Vor uns die Sintflut

Ich ging aus der Wohnung. Vor der Tür entdeckte ich Minka, die irgendjemand mit ihren Zöpfen am Eisengeländer festgebunden hatte. In gebückter Haltung, wie es ihre Fessel nur zuließ, versuchte sie mit den Händen über ihrem Kopf, den Knoten zu lösen. Sie konnte sich nicht zu Boden fallen lassen, obwohl ihre Knie ihr immer wieder diesen Befehl zu geben schienen, aber sich auch nicht strecken, was den Reflex erklären würde, der ständig dahingehend in sie fuhr, daß ihre Kopfhaut schmerzlich reißaus zu nehmen trachtete, es aber für unmöglich befand. So hing sie da vor den rostigen Streben.

»Machst du mich los?« fragte sie manierlich, obwohl ich doch nur da stand und glotzte.

»Ich glaube nicht, daß ich das kann. Jemand muß dich losschneiden.«  

»Ist mir egal, dann schneid mich eben los!«

Wie sollte ich ihr beibringen, daß mir gefiel, wie sie da an dem Geländer angebracht war. Außerdem könnte derjenige, der sie in diese ästhetische Figur gebracht hatte ja wütend werden, wenn man sein Werk zerstörte. Ich sah mir ihre Zöpfe genauer an. Da war nichts zu machen, man benötigte wirklich eine Schere, so fest waren die beiden Stränge ineinandergezurrt. Ich dachte mir, wenn man ihr jetzt die Hose runterzöge, könnte man ihren Hintern und den Rest ohne Komplikationen untersuchen. Das Dumme war nur, daß jederzeit jemand hätte auftauchen können, dem das Ganze nicht gefiel. So eine Art Spielverderber.

»Was bekomme ich dafür, wenn ich dich losmache?«

»Mir egal. Sag, was du haben willst, nur mach schnell!«

»Du musst dich ausziehen und mir alles zeigen.«

Jetzt kam die Antwort nicht mehr so schnell, sie schien zu überlegen, in welchem Verhältnis ihre missliche Lage zu meinem Wunsch stand. Als sie einwilligte, glaubte ich ihr natürlich nicht, aber sie: »Wenn du noch länger wartest, wird mich ein anderer befreien.«

Da sagte sie etwas Wahres. Ich sollte meine ohnehin schon geringe Chance nutzen. Zu verlieren hatte ich nichts, aber wie so oft täuschte ich mich in der kleinen Bestie. Als ich sie endlich – und ohne viel Aufwand vom Geländer geschnitten hatte – so viel Haar blieb gar nicht zurück – blickte sie mich mit ihrem überaus rotem Gesicht lächelnd an. »Wohin gehen wir?«

Das hatte ich mir überhaupt noch nicht überlegt. Das Wetter war angenehm mild und der Wald nicht fern. Das sagte ich ihr, und sie willigte ohne zu zögern ein. Das gefiel mir ehrlich gesagt nicht, sah ihr nicht ähnlich.

»Und du wirst wirklich…«

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