Ich kam an und es war dunkel

Ich kam an und es war dunkel, alles war in leblose Schatten gehüllt und die Fenster waren geschlossen; es war, als ob hier nie jemand gelebt hätte, und wenn ich nicht da war, lebte hier auch niemand, aber diesmal war man nicht vorbereitet, man hatte die Fenster nicht geöffnet, die Gardinen nicht zurückgeschlagen, den Kuchen nicht gebacken, die Post nicht aus dem Briefkasten geholt, man war nicht rechtzeitig zurück aus dem Nirgendwo, um mir meine Kulisse zu stellen.

Es fehlte das, was nicht mein Leben war, wo wir an der Kreuzung unterschiedlich abbogen. Ich war jetzt mit diesem stillen Anblick konfrontiert, und ging die Stufen zum Garten hinunter, ich hakte ein Fenster aus und schlüpfte in den Raum, ich musste zum ersten Mal die Erinnerung tragen, und ich steckte sie schnell in meine Tasche, um sie an einem anderen Ort ausgiebig zu betrachten.

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  • Ein Eintopf voller Rätsel

    Das ist alles, was wir spüren: diese Erde, dieses alte Fleisch, durch unsere Fußsohlen bis nach oben, wer weiß, wohin.

    Die Schlangenenergie, die sich das Rückgrat hinaufschiebt, Hitze aufstaut, auch auf dem kühlen Boden, auch auf dem nassen Boden. Ihre Täler sind unsere Täler, wir füllen den Raum um ihr Humus-Rund herum mit aberwitzigen Geschichten, mit hohen Sprüngen und einer Menge gebrochener Knochen. Das einzige, das am Abend übrigbleibt, sind gewaschene Füße. Von den Spuren im Haus bleiben nur die Abdrücke vor der Tür, die sich bereits mit Wasser füllen, einen Trog formen, aus dem die wilden Hunde trinken, die man gerne irrtümlich im Abendnebel für Wölfe hält. ›Sauhundgrausen‹ ist das Wort für dieses Wetter, den ganzen Tag überschwänglich schön und am Abend so, als schütteten sämtliche Dämonen der Umgebung ihren Eintopf auf die Straße. Einen Eintopf voller Rätsel.

    Der Himmel zieht sich zusammen, es brennt lichterloh in fetten Farben. Sebastiana ruft: »Adam!«

    Es wird regnen, es wird donnern, es wird blitzen. Adam ist hinausgegangen, er ist unter den Himmel getreten. Das Gras im Saft, die Welt im Wachstum, die Wolken abgerissen, herausgeschleudert aus dem Teig, der in der Erdschüssel gärt. Die Erde eine Schüssel, kein Kreis, keine Kugel, kein Ei.

    Man hört es schon. Ein mächtiger Gott trampelt die Stufen hinunter und schlägt die Türen zu, saugt seinen Blasebalg randvoll mit photosynthetischen Abfällen, atmet aus. Wind zieht auf, die Blätter twisten. Äste schlagen um sich, zürnen ihren Stämmen. Blumen verneigen sich, rot, gelb, blau. Adam hört : »Adam!« durch den Muttermund formuliert.

    »Sieh doch, Mutter, ein Gesicht!«

    Die Wolken malen, was sie wollen. Du wirst nass, die Wäsche wird nass.

    »Komm rein und bring die Wäsche mit!«

    Als ob ein Hammer auf die Bergkämme schlägt, ein Meister der Skulpturen. Wer hat dieses Bild in den Himmel gemalt, wer hat so ein Antlitz je mit eigenen Augen gesehen, vom Feuerrot umzingelt wie die wunderliche Walküre, die dem Einen harrt. Der Wind bläst die Laken vom Gestänge, pfeift polyphon auf allen Flöten des Pan das Lied einer Begegnung. Die Mädchen holen Wäsche ein und decken Töpfe zu. Die Gärten werden abgesperrt, die Läden schon geschlossen. Nur Adam kann sich nicht lösen und sieht zum Himmel auf, erblickt dort seine Vergangenheit. Er ahnt etwas für seine Zukunft. Das Gesicht hat Bestand, auch wenn alles andere flüchtet. Sebastiana bewegt stumm ihre Lippen, wie vor seiner Geburt, die Lippen: »Die Wäsche wird nass und du wirst nass!«

    Am 25. Januar 1788 erhielt der Feldjäger Geyer den Auftrag, mitten im Winter bei tiefstem Schnee die Jagdtrophäen von Kaiserhammer über Bayreuth nach Triesdorf zu bringen. Auf mehreren Schlitten hatte er 77 Hirschgeweihe mit holzgeschnitzten Köpfen und silbernen gravierten Schildchen.

    Adams Notizbuch:

    Die Romantische Zeit: Ich möchte sie mir gerne vorstellen als den sensiblen Aufbruch des Geistes, der sich seiner Fesseln entledigt. Mir selbst ist das Licht der Gegenwart zu grell. Man geht bekleidet vor die Tür und kehrt völlig nackt zurück, weil die Umgebung mächtig gefräßig die Plünnen abreißt. Wenn man dann in ein Gemälde hineingehen könnte, Farb-Äste beiseite beugen (ein wenig ducken muss man sich schon, ein wenig in die Farbe tauchen). Rascheln alter Pinsel, die niemand mehr führt. Die Bewegung nur eine mathematische Gleichung. Ich bin eingeplant, ein X, eine Rune, Klamotten, die im Bild ich trage. Oder ich denke mir: Wenn ich so einen Garten hätte, in dem die Blumen zur Erdmitte hin wachsen, müsste ich niemanden absorbieren, um dieses Dorf zu konservieren.

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    Nur eine schlanke Ermordung zu spät

    Schottische Bauern hypnotisieren Tannhäuser,
    in seiner Weste ein eingeschneites Sternenrätsel:
    Kurt Krisp feiert die junge Haut seit 29 Monaten.

    Die andere Möglichkeit:
    Ein Comeback der Unsterblichkeit,
    Hilfe für verbrauchte Männer!

    – Und Orwell kam gut!

  • Bitte bringen Sie eine Kottüte mit!

    Cambodunum war bereits eine Weltstadt als es noch gar keine Welt, geschweige denn eine Stadt gab. Der ewige Streit mit Trier, welche Stadt denn nun wirklich die älteste Deutschlands ist, kann sich sehen lassen, ist aber unbegründet. Kempten macht selbstverständlich das Rennen. Auch wenn man sich, um den Streit zu schlichten, fragen muss, auf welche Quelle man sich bezieht, kann man doch ganz leicht Folgendes ins Feld führen: Ich lebe in der ältesten Stadt Deutschlands. Ich lebe in Kempten. Ergo ist Kempten die älteste Stadt Deutschlands. Wer das komisch findet, der versteht nichts von den alten Griechen; und wer nichts von den Griechen versteht, wird wohl auch nichts von den Römern wissen. Aber die gab es (nachzulesen in jedem Asterix-Heft). Und sie hatten echt Bad. Thermen nannten sie das; Hitzelinchen. Kaugummi hatten sie nicht, aber sie waren trotzdem Imperialisten. Wie oft steht man auf einem Hügel und denkt: „Mensch, hier!“ Hier haben die Kelten 50 vor moderner Zeit herumgesiedelt, bis 14 vor moderner Zeit Tiberius anrauschte und das Allgäu römisch wurde. Man muss aber sagen, dass die keltischen (und alamannischen) Einflüsse heute noch recht umtriebig vorhanden sind, von den Römern sind nur noch überteerte Straßen und Steinwälle da. Und Bad, denn – yes – die Römer hatten echt Bad!

    Der Archäologische Park ist für einen Erstkontakt mit der antiken Welt nicht uninteressant. Es gibt Gewürzwein, Steine, mehr Steine, und Toiletten, auch wenn man auf der Webseite gebeten wird, Kottüten mitzubringen. Es gibt vermutlich zwei Gründe dafür: erstens, man führt sein Hündchen mit und das kackt dann vor die Statue des Hercules, oder man hält es vor lauter Spannung selbst nicht aus, pillert und bollert für sich selbst, während man sich gar nicht von der Aussicht trennen kann, und hat dann was für die Vitrine daheim: eine Tüte voller besuchtem Cambodunum!

  • Seit wann schaukeln meine Schafe?

    Hat jemand zwischen den Raunächten Wäsche gewaschen und damit ein Los gezogen? Nimm, Herr Wode, das Dorf nicht achtlos links, kehre ein mit dei­nem Totenheer, der hartgerippte Steinboden sei dein Totenacker, sei dein Kältebad auf deiner wilden Jagd, entfesselter Wind, als der Nachtwind star­rend um die Häuser patrouilliert, die schneebedeckten Zweige schüttelt, hier entlang! Hat jemand die Wäsche gewaschen? Die Zweige neigen sich dankbar für jede Regung, die man ihnen antut, damit sie wenigstens ein bisschen Ge­wicht von sich stoßen können, denn lange noch, lange noch müssen sie den Perchtenmantel tragen.

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  • Flamboyant 3: Wir haben ein Date

    »Ich fühle etwas Großes, Chef«, sagte er jetzt, während Ulrich ihn bitter anblickte und eine Antwort erwartete, die es ihm ermöglichte, seinem heißspornigen Volontär nicht fristlos zu kündigen. Solange er selbst mit den Leuten sprach, um seine Spinnereien zu kultivieren, von Angesicht zu Angesicht, vielleicht über den zwischen den Parteien stehenden Bierschaum hinweg, wollte er gerne derjenige sein, der es ertrug, von Zeit zu Zeit mit verblüffenden Analogien konfrontiert zu werden, die so oft zum Brüllen komisch waren. Als Chefredakteur, der das Heft in der Hand behalten musste, war es ihm allerdings unmöglich zu dulden, dass der gute und langweilige Ruf der Zeitung auf das Niveau des San Francisco Examiner hinuntergezogen wurde.

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