Jazzuela als Morgenroutine

Ich habe also jetzt begonnen, meine Artikel und Übersetzungen von anderen Seiten abzuziehen und sie in die Veranda einzupflegen. Gestern schon; und heute gelang mir der Sprung tatsächlich wieder um 4 Uhr. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mir gestern sehr früh eine halbe Zopiclon verabreichte.

Jazzuela
Jazzuela

Verfolgt dieses Umrangieren einen Sinn, außer Zeit tot zu schlagen (die ich lieber für die Inhalte und vor allem das Lesen speichern sollte)? Nun, ich dämme vermutlich das Zerfließen der Sinne ein. Das Phantastikon ist im Januar seit zehn Jahren in Betrieb, und ich habe jegliches Interesse an der Plattform verloren. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, die Essais dort aus und für meine eigenen Interessen zu formulieren. Es tut einer Plattform erfahrungsgemäß nicht gut, wenn sie von einem Thema zum anderen wandert. In der Buchthematik zum Beispiel von Cortàzar, Borges oder Modiano zu Mädchendetektiven oder sogar – ganz nostalgisch – zu den Anfängen der drei Fragezeichen. Wenn man dann über Hitchcock-Filme parliert – oder den Srewball. Von seltsamen historischen Ereignissen zum Paranormalen usw. Heutzutage überfordert man seine Mitmenschen mit einer allzugroßen Bandbreite. Auf der Veranda ist es natürlich noch schlimmer, denn da kommen meine eigenen Erzählungen und Gedichte hinzu, oder – noch schlimmer – das Brouillon, in das ich schreibe, wann ich aufgewacht bin oder welche Platte gerade läuft – jetzt gerade Jazzuela -, eine Musikauswahl aus Julio Cortázars Roman „Rayuela“, der 1963 veröffentlicht wurde. Das Buch ist ein klassisches Beispiel für einen „Paris-Roman“, der lose und fiktiv im Paris der späten 1950er Jahre spielt, wohin Cortázar 1951 aus Argentinien übersiedelte. Es gibt kein genaues Datum im Roman (an einer Stelle heißt es „in den fünfziger Jahren“), aber man kann es ziemlich genau auf 1958 oder -59 festlegen, da es den Tod von Big Bill Broonzy erwähnt, der am 14. August 1958 starb. Im Roman wird auch ein Musikstück aus dem Jahr 1928 erwähnt, das „vor dreißig Jahren“ aufgenommen wurde.

Im Roman werden viele Musiker erwähnt, von der Klassik und Romantik über die populäre Musik der damaligen Zeit bis hin zum Jazz der 1920er bis 1950er Jahre und zum französischen Chanson (wie Leo Ferre).

Aber die Veranda ist genau hierfür gemacht. Sie ist kein Dokument des öffentlichen Interesses.

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