Kitty Moffert

Der Strand strömte, einem Zigeuner gleich,
Der ins Wasser gefallen, hinüber zur Insel
Der Mahagoni-Bäume, ruderte sandglitzernd
Mit grobporigen Armen, und wir ersetzten
Ihn gegen den Windacker
Ohne Almosen überhaupt erst zu fordern.

Es sah so aus, als lebten noch einige dieser
Bischofskröten, die nur wenn es donnerte aus
Den Erdritzen stakten, Goldhemd, Storchenstiefel an,
Aus einem Pamphlet rezitierend

die Stimme Zahngurgeln.

Die Majuskeln bestanden aus Bluturin,
Eine andere Tünche kannte der Verfasser nicht
Beim Namen, stolpernd über Hasenschlingen (man
Sieht ihn Tag für Tag im Zittergras
Verschwinden, das Generationen von Rennfahrern
Ernährt).

Ein aufgetrenstes Pferd,
Eine Harpune auf einem Schlitten.
Was siehst du da?
Die bescheidene Frage tauchte
Unwillkürlich auf, eine Sonne auf Halbmast
In einer nie mehr wiederkehrenden Bildmischung,
Stumme Sequenz, Schwenk und ab.

Der Ruhm ist ohnehin ein Akt der Näherinnen
sprunghafte Nadel
angefasst,
Ein überaus heißer Kuchen zerkaut
Den Pansen, gibt sich mehrere Minuten
Zeit,
Rennt O-Beinig über die Brooklyn-Bridge,
Auch wenn es nur so aussieht, weil dein
Teller das Licht so komisch filtert, unsere

Großherzigen Lampen noch nicht erfunden sind.
Beinahe hätte ich's vergessen,
Wie heißt die Dame eigentlich?

"Kitty Moffert"

Ähnliche Beiträge

  • Zur Nacht

    Zur Nacht – ich mag an einer bestimmten Stelle der Nacht Müdigkeit empfinden – aktiviert sich das Nachtgehirn, das sich ganz und gar von dem des Tages unterscheidet. Vielleicht tritt es gerade durch die Erschlaffung der körperlichen Funktion hervor. Ich ging auf und ab vor meiner Bücherwand; gehe ich nahe an sie heran, sind es viele, trete ich etwas zurück, bemerke ich vor allem das Fehlen jener Bücher, die noch nicht da sind. Dieses Fehlen fällt mir auf, weil noch Wand zu erkennen ist. Ich habe Mühe, die Nacht zu verschlafen – ein Traum ist ja nicht garantiert. Eine Nacht ohne Traum wäre allerdings vertan, also muss der Ersatz, der sichere Ersatz, die Lektüre sein. Nicht das lineare Zeilenfolgen, sondern das Fliegen durch auffällige Bände, die sich anbieten durch ihr leichtes Vorstehen, das Durchbrechen der sauberen Linie.

  • Wolf aus Erz: 4 Er hatte die Welt verlassen

    Erneut stieg Adam in seinen Kaninchenbau hinab. Dazu brauchte es nicht viel. Einfach den Blick auf ein Farbpigment gerichtet, und schon sah er sich und seinen Bruder zurück in ihre Betten schlüpfen, obwohl das gar nicht zur Dramaturgie der Fotografie gehörte. Noch war nichts geschehen, Helmut noch nicht gefressen worden. Nur der Wolf war schon da. Er forderte durch seine Existenz, ab jetzt aufmerksam zu sein, denn bald würde alles aus den Fugen geraten. Adam war verblüfft, wie frei er sich bewegen konnte. Er schlich an Lumpi vorbei – das war eigentlich ausgeschlossen. Wie ein Seismograph reagierte der nämlich auf jede kleine Veränderung. Der Kettenhund bemerkte ihn nicht und schlummerte mit der Schnauze auf seinen schwärenden, vom Kot verklebten Pfoten. Er winselte leise im Schlaf. Adam dachte darüber nach, ob er ihn befreien sollte, sozusagen als Test, ob er wirklich in der Vergangenheit vorhanden war. Er spürte sich gleichzeitig da oben auf der Couch sitzen (von einem Kaninchenbau aus gesehen, musste es oben sein) und hier neben dem elendig aussehenden Hund stehen. Er hob eine Hand vor sein Gesicht, um sie zu betrachten, hatte das Gefühl, den Arm zu heben, aber vergeblich. Er war unsichtbar, nur ein Gedanke, der durch längst vergangene Erinnerungen strolchte. Sein Körper saß in diesem Hotelzimmer und starrte ein Bild an, das sein Vater einst geschossen hatte. Trotzdem dachte Adam darüber nach, warum er nicht fror und keinen Schnee sah, wo doch das Bild ein Weihnachtsbankett zeigte. Oder irrte er sich? Befand er sich in der falschen Zeit, oder konnte er gar gehen, wohin er wollte?

    Mehr lesen „Wolf aus Erz: 4 Er hatte die Welt verlassen“
  • Halkyonische Tage

    Als ich mich umdrehte, sah ich etwas, über das ich nie Worte verlor. Die Ereignisse müssen sich, unterschiedlich benannt, wiederholen; Schall (Ausbreitung von Druck, Dichte, Temperatur, Geschwindigkeit). Ich sah den Winter in allen Gefilden, Halkyone und ihr Gatte Keyx bereits in Eisvögel verwandelt. Kein Ruf, den man der Nachtigall stiehlt, nur zwei Menschen sind alle Menschen, nur eine Insel ist ihr Bett und nur das Schweigen ist ihr Tod, das Geräusch deiner Bewegung, wenn du nicht mehr bei Sinnen bist, wenn du glaubst, dass die Tore sich bald weit öffnen werden, große Tore, so groß wie hoch wie weit, da kommen wir her, aus dieser Erinnerung, es entsteht ein Vorhang mit eisigen Nüstern (das Pferd von Füssli entsteht).
    Die Träume sind die Gattung, der Alptraum ist die Art (Rose, Maske, Münze, Verbrechen, Liebe, Tanz, Furor). Um im Traume den Schaden abzuwenden, wiederholt man dreimal die sehr berühmten Worte des Götz von Berlichingen. Die Bleichweiber zeigen indes dem Hagel den nackten Hintern, auf demselben lassen sie sich das Brot kneten, doch da ist etwas an den Büchern (wenn man den Frosch nicht küsst, den Apfel nicht reibt). Nichts als Gaukelei, vielleicht der letzte Ort. Sonderbare Zeichen hinter der Schulter. Das Jahrzehnt hat sich nicht gänzlich zu verabschieden gewusst, tief in der Erde fließt noch Blut, pulsiert ein Herz aus Granit, unterschiedliche Töne und Szenarien, die lose von der Decke herunterhängen wie Lappen, die auf einen Tisch geworfen wurden. Europa, der alte Kontinent, der seine überaus wirksame Magie an seine Außenränder hinausdrängt. Der Versuch, unter der Eisdecke die Einbruchstelle wiederzufinden, wie du dagegen gepocht und geklopft hast, um von unten ein Loch zu hauen, die Augen aufgerissen, schon wie ein Gespenst, die Haare Algen, die um ein Kalkgesicht schweben, haariges Wasserschweben, im Wasser schwebendes Haar, jedes Wort, jeder Ruf eine Sprechblase ohne Worte darin, nur angefüllt mit ranzigem Leben, als die Gestalten, die du sonst nur träumtest, plötzlich durch Zeit und Raum brachen.

  • Überall ist Hubertustag

    Kam noch nicht um die Ecke (ich) war noch nicht abgenabelt, aber man legte den Rechen nieder, die Spindel die Krüge das Jochbein: das Bein schwang sich (wer hatte) aus dem Sattel / um den Junker anzustarren / gute Kleider / die Mütze maltraitiert / jetzt kann ich’s sagen: überall ist Hubertustag.
    Die nächste Minute, die nächste Atempause, der nächsten Nebel, der um eine Begegnung, Bewegung, tanzt, mäandert. Und der Nachhall im Ohr, der sich aufmacht, ein Wort zu werden, eine Sprache des Bewusstseins. Ein langer Tag tritt nackt aus der Umkleidekabine, verschließt seine tückischen Schlösser, die vorher gar nicht da waren, Schlösser ohne Schlüssel.
    Lass mich ruhig raus, ich bin der Tag! Hinter dem Nebel ein Pfad; Pferde tragen die Wörter in den Gehörgang, Schall und Wahn, eine Rakete pro Silbe, eine vergnügliche Sperrstunde, ein wirkliches Verständnis, gerade noch geradegebogen, eine Kurve, dann geradeaus, immer geradeaus, bis man da ist, nächstes Ziel. Eine Fahrt, zurück aus dem Blau. Ich bin der Wandrer, du der Riemen, um den Stock gewunden, der mir die Hand fesselt; dem Stocke nach, folge mir! Wie durch ein Wunder kreuzen sich die Wege der Menschen. Es wird nicht gelingen, sich aus dem Wege zu gehen. Das versteht man hinterher immer besser, währenddessen ist es nur phantastisch. Tiefsitzenden Verwebnisse, die ziellos umherschnellen, blinde Schlangen, den Kopf gekappt, zuckende Schläuche, Purpurwasser entlassend, das Leben rinnt aus jedem Ding, das brackige Wasser seiner Leidenschaft, der tiefe und offene Moment seines Seins. Ein verwilderter Garten mit Früchten der Überreife. Früchte, die so süß schmecken, dass man die Fäulnis stets mit isst. Diese Tage gingen vorbei wie ein einziger. Wer bist du? Und er hatte die Wahrheit gesagt. Niemand.

  • Momentane Argumente

    Argumente in einem verkleideten Raum
    passen sich den Wänden an, täuschend echt
    stechen sie aus der Ummantelung, unfähig, sich
    zurückzuhalten. Ihr Blut ist mit dem
    Messer verwandt. Geräusche kommen und gehen,
    verabschieden sich mit Handschlag. Die
    Souveränität ist ihnen anzusehen.

    Außerhalb der Umfriedung treibt ein Spiel
    sein Unwesen, hängt Gartentüren aus und
    beschmiert sie mit abgelaufenem Senf. Nichts
    könnte schöner sein als der Schock des kalten
    Wassers nach einer durchwachten Nacht,
    ohne Kuckucksuhr, ohne Okular, kurz : ganz
    auf die Sache eingeschworen.
  • Marionettentage

    Vereinfachend könnte man rezeptös formulieren : nehme doch,
    ob Mann ob Frau eine Handvoll Metamorphose, Namen von
    Scherenschnitten & gebe sie in einen Zeichenkasten. Die
    Erkenntnisse reichen von banal über naiv, tiefschürfend &
    hausfrauenpraktisch.

    Zu den Tönen sind ihre Werkzeuge noch ungebraucht,
    folglich sind jene hoch und mächtig an Akzenten. Je mehr
    die Grammatici den Inversionen Fesseln anlegt, je mehr
    Synonyme unterschieden oder weggeworfen werden, je mehr
    statt der uneigentlichen eigentliche Worte eingefügt werden,
    desto mehr verliert das Ohr an Empfindungen.

    Stellen Sie sich vor, jemand gäbe Erklärungen ab,
    ein Springfeuer versucht sogleich, den Schwätzer
    aufzufressen, mit einem Ford nach Transsilvanien
    unterwegs, das es bald nicht mehr so geben wird,
    wie man bis dahin dachte, dass es sei.

    Niemand achtete auf den Halo, etwa um ein neu
    entstandenes Gebäude herum, in dem die
    merkwürdigen Geschehnisse von außerhalb
    in einem Aktenschrank, staublos
    einsehbar sind.

    Die Balz beginnt, das Treffen von langer Hand
    vorbereitet, wird zu etwas Anderem, das weniger
    Federn lässt. Ratio, wird darüber hinweggeschrieben,
    aber ist es denn nicht nur Geschmiere? Dieser
    Eindruck, der vergänglich ist wie eine
    Sonde im Magen.