Am stillen Klavier

Mir wäre nur eine Richtung gangbar, eine,
die davon führt, worüber wir jüngst sprachen.
Der Ausgangspunkt darf durchaus diese Kreuzung sein
mit ihren Irrtümern, ihrem Wagemut, sich
in ein Zentrum zu setzen, ihren falschen Wegweisern.

Es wird nicht alles von einer vagen Größe bestimmt,
nicht alles in eine dafür vorgesehene Kammer sortiert,
aber sollte es je so weit kommen, dürften die
Kadenzen auch an dieser Stelle messbar sein.
Der Ordnung halber rolle ich die Wege besser zusammen.

»Das nennt man den Ton studieren«, sagst du
und stehst an diesem stillen Klavier, das
stets auf deinen Fingern spielte, wenn nur genügend
Gäste gekommen waren, um mich etwas zu fragen,
das du dann beantworten musstest.

In all den Jahren ist mir die Zeit nicht so sehr
abhanden gekommen wie unter den Fittichen der tauben Frau.
Ihr prächtiges Kleid hatte sie sich nur geliehen,
aber die Reue in ihrem Gesicht gehörte ihr ganz.
Sie zog all ihre Schatten alleine groß.

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    hielten mich wach. Ihr Licht galoppierte
    an meinem Augenkranz entlang und verfing sich
    dort in meiner Realität, die nicht selten zerbröselte
    wie trockener Sandstein. Eine Burg, ja,
    wenn man die Regeln der Zeit beachtet. Jedes Konstrukt
    haucht sich selbst das Leben ein durch seine Form. Auch
    wenn ich versucht war, dem ganzen zu entschwinden,
    gehörte ich doch den gesetzlosen Schimären an, die nicht
    wissen, was sie tun und deshalb das richtige tun. Ein Entzug
    des Beinahen, ein Entzug vom Beinahen,
    vom Nahenden, dem Nahenden also auszuweichen –
    das alles tat ich, indem ich mich nach Ruhe sehnte.

    Doch die Sterne hielten mich wach. Sie glitzerten
    wie feuchte Augen, und einem solchen magischen Blick
    konnte ich mich noch niemals entziehen.
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    poltert nicht oder knurrt. Kein Gras knickt unter Hufe, kein
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    zog es zum Sternenlicht, von dem sie munter und
    halbschattig begünstigt wurden. Nun war der Teekessel
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    ein Gespräch beginnen konnte, vor allem
    um diese Uhrzeit, wo mir doch alle anderen Utensilien
    versuchten, einen Bären aufzubinden.

    Du reflektierts den Schein, sagte ich. Wie
    meine Augen auch. Glaubst du
    denn nicht auch, das Licht sei gekommen,
    um uns einen Weg zu bahnen in
    unbekanntes Territorium?

    Ich würde etwa fünf Minuten warten müssen,
    bis sein Wasser kochte und er eine
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    zählte ich die Schnecken in meinem Gesicht, die dort
    nach etwas suchten, das ich unter dem Teppich
    versteckt hielt. Ich hielt es vor ihnen geheim,
    denn falls sie auf die Idee kamen, unter den Teppich zu schlüpfen,
    um danach zu suchen, bestünde die
    Gefahr, dass ich sie zertrat.

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    stellte ich mein Gehör etwas nach rechts, fand
    erst nicht die korrekte Frequenz, konnte dann
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    sich ein Weg zurück fand. Das Sternenlicht war
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    – Aber es geht etwas vor
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    Fürchte in der blinden Mauer
    einen Blick, der nach dir späht
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    Sie sah mich an. Anderen war sie versprochen. Anderen. Und weil in mir alle sind, kann sie mit mir allein nicht ihr großes Haus bewohnen.

    Ich erinnere mich an eine Geschichte. Wieder ist es eine Liebesgeschichte – vielleicht ist es sogar eine moralische Geschichte, aber das war mir zum Zeitpunkt der Lektüre noch nicht klar:

    Ein Mann und eine Frau verlieben sich ineinander. Das ist an sich keine Sensation. Sie verbringen eine Woche wie im Fieber miteinander. Es ist ein sicheres Zeichen des Wahnsinns, daß für sie keine Außenwelt mehr existiert. Sie sind ein Wesen geworden, das einzige Wesen in der Auflösung aller Begrenztheit.

    Nach dieser Woche will ein kurzes „Ernüchtern“ die Planungsgespräche aufnehmen lassen.

    Es ist immer wieder erstaunlich (obwohl man es für selbstverständlich halten wird), daß Liebende glauben, eine Zukunft zu haben und diese planen zu können. Aber weiter: Sie sagt ihm, daß sie ihm sofort ihr Leben für immer schenken wolle, doch sie habe eine Bedingung. Sie dürften sich von heute an ein Jahr lang weder sehen, noch sich schreiben, noch anderweitig Kontakt miteinander aufnehmen. Danach wolle sie ihm also ihr Jawort geben.

    Ich gehe jetzt nicht näher auf die Gefühlsregungen ein; sagen wir, dieser Liebestest wurde so vereinbart und schließlich angenommen.

    Das Jahr vergeht (auch hier erspare ich mir Einzelheiten und die Beschreibung nervöser Zustände – die Geschichte wechselt von ihr zu ihm) und der Tag des Wiedersehens naht. Aber siehe da: Die Dame will den Herrn nicht mehr, nämlich gerade, weil er es ausgehalten hat und sich an die Vereinbarung hielt, obwohl es ihn beinahe verzehrte. Sie sagte: wenn nämlich die Glut in ihm tatsächlich schwächer war als seine Kontrolle, wäre die Leidenschaft nicht in der Form ausgebrochen, die sie sich für ein Leben mit ihm gewünscht hätte.

    Simon Tinkerbell – Liebestest; aus: Katastrophen der Leidenschaft