Ludus

Jeder geht seinen eigenen Weg des Verstummens.
Ich kam aus der Tiefe eines verdichteten Meeres,
Urgrund schwarzleuchtender Schlacke,
trat flackernd an das Ufer,
den dunklen Reptilien gleich,
um wieder in die Schwärze hinabzusteigen,
die niemanden kennt, die niemand kennt.
Ich war so unbedeutend
nur einen Atemzug ich selbst.

Aus den Kelchen zusammen mit den Bienen
in den Nektar verbissen, abschüssig das Bad,
die Pfütze kleine luftschnappende Hälse,
blaue Lippen.
Aufragend die zerfallenen Pfeiler, Vasen aus Gips.
Die Nymphen, nass, wogen in künstlichen Wellen,
sehen den Bock unbehaart, sein Fell über einem Stuhl.

Ähnliche Beiträge

  • Stein und Wasser

    Die Luft faltet sich und man erkennt sich,
    Wie in einem Spiegel, im Grunde nicht.
    So viele Gesichter, so viele eigene Wesen,
    Vergorener Pelz, liegen in den Büschen brach.
    Vom Boot aus sind wir der tiefere Rinnsal,
    Wir kehren zurück, mir tropft das Bein
    Schritte hin, zum Ufer, zum Beispiel, oder
    In der Badewanne über der Kante, oder wenn
    Es regnet, ich nicht abfließen kann. Bleibe
    Stehen und betrachte den Rinnstein, sein
    Abwaschbares Selbst.
  • Der Tod des Georg Heym

    Zum Beispiel Georg Heym, der unter der glatzigen Eisdecke die Einbruchstelle wiederzufinden sucht, pocht und klopft, die Augen aufreißt, schon wie ein Gespenst, die Haare Algen, um das Kalkgesicht schwebend, haariges Wasserschweben, im Wasser schwebendes Haar, jedes Wort eine Sprechblase ohne Worte darin, angefüllt mit ranzigem Sauerstoff und stumm.
    Soll das Eis doch kommen. Es wird in der Zeit rückwärts geschmolzen. Lava pockert und stockert, aber sie rührt sich nicht, erhitzt wie ein Schnellkochtopf mit verstopftem Ventil, aufgeblähte Edelstahlwände, dünn wie Aluminiumfolie, aber das Ventil sitzt auf dem Deckel herum mit verbrühtem Hinterteil, kratzt sich vielleicht einmal, wischt sich die Stirn mit einem Taschentuch. Wie heiß es heute ist! Stopft sich die nächste Pfeife anstatt ZU EXPLODIEREN UND ALLES MIT SICH ZU REISSEN. Oh Frühling im Geisternebel, Götterfall im Sonnenlicht! Kein Lauern in den tiefen Regionen des Brunnens, nur freudiges Wasser einst vergossen über Stein, der Stein ist ewig, Stein bleibt ewig unter anderen Steinen, gehalten eine Feige, geküsst einen feigen Mund, Leiber, die wandeln, Leiber, die sich wandelten.

    Für 635 Gulden erwarb der Wunsiedler Bürgermeister Georg Christoph Leers das Schloss für seinen Schwiegersohn Johann Stephan Martin Landgraf. Und der riss nach dem Einschlag der Kanonenkugel die Reste ab und verwandelte alles in einen Garten.

  • Die Zimtweiber

    Betrachtet man die Bilder durch die Polarisationsbrille, sieht jedes Auge nur das Bild, dessen Schwingungsrichtung mit der des Brillenglases übereinstimmt. Soweit ist die Theorie gediehen. Nur trägt sie uns nicht in das Rampenlicht; die Patience eines Denkentwurfs in einzelnen Sätzen, die Befriedigung der Geometrie. An der Kasse des Turmes befand sich niemand. Der abwesende Blick des Süchtigen, die Lautlosigkeit des weißen Gesichts. So agieren die Zimtweiber und spucken sich gegenseitig in den Rachen, immer abwechselnd und schlau, aber niemals fordernd. Vielleicht pflücken sie nachher Beeren im Hain, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tun sie es jedoch nicht. Wir beobachten sie dabei, wie sie sich auflösen. Der Blick schweift ab, sie werden wieder weich und fahren fort. Wir widmen uns der neuen Speise und werfen einen Blick zur Uhr. Das Denken ist jetzt am Ziel angekommen.

  • Flamboyant: 4 Maltes Eisenbahn

    Hier wurde bereits viel gesehen. Gespenster blicken aus allen Fenstern, in den Kaminen hängen die Laken der Steckengebliebenen, die Keller überlaufen von dunklen Obsessionen, die ihr Geheimnis ablegten in den Ecken, den Spalieren, unter den Dielen, in einer Truhe unterm Dachgebälk oder im Gedächtnis der Ortschaft. Viel gesehen, viel geschwiegen, vergraben – ausgemerzt. Keiner weiß mehr.

    Mehr lesen „Flamboyant: 4 Maltes Eisenbahn“