eine neue Disziplin zugeteilt. Die
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    da gewesen sein und zugesehen haben, wie das Schiff in schlüpfrigen
    Reimen davon sang, gegebenenfalls entkommen zu wollen. Die Melodie
    einzelner Takte verkommt auch hier zu einer reinen Schneelandschaft.

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    legtest. Für heute waren wir fertig und zeigten uns gegenseitig das
    freudige Gefühl, das, gestaffelt, vor aller Augen einen glamourösen
    Morgen band, der gar nicht so kalt war, wie wir es besprochen hatten.
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    wären, wo wir sie vermuteten. Gab es diesen latenten Kreis wirklich?
    Oder waren wir alle nur Teufel, gefangen in einem nervösen Rinnsal,
    das von aufgespannten Schuhen tropfte? Die Löcher waren bereits
    groß genug, um nichts mehr damit anfangen zu können. Es waren
    großartige Bilder, die hinter uns standen, aber ihre Sprache
    war neunmalklug, also ließen wir das Ganze einfach sein.

    Als lebten wir in der Spirale mörderischer Weihen, als tauchte
    neues Leben in die blinden Statuetten, ausgefranst und mütterlich treu.
    Es käme auf den Versuch an, hinwegzutauchen, das Gras in seiner vollen
    Pracht auf den nächsten Sommer zu vertrösten, nur um zu erkennen,
    dass wir keine Rösser sind. Der Sternentrunk am Mittag, in ausgespülten
    Kelchen treibt eine neue Form der Reinheit ein Spiel mit unserer
    Wohlgefälligkeit. Das Biest steht stramm, nichts welkt in einer leeren
    Brust, erfindet stattdessen fremde Existenzen in rohen Augenblicken.
    Die Klänge wandern den Flur entlang, hinter uns her schleifen
    die Brocken abgehackter Stunden, denn sie wissen von unserem Schwur,
    zu verweilen.

    Was ich auf der Straße sehe, sind durchgehangene Tauben. Im Licht
    eines unbekannten Spektrums leuchten sie, vom Knick ihrer Rollen
    ausgehend, wie ein Diamant, der im rauschenden Wasserfall eines
    Sauerbrunnens gefertigt, das Tarotbäumchen zur Demut zwingt. Ein
    gelbes Fieber wandelt, durch unzählige Manöver geortet, über die
    Schwierigkeiten einer losgelösten Schienenbahn, einst der stolze
    Besitz immenser Beschleunigung. Das Entsetzen teilt Wege, aber an
    oberster Stelle darf der Kronzeuge nicht fehlen, darf er kein Wort
    von dem verlautet lassen, was wir hier wagen zu besprechen. Es
    könnte sein, dass sonst die Stimmungen siegen und die feine Natur
    der Atempausen chronisch abwinken. Wir können das nicht wollen.

  • Spukhafte Fernwirkung

    Von diesen Erlebnissen habe ich mir Skizzen gemacht. In einem Gewirr stecken Säfte fest, Disteln durchreißen nadelstichig die nahe Umgebung, Trampelpfad, Trampelerschütterung, Schritte offener Sohlen, behuft weiterziehen. Nirgend Ziel. Nirgend Beginn. Tal hinter Wildnis, Kot abdichtet der Häuser Fud. Konzert für Jazztrompete und Einhorn, ein Mündel wippt auf einem Stab, Brennholz, soweit das Auge / Alle Gleichzeitigkeiten in Glockenblumen schwenken. Die Welt eine Theorie aus Zufall, der schöne Tod ein Gebein im Kleid, Humor ein Rauschen der Silben; die Sprache erstickt: Teerkotze haftet an den Lippen, Zungen vergeudet. Ein letztes Atom, ein letzter Blick über die ausgerenkte Schulter. Der Nebel folgt. Meine Haut strafft sich Tag und Nacht wie der Klee, die Weichheit, die Form, vergessen ist nicht ein Jota. Vergessen ist nicht ein Fenster: was draußen war, was drinnen ist: anderswo, zu jeder Zeit: das Ticken der Ur-Uhr.

    Die ausgegorenen Eventualitäten, spukhafte Fernwirkung zwischen den Quantenteilchen. Ob ich das jetzt (Schnipsel der ich bin) gebrauche, ob es einen Ort dafür gibt, Wasserstraßen hinein ins Herz der Finsternis (und sie weideten ihn aus, bevor sie neues Leben in ihn taten).

    Sie trat durch die Tür: »Mein GOtt! So viele Universen wieʼs hier gibt, habʼ ich ja noch nie geseh’n!«

  • Die falsche Glocke

    Geschrieben von A. Anders

    Der alte DeLorean, der ihr hügelauf hügelab folgte, als sie sich in den vor ihr liegenden Ort, der wie ein erst kürzlich von Archäologen verworfener wirkte, flüchten wollte, bestand, bis auf sein metallenes Grundgerüst, das bereits rostete, aus nassen braunen Blättern. Der schmale blasse Mann, der ihn fuhr, ließ sie nicht aus seinen schwarzen Augen. Das wusste sie. Und obwohl sie zu Fuß unterwegs war, blieb der Abstand zu ihrem seltsamen Verfolger immer der gleiche. Immer stand sie kurz vor dem kleinen menschenleeren Weiler, dessen halb verfallene Häuser sie nur widerwillig zu erreichen versuchte. Es hatte geregnet, die Wiesen der weiten hügeligen Landschaft schwammen vor Nässe.

    Von jeder Stelle aus, an der sie hielt, um Ausschau zu halten, konnte sie den fahlen Glockenturm der Kirche der Ortschaft sehen. Die Glocke erschien ihr wie eine falsche Glocke, ganz glanzlos war sie, ummantelt von einer aschblonden Masse aus Lehm und Talg, die dem langen lehmigen Haar der nackten Frau glich, die sie kurz zuvor auf einen alten Holztisch zu stellen versucht hatte, der vor einer dunkelgrünen Klapptafel stand, die sie an ein leeres Triptychon erinnerte. Die Schwierigkeit jedoch war, dass sich die Körperachse der Frau stark nach vorn neigte. Sie war steif wie eine Puppe. Die beigefarbenen Wildlederpumps, die sie trug, erschwerten den sicheren Stand zusätzlich. Sie hatte es dennoch versucht, ließ los und schaute, was passierte. Reglos knallte die Puppenhafte mit ihrer Stirn gegen die mittlere Tafel, an der das Blut herabrann, das sogleich aus einer kleinen Bruchstelle ihres Stirnbeins floss. Draußen hörte sie es läuten. Sie verließ den Raum, verließ das Gebäude, verließ den Ort. Sie lief über die hügeligen Wiesen, die nass waren vom Regen. Der lange schmutzige Mantel des Mannes, der ihr folgte, wies die Farben des modernden Laubes auf, das überall umher lag und das seinen DeLorean als schuppiges Reptil verkleidete. Er stieg ein. Sie wusste, dass er sie nicht aus seinen Augen lassen würde, bis er seine Aufgabe erledigt hatte. Widerwillig versuchte sie den kleinen Weiler zu erreichen, der still und alt vor ihr lag. Der Abstand zu ihrem Verfolger blieb immer der gleiche. Menschenleer war der Ort, mit dem fahlen Kirchturm, dessen Glocke hell zu läuten begann. Als sie ihn erreichte, blieb der DeLorean mit weiterhin laufendem Motor in der Ferne auf einem der Hügel stehen. Sie lief in die kleine Kirche im Zentrum des Weilers. Nackt, das Haar von aschblondem Lehm ummantelt, stand puppenhaft in beigefarbenen Wildlederpumps reglos eine Frau vor ihr, die sich ihrer Körperachse nach stark nach vorn neigte. Die Pumps erschwerten den sicheren Stand zusätzlich. Da sie sehr leicht war, hob sie sie an und versuchte sie auf den alten, von Holzwürmern durchlöcherten klapprigen Holztisch zu stellen, der vor einem dunkelgrünen Triptychon stand.

  • Im Auktionshaus

    Wege & Abgründe sind dasselbe, d.h.
    rollendes Gefieder, heißt aber auch
    das Lächeln am Gemäuer. Einer, der es wissen
    muss, leistet Abbitte in den Katakomben,
    barfuß, im Gewand vieler Zeitalter, wartend
    auf das Glucksen der fragilen Spinnweben.

    Wir steigen in die Galerie, kommen an, hinauf die Stufen,
    Stiegen wie Donnerhall. Auf dem Turm
    ein Salto des Speichels, körperwarm
    nur noch Sekunden, ein Weltenall
    fassungslos.

    Dimensionen, hart, wie Gries, der
    durch einen Trichter klingt, hart, wie
    etwas im Mittelpunkt des Feuers, verwegen
    flanierend im Brodem der Umgebung, die
    aus dem Nebel steigt. Gras beugt sich deren
    Schritten, wie sie lacht, könnte dort ein Orchester lauern.

    Etiketten voller Wochentage an Bäume genagelt,
    vom Harz verändert, kaum wiederzuerkennen
    im umgekippten Bad der Maipollen, die den Kalender
    befürworten, Kalender jener Steine,
    über die wir gerade reden.