Gliese 581 c

Es ist der Sog der großen Städte, deren Gravitation auf die feinen Geister wirkt und sie schließlich zerstört. Verlorenheit ist im Tumult besser zu ertragen, als unter der schweren Last vom Blitz getroffener Schneisen, Flurschäden, den Monokulturen der Einzugsgebiete. Die Natur repariert nicht, sie reißt alles ein. Die Feuer brennen, gezähmt vom Verwaltungsapparat der Vernunft, in den ausbetonierten Kuhlen, in fremde Bahnen gelenkt (wie auch das Wasser, das jene Planeten begattet, die in einer abgewogenen Entfernung um ihre Sonne kreisen) – auserkoren, das Leben zu bergen, das andere jagen – schlüpfirg, aus dem Urnest gespeichelt. Gesucht werden Aminosäuren, zuletzt gesehen auf der Erde (und auf Gliese 581 c).

Ähnliche Beiträge

  • Flaum der Nacht

    Ich kann’s nicht, wenn’s mich erklimmt,
    aber danach genauso wenig oder noch
    weniger, als wäre der Stollen der
    Länge wie der Breite nach vollkommen. So
    kann der Rat nicht eindringen in
    die Brust, die schläft, aber zuvor
    alles unternimmt, sich unter ein
    gewisses Niveau zu senken. Überhaupt
    ihr Senken ist es, das mich bisweilen
    auffahren lässt, um zu verstummen.

    So natürlich ist der hinzugewonnene
    Schmerz nicht, der zu blühen beginnt,
    wenn die Nacht längst aus ihrer
    Schale Schandtaten entlässt, die kaum
    mit großartigen Referenten versehen
    von alten Vasallen kündet oder das Bett
    anzündet, um in der Corona
    spazieren zu gehen. Man wüsste es
    längst, wenn die Tage sich so
    kennzeichnen, wie es besprochen wurde.
    Ihr vorzeitiges Auffinden wäre
    dann ein Makel.

    Die Manegen wehen in ihren Körnern, ihr
    Braungehalt rinnt talwärts, quakt sich an.
    zeugen rufen an, bestätigen ihr Bild
    von ihr, ein Zahlenkoloss, schließlich
    eine Rede. Entsetzlicher Brei flutet
    die Töpfe, Kettenwinkel in den Spannen.
    Die Übertreibung zieht Höcker nach sich.

  • Worte der Prärie

    Feuer und Hunde in weißem Taft, Plüschbalkone. Als ob sie den Gesang studierten, schrieen sie ihre formanten Töne ineinander, erschufen Klangquadrate und Sinuskurven voller Zauber.
    An den Händen, die aus dem dickflüssigen Meer ragten, erkannten sie sich wieder. Die Hände, mit denen sie sich besprochen hatten unter dem Einfluss deformierter Sekunden, die wie Seifenblasen laut schmolzen, Speichel zurück ließen, kenterten.
    Worte der Prärie. Die Sätze wachsen wasserlos, sind Waisen ohne Quelle; morgen sagt sie ein anderer, jetzt aber konzentriert sich der Insekteninstinkt auf die Beute. Schmerz des Hungers, Wahn der Lust. Es ist nicht einerlei, was das Spinnentier sagt.

  • Wir gehen

    Geschrieben von A. Anders

    Wir gehen von etwas aus.
    Schaffen uns ab mit aller Kraft,
    denn wir schaffen es nicht,
    uns abzuschaffen.

    Wir gehen uns nach.
    Vergehen nach uns.
    Wir nähern uns nicht.

    Wir gehen.
    Gehen gleichmäßig
    nacheinander.

  • Das Muschelgewölbe

    Im Traum wäre ich auch nur derjenige gewesen, der etwas träumt.
    Ich erwache ja kaum, Fluten um mich, wann sind einmal keine Fluten um mich?

    Schwarzes, schwappendes Wasser, warm in Form und Masse,
    das Urmeer vor der Geburt, vor dem Abstoßen des angerichteten Fötus,
    frisch abgeschwartet, mit Rouladennadeln verschlossen. Deshalb bade ich gerne.

    Körpertemperatur und heißer, fieberheiß etwa, der Dampf soll mir
    die Schweißperlen abflauen, soll mich aufweichen, zu Schaum werden lassen,
    Spuma; was für Metaphern fallen mir ein?
    Gebärbadewanne, Verstopfung, Abfluß, Ausfluß.

    Und sie badeten eine Jungfrau
    und als das Wasser kalt
    stieg ich hinein
    und badete im Wasser
    der Jungfrau

    Traf in der Höhle eine blinde Frau, rührt sie doch den Tee des Herbstes,
    draußen brodelt Tempest, derselbe Topf. Da nimmt sie auf den Glockenstil
    und schmeckt verrinnend Zeit daran.

    „Oh, komm nur näher und les mir aus den Blättern, die ich koche. Es bläst
    der Grimm mir alles fort, noch ehe ich es kosten kann.“

    Wanderte durch ein ausgebranntes Land
    und der Mond lag unter nächtlichem Eis.
    Die Geister sprechen ließ, saß säuselnd da
    und träumte die Brücke, die ich nutzte.

    Das bleiumschwefelt Schwefelweib sprach und sprach in ihrer Sprache:
    „Brücke bück dich, bück und bäum
    dich an der Wand entlang, auch hoch zum Mond,
    sei Gjallar, jelle, Heimdall, plärre,
    wenn die Wolkenesser aus den Jötunfällen rasen!
    Dich seh‘ ich schon in mein Gespinste wandern,
    so fest schläft sich‘s bei Hollen!“

    Und der Sturm, des Tempest fester Kern, zerwirbelt alle Bilder,
    die ein Menschenhirn ersinnen kann. So saugst du aus mir
    den Mörtel der Zeit, bis ich schwimme im Nichts. Hätte ich dich
    je gesucht, ich hätte dich nie gefunden, rinnst in meine Tränen
    und schmeckst schon wie Salz.

    Ich bin in Ruinen geklettert auf Stein,
    um die Ankunft der Farben zu seh‘n.

    Phantasus, wer träumt, hat die Nächte gewählt.

    In der geisterhaften Bläue fremder Welten fangen sich
    Auch Ideen, die dem Lärm der Existenz kein Jawort gaben;
    Nie hat der Staub der Galaxien gewagt, sich für immer niederzulegen,
    Die Flut einer kosmischen Decke nur über einem einzigen Nullpunkt zu legen.
    Eingedenk der Röhren, die sich nur dann mit anderen kreuzen,
    Wenn der Zufall aus dem Allschlaf wuchert und Platz beansprucht,
    Wo die Mathematik der Urzellen sich in neuen Zellformen erschließt,
    Die keine Dimensionen scheuen, bleibt über,
    Was in den Muscheln haust, die dort mit dunkler Intelligenz
    Und nicht ganz zu erschließendem Dasein tiefer rutschen.
    Die Hocke ist ihre natürliche Haltung; der Kristall ist
    Ihr einziger Wunsch, doch sie können sich kaum von den Wänden lösen.