Das schnepfige Murxen

Der Mond sieht Adam, wie er sich unter fetten Daunen noch einmal den Tag in einer Art Wiederholung ansieht. Sein Blick schwappte am Nachmittag aus dem Küchenfenster, wo Simone und Katjanka an der ollen Ulme herumschaukelten, bis sie nahezu in den Horizont davonflogen. Das Seil knirschte, als wolle es zerfasern und sich in Luft auflösen, das Hinterteil mit allerhand kinetischer Energie aufgeladen. Die Ulme hält sich wacker, Jahresminuten verschwinden. Hätte er doch nur gewusst, dass Zeit auch vergeht (und nicht nur die Tage), Adam hätte die Minuten seines Stillstands noch intensiver genutzt. Aber auch so prägte er sich ein, wie sich die Sandalenpaare über sein Haupt schwangen und den Höhepunkt erreichten (als schaukelten die Mädchen über ihn hinweg statt nur davon). Die Seile knirschten und knirschten und der Tag schmeckte nach kandierter Tamarinde – oder nach erhitztem Stein – so genau ließ sich das nicht sagen.

Nur im Keller ist es kühl. Dort sind die Rätsel einer anderen Zeit vergraben. Abgenutzter Spielrat, Kreisel, Holzwürfel, Figuren aus Blech, Mecki-Mucki von Steiff, Klöppelkissen, Puppenkoffer, Raupe mit Anhänger. Dorthin führen mich die Hände von Simone und Katjanka, um den quergelegten Obelisken wachsen zu sehen. Wie ein Mutant wurde ich den Freundinnen vorgeführt, die im Kellereingang verlegen und neugierig an der Wand lehnten, während mir Simone dabei half, so schnell wie möglich aus den Kleidern zu steigen. Stand dann in puris naturalibus vor den Gören wie das Ziffernblatt einer Sonnenuhr; Kellerkultur; kalt schob der Beton von unten das Glühen aus dem heißen Gesicht. Die Latüchte umschattete die lauten Augen, denen bald das schnepfige Murxen, Quarren und Quoxen aus den Kehlen folgte. Der Feuerbock spritze einfach vor sie hin, das Ruder auf und ab pendelnd. Da spaltete sich die Welt, wurde trotz der Geräusche leise im Takt, und ein Rauschen begann sich Platz zu schaffen. Der unbewußte Geist hat Vorrang. Die perlmutterne Lache auf dem Boden wurde wässrig, die Gören sich ihrer Göttlichkeit bewusst, das alles nur durch ihre Anwesenheit erreicht zu haben. Sie zogen die Schuhe aus und tunkten ihre Zehenspitzen in das satyrne Naß, betrachteten den Ziffernstab, der in Ruhe nach unten wies. »Nochmal!«, forderten sie und passten diesmal besser auf. Sie hatten davon gehört, aber sie hatten es vorher nie begriffen.

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