Mir wäre nur eine Richtung gangbar, eine, die davon führt, worüber wir jüngst sprachen. Der Ausgangspunkt darf durchaus diese Kreuzung sein mit ihren Irrtümern, ihrem Wagemut, sich in ein Zentrum zu setzen, ihren falschen Wegweisern.
Es wird nicht alles von einer vagen Größe bestimmt, nicht alles in eine dafür vorgesehene Kammer sortiert, aber sollte es je so weit kommen, dürften die Kadenzen auch an dieser Stelle messbar sein. Der Ordnung halber rolle ich die Wege besser zusammen.
»Das nennt man den Ton studieren«, sagst du und stehst an diesem stillen Klavier, das stets auf deinen Fingern spielte, wenn nur genügend Gäste gekommen waren, um mich etwas zu fragen, das du dann beantworten musstest.
In all den Jahren ist mir die Zeit nicht so sehr abhanden gekommen wie unter den Fittichen der tauben Frau. Ihr prächtiges Kleid hatte sie sich nur geliehen, aber die Reue in ihrem Gesicht gehörte ihr ganz. Sie zog all ihre Schatten alleine groß.
Ist die Zigarette auf dem Foto gewollt, mon Ami, will ich sie sehen können. Dazu berufe ich Das Sehen ein, den Betrachter alter Tage schwöre Ich herauf. Gerade seine Haltung wird unser Wirtshaus sein, eine Bank, leicht verzerrt von Unkontrollierten Sitzübungen, dem Schwung eines Librettos, das Der weiße Schwan singt, bevor er sich Mit einem Wasserfall verbindet. Ohne uns, die wir
Wellen schlagen, ist der Oktober nur ein Schaf, willst Du es sein, der seine Mähne streckt? Vor dem Elektrozaun angekommen, weiß der Wegweiser Nicht weiter. Jetzt ist es an uns, die Grube auszuschildern, Das Rätsel der Symbole, in einer fremden Sprache gemalt, der Strich, der zum Minus wird, so die Welt entschlüpfen lässt, Die dort auf der Weide grast. Verzeihlich, das Wissen wir alle, können wir nicht mehr nur zusehen. Die Mäntel sind geschnitzt, nun zieht sie über! Die Becher sind versammelt, nun weist sie an, das zu Tun, was in Euren Träumen Tropfen vergießt! Es Bleibt noch, die Farbe Rot zu erkennen, wenn sie längst Schon in den geschichtlichen Fesseln liegt, sich aber rühmt, Lichter, die fallen, voneinander unterscheiden zu können, ohne Sie zu sehen. Diese Stille kommt einem Kahlschlag gleich, Der sich zur Verfügung stellt, über den Verfügt werden kann, selbst wenn er nur noch wenig zählt.
Eine Formel bringt es auf den Punkt : Es hüte sich der Hut vor Köpfen, die das Gleiche wollen. Das ist der Konflikt Vieler Brigaden. Nicht nur die Hydra wird warten, bis Jemand aus
Dem Nichts erscheint; auch die Schatten tun es, zunächst Noch mit etwas Scheu, dann immer getriebener, bis das Ziel Erreicht ist, zerschnitten & zerstampft, lethargisch, Unauffindbar für gewesene Generationen, die nur noch Den Erzählungen glauben schenken können. Längst in den Punsch gefallen Ist die Idee von einer Verlängerung der Präambel, die In ihrem Wesen stolpert.
Schnee bedeckt die Krone, zweischneidig zieht man Den Anker auf, das Seil ein lästiger Begleiter. Es naht Der Wurm, er zieht seinen Darm auf einer Karre. Wenn ich Mir wünschen könnte, dass du dich nicht hier übergibst.
Wir haben verwahrt, aufgebahrt und hergerichtet. Die Tische. Die Stühle. Auf den Tellern die Masken. Die gelösten Zungen im Glas. Nun ist dieser Raum offenen Mundes für immer zu schließen.
Nackt und uneingeladen steigt aus den Brunnen die Wahrheit mit ihrem Reisigbesen.
Das Haus stand vermutlich deshalb leer, weil keine Straße hinführte. Es gab einen Trampelpfad, von Felberich überwuchert, aber mehr Annehmlichkeiten hatte es nie gegeben, auch wenn die asphaltierte Straße, die in Schlangenrhythmen durch das langgestreckte Dorf führte, nicht weit entfernt lag. Das Haus hatte keine Interessenten, weil es niemand zu Gesicht bekam so verborgen zwischen Gestrüpp und komplizenhaften Bäumen. Auch schien es niemandem zu gehören und wirklich keiner wusste zu sagen, wer zuletzt darin gelebt hatte. Man erinnerte sich an ein, zwei vage Bewegungen, die man einst sah, vergaß aber schnell, was man eigentlich sagen wollte.
Das Haus sah nicht etwa unheimlich aus, eher traurig, wie alle schon seit langem leerstehenden Häuser. Wenn es Nacht wurde, wurde es auch im Haus Nacht, und wenn es Tag wurde, wurde es auch im Haus Tag.
Um die leicht offenstehende Haustüre, ganz aus durchweichtem Holz, huschten Distelsträucher, die aus dem Innern zu strömen schienen. Nicht alle Doppelglasfenster waren eingeschlagen. Tatsächlich glaubte ich ohnehin nicht daran, dass jemand hier vorbeigekommen wäre, um auch nur einen Stein gegen das Haus zu erheben. Die Scheiben waren von unbekannten Kräften eingedrückt worden, das Alleinsein der verlassenen Räume wird auf diese Weise bestraft. Damit hätte der Wüterich Anteil am Verfall des kleinen Häuschens in der Mühlgasse.
Alles befand sich an seinem Platz in der Natur, als ich den Schwarzen Mann sah, wie er dem Haus erst zu nahe kam und dann, die Disteln zerstampfend, hinter der Tür verschwand, ohne sie ganz zu öffnen. Er hatte nicht das geringste Licht abbekommen, blieb auf diese Weise zweidimensional wie ein Scherenschnitt, nur an den Rändern die Konturen gefräst, den Hut an der Stirn fetstgetackert und schwarz übermalt, damit auch hier keine Reflexion zu erwarten war. Als ich mich bückte, um die Disteln zu untersuchen, stellte ich fest, dass sie eben nicht zertrampelt waren. Die geheimnisvolle Erscheinung war demnach wirklich ein Scherenschnitt, also folgte ich ihm.
Die Tür wollte ich nicht anfassen, deshalb zwängte auch ich mich durch den offenen Spalt in die dunkle Kühle eines gemörtelten Flurs hinein. In den einzelnen Zimmern gab es nichts außer einer vergangenen Möglichkeit. Die Wände wollten sprechen, aber sie fanden ihre Worte nicht; das verschweißte Atmen ihres Halses sagte mir, es ist Zeit zu gehen. Ich vermutete, dass sich der Scherenschnitt in einer der Schubladen versteckt hielt, die noch zu einem Schrank gehörten. Auch wenn ich blieb, war das Haus allein; wenn ich aber ging, blieb nur der Schwarze Mann,
Unser möbliertes Appartement. Zement und Plüsch, eine Achtzigerjahre-Höhle mit grellen Teppichen.
Nichts gehört uns hier, oder dir. Nichts hört auf uns, oder dich.
Nichts hätte ich über dich, Lustloch, zu sagen, wenn nicht hier auf dem Abort das erste vieler saftiger Ereignisse geschehen wäre, meine Hand, potzblitz, konnte so viel des saftigen Lebens gar nicht halten, wie es sprang, über mich hinweg sprang, an den Kacheln klebte, rann rann, über die Finger rann, auf das Bodenplüsch regnete, das ich nach dem Baden zusammenknüllte wie nachts die Bettdecke, das Kopfkissen. Die junge Frau, die mit Ludwig jeden Abend im Schlafraum verschwand : ich auf der Couch vernahm das Röhren der Hirsche, das Zwitschern der Vögel. Sie besaß schöne, schwarze Netzstrümpfe, die ich heimlich, heimelig in dir Lustloch trug, mein Arm die neue Belastung herrlich fand, und eines Tages (in der Nacht des Tages) schlug ich die Augen auf, die Blase drückte, ich blies, ich blies die Lichter an, zählte auf dem Boden Höcker um Höcker, zwischen denen ich wandelte in einem Fleischmeer, sog den Schweiß des femininen Stalls, der Zuchtstuten Zunder für immer in mein Gedächtnis.
Als der Abend, laut wie selten, in die Nacht geglitten war, mummte sich Anna etwas mehr ein als sonst, wenn sie in die Waschküche hinunter stapfte, den Wäschekorb fest an die Brust gedrückt. Hermann schnarchte, als gurgele er seine Zunge, als würde er sie gleich verschlucken; und vielleicht wird ihm das eines Tages widerfahren, wir sind in einem Alter, da passieren solche Dinge. Ich komme aus der Waschküche mit abgewetzten Handrücken und da wird er liegen, die Lippen blau. Sie schüttelte sich bei dem Gedanken, ihren Mann als Leiche im Bett vorzufinden, hielt es für wahrscheinlicher, vor allem aber freundlicher von ihm, wenn er während einer seiner Wanderungen, die er mit regem Fleiß betrieb, zusammenbrechen würde. »Sei so nett, ja?«, flüsterte sie, schüttelte ihren Mann an der Schulter, der daraufhin zu schmatzen begann und eine andere, stillere Schlafposition einnahm.