Eilmeldung aus der Antike
Vom Frischrahmaufstrich Cäsars
wird erzählt, er sei schon
damals an Tankstellen
erhältlich gewesen
die man nicht sehen konnte
weil es keine Autos gab.
Ein Duft wie in der Dallmayr-Stube der Therese Randlkofer :
Kaffa in Äthiopien (der blaue Elefant hält inne), psychotrope Wirkstätte : Geküchel. Ich ahme mich nach im Schnee, durch den ich Quarkkuchen balanciere / ein haariges Mittel erwartet mich
(ich hätte ja nachwievor gerne eine Wasserwelle,
die so beschissen an mir klaftert, dass ich mich verstecken müßte).
Ziemlich nachtaktiv & ich muss mich wieder in den Morgen schrauben –
aber so ein Bett ist einfach zu… und das zu jeder Zeit (überhaupt : Zeit !)
Schreibmaschine, Bett, Bibliothek (und natürlich Vinyl!) / Hausanzug:
meine Morgenmäntel abgetragen, ich bekomme nahezu jeden Tag Buchlieferungen; man schämt sich ja so halbnackt die Tür aufzumachen
(bin ja keine nacktberechtigte 20 mehr (ja, und 30 natürlich auch nicht). Man sollte gar nicht so schockiert sein : »Der ›Komische‹? Wohnt da oben, das Paket könnense aber auch mir geben!«
Lange dauern Worte, wie lange können sie bleiben?
Haben sie Malsachen dabei? Einen Schlafanzug?
der Pfeifer an den Toren der Dämmerung. Dieses flatternde Gewebe geistreicher Skizzen, schaukelnder Träume, zufälliger, freier Katenation, da gabʼs die Türe wie eine Säge gezahnt. Fürchte in der blinden Mauer einen Blick, der nach dir späht, der Puder=Anschrot und Spielraum des Zopfes hinten auf dem Rock
Im Egertal ziemte sich die dem Buche ›A delicate Diet for daintie mouthed Dronkardes, wherin the fowle Abuse of common carowsing and quaffing with hartie Draughtes is honestile admonished‹ (erschienen 1576) entnommene Klassifizierung der unterschiedlichen Räusche und deren Träger. Da gab es Menschen, die soviel soffen, dass sie dann affentrunken waren und hin und her tanzten. Andere waren löwentrunken, schmissen mit Porzellan und Zinnkrügen um sich, nannten ihre Wirtin eine verdammte Hure und zerschmetterten die Fensterscheiben mit dem Dolch. Es würde geben einen Sturm in dieser Nacht. Wieder andere waren schweinetrunken. Sie wälzten sich auf dem Boden, lallten, dass sie noch mehr zu trinken wünschten und besudelten ihre Kleider. Dann gab es solche, die schlaftrunken waren. Sie 1verzapften den größten Blödsinn als der Weisheit letzter Schluss, obwohl sie kaum noch ein vernünftiges Wort hervorbringen konnten. Besonders übel waren jene, die der Autor des Kompendiums bockstrunken nannte. Wenn diese richtig vollgesoffen waren, hatten sie nur Bocksgelüste und mochten auf jede Frau springen, die das Pech hatte, in der Nähe ihrer Hosenknöpfe zu sein. Andere wieder waren fuchstrunken. Nur in diesem Zustand waren sie bereit und fähig, Geschäfte abzuschließen, wobei sie ihren – natürlich auch besoffenen – Partner listig übers Ohr hauten. Im Egertal waren all diese Typen zu beobachten. Bliebe noch die Rede vom Scharfen Eck, das sich am anderen Ende der langgezogenen Straße, kurz vor der Auffahrt zur Bundesstraße Richtung Selb oder Marktredwitz befand, wo es einen abschüssigen Fußballplatz gab, der ein Lieblingsplatz der Maulwürfe war, etwas stiefmütterlich und für unsere Geschichte nicht relevant.
Hier gab es, Rausch hin, Rausch her, zumindest keine betrügerischen Wirte, die nach ihrem Tod in ihren Kneipen als Poltergeist, Werwolf, Alp und Trude, Zaunreiterin oder Hagazussa (die vom Hag) umgehend mussten, von einem universellen Schicksal dazu aufgefordert, es gab keine Herbaria, die sagt: »Bei den Zauberfrauen sollst du nicht zärtlich schlafen, dass dich eine nicht innig umarmt. Sie wünscht sonst dir an, dass du weder zum Schranne noch zum Königshof kommst, dir mundet kein Mahl nach der Mannesfreude, du gehst schlafen voll Schmerz.«
Aber die verstreuten Spuren wandernder Sippen und Einzelgänger lassen nach und die Zeiten menschlicher Anwesenheit wurden abgelöst von solcher völliger Öde und Wildnis. Einer von vielen rätselhaften Begriffen hat sich jedoch aus vorgermanischer Zeit bis heute erhalten: ›Agara‹, einer der in alle vier Himmelsrichtungen davoneilenden Lebensquellen, die hier entspringen: Die Eger.
1habent sua fata libelli
Ich kam an und es war dunkel, alles war in leblose Schatten gehüllt und die Fenster waren geschlossen; es war, als ob hier nie jemand gelebt hätte, und wenn ich nicht da war, lebte hier auch niemand, aber diesmal war man nicht vorbereitet, man hatte die Fenster nicht geöffnet, die Gardinen nicht zurückgeschlagen, den Kuchen nicht gebacken, die Post nicht aus dem Briefkasten geholt, man war nicht rechtzeitig zurück aus dem Nirgendwo, um mir meine Kulisse zu stellen.
Es fehlte das, was nicht mein Leben war, wo wir an der Kreuzung unterschiedlich abbogen. Ich war jetzt mit diesem stillen Anblick konfrontiert, und ging die Stufen zum Garten hinunter, ich hakte ein Fenster aus und schlüpfte in den Raum, ich musste zum ersten Mal die Erinnerung tragen, und ich steckte sie schnell in meine Tasche, um sie an einem anderen Ort ausgiebig zu betrachten.
Nacht und Nebel schultern das Firmament, Esrabella wirft sich an den Hauswänden entlang, es ist spät. Sie sagt nicht, wer sie ist, aber offenbar ist sie bereits bekannt, wird durch einen Seiteneingang geschleust und mit einer Robe bedeckt. Sie täuscht sich über die Augenfarbe des Lakaien, ist es Bernstein oder Schwarz?
Aus Steinfugen franst Efeu, verirrt. Nächtlich geschult dringt Regenwasser aus den Schuhsohlen, lacht, petzt verborgene Wege. Diese dunkelnasse Grube weiß sie als ihr eigenes mütterlich-uterines Urmedium. Hier steht sie mit dem Boten des Kastellans, verfänglich und abgeschieden, fensterlos, rückhaltlos, für alle Zeiten nichtgebärend.
Mehr lesen „Fährabella“Der Knecht auf dem Boden: schraubt mit der rechten Hand am Traktor herum, seine linke hält den klobigen Becher zu ihr hoch, würdigt sie keines Blickes, wie sie die Kanne schwenkt, um die Butter wieder unter die frische Milch hüpfen zu lassen. Keines Blickes, bis sie die Milch über den Rand der Kanne, am hingehaltenen Becher vorbei zwischen seine Hosenbeine schwappen lässt. Ssch. Und er dann hochschaut, den Becher senkt, dann hochschaut, überrascht, ihr völlig dämliches Gesicht ganz rot. Sie schielt und ihre Zähne stehen vor wie ein Schwellenreißer, den eine Zunge anhebt, die im Saft geschlafen hat. Unverändert steht sie da, die Kanne zum nächsten Guss bereit, leicht schief, und leckt sich die Werkzeuge: »Kannst’u nicht aufpassen!«
Mehr lesen „Die Läufer und die Fänger“