Ludus

Jeder geht seinen eigenen Weg des Verstummens.
Ich kam aus der Tiefe eines verdichteten Meeres,
Urgrund schwarzleuchtender Schlacke,
trat flackernd an das Ufer,
den dunklen Reptilien gleich,
um wieder in die Schwärze hinabzusteigen,
die niemanden kennt, die niemand kennt.
Ich war so unbedeutend
nur einen Atemzug ich selbst.

Aus den Kelchen zusammen mit den Bienen
in den Nektar verbissen, abschüssig das Bad,
die Pfütze kleine luftschnappende Hälse,
blaue Lippen.
Aufragend die zerfallenen Pfeiler, Vasen aus Gips.
Die Nymphen, nass, wogen in künstlichen Wellen,
sehen den Bock unbehaart, sein Fell über einem Stuhl.

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    Ich hatte mich am Denken gehindert
    und stopfte alles in mich hinein, das mich
    an ein Zwiegespräch erinnern könnte.
    Es war wie ein Frieden, auf einmal war Frieden.
    Mir sollten die Tage nicht lang genug werden,
    denn die Dämmerung zog früh schon heran.
    Ich genieße die Beschreibung, aber ich selbst fülle nur
    die Korridore aus, nie die Zimmer. Ich bin
    noch keinem Leuchten begegnet, das mir nicht auswich.
    Es liegt das Fremde nie weit entfernt,
    es setzt sich in der Nähe an den nächsten Tisch.
    Und an den nächsten. Es kann alle Fassaden erklimmen
    und in allen Gläsern zuhause sein, so lange man
    nur nicht weit entfernt erspäht werden kann.

    Ich könnte mich hinabwinden in die Katakomben von Paris,
    die dem Schlund der Hölle entsprechen. Ich werde nicht
    ankommen in meinem verlorenen Paradies, aber wenn ich
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    hätte, mit Licht und einer gemütlichen Uhr,
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    nie versuchen, wieder an die Oberfläche zu kommen,
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    Mag man sich an einen Aspekt erinnern, der, als er noch unverschüttet unser Wesen ausmachte, aufstieg, sich nicht besänftigen ließ: die Heimlichkeit des eigenen unfassbaren Rätsels. Ich war mir als Kind der höchste Philosoph, der mit den Dingen ringt, selbst zu diesen Dinge wird, anstatt sie nur zu greifen und zu untersuchen, wie es die spätere angelernte Distanz fälschlicherweise eine ›objektive Herangehensweise‹ nennt. Die Menschheit (und wir scheinen viel mit ihr zu tun zu haben) ernüchtert; nur ich selbst blieb betrunken, wie es die Götter allzeit gewesen. Das Unglück ach so vieler liegt an der Unfähigkeit, sich zu verweigern. Statt dessen geben sie ihr Fleisch dem Reißwolf der Konvention. Aber das Ringelreihen im Hain, wo wir neben den Weinquellen liegen könnten. Das Odeur unseres Schweißes (der epikureische Garten) scheint mir nach allem, was ich bereits angeschaut, das einzige Ziel zu sein. Nur im Liebesspiel können sich die Momente konservieren, nur darin werden sie unvergänglich sein. Ich erkenne nirgendwo, dass man die Welt entzaubert hätte. Die Brunnen sind gefüllt wie auch die Tassen, die Herzen schwellen an vom prallen Blut; ein Blick treibt alle Wolken aus dem Blau. Du nimmst Raum ein, dein Leib ist mir sinnlicher Gehalt. Kein anderes Mysterium, als über dich zu gleiten, kein anderer Wind als dein Atem, kein anderes Beben als dein Muskelspiel. Kein Zweifel, dass das Leben nur aus dir und mir besteht.

  • Die entblößten Träume

    Ich bin auf der Suche nach dem Seltsamen.
    Das Leben, die entblößten Träume…
    oder mehr noch : der fehlende Sinn, der nur dann fehlt, wenn er wirklich fehlt
    und nicht etwa wenn es ihn gar nicht gibt.

    Dieser Baustein, der beweisen könnte
    dass die Schöpfung eine runde Sache ist, alles
    eingerastet und läuft wie geschmiert, wir haben
    die Vernunft doch tatsächlich als solche erkannt, hurra.

    Die Gebäude und Räume können nur von einer Seite aus betreten werden,
    eine Auswahl fällt daher leicht. Im Innern aber
    stecken die Möglichkeiten
    einer ausgedehnten Traumwanderung, die

    – wie eine gute Geschichte – irgendwo anfängt
    und irgendwo aufhört. Das Vorher und Nachher ist nur
    als Potenz vorhanden, aber es wiegt schwer
    in seiner Nichtausgesprochenheit.

    Das Leben, die entblößten Träume…

    Das Seltsame hat einen anderen Grund als das Gewöhnliche zu konterkarieren,
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    präsent wie ein Bild, das von einer ruchlosen Hand
    überpinselt wurde, in der Annahme, niemand würde kratzen
    oder schaben oder sich fragen, warum die Farbe
    derart monströs aufgetragen wurde,
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    Welches der beiden Kunstwerke soll dem Vergessen
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  • Licht von Syrinx

    Sie befanden sich dort draußen zu dritt und ich mich nur am Küchenfenster, blickte in die Sonne, die über dem Sägewerk aufging und auf der Bundesstraße verendete. Es war niemals eine Welt für mich, in den besungenen Herbergen der Gelichter, aber es öffnete sich ein Kanal zum Fremden in die Fremde hin. In ihrer Hand, das Geschehen von der Ferne, Fremde.

    Ich ging, hölzern wie ein Pferd, an das ich mich erinnere, mit einem gestohlenen Fell in das Licht von Syrinx, in das Wehklagen der Gebeine.
    Wagt nur, den Raum so unermeßlich zu denken wie er ist!

    Ich, mit einem Eis, mit einem Benzin-Eis, am Samstagnachmittag um 2 (oder um halbdrei). Der goldene Taft der Lehmauen, die Wiederholungen: Handlungen des Rituals: Gesichter im Spalier, hornhaarig eingerahmt, flatterndes Symbol, die Trajektorie ist in die Irre gelaufen: die Erde krankt an Monokulturen.

    Am Bahngleis sprach ich, die Gesichter muhten mich an. Schlanker Versucher Wind sucht in den Taschen. Zeitdach, Giebel nach Osten, die Säulen stemmen sich aus dem Brei der Vergangenheit empor, illud tempus:

    Wenn der Zeitdom einbricht, wird die große Katastrophe kommen. Das Universum pulsierte in sechs Augen. Nahmen sie mich wahr mit ihren Henkeltaschen? Haben ja erst eine Spanne von 10 Millionen Jahren hinter uns, also Frischlings-Sicht: Ich erschien ihnen alt.

  • Regen in der Stadt

    Regen in der Stadt, er bringt die Oberflächen zum Glänzen
    (reinigt die Skulpturen menschlicher Behausung)
    der Wetterbericht, der Sturm nicht angekündigt, der sich über Mülleimer hermacht, wie ein zorniges Kind Zweige von den Bäumen der Alleen bricht und die herabstürzenden Tropfen in jeden Winkel wirbelt, wer in den Betten liegt
    – Es geht etwas vor
    wird durch das Trommeln gegen die Fensterscheiben und heruntergelassenen Rolladen dazu ermuntert, sich tiefer in den Schlummer zu begeben, niemand wagt sich um diese Zeit freiwillig nach draußen, sag es mir, wo bist du gewesen
    – Wo gehst du hin
    wenn du dich aus dem Atelier schleichst, wenn du
    (wie ich weiß)
    im Werkzeug wühlst, was uns trennt, was uns noch nicht trennt, die Nacht das Zepter in der Hand, wie es aussieht, wird es einen neuen Tag nicht geben
    -Ein Traum
    wenn es gut geht, läuft es auf ein Unentschieden hinaus, die Sonne brennt ein diffuses Licht in die Schwärze, ohne sich auch nur einmal sehen zu lassen, das Ergebnis ist ein nebelverhangener Schleier, der wie eine Glocke über allem hängt
    (kein Traum, sondern)
    niemand ist da, um die Gestalt in dem knöchellangen Mantel zu beobachten, die dem Wind trotzt, ihre linke Hand faßt den Kragen enger, als würde sie sich selbst würgen, die rechte trägt einen hellen Ballon, torkelnd kommt das Wesen, sich weit nach vorne beugend die Straße entlang, hält im Torbogen kurz inne und müht sich weiter zum Rain, seit 1478 das Festgelände, dort findet es, was es sucht
    – Da geht etwas vor sich und du wirst mir nicht erlauben, was es ist
    (einen Pfahl, an dem noch lose ein paar Drahtreste hängen)
    der Draht ist unwichtig, aber auf dem Pfahl soll das Ding, das der Mann mit sich führt, seinen Platz einnehmen
    – Sei ruhig, sei wieder ruhig
    vereinzelt tropft immer noch Blut aus dem abgeschlagenen Kopf, rinnt durch den Regen begünstigt das Holz hinunter als er aufgespießt wird
    (werden es morgen wissen)
    der Umfang des Pfostens ist wie eigens dafür geschaffen in den abgehackten Hals zu gleiten, kurz betrachtet der Unheimliche sein Werk, nickt
    (und das Haus hat Schaden genommen)
    und schlenderte an der Unteren Mühle vorbei Richtung Rotmoos, wo er verschwindet
    – Es geht etwas vor
    – Was denn
    sei ruhig, es war nur ein Traum, ein Traum, der dich einlud, vor die Türe zu sehen, aber da war nichts
    – Aber es geht etwas vor
    – Aber da ist nichts, nur ein Wetter
    nur das Wetter gegen das Haus, alter grober Wind, was bläst du so stark
    (alter grober Wind)
    wie eine übermütiges Kind