Der Weg nach Raha: 5 Die ganze Stadt verschwindet

Raha war ein verschwommener Zug, der am Horizont vorbeihastete, hinter diesem dicken Nebel verschwand, der sich wie Milch im Kaffee der Nacht ausbreitete. Raha war die perfekte Mischung aus Utopie und Historie, ein Gleichnis für die Archäologen und die Menschheit insgesamt, viel näher als ein anderes Paradies, viel wirklicher als eine erfundene Hölle, alle anderen großen Städte danach waren lediglich eine Kopie des Unfaßbaren. Diese Stadt war uralt; sie war so alt, dass nicht einmal die Patriarchen ihre Uranfänge kannten. Hier begann der Mensch zum ersten Mal Steine aufeinander zu schichten, sich von der Erde zu empören.

Bevor ich mich näher mit den wirren Notizen herumzuplagen gedachte, wollte ich noch einmal auf die Straße hinaus. Ich trat die krummen Stufen hinunter und sah, dass Madame Blandot nicht mehr an der Rezeption saß. Das ganze Haus wirkte mit einem Mal wie seit langem verlassen, ein Eindruck, den eigentlich seit längerem schon alles um mich herum machte. Nur war es mir nicht in jeder Sekunde bewusst.

Und verlassen ist es auch, mein Lieber, aber ich sage dir noch etwas Besseres: dieses Hotel gibt es überhaupt nicht! Bewege dich nicht zu weit weg, sonst wirst du nicht mehr zurückfinden! Die ganze Stadt verschwindet!

Die Stadt wirkte auf den ersten Blick nicht als würde sie verschwinden. Neblig-dumpf griff die Atmosphäre nach mir, die Gebäude erweckten den Eindruck, als seien sie aus einem einzigen Klumpen gemacht, ihr überwiegender Ton war schwarz, doch das hatte etwas mit dem Licht zu tun, das von dieser zugezogenen Sonne rührte. Es war nicht gerade die Zeit für einen gemütlichen Spaziergang.

Ich begab mich wieder in mein Zimmer, denn die Müdigkeit griff nun herzhaft in mich hinein. Ich traf keine Menschenseele unterwegs, nicht einmal eine streunende Katze, Madame Blandot blieb ebenfalls unsichtbar.

Ich zog mich nicht aus, warf auch nicht die Tagesdecke zurück, die mit ihrer fetten Blumendarstellung jegliches Wohlgefühl zu ersticken drohte, sondern warf mich in voller Montur auf das von schweren, fransenbesetzten Schabracken umgebene Himmelbett. Die unmöglichen Tapeten, die lächerlichen Zierkarniesen aus Stuck hypnotisierten mich auf der Stelle und ich schlief ein.

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    durch das langgestreckte Dorf führte, nicht weit entfernt lag. Das Haus hatte
    keine Interessenten, weil es niemand zu Gesicht bekam
    so verborgen zwischen Gestrüpp und komplizenhaften Bäumen. Auch schien es
    niemandem zu gehören und wirklich keiner wusste zu sagen, wer zuletzt darin
    gelebt hatte. Man erinnerte sich an ein, zwei vage Bewegungen,
    die man einst sah, vergaß aber schnell, was man eigentlich sagen wollte.

    Das Haus sah nicht etwa unheimlich aus, eher traurig,
    wie alle schon seit langem leerstehenden Häuser. Wenn es Nacht wurde,
    wurde es auch im Haus Nacht, und wenn es Tag wurde, wurde es auch im Haus Tag.

    Um die leicht offenstehende Haustüre, ganz aus durchweichtem Holz,
    huschten Distelsträucher, die aus dem Innern zu strömen schienen. Nicht alle
    Doppelglasfenster waren eingeschlagen. Tatsächlich glaubte ich ohnehin
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    gegen das Haus zu erheben. Die Scheiben waren von unbekannten Kräften
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    Short poems:

    heute 

    pisswarm

    kein Baum wehte

    aus höchst unaktuellem Anlass:

    der Anlass
    der Anlasser
    die Zündmaschine
    der Nachlassverwalter
    lass mal was an
    und aus