Hinter mir brillt die Sonne, schmähschmettert brennendheiße, achGott : knutheiße Fingerzippel vonner Wand wech aufmeim Rükken. Ich steh so da, so steh ich da & yep : uhu=riniere schlenkernd mitter Hüpfte in die Gondeln rein, pisseundpisse : in die Gondel rein, zwikk zum Schluss die Schinkenpacken (in der Mitte dark gefaltet) an=hei!=nander, um auch noch die kompleksbehafteten Droppen ausser Blase zu scharren – in die Gondel rein (schüttl mich nafreilich selber gut foll, lass den Haut-fleisch=Schlauch noch etwas in der goldnen Backblech=Wärme hängen, hängt ja gutest da). Du Gondel!
Morena erschien mir von unserer ersten Begegnung an als eine überirdische Schönheit, und es darf nicht verwundern, dass sie, die auf einen uralten Stammbaum zurückblicken konnte, im besten Alter für eine Frau, noch nicht geehelicht wurde. Merkwürdig waren die Geschichten, die man sich über ihre Schönheit erzählte, und erste ernstgemeinte Avancen kamen wohl aus Furcht nicht zustande, denn man wusste in den sie umgebenden Kreisen sehr wohl, dass man sich immer auch den Ahnen zu stellen hatte, die das Geschlecht einst groß gemacht. Wehe dem, der sich nicht als würdig erweisen sollte, der zögert, wenn es gilt, nach vorne zu stoßen, oder der, andersherum, voller Übermut eine ganze Bresche allein zu füllen versucht. Ich war weder von der einen noch von der anderen Sorte und wurde wohl von ihr angehört, weil ich weder stürmte und drängte, noch die übliche Furcht vor ihrer Aura zeigte. In ihrer Nähe wurde ich stets von einer Kraft erfasst, die mir ermöglichte, philosophische Höhen zu erklimmen und etwa über Jakob Böhme, der bei diesen Gesellschaften zu dieser Zeit gern diskutiert wurde, zu parlieren, als wäre ich je ein Studiosus gewesen und hätte die Aurora nicht nur gelesen, sondern verstanden. Morena bedachte mich dann mit Blicken, die mich aufforderten, nur weiter so kühn von der alchimistisch-poetischen Machart zu sprechen und gerade den Gedanken vom Widerspruch als ein notwendiges Moment weiter zu verfolgen. So sprach ich oft vor ihr und ahnte nicht, dass ich gerade das, wovor sich die meisten fürchteten, heraufbeschwor.
Auf dem aus der Wand gewölbten Spiegel stand die Rechtfertigung gegenüber meines Verdachts, den ich vielleicht erst etwas später hätte äußern sollen.
»Ich habe nie …« Dabei war dieser Gedanke nie ausgesprochen worden, meine hängende Mundpartie hätte sich gar nicht um die vorgesehenen Worte wölben können. Also schwieg ich.
Ich hatte sie im Raubvogelgehege stehen lassen, konnte mich nicht dazu entschließen, auf sie zuzugehen, beobachtete sie dabei, wie sie einen verbrannten Engel küsste. Aber das war es nicht, was mich veranlasste, ihr zuzusehen und mich dabei hinter einem gefiederten Baum zu verstecken. Meine Augen wären ihr dabei vielleicht nicht willkommen, und wenn nicht meine Augen, dann vielleicht ihr Blick.
Es waren ihre bandagierten Arme, die mich neugierig machten (den Engel erkannte ich, um die Wahrheit zu sagen, auch erst viel später), und nicht zuletzt ihr Atemgerät, das ihr aus dem Gesicht ragte wie eine Radarfalle. Da kannte ich sie noch nicht.
Später traf ich sie noch einmal, sie fiel mir durch ihr verräterisches Kleid auf. Ihre Maske hatte sie nicht mehr bei sich und auch ihre Arme waren ohne Wunden, die eine Verhüllung erforderlich gemacht hätten. Nur ihr Kleid und die Brandflecken darauf. Vor ihr auf dem Tisch stand ein Teller mit in Öl zerlassenen, kleinen Fischen – Sprotten, um es genau zu sagen. Der Ausgang war nicht weit, aber man wurde stets durch ein Schnellrestaurant geschleust, bevor man nach draußen kam. Die Tür öffnete sich erst, wenn man etwas verzehrt hatte (oder wenn man etwas zu Verzehrendes gekauft hatte; ob man es dann liegen ließ oder in den Papierkorb warf – es war pures Kalkül, dass es nur einen Papierkorb gab, so wurde an das moralische Empfinden appelliert – blieb der eigenen Strategie überlassen).
Ich sprach sie natürlich nicht an, aber ich schlenderte hinüber zu ihrem Tisch und grapschte nach jener Brust, die auf meiner Seite lag. Hätte sie die Maske noch getragen, hätte ich es nicht gewagt.
Ihr Teller zerbarst auf dem kargen Boden und die Fische schlitterten über die Fließen, als hätten sie es eilig, wieder zurück ins Meer zu finden. Aber sie fanden es nicht, verteilten nur das Öl und blieben liegen, wo sie waren.
Ich kann nicht genau sagen, was dann geschah. Erst jetzt erinnere ich mich an die krümeligen Reste ihrer Wimpern, die sie im Waschbecken hinterließ, an eine gesalzene Seezunge im Kühlschrank. Ich schaue mir ihre Handschrift auf dem Spiegel noch einmal an: »Ich habe nie …« Was wollte ich sie fragen?
… GEWASCHEN HATTE ER SICH IM TRUNKENEN BILDE DER NACHT EIN STÄNDCHEN DARZUBIETEN UNTER DEM RIESELNDEM FLIEDER DER SCHÖNEN BÄUERIN VERMACHTE DEN WEBERKNECHTEN IHRE ALTE PUPPENSTUBE FAND MAN JAHRHUNDERTE SPÄTER AUF DEM MOND GRÜNDETEN BIENENFRAUEN EINEN NEUEN STAAT AUF EINEM PAPIERFLIEGER ZU ERRICHTEN WÄRE DOCH KONSEQUENT INS FEUER ZU STARREN LIEBTE SIE MICH DOCH NUR SO WIE ICH SIE LIEBTE EINEN ANDEREN HANS DU HAST DIE GANS GESTOHLEN HATTE ER IHR NICHTS OBSCHON ER IHR PORTEMONNAIE IN DER HAND HIELT WÄHREND SIE NACKT AUF DEM BETT LAG UND SICH VERSUNKEN RÄKELTE SICH CATWOMAN IM TAUBENVERSCHLAG AUF DEM DACH DES HEXENBÜRGERMEISTERHAUSES SICH SATT DIE FEDERN AUS DEM MUND FISCHEND ERWACHTE LISBETH UND ERSCHRAK DOCH SEHR DARÜBER HÄTTE SIE NIE EIN WORT VERLOREN LAG DIE WELT VOR DEN TOREN DER HEITERKEIT WURDE EIN BLUTBAD VERANSTALTET ZU DEM GELADEN WORDEN WAR IN FESTLICHER GARDEROBE ZU ERSCHEINEN UM RECHT BALD DIE SITTE BEI TISCH ZU VERGESSEN DIE EINEN DOCH VERMEINTLICH VOM TIER UNTERSCHEIDEN SOLLTE ER SICH NICHT SONDERLICH HELL HIER IM SCHACHT DER PYRAMIDE DACHTE DER WELTENERKUNDER NOCH BEVOR ER EINSCHLIEF FIEL IHM DIE FRAU MIT DEM KOPF EINER ESELIN EIN DIE IHN AM FLUSS ZU SICH GEWUNKEN HATTE RUPERT DIE GEISTER DIE IHM HINTER IHM IM SPIEGEL ERSCHIENEN IHM ALLE GESICHTER GLEICH DEM SEINEN AUCH DAS SEINER FRAU DAS IHN AN EINEN VOGEL ERINNERTE DER LÄNGST AUSGESTORBEN WIRD MAN UNS AUSGESTOPFT IN EINEM TEMPEL AUF GLIESE 832c BETRACHTEN KÖNNEN WIR UNS EIN ANDERMAL GENAUER UM EIN ANDERES MAL ZU ENTDECKEN ZU VERSUCHEN DAS UNS VERRÄT WAS WIR SIND AUS DEM WASSER GEKROCHEN WIE SCHÖNE REPTILIEN UNS VOR AUGEN ZU HALTEN ES WÄRE ANDERS ENTSPRÄCHE VIELLEICHT NICHT GANZ DER WAHRHEIT KOMMT ES SO NAH WIE NIEMAND SONST MIT SEINEN ZÄHNEN IN DAS FLEISCH DER ZEIT ZU TAUCHEN WIR TIEFER WERDEN WIR UNS VERWANDELN DIE DINGE DIE WIR UNS ERFANDEN GÖTTER DIE WIR UNS ERFANDEN UNS ZU UNTERHALTEN DAMIT WIR FALLHÖHEN UND LEITERN ERFINDEN KONNTEN WIR WAS WIR DENKEN KONNTEN ALLES ANDERE BLIEB UNS UNSICHTBAR WIRD UNTER UNSEREN PRÄPERATEN AUF GLIESE 832c STEHEN ZWEI TÜRME NAH BEIEINANDER SIND SIE KAUM MEHR ZU UNTERSCHEIDEN VOM ANDEREN GESPIEGELT ZU WERDEN ÄNDERT DAS GESICHT KAM MIR BEKANNT VOR DEN ALTAR ZU TRETEN WÜRDE BEDEUTEN SICH WAS ANZIEHEN ZU MÜSSEN UND DEN REISIGBESEN ZU HAUSE ZU LASSEN WIR DOCH DIE SCHERZE …
Sie sagt »Ba!«, spricht, mehr mit Händen, die Matte in der Ecke an, hebt das Fleischgewitter unzart in den Horizont, ich folge mit den Augen. »Ba!« schalmeits, das Urweib urlautet festgestampft auf dampfem Boden (Käulen statt Schmuck), sie steht da und sagt »Ba!« wie ein Kind, das zum ersten Mal die Zunge lippt, das erste Wort des homo gartenbauikus, zeigt auf ihr Lager wie : Dein Weigern ist dein Tod. Im Dorf : Muttermörder ohne Anrecht auf Bestattung und Wiedergeburt in einen Sack gesteckt in den Fluß geworfen, auch sah ich Männer, deren Bauch aufgeschlitzt, ihr Gedärm die Wunde eines Baumes bedecken, den sie widerrechtlich fällen wollten, an dessen Stamm festgebunden, bis sie ihr Leben aushauchten, ich ein Mann in einer Gynaikokratie, nicht um zu zeugen war ich ausersehen, sondern zur Befriedigung der weiblichen Lust, die Weiber zeugten und gebaren aus sich selbst, die Idee der Befruchtung war ihnen fremd, zögernd bewege ich mich hin, wo sie mich haben will und dort schlägt sie mich nieder mithilfe der z(h)ornigen Schwielen ihrer Hand, grätscht sich taillen und teilnahmslos über den Gefällten, den Regen beginnend, der aus dem Urwald ihrer Möse schüttet, so erbärmlich der Gestank der wilden Jauche, dass mich Übelkeit umfängt, schnuppernd fällt sie sich auf die Knie, die Nüstern ein saugendes Organ, die rauhblaue Zunge leckt mich in eine empfindungslose Bereitschaft, Tollwut wuchtet sich auf mich und reitet ein Ackerpferd, ganz Veilchen und rot der Beckenschlag, ich lebte von Bett zu Bett in einer Zeit des Schlafes, der unteilbaren Begierde, der Lust Wünsche Vorhaben Illusionen, sie nahmen mich ja mit, als gälte es, Früchte zu pflücken, die Phantastereien purzelten wie ein sich entleerender Pilzekorb aus meiner Mundschlagader, fremdsternig, hier nicht zu Hause, frei, in meinem überwältigenden Bedürfnis nach dem Ander=Part entdeckte ich Urtum, nichts mit Verstand, und sie bewegt sich doch, soviel kann ich dir ja schon Mal sagen, oder anders. Wie ich meine Tage verbringe … lesend, an die Blätter gefesselt, jede Störung ist ein Schmerz in meiner Brust, der Wut entfacht und Abscheu.
»Es tut mir leid, es Ihnen auf diesem Wege mitteilen zu müssen …« sagte der Butler, und stand da, wie ein Stock eben dasteht »aber Ihre Frau lässt ausrichten, ich solle Ihnen eine in die Fresse hauen und sie ließe sich scheiden. Da ich zu ersterem nicht erzogen bin, muss ich leider Fehl gehen, und kann Ihnen nur die zweite Botschaft sachgetreu übermitteln.« Da standen sie, gaben an, und tranken Cocktails, die sie noch nie in ihrem Leben getrunken hatten. Eine Gesellschaft voller Pärchen, die sich scheiden ließen. Wenn man es treiben wollte, ging man nach oben; dort war alles mit blödem Plüsch ausgarniert, aber die Betten quietschten nicht. Handschellen gab es für zwanzig Mäuse zum ausleihen. »Danke, Bernie. Das ist nett!« Ich schob ihm einen Geldschein in die hohle Hand. »Das haben Sie gut gemacht!« Ohne das Geschehen mit den eigenen Augen zu begleiten, verschwand der Schein in einer der unzähligen Taschen, die alle beschriftet waren. Ich konnte nicht lesen, was darauf stand, und hätte mich vorbeugen müssen, um es dennoch zu tun. »Sir! Außerdem wartet jemand auf Sie, ebenfalls eine Miss. Diese aber will nun, dass ich Sie zu ihr führe. Sie lässt ausrichten, sie sei nackt, und darüber hinaus überglücklich, dass Sie das mit Ihrer Scheidung nun endlich regeln wollen. Sie sagt, Sie sollen sich beeilen, sie friere entsetzlich.« »Danke, Bernie. Das ist nett!« Ich schob ihm den nächsten Geldschein in die hohle Hand. Das mechanische Getriebe begann erneut leise zu schnurren, und das Geld verschwand, jedoch in einer anderen Tasche. »Was steht da eigentlich auf Ihren Taschen?« Ich hatte lange genug gewartet, und wollte mich noch immer nicht vorbeugen.
Der frisch aus dem Destillationsprozeß hervorgehende Alkohol enthält in beträchtlicher Menge Aldehyde wie Furfurol. Läßt man nun den Cognac in Fässern lange Zeit stehen, so scheiden allmählich die schädlichen Beimischungen durch Oxydation am Sauerstoff der Luft aus, und das Getränk wird schmackhaft. Man ist seit langer Zeit bestrebt gewesen, den natürlichen Vorgang durch einen künstlichen, schnell wirkenden zu ersetzen. Sauerstoff oder Ozon, in reiner Form angewandt und mit dem Alkohol in innige Mischung gebracht, musste den gewünschten Erfolg haben. Man kann mit diesem Apparat je nach seiner Größe in einer Minute 3 – 50l vorzüglichen, sofort genießbaren Alkohol jeder Gestalt herstellen. Ein Gehalt von Aldehyden von 10% wird in dem Apparat auf die nicht mehr wahrnehmbare, unschädliche Menge von ½ % reduziert.
– Apparat von M.W. Saint-Martin zum künstlichen Altmachen alkoholischer Getränke
Jonathans Striatum schlägt den Takt, misst nicht das Fließen der Ereignisse, sondern ein Feld, das Zeicheneinheiten manipuliert und in variablen elf Dimensionen auch das Flow-Phänomen zulässt. Das Facettenauge schlägt das Linsenauge, von den Fliegen haben wir’s gelernt. Die Geschwindigkeit des Fangschreckenkrebses, der Schützenfisch, die Flinkzunge des Colorado-Krebses : ein Wunder rast in das nächste. Nur Blödköppe reden vom Zufall. Fred Ott niest für Edisons Kamera, der Geistertanz der Sioux, Ebbe, Flut, Nippflut, Springflut – alles da, und zwar nicht nur in den Lexika, sondern in seiner Küche. Jonathan sieht das als Holographie herumstehen, während die Milch den Kaffee in eine Wetterwolke verwandelt.
Gleich pfeift er die Winde los, das hat er versprochen. Vorher will er jedoch den Kompost nach draußen bringen. Die Hitze hier am Ende der Welt macht aus einem beim Essen übriggebliebenen Blumenkohl einen entsetzlich stinkenden Nachtisch, um den die Fliegen kreisen, in dem sie auch geboren werden. Schlecht ist es um mich bestellt, sagt sich Rupert, schnappt das schlanke Körbchen mit dem organischen Zerfall und verläßt für einen der wenigen Momente die Höhle der Guanchen. Das ist auch schon genug der Flucherei : »Schlimm ist es um mich bestellt!« – nachdem ihm Graf von Spiegelberg im Traum erschienen ist. Da lag er wie angewurzelt in seinem Bett, die Augen – das wettet er heute noch – aufgerissen wie unter dem Einfluß von Atropin – um ihm zu sagen, daß er selbst zwar 1557 in der Schlacht bei Saint-Quentin gefallen sei, aber das mitnichten bedeute, daß damit derer von Spiegelberg der Erdscheibe abhold geworden seien. »Eingemündet sind wir in derer von der Lippe, die unser Hab und Gut und die Stühle und das Silber und das alles wiederum nach derer von Nassau verschacherten. Oder was glaubst du, warum unser Hirsch in deren Wappen gepfercht ist, häh?«