Generator

Ist der Generator all dessen
was wir gleich vorfinden
noch nicht gestartet worden

kein Wetter, kein Klingeln

ohne ihn gibt es nur den
unerforschten Schlaf
aller Dinge

Ähnliche Beiträge

  • Rätselhaftes Rascheln

    In der Nacht blutet die Dunkelheit, sie tut's.
    Auch bleiben wir gerne in den Beeten stehen, um zu
    beobachten, was sich daraus ergibt.
    An der Ecke steht jemand, der fast unbekannt ist.
    Dort treibt er Einkaufstüten im Kreis herum,
    übersieht Ampeln,
    übersieht wichtige Fragmente zum Auffinden der Welt.

    "Von wo aus rufst du an?"

    Aber schon ist es zu spät, die Schornsteine pusten wieder.
    Bleibt der Knopf an der Tür, der früher eine
    Klingel war,
    der früher nicht da war.

    Nennt ihr, Welt, dieses Ding?, Welt?
    Die Bewegung, die Veränderung, Leben?

    Okay, was sich in diesem Beutel be
    findet, ist wirklich kein schöner Anblick, es kommt
    vor, dass ich hinein
    greifen muss, um ein Stück Anweisung hervorzuholen,
    dann stehen wir still und applaudieren heftig,

    will ein Frosch eine Biene lecken?

    Ich frage mich, ob jenes rätselhafte Rascheln nicht
    schon früher den Prozess der Reinigung meines Ichs
    begleitet hatte; die Xenomimie kann sich aus der
    einfachen Vorbildwirkung eines anderen ergeben. Ihre

    Gedanken, die unablässig um das unglückliche Opfer
    kreisen, wirken wahrscheinlich wie starke, giftige
    Ausdünstungen und durchdringen, wild durcheinander
    wirbelnd wie Schlangen im Nest, die ganze Umgebung.

    "Könntest du mir nicht
    dabei helfen?"

    Für mich war der Clou des Festessens eine bestimmte
    Art von Neunaugen, für dich ich schwärmte. Niemand
    war zu sehen, überall herrschte Stille, ein hoher
    Schatten huschte vorbei, seine Erledigungen verspätet.
  • Spukhafte Fernwirkung

    Von diesen Erlebnissen habe ich mir Skizzen gemacht. In einem Gewirr stecken Säfte fest, Disteln durchreißen nadelstichig die nahe Umgebung, Trampelpfad, Trampelerschütterung, Schritte offener Sohlen, behuft weiterziehen. Nirgend Ziel. Nirgend Beginn. Tal hinter Wildnis, Kot abdichtet der Häuser Fud. Konzert für Jazztrompete und Einhorn, ein Mündel wippt auf einem Stab, Brennholz, soweit das Auge / Alle Gleichzeitigkeiten in Glockenblumen schwenken. Die Welt eine Theorie aus Zufall, der schöne Tod ein Gebein im Kleid, Humor ein Rauschen der Silben; die Sprache erstickt: Teerkotze haftet an den Lippen, Zungen vergeudet. Ein letztes Atom, ein letzter Blick über die ausgerenkte Schulter. Der Nebel folgt. Meine Haut strafft sich Tag und Nacht wie der Klee, die Weichheit, die Form, vergessen ist nicht ein Jota. Vergessen ist nicht ein Fenster: was draußen war, was drinnen ist: anderswo, zu jeder Zeit: das Ticken der Ur-Uhr.

    Die ausgegorenen Eventualitäten, spukhafte Fernwirkung zwischen den Quantenteilchen. Ob ich das jetzt (Schnipsel der ich bin) gebrauche, ob es einen Ort dafür gibt, Wasserstraßen hinein ins Herz der Finsternis (und sie weideten ihn aus, bevor sie neues Leben in ihn taten).

    Sie trat durch die Tür: »Mein GOtt! So viele Universen wieʼs hier gibt, habʼ ich ja noch nie geseh’n!«

  • Früher war Paris sehr fremd

    Unsere Romantiker waren nicht so gut auf die französische Metropole zu sprechen. In seiner „Reise nach Frankreich“ notiert Friedrich Schlegel:

    In Paris findet man alles für die Sinnlicheit, aber nichts für die Phantasie.

    Verwundern darf das nicht; auch nicht, dass Kleist etwas Ästhetisches vermerkt, denn in der Großstadt zeigten sich anscheinend Entfremdung und psycho- wie soziopathische Zustände des modernen Menschen und seiner zweiten, von der Zivilisation deformierten Natur besonders krass.

    Die Gasbeleuchtung gab es erst am 1817, die Boulevards waren ebenfalls noch nicht erbaut. Haußmann hatte das geniale Paris noch nicht geschaffen.

    Was Kleist, Tieck und Eichendorff jedoch als Gemeinplatz in ihre Schriften einfließen ließen, war ja nicht zuletzt die Klage gegen die vorgefundene Dominanz des kalten Verstandes über die Empfindungen.

    Eine Parallele zu heute hieße: vor lauter Pornographie entdecken wir den Körper nicht mehr. Wir fühlen uns frei, nach Herzenslust zu vögeln – jeder Körper ist austauschbar. Doch unter dem Schein dieser angeblichen Freiheit ist die Sinnlichkeit gänzlich abwesend und die Unzufriedenheit nimmt gefährliche Züge an.

  • Nachruf an H. L.

    Geschrieben von A. Anders

    Es ist nicht sicher, Schwester,
    dass wir uns erinnern,
    wie wir uns fanden.

    Es ist nicht sicher,
    dass wir uns wiedererkennen,

    die wir uns suchen
    auf nunmehr anderen Wegen
    anderntags.

    Es ist nur sicher,
    dass wir sie gehen.

    Nicht sicher

    Es ist nicht sicher Bruder
    daß wir uns finden
    die wir uns suchen
    daß wir uns sehen
    wenn wir uns begegnen
    daß wir uns erkennen
    wenn wir uns lieben
    daß wir uns wiedererkennen
    anderntags

    (Hanna Leybrand)

  • Labium Oris

    tanzen wir auf der lippe des anderen
    hören stimmen und sie sagen
    komm näher ins warme moos des gaumens