Alles Geisterhafte war mir von Anfang an vertraut

Alles Geisterhafte war mir von Anfang an vertraut. Kein Ort, an dem ich jemals war, der nicht von einem Spuk heimgesucht worden wäre, auch wenn ich längst und viele Jahre schon mein eigener Dämon bin. Doch es könnte sein, dass Geister auch mit der Jugend verschwinden; sie verschwinden vor allem dann, wenn man sie nicht mehr sucht, weil man ein Teil von ihnen geworden ist. Dadurch kehrt eine äußerliche Ruhe ein.

Im Gefüge herumkratzen. Es ist wie einen Körper betrachten. Es hat einen Grund, warum wir ausgerechnet diese Gestalt haben und keine andere. Wir sind immer und zu jeder Zeit, wer wir sein wollen. Und das Schöne ist: Nichts existiert wirklich, alles wird nur von Gedanken aufrecht erhalten, von unseren Beschreibungen und Erzählungen. Die aber wirken, weben also Welt.

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  • Flaum der Nacht

    Ich kann’s nicht, wenn’s mich erklimmt,
    aber danach genauso wenig oder noch
    weniger, als wäre der Stollen der
    Länge wie der Breite nach vollkommen. So
    kann der Rat nicht eindringen in
    die Brust, die schläft, aber zuvor
    alles unternimmt, sich unter ein
    gewisses Niveau zu senken. Überhaupt
    ihr Senken ist es, das mich bisweilen
    auffahren lässt, um zu verstummen.

    So natürlich ist der hinzugewonnene
    Schmerz nicht, der zu blühen beginnt,
    wenn die Nacht längst aus ihrer
    Schale Schandtaten entlässt, die kaum
    mit großartigen Referenten versehen
    von alten Vasallen kündet oder das Bett
    anzündet, um in der Corona
    spazieren zu gehen. Man wüsste es
    längst, wenn die Tage sich so
    kennzeichnen, wie es besprochen wurde.
    Ihr vorzeitiges Auffinden wäre
    dann ein Makel.

    Die Manegen wehen in ihren Körnern, ihr
    Braungehalt rinnt talwärts, quakt sich an.
    zeugen rufen an, bestätigen ihr Bild
    von ihr, ein Zahlenkoloss, schließlich
    eine Rede. Entsetzlicher Brei flutet
    die Töpfe, Kettenwinkel in den Spannen.
    Die Übertreibung zieht Höcker nach sich.

  • Vor uns die Sintflut

    Ich ging aus der Wohnung. Vor der Tür entdeckte ich Minka, die irgendjemand mit ihren Zöpfen am Eisengeländer festgebunden hatte. In gebückter Haltung, wie es ihre Fessel nur zuließ, versuchte sie mit den Händen über ihrem Kopf, den Knoten zu lösen. Sie konnte sich nicht zu Boden fallen lassen, obwohl ihre Knie ihr immer wieder diesen Befehl zu geben schienen, aber sich auch nicht strecken, was den Reflex erklären würde, der ständig dahingehend in sie fuhr, daß ihre Kopfhaut schmerzlich reißaus zu nehmen trachtete, es aber für unmöglich befand. So hing sie da vor den rostigen Streben.

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  • Polka Dots

    Da war diese Erscheinungen im Wald. Das konnte man vielleicht abtun. Man musste nicht alles glauben, solange man nicht selbst davon betroffen war. Aber es sprach sich herum. Ein Jux, sagte man, ein geschmackloser obendrein, aber nicht gar so geschmacklos, wie uns verkaufen zu wollen, dass da jemand auf dem Mond gelandet wäre, sagte man. Da kann man gar nicht hin, das kann man technisch gar nicht bewältigen, sagte man. Wo doch gar nicht einmal feststeht, ob es den Mond überhaupt gibt. Natürlich gibt es den Mond, was ist denn in dich gefahren? Man sieht ihn doch da oben! Ja, aber vielleicht ist das nur eine Täuschung, eine Luftspiegelung. Wie in einem Kabinett auf dem Wiesenfest; du denkst, du weißt, woʼs langgeht, du hast doch Augen im Kopf, und dann knallst du gegen die Scheibe! Du hast Recht, ich knalle auch immer gegen die Scheibe, aber die Russen waren doch auch schon oben! Also, ich glaube an die Russen. Ach ja? Du kannst ja mal rüber gehen, wirst schon sehen, wie sie dich empfangen! Und der Mond ist mal groß, mal klein, ist euch das noch nicht aufgefallen? Groß und dann wieder klein. Man hat doch, ich schwörʼs, diese runden Türme entdeckt, in welchen der Vollmond jeden Monat gegossen wird, um dann mit einem großen Katapult in den Himmel geworfen zu werden. Der Mond erkaltet unter der Erde, wird fest in den Tiefen, wird zu Basalt und Eisen.

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  • Dunkelheit der Seele

    Als ich anfing, ist’s (dann doch) ein Köter geworden. Aber Mary hatte einen Zahn. Die Wiese ging nur bis zum Baum und verschwand in dem ein oder anderen Garten, schließlich waren wir alle nicht besonders rücksichtsvoll und wollten gemeinsam die Alte Mutter ausgraben, die hier irgendwo liegen sollte. Ich grub zuerst (und es ist – dann doch) ein Köter geworden, den ich fand. Knochig und gelöst von Würmern und Dingen, die so bizarre Namen trugen wie Triosephosphatisomerase.

    Er kam mit mageren Lenden, magerem Beinwerk, gar keine Macken außer seinen zuckersaugenden Lippen (wenn er denn Zucker fand, zu einem Würfel zusammengehauft). Die Rippen eher die Adern eines Blattes, Spanten eines versunkenen Schiffes : so schritt er den Gurtbogen entlang des Tonnengewölbes, kratzte sich die Kehle frei und schmetterte wie ein Bügelhorn : Jetzt bin ich so weit gekommen, und wenn ich mich umdrehe, erkenne ich die Hand vor lauter Augen nicht mehr, so nebelicht scheint mir der Weg, versponnen mit der Dunkelheit der Seele!

  • Schluchten

    Zerrüttet ist das Schiff
    zersprungen an der Kehle
    Ein
    Gigant
    der außer sich
    die Taue kämmt

    Eine Zahl wievieler Welten, den Nordwind
    unterm Hemd, das den Applaus beginnt.
    Beschwert sind die Lider, geduckt die Membran
    wo Aberwitz ins Tal gelassen

    Möchtest du deine
    Schluchten schluckend schlürfen?