: dass man in der Veränderung steht, dass man in der Veränderung sich nicht selbst verändert. Gestreift wird vom Verfall, andere verfallen und man selbst. Aber es sind nur Kleider; man hat eines angezogen, darüberhinaus ändert sich nichts.
Aus einem Balkon tranken wir Würze, wir tranken das Leben in einem einzigen Zug, installierten unsere Vergangenheit in dieser Gegenwart, für immer ein Gemälde der Erde, Land, Zeit.
Er kam über die pittoreske, aber unnütze Steinbrücke, die mit zinnenähnlichen und auskragenden Absätzen verziert war und die sich seit vielen Jahrzehnten nur noch über Gneisbrocken, Schiefer und Unkraut beugte. Sein angestrebtes Ziel war der Hof, der aus dem wolkigen Dickicht reckte, und der von seinem Standort aus gesehen ganz genauso verlassen wie alle anderen Höfe in dieser sinnlosen Zeit wirkte. Die abgestorbenen Brisen fanden keine intakte Höhlung mehr vor, die den windigen, feuchten und veränderlichen Tönen als Tanzplatz diente.
Die Schilde wurden von starker Hand gehalten, Stühle auf dem Boden festgeschraubt. Auch hingen besagte Bilder bereits an den zu spät entdeckten Wänden, die aus diesem Grunde einen Schatten zogen.
Jetzt entsteigt sie : sehen Sie sich ihr Profil an : ist das nicht die Kontur des Kontinents? Des Gesuchten? Hier, in diesen drei Wänden stolpert jede Gewissheit.
Pulkende, Pullende, Pumpende Sommerstrahlung Dauernde, Lauernde, aufgestaute Verglasung Ohne Ornamentik, kahl, beinahe zu kahl. Das wird ein Spiel um den höchsten Grad der Verzückung,
das wird ein sich aufbäumender Raum, der sich über die ohnehin vorhandenen Veränderungen stülpt. Die Negation kann die Form eines Fisches annehmen, außerhalb des Schwarmes, dem Zahn-Balken ausgeliefert, weil selbst nicht hungrig genug, einer Gefahr das Herz auszubeißen.
Inmitten des Ozeans ist die Schwerelosigkeit ein drückendes Beispiel marodierender Existenz.
Algen : Schergen des Gärprozesses, winselndes Gebräu des Urschlamms, Vollstrecker, Bruder Schlamm, Schwester Fäulnis.
Du wirst wandelbar in meiner Haut, wie willst du mich umarmen?
Subkultur. Nur wenn man sich unsichtbar Oder Unscheinbar macht, fährt man mit.
Zunächst sitzt ein Kleid auf einer Bank, Angezogen von Füßen, die von Schuhen nicht Eingekesselt (es ist etwas Seltsames an Füßen, sie erweitern das Geschlecht).
Die Landschaft ist ein Streifen mit der Zunge, aber mit den Füßen auf der Erde, Auf der Bank und dem Kleid, Erkannten dich die Glockenblumen wieder.
Kaffee gibt es in den unterschiedlichsten Höhenlagen, deshalb natürlich auch in Kempten. Wer es gerne hat, dass sein Kaffee nach alten Zeitungsrollen und Druckerschwärze schmeckt, der beehre den Herrn Birnstiel, seines Zeichens freilich kein Kaffee-Ausschenker wienerischer Couleur, sondern hoheitlicher Marketender für Druckartikel aller Art – und einer der letzten einer aussterbenden Zunft.
Heute empfing er den Meister ganz im Blüschen, mit Schlips und ordentlicher Bommelei, festlich und fesch, gekämmt und adrett. Ein stattlicher Zeitungswaren-Vorzeiger (der sich auch mit Tabak, Haschischpfeifen und – nur so zum Spaß – einem Kaffeeautomaten brüsten kann. Man kann sich hier im Laden schlicht über alles unterhalten: Knötchen in der Brust, wo bekommt man ein bezahlbares Hirschgeweih, war die Fußpflegerin heute wieder schick?; bei Presse Birnstiel tobt der Figaro-Gedanke wie sonst nirgends mehr. Hätte Kempten eine Mutter, dann hieße sie Herr Birnstiel. Weiland kaufe ich meine wie auch immer gearteten Heftchen dort, die dann, Opfer jeder Sammlung, irgendwo im Keller lagern. Aber nicht diesmal. Diesmal bin ich auf der richtigen Spur, die da lautet: Hochphilosophie. Im Zeitungsschlabberladen? Oh ja, denn ich habe es auf die Buchrücken der LTBs abgesehen, Kater Karlo als intergalaktischer Schurke. Ist das nicht very well by the way? Tröstet euch: auch wenn der Kaffee für umme war, er schmeckte nicht besser als ein angebohrtes Leitungsloch und ich habe ihn dennoch getrunken. Wird das Auswirkungen auf meine Gesundheit haben? Ich glaube nicht, denn selbst die schlimmste Kloake verwandelt sich in Kempten in ein übersinnliches Tröpfchen aus dem Acheron.
Hinter den in Reih und Glied stehenden Mülleimern zugte ein Schienenbus vorüber, knarzte bei quiekenden Fahrgeräuschen schwarzen Rauch in den wintergrauen Himmel, die Gesichter hinter den Scheiben kaum von Eisblüten zu unterscheiden. Geister, wir im Anorak mit Fellkapuze, abnehmbar.
Besungen habe ich – und hauchte damit ein dem Sang mein Leben, das ich selbst von ihm erfuhr; besungen habe ich all das, was ich erfuhr von meiner Selbst. Aus frischem Munde drangen Töne, drangen Noten, drangen Taten, frische Moritaten, den Bänkelsang stets eingeübt, jetzt virtuos ans Ohr gestellt.