Der goldene Brunn

Ich trete hinaus in eine Wirklichkeit, die das Ergebnis vermittelter Konstruktionsprozesse ist. In vollkommener Isolation komme ich an Behausungen aus Holz und Bambus vorbei; Chakren, Ansanas. Apollon verwundet hier die Schlange Python. Dichtes Gewühl. Gewahre Schatten von Verfolgern, die nun nicht mehr von mir lassen. Viel Verkehr, vom Irrsinn gebläute Augen. Verstrickungen wie diese, dass man mich anspricht.
Ich antworte im Namen der Schwarzen Löcher, im Namen ihrer absolut verdichteten Materie. Auch ich bin das genaue Gegenteil von Zeit. Was es nicht alles darüber zu sagen gäbe! Ich will einem dieser Führer gestatten, voran zu gehen, sage nichts, nicke nur. Wir gehen, beide mit freiem Oberkörper, auf eine Auto-Rikscha zu, deren Seiten mit Lilien, Weinstöcken, einem Pentagramm verziert sind. Großer Architekt; der erwachte Mensch hebt die Hand, die steif ist.

Der Priester empfängt mich im liturgischen Gewand für Trauerfeiern auf dem Vorplatz der Kirche
(denen rot ihr Blutkleid schallt), verkündet den gegen sie ergangenen Spruch, in einem Lederhandschuh steckt die Hand, begleitet die Todgeweihten in das mit schwarzen Tüchern ausgekleidete Schiff, die Totenmesse oder die Türen sind immer da, nur der Durchgang ist es nicht (die Leprakranken liegen auf der Erde, sie sind reine Attrappe), gab ihnen einen schwarzen Schleier und verabreichte ihnen einige Schaufeln Erde. Großartig gewundene Marmortreppen hinauf zu einer durch ein Messinggeländer eingefriedeten Brüstung. (Der kosmische Vogel : Pfau mit einem Gefieder aus 365 Farben). Drei byzantinische Türen, auf jeder prangte ein Doppeladler, die man aus Babylon kennt und die dann später die Palalaiologoi für sich benutzten, an jeder Seite hängt eine lange goldene Kordel herab, unten wie ein Rasierpinsel, durch welche Tür würden Sie gehen wollen? Die steife Hand, ob in diesem Leder auch wirklich eine Hand steckt? (Sylphide im Buschwerk von Arnheim), jeder Gegensatz drängt zu einem Ausgleich, mit der Drei, sozusagen mit den drei Türen wird die Trennung aufgehoben, das Eine wäre nie erkennbar geworden. Eine Entscheidung hat immer etwas Endgültiges, man denkt nur, man könne sie revidieren (die Entscheidung), aber dann : jegliche Literatur ist träumen jeglicher Traum ist Literatur, ich weiß, was sie sagen wollen, es ist nichts anderes wie der Wunsch, ein Buch wiederle­sen zu wollen, das niemals geschrieben oder sich nach einem Menschen zu sehnen, den es niemals gab (sie sind alle ver­sammelt, auch die zukünftigen), es gibt kein ungeschriebenes Buch, aber es gibt ungeöffnete Türen, mit Türen verhält es sich anders. Und er geht zur rechten äußeren Tür, öffnet sie und sagt »Kommen Sie« in das Geheimnis das nun folgt. Mit dem Schaber­nack drückt man die höchste Weisheit aus (Charles Lutwidge Dodgson, der ja Mathematiker war), eine Schrift (varnte diet), die Goliarden in Meigarto, eine Sprache und unzählige Pflanzen zu erfinden, die zwar allen ähneln aber auch weit davon entfernt sind, das Ganze dann innerhalb eines Kunsthandwerks liebevoll heraus­ stellen, welchen Zweck könnte derjenige verfolgen? Im Mittelalter war das Fälschen eine wunderbare Begebenheit, die uns noch heute Fiktionen als Wahrheit (Charlemagne), oder aus Rache für die Verbannung des Vaters (Uranos) schnitt der jüngste der Titanen Chronos das Zeugungsglied (die Zeugung) ab und aus dem Blutstropfen entstanden die Erinnyen, wofür wir ja zuweilen dankbar zu sein scheinen, besser, denkt sich der gemeine Mensch, ist es, etwas Falsches zu wissen, als gar nichts zu wissen. Das Symbolon besitzt immer Doppelcharakter (des Realen wie des Irrealen), symbolisch kann nur sein, was in Einem auch das Andere einschließt, dem Tarot dient hierfür die Karte des Gauklers, wie der zur Meis­terschaft gelangte Mensch vor einem Tisch steht, ist er rund, bezeichnet er den Erdkreis, ist er rechteckig, birgt er die Zahl 4 der Materie, und in einem fröhlichen Spiel aus der Fülle seiner Möglichkeiten schöpft er die Bedeutung von nichts anderem, als dass zwar jeder Mensch die Welt, die er wahrnimmt, selbst erschafft, aber nur der etwas davon hat, der das auch erkennt. Die Welt be­steht nur insofern wir sie in Symbolen denken und erfahren. Die Frage nach dem Warum ist wesentlicher als der Text selbst, die Geheimnisse ändern sich, nicht die Frage, die man sich stellt, während sich die Antworten der Mode angleichen. Erwachsensein ist nichts als die Vollendung der Verblendung und Stupidität unter der dann das Leiden zu ertragen ist. Sie behaupten also, wenn sich die Edamer Katze vom Schwanz angefangen in Luft auflöst und nur ihr dämliches Grinsen bleibt, ist das ein Dokument zur Erklärung der Welt. In der Tat, beinahe exakt ausgedrückt, bedenken Sie aber, dass dieses Grinsen keineswegs dämlich ist sondern eine unheimliche Wirkung erzielt, denken Sie an das typische Raubtiergebiss einer Katze und dahinein das verzerrte Grinsen, ein wirklich dämonischer Gedanke. Als nächstes denken Sie sich das Grinsen allein in der Luft.

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    ich setze einen Fuß über die Schranke
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    Die Novelle: Hört es sagen, von der abgerollten Rolle gelesen; (als stünd’ er da in Stulpen) mit diesem Erlass (und kann die Kurrentschrift schlecht lesen) scharrt auf dem Podest, ein Knopf weist auf eine Schublade hin, die unter dem Rhetor noch andere Rotuli enthält, frikative Labiale (hier etwas Speichel in den Backenofen fahren lassen, an der Zunge zunken, wie eine Zitze zutzellen, schnaupen durch ein einziges Nasenloch, Atem pfeifend ausstoßen, Luft anhalten um einen roten Kopf).

    Fast wäre ich es gewesen, der es versäumte, dich reich zu illuminieren. Vom Tal zur Höhe ist es nicht einmal halb so weit wie gedacht, die Abkürzung ist nur ein vorübergehender Schwindel. Das Anrecht, mit den Fingern im Nacken zu graben, hat der Sturm. Schwarz ist die Wolke, schwarz das Licht.

    Man kann diese Hände, die aus dem Mauerwerk ragen, nur schütteln, sehʼn kann man sie nicht.

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