Wir standen um den Kickertisch herum, der, wie das ganze Gebäude nach einer gut durchkomponierten Mischung aus Hopfen und Urin stank. Aber es war noch ein weiterer Geruch vertreten, der nicht ganz so leicht zu beschreiben war. Eierschalen. Ein Steinboden, der nach Eierschalen roch. Oder war es nur das kalte Gemäuer? Den Kachelofen in der Wirtsstube hatte Erna erst vor kurzem angeschürt. Offiziell war die Gaststätte noch nicht geöffnet.
»Woher wissen wir, dass wir träumen?«, fragte Burkhardt. Unschlüssig standen wir da und warteten, dass uns die Wirtin Bier brachte. Keiner wollte auf die Frage antworten, obwohl sie uns schon den ganzen Tag beschäftigt hatte. Doch jetzt hatten wir andere Sorgen. Draußen gingen die Wölfe um und unser kleines Grüppchen saß hier fest. Es hätte uns schlimmer treffen können, aber wir waren in der Nähe. Nicht zufällig – das kann man nicht behaupten, von Zufällen hielten wir nichts. Wir wollten das Ganze erkennen, hätten aber nie gedacht, dass es so schwer sein könnte. Immer neue Fragen quälten uns, noch bevor wir auch nur eine einzige beantworten hätten können.
Wir schmierten Welpenbutter auf ein schornsteindunkles Brot Nichts kann uns die Nacht erklären, die im Eise schwelgt Und sich im Fieder wiegt wie leise auch die Motten Von Firsten bluten Hirschdämonen ihre Kabel-Adern leer Walmblechuhren schnabeln turteltaub auf diesem Dach An einem garngesprenkelt kühnen Silberknauf, das Tor, das Tor Ahndungsgepeitscht, Du Miozän, goschen mundlos sich die Jäger wach Tragen Aschefleisch durch Schimmelstein Aus Pferdenüstern steingeworden Atem pumpt hinauf
Ich habe noch diesen merkwürdigen Zauber in einer Kiste irgendwo / da habe ich ob ich will oder nicht damals hinein gegeben : 1 Kanarienvogelskelett, 1 Alfa Bett mit einer Geheimschrift Antonin Artauds (den ich damals noch nicht kannte, der aber sagt : Bevor ich Selbstmord begehe, verlange ich, dass man mich des Seins versichert, ich möchte des Todes gewiss sein. – der sagt : Es gibt Zeichen im Denken. Unsere absurde und regungslose Haltung ist die der größten Empfindlichkeit. Durch die Klüfte einer von jetzt an unhaltbaren Wirklichkeit spricht eine willentlich sibyllinische Welt.) 1 Superheldenmorgenmantel (rot), 1 Brief wer ich war. Verlorene Geste der Unsterblichkeit, das Rezept einer Suppe. Ich schrieb vermutlich an mich, nein ich schrieb an dich, betrachte die Erde als ein Nachkomme, der hier steht sich erinnert sich bückt etwas gräbt pro forma sagt : hier war. Die Höllenfeuer=Höhlen des Sir Francis Dashwood aus dem 18. Jahrhundert bei West Wycombe sind eine bewusste Nachbildung der entsetzlichen unterirdischen Welt des Trophonios. Nein aber hier ist. Ich glaube, dass es schön ist zu sterben die Zeit aufgelöst 1 Ahoi Brause Geschmack wählbar. Ich glaube, dass es schön ist 1 Zauber wieder gefunden zu haben (dann) und 1 Zauber wieder gefunden zu haben (der) wir uns nicht zu uns hinabbeugen konnten (wir wären damals erschrocken und heute erzürnt).
Standort : Kaiserhammer, das Rondell 1980, ehemaliger Parforce-Jagdgarten.
Die Tatzen zitterten über den Sand, bevor das blaue Meer folgte und die Abdrücke wieder verschlang. Nur das Flackern einer jahrtausendalten Geschichte, die sich so lange wiederholt, bis der Strand abgeschliffen ist. Doch vorher muss der Brunnen werden. In Wirklichkeit zieht sich nämlich das Meer zurück und hinterlässt nur seine Schattenwelten.
Sehr früh schon huschte sie in Kleidern aus dem Haus, gefolgt von der dünnen Luft, die sich über Nacht in ihrer Kammer aufgetürmt hatte ohne entweichen zu können. Natürlich wusste sie auch diesmal nicht, wo sie graben sollte, ein Traum aber hatte ihr gesagt, die Tiefe warte bereits auf das Eisen des Spatens.
Das Meer rauschte unbekümmert ihres angestrengten Gebarens vor und zurück. Nichts deutete auf eine kommende Wüste hin, doch sie hatte sie bereits im Salz geschmeckt. Einen Tag mehr, einen anderen weniger. Vor und zurück. Einen Brunnen vor dem Meer zu bauen schien die einzige Lösung zu sein, also hieb sie so fest sie konnte in den Sand, aber schon waren die Tatzen über der ersten kleinen Kuhle und ebneten alles wieder ein. Wenn sie doch nur wüsste, wo sie graben sollte.
Noch bevor sich die Sonne sehen ließ, eilte sie zurück ins Haus, denn wer immer sie im Tageslicht gesehen hätte, würde sie eingefangen haben wollen. Drinnen saß sie still, aber nicht regungslos. Niemand kam vorbei und neimand klopfte an die Tür.
Sie war durch einen einsamen Wald gehetzt und verfing sich mit ihren wehenden Haaren so oft an den plötzlich auftauchenden Ästen, dass sie fürchten musste, bald keine mehr zu besitzen, aber zumindest blieb ihr Gefieder intakt. Sie lief im Kreis, aber das wusste sie bereits, bevor sie eine Begegnung mit einem ihrer ausgerissenen Haarbüschel hatte. Es war noch ein weiter Weg bis zum Meer.
Das Haus stand leer als sie es fand, zumindest war es seit Langem unbewohnt. Aber auch das stimmte nicht, denn es hatte auf sie gewartet, was für sie leicht zu erkennen war, als sie die Schwelle übertrat. Sicher hätte es sich gewehrt, wenn es mit ihr nicht einverstanden gewesen wäre. Es hätte sie vermutlich gar nicht eingelassen, denn die Waffen eines Hauses waren vielfältiger Natur, reichten von simplen Alpträumen bis zur gefährlichen Präsenz aufgebotener Geister, die aus der Erde nach oben gerufen wurden oder aus den Wänden traten, um die Art von Verwirrung zu stiften, die dann zu einem Unfall führen konnte.
Was sie aber sah, war Staub, von dem sie glaubte, das er ebenso alt war wie sie selbst. Er bedeckte zentimeterdick den Boden, tanzte vor den Fenstern im einfallenden Sonnenlicht und legte sich auf die zurückgebliebene Einrichtung, die aussah, als wäre sie älter als das Haus. An den Wänden klebten Salzablagerungen, aber das Meer hatte hier keinen Anspruch geltend machen können. Die Trockenheit war keines natürlichen Ursprungs.
Vielleicht wollte das Haus nicht, dass sie einen Brunnen grub, aber genau das würde sie tun, dafür war sie hergekommen. Es behagte ihr nicht, den Staub zu beseitigen und deshalb ließ sie sich Zeit, hörte auf das Ächzen und Stöhnen der Konstruktion, auf ein Zeichen des Missfallens, aber es gab nichts dergleichen. Allerdings war sie nicht verwundert darüber, keine Wasserleitung im ganzen Haus zu finden. Selbst der Abtritt oben unter dem Dach war eine trockene Röhre.
Das Haus verabscheute das Meer und das Meer zog sich zurück. Nur manchmal kamen die Tatzen zum Vorschein, wollten einen Körper aus den Wellen ziehen, der auf das Haus zugekrochen käme, aber noch gelang ihm das nicht.
Wir haben verwahrt, aufgebahrt und hergerichtet. Die Tische. Die Stühle. Auf den Tellern die Masken. Die gelösten Zungen im Glas. Nun ist dieser Raum offenen Mundes für immer zu schließen.
Nackt und uneingeladen steigt aus den Brunnen die Wahrheit mit ihrem Reisigbesen.