Wir bezahlen den Wein natürlich

Der Empfang, dem man dem Triumphator bereitet, währt kurz, Io Triumphe, Thriambos, gesiegt hast du, Bacchus! Wolf zwitschert auf einem Grashalm ›Mull of Kintyre‹, die anderen sehen lieber zu, dass sie weg kommen: da brandet bereits der Ärger mit einer Schürze bekleidet heran, naht in Form einer Donnerwolke. Bloß zurück, zurück zu den Strohbundhäusern!

Adam verteilt die Flaschen, der schwarze Asphalt gibt ihren derben Tritten Geschwindigkeit.

»Wir bezahlen den Wein natürlich!«

Carisma ist ziemlich verlegen, weiß sich gar nicht zu helfen. Im Erdgeschoss rumpelt Carlos, geschminkt, aber demaskiert, vor der Bildergalerie wildtriefender Jagdszenen durch den muffigen Flur, wütender Dampf zischt aus allen Poren des geschwollenen Halses, Theseus, befleckt mit dem Blut des Minotauros. Ein echter Aufreger ist das, den Vermieter zu bestehlen. Der Keller ist offen, eine Werkstatt, der Heizraum, eine einzige Parzelle mit einer Militärtruhe, die Kirschen in Gläsern, in einem Verschlag der Wein. Karl Kuckuck verzeiht ihr, aber er verzeiht nicht Adam, der immer nach oben kommen durfte, wenn seine drei Töchter roten, gelben und schwarzbraunen Pudding ineinanderflochten.

»Will er denn Pudding?«

»Ich frage ihn, er schreibt gerade Hörspiele ab. Adam – !«

Vinyl, wie Adam es nicht hat, nicht in Verbindung mit diesem Geruch, der Schaltzentrale; Regiehebel mit automatischer Plattengrößenabtastung, ein hydraulisch gedämpfter Lift, Anti-Skating-Einstellung mit Tonarmauflagekraft gekoppelt, in allen Bewegungsebenen ausbalanciertem, resonanzgedämpftem Tonarm mit einschiebbarem Tonkopf, Feinstkugellager, dynamisch ausgewuchtetem, nicht magnetischem Gussplattenteller, verwindungssteifer Mehrschichtplatine mit Butler-Finish-Oberfläche. Er kam also nur, weil er das Phono-Meuble mit dem Perpetuum-Ebner öffnen wollte, um das Vinyl, den lasierten Nussbaum zu riechen, und von oben auf die Tonarm-Automatik zu spähen.

Raha ist die Stadt der Finsternis, der Nullpunkt aller Städte, das Gegenteil einer zerfließenden Natur, die sich ihre eigenen Bedingungen sucht. Auf dem Weg begegnen ihm Gesichter. Sie alle sind gut bei Stimme, aber wo ist der Rest?

»Wir bezahlen den Wein natürlich!«

Adam stellt sich dorthin, wo er den Satz hören kann. Soweit ist es also gekommen: sie entschuldigt sich für ihn, während er die Leckereien an die Artgenossen verteilt, aber – sind sie das? Haben sie irgend etwas gemeinsam? Nehmen doch alle noch einen Schluck. In Wirklichkeit geht nur eine Flasche Thüngersheimer Scharlachberg Kerner Spätlese drauf, die anderen fünf Flaschen, darunter ein Iphöfer Eiswein, bringt er reumütig zurück. Carisma öffnet doch tatsächlich das Portemonnaie. Eine Verlegenheitsgeste, das ist klar, sie weiß überhaupt nicht, was sie rausholen soll. Kurt Kuckuck winkt mit einer Hand, blau wie sein Overall, ab, denkt an den Pudding, den er gerne aus dem Flegel rausdreschen würde, winkt ab, weil Carisma schon seit 23 Jahren Miete für dieses schimmlige Kellerloch bezahlt. Und Carlos da unten tobt, walzt auf und ab. Als Gespenst würde Adam lieber den Dachboden bezwingen, aber da würde man ihn trampeln hören, wie er sich so nächtlich auf den Spuk vorbereitet. Im Keller aber, da spürt er sein Unterbewusstsein, spürt seinen Kern auf.

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    -Das Leben ist nicht immer ein Fest
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    (die Ängste, die mich beim Auffinden unserer Zivilisation überkämen, wären dann mein Indikator)
    auf diesem steinigen und dörren Anwesen in Hardheim im fränkischen Odenwald, dort sitz ein Mädchen

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    du trägst ein luftiges Kleid, ich wünschte, es wären Fetzen, als ich dich fand, da wartete ich auf das Täubchen, das ich für einen Engel hielt, als du mit mir gingst, erkannte ich Myrrha wieder, die du mir verschwiegst