Ich bin die Nacht: 9 Rache ist Blutwurst

Roland hatte sie Helmut schließlich ohne viel Federlesens überlassen. Er war froh, sie los zu sein. Jetzt fühlte er sich frei von Schuld. Das Gold verätzte nicht mehr seine Handflächen, zog nicht mehr wie ein schweres Gewicht an seiner Hose, wenn er es in der Tasche stecken hatte. Die Münze besaß ein merkwürdiges Eigenleben, das stand fest. Sie war nicht einfach nur aus Edelmetall, nicht nur alt, sondern mindestens genauso verräterisch.

»Wir werden herausfinden, was sie Wert ist. Wir gehen rüber in die Tschechei, da interessiert es niemanden, wer wir sind – und dort können wir die Kohle auch gleich ausgeben.« Helmut schielte den Louis d̟ʼOr mit wässrigen Augen an, dann steckte er ihn ein und trug ihn von diesem Zeitpunkt an auch immer bei sich. Manchmal holten sie ihn hervor, wenn sie im Gebüsch in Leuthenforst herumsaßen und Bier tranken.

»Wann gehen wir rüber?«, fragte Roland, denn er würde erst wirklich Ruhe finden, wenn das Ding ein für alle Mal verschwunden war. Er hatte merkwürdige Gefühle, wenn er die Münze berührte, Schlaglichter seiner Urängste, die seine Glieder unkontrolliert zittern ließen, Bilder von Leichenhänden, die ihm den Mund zuhielten, ihn unter Wasser zogen. Er sah hetzende, geifernde Wölfe, die aber aussahen wie … wie …

»Bald. Aber jetzt sollten wir erst Ida und Adam holen.« Er steckte den Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger. Als Roland nicht gleich verstand, erklärte er ihm, dass es ein Mords Spaß wäre, wenn sie Adam dazu bringen könnten, mit Ida … »Na, du verstehst schon!«

»Mit deiner Schwester?« Roland ließ sein Gesicht fallen.

»Klar. Und wir schauen zu. Wahrscheinlich müssen wir sie festhalten, und rumschreien wird sie auch, wie ich sie kenne.« Helmut sagte das mit einer Selbstverständlichkeit, als plane er ein gewöhnliches Picknick.

»Wird sie nicht petzen?«

»Wem denn?« Helmut grinste reptilienhaft. Dass Richard Finner die beiden Mädchen selbst eingeritten hatte, vermutete zwar jeder, aber so richtig wissen wollte es keiner. Außer Helmut. Aber der machte immer nur Witze darüber, so dass man sich nie sicher sein konnte, was stimmte und was nicht. »Außerdem ist Petzen gefährlich. Niemand findet die Zeit, ständig auf sie aufzupassen. Und du weißt ja, wie das mit der Rache ist.«

Roland schüttelte den Kopf. »Nö. Weiß ich nicht.«

»Komm schon!« Helmut schlug Roland so fest auf den Rücken, dass ihm fast die Speiseröhre aus der Brust brach. »Rache ist Blutwurst!«, brüllte er.

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    »Gott, wie bin ich beschmetterlingt!« (– statt ›beflügelt‹.)

    Spaziergang; ’s Wonnestündlein hat geschlagen; Magd, gezwickt ins feiste Fleisch unter der Wolle, das sich rosend durch die Maschen zeigt. Willst du, dass man dich niederreißt, auf Schößen zappeln? Titt tatt tatt die Sauce aus den Ärmeln pludert buttert, schmiert und suppt, Gerüche vieler Zecher Dunst und vieler Mägde Beine schwitzen sich beim Kochen knochenglatt. Fisch mit Salbei und Lorbeerstrunk / Blanc Manger / Gesulztes Ochsenmaul / Karmeliter-Torten / Kälberbriesen & Euter / Kuttelflecke / Nierenomelette / Trauben in brauner Sauce / Jagdpasteten / Markmelonen / Böflamod.
    Trippel trappel Mäuse klackern in den Ecken (Josefine, die Sängerin) hinterm Spülstein, Katzen wetzen schlanke Messer (vom Fressen auf den Schlachtfeldern: die Speisekarte – das blutigste Blatt das wir schreiben) schneller Marmortopf; Filme vom Fressen : der Projektor malt stümpernde Kochweisen an die Küchenwand. Im Einkauf nicht bekommen : diese Kapern oder Rosenblätter für den bitter’n Salat, den frischen Lorbeer-Kranz, den Karpfen mit dem tollen Namen und das Brot aus Themenreuth. Aber die Feste sind verändert worden, der Industriefraß dominiert, was frisch ist, wird gleich weggeworfen. Eis am Stiel : früher trug man eine gefrorene Wasserpfütze wie einen Lolli-Pop, die Geschmäcker, dann zertanzte sie einen Beutel Kakao, das anregende Zahlungsmittel der Inka, oder zerbiss eine von Rilkes geliebten Erdbeeren, Saft spritze druckvoll über Finger, klebte an den Lippen, die Zunge tat einen Salto (wie ein Frosch das Insekt).

    orig.
    Die Fett hinunter zu Tisch zurück getrieften Rinnsale ausgestülpter inkompetenter Lippen und auch Wildbart. Besteck=Finger greifen abgekühltes Kochgut Kran Schaufel zwick zwack und Wein Bier Kelch Steingut üppig berankt satter dicker süßer Blätter lutherisch lüstern platscht plantscht das Fußbad (Kamillenschaum, Lavendellwasser) die Knochen fallen wo die Hunde lappend Boden suchen züngeln um das Hühnerbein (Watt – ein sonderbarer Eintopf). Steigt die Brunze wird gepißt und steigt das Blut : der Aderlaß Spaziergang Wonnestündlein hat geschlagen Magd gezwickt in feistes Fleisch unter der Wolle das sich rosend durch die Maschen zeigt willst du daß man dich nieder=reißt auf Schößen zappeln Titt tatt tatt die Sauce aus den Ärmeln pludert buttert schmiert & suppt Gerüche vieler Zecher Dunst und vieler Mägde Beine schwitzen sich beim Kochen knochenglatt (ohne Rasur) den Fisch den sie auch selber reiben mit Salbei & Lorbeerstrunk. Trippel trappel Mäuse klackern in den Ecken (Josefine, die Sängerin / Kafka) hinterm Spülstein Katzen wetzen schlanke Messer mündern (vom Fressen auf Schlachtfeldern : die Speisekarte – das blutigste Blatt, das wir schreiben / Deschner) schneller Marmortopf (oder sonst 1 Stein) Filme vom Fressen : der Projektor malt und sei es vergänglich stümpernde Kochweisen an die Küchenwand) im Einkauf nicht bekommen : diese Kapern oder Rosenblätter für den bitteren Salat, den frischen Lorbeer=Kranz, den Karpfen mit dem tollen Namen & das Brot aus Themenreuth, habe gesehen, daß die jungen Mädel Maische treten und träume, daß man ihre planta pedis sauberlecken darf für 1 Taler (der Krug geht um) Pediküre statt Friseur deshalb Zöpfe. Aber die Feste sind verändert worden der Industriefraß dominiert was frisch ist wird gleich weggeworfen (es ist besser so oh glaube mir) Eis am Stiel : früher trug man 1 gefrorene Wasserpfütze wie 1 Lolli=Pop, die Geschmäcker : Großvaters Reifen, Abrieb auch von Gummistiefeln oder Mückenlarven oder wiedergegebene Tellersulze (wenn man aus dem Besen kam) dann zertanzte sie 1 Beutel Kakao das anregende Zahlungsmittel der Inka oder zerbiß eine von Rilkes geliebten Erdbeeren, Saft spritzte druckvoll über Finger, klebte an den Lippen die Zunge tat 1 Salto (4/4 Offbeat) wie ein Frosch das Insekt.

    Standort : München, Hofbräuhaus 2003, die Klofrauen schauen auf Wunsch beim Pinkeln zu und loben den Penis.

  • Der schwarze Punkt

    Die im roten Kleid. Die hätte mir auch gefallen. Ein rotes Kleid ist etwas ungemein Bizarres; auf der Leinwand steht es scheinbar still, jedoch hier vor meinen Augen flattert es umher, wirft sich in nicht ganz ernst zu nehmende Falten – und schwebt in den anliegenden Raum davon, das exakte Ebenbild von diesem. Gab es einen Unterschied, so bestand er in den Bildern an der Wand. Nur in den Bildern an der Wand; bis vor wenigen Augenblicken. Jetzt ist da noch das rote Kleid hinzuzufügen.

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    Geschrieben von A. Anders

    Aufgrund des Durcheinanders und der Angst,
    dass die Zeit Haarpulver erzeugen könnte,
    befinden sich in den Ecken Medaillons und Tröster-Krawatten.

    Es ist absolut exquisit.

    In diesem romantischen Kit dreht sich alles darum,
    elegante Epochen der Vergangenheit zu romantisieren
    und mit Rosen zu vermischen.

    Es gehört zur Nostalgic Essence Collection.

    Sie sehen keine Fälschungen mit angeblicher „Weichzeichnung“
    oder selbstgemachten zerstörten Stoffstrümpfen.

    Einseitig sind noch die alten Halterungen für den Himmel vorhanden. – Dieser fehlt jedoch.

    Er wurde früher in die Kupferwanne gelegt, um den Badegast vor der Hitze der darunter liegenden Brände zu schützen. Man konnte ihn aufhängen oder hinter einen alten Spiegel klemmen.

    Gekauft wurde er vor vielen Jahren von einer wundervollen Dame mit langen irisierenden Hahnenfedern und einer glorreichen fliegenden Krähe in einem kleinen Dorf zwischen Bergerac und Monbazillac in der Dordogne.