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Tal der kopflosen Männer

Die dunklen Bergspitzen des Nahanni National Park, die den Nebel vor dem stählernen Himmel durchbrechen, erinnern eher an Mordor als an Kanada. Das UNESCO-Welterbe kann nur per Boot oder Wasserflugzeug erreicht werden, oder von unerschrockenen Reisenden, die sich imstande sehen, die Stromschnellen des Nahanni River zu bezwingen. Die undurchdringlichen Wälder und Berge mögen der Hauptgrund dafür sein, dass es hier nur wenige Besucher gibt, aber tatsächlich ist es auch so, dass der Park von makabren Legenden umwoben ist, die zu seiner bedrohlichen Landschaft passen. Die übernatürlichen Überlieferungen haben Nahanni den Beinamen „Das Tal der kopflosen Männer“ eingebracht, und viele glauben, dass es hier spukt.

Der Stamm der Naha verschwand bereits einige Jahre vor den ersten aufgezeichneten Todesfällen auf mysteriöse Weise aus dieser Region. Andere indigene Völker wie die Dene, die das Gebiet seit Jahrhunderten bewohnen, warnen seit langem vor einer bösen Präsenz im Tal und raten vor dessen Erkundung ab.

Die Dene erzählen, dass die Naha, ein Stamm wilder Krieger, mit ihnen verfeindet waren und dass sie deren grausame Stammesangehörigen fürchteten. Die Naha lebten im Hochgebirge und stiegen ins Tiefland hinab, um zu plündern und zu töten. Der Name Nahanni, der aus dem Dene stammt, bedeutet „der Fluss im Land der Naha“.

Trotz ihrer Bedeutung in mündlichen Überlieferungen verschwanden die Naha auf mysteriöse Weise über Nacht, und es wurden keine Beweise für ihre Existenz gefunden. Theorien besagen, dass sie abgewandert, einer Krankheit erlegen oder ausgestorben sein könnten oder dass sie immer noch unentdeckt im Nahanni-Tal leben.

Angelockt von Berichten über Goldvorkommen in der Gegend, begaben sich die Brüder Frank und Willie McLeod 1904 von Edmonton, Alberta, auf eine verhängnisvolle Reise in das Nahanni-Gebiet. Mit primitiver Ausrüstung legten sie in einem klirrend kalten Winter Hunderte von Kilometern per Zug, Boot und zu Fuß zurück, bis sie Gold Creek erreichten. Ihre Bemühungen wurden in diesem Jahr belohnt, und sie kehrten mit Gold in der Hand in ihr Haus in Fort Liard zurück. Ein Jahr später unternahmen die Brüder eine zweite Expedition in das Nahanni-Gebiet. Sie kehrten nie zurück. Erst Monate später wurden ihre Leichen entdeckt. Schockierenderweise fehlten den beiden die Köpfe. Seit diesem Tag ist das Tal als Deadmen Valley und der Bach als Headless Creek bekannt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts starben nicht nur die Brüder McLeod im Park oder wurden vermisst. Ein schottischer Ingenieur, der mit ihnen unterwegs war, wurde nie wieder gesehen, und dem Goldsucher Martin Jorgensen aus dem Yukon widerfuhr 1917 ein ähnliches Schicksal. Er hatte die Nachricht nach Hause geschickt, dass er in diesem Gebiet „fündig“ geworden war. Kurze Zeit später wurde sein enthauptetes Skelett vor seiner Hütte gefunden, die bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, was in kanadischen Zeitungen Gerüchte über „Kopfjäger“ im Tal aufkommen ließ.

Zahlreiche weitere Berichte der Royal Canadian Mounten Police bestätigten ähnliche Todesfälle, und eine ganze Reihe von Menschen verschwanden einfach spurlos, nachdem sie den Park betreten hatten. Etwa zur gleichen Zeit in der Geschichte des Parks brachte eine Reihe von ungeklärten Flugzeugabstürzen einem Gebirgszug den Namen Funeral Range ein, der an die ominösen Hell’s Gate-Stromschnellen grenzt.

Diese scheinbar übernatürlichen Todesfälle sind nur ein Teil des Geheimnisses, von dem der Nahanni-Nationalpark durchdrungen ist. Seit das erste Dene-Volk vor 10.000 Jahren dort siedelte, gibt es viele Überlieferungen über versteckte tropische Gärten, Fabelwesen und Geister, die sich in den heißen Quellen und Tuffsteinhügeln des Parks verstecken.

Später im 19. Jahrhundert wurden UFO-Sichtungen und andere seltsame Lichter im Park gemeldet, und bis heute berichten Kryptozoologen von Amphicyonidae – einer räuberischen Bär-Hund-Kreuzung, die im Pliozän ausgestorben ist -, die das Tal durchstreifen, sowie von Anzeichen des Bigfoot in abgesperrten Teilen des Parks. Bestimmte Gebiete in Nahanni sind aufgrund ihrer empfindlichen Ökosysteme oder ihrer kulturellen Bedeutung für das indigene Volk der Dene für Besucher gesperrt. Einige sagen jedoch, dass es bei den Beschränkungen ebenso darum geht, die übernatürlichen Kräfte des Parks einzudämmen, und die Menschen aus Sicherheitsgründen fernzuhalten.

Das Tal der kopflosen Männer birgt den Reiz des Unbekannten. Die fesselnden Landschaften, die reiche Geschichte der Ureinwohner und die mysteriösen Todesfälle haben es zu einem Faszinosum für Abenteuerlustige und Forscher gleichermaßen gemacht. Ob es sich nun um das Werk eines rachsüchtigen Geistes, einer außerirdischen Kreatur oder einfach um eine Reihe unglücklicher Ereignisse handelt, das Nahanni-Tal wird auch weiterhin seine Geheimnisse hüten und diejenigen anziehen, die mutig genug sind, seine Rätsel zu entschlüsseln.

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