Die Freiheit beginnt mit einem Rauswurf, während das Essen auf dem Herd schmunzelt. Achte auf deine Körperlosigkeit!
In der Nacht wollte sie die Erinnerungen zähmen. Am Tage, sagte sie, gelänge ihr das nicht, weil sie ständig in die Einsamkeit hineinsehen müsse, die sie zwischen zwei Menschen entdecke. Sie sagte, sie suche gern Dinge oder Orte, mit denen sie einen Pakt zur Animation ihres persönlichen Dramas geschlossen habe, wieder auf.
Schief läuft etwas hinaus, kommt wieder herein, die Tür angelt im Scharnier : was soll’s denn werden? kommt nicht zu Schlosse, weil der Widerstand ein alter Schuh – wo kommt er her? Ein Eichhörnchen hat ihn dahin gepeppelt – lebendig ist, was atmet oder zumindest stoffwechselt, immer im Kreise furcht, bis das Uhrwerk seine Zähne abgerieben hat, und dann, wie der Schuh im Türspalt, ohne Heben oder Senken des Odemkorbs, völlig zur Verwandlung bereit, herumliegt, mutterseelenallein. Kann nicht jemand die Türe schließen? Reinraus; was habe ich denn gemeinsam mit der Unglaublichkeit anderer? Meine Welt nehme ich alleine wahr, es gibt nur Ähnlichkeiten. Auf dem Boden rutscht es sich leicht, wenn noch etwas Sauce vom Mittagstisch läuft, Aschenputtel, feine Gerüche. auch kalt, in den Abdrücken der Schuhsohlen verfangen. Der zwangsgepaarte Straßenstaub ist ein wirkliches Wunder, aber man muss schon ganz nahe mit der Nase über den Dielen schweben. Das Karnickel (oder ist es ein Hörnchen, ein Zierhase oder ein Wollknäuel?) sagt : »Was ist denn jetzt mit der Tür?«, die immer noch aufundzu, aufundzu, während ich nachsehen, ob sich die Erinnerung, ganz da unten, zu mir heraufwindet, wenn ich mich hinlege und zur Decke aufsehe, eine strategische Position einnehme.
Im Traum wäre ich auch nur derjenige gewesen, der etwas träumt. Ich erwache ja kaum, Fluten um mich, wann sind einmal keine Fluten um mich?
Schwarzes, schwappendes Wasser, warm in Form und Masse, das Urmeer vor der Geburt, vor dem Abstoßen des angerichteten Fötus, frisch abgeschwartet, mit Rouladennadeln verschlossen. Deshalb bade ich gerne.
Körpertemperatur und heißer, fieberheiß etwa, der Dampf soll mir die Schweißperlen abflauen, soll mich aufweichen, zu Schaum werden lassen, Spuma; was für Metaphern fallen mir ein? Gebärbadewanne, Verstopfung, Abfluß, Ausfluß.
Und sie badeten eine Jungfrau und als das Wasser kalt stieg ich hinein und badete im Wasser der Jungfrau
Traf in der Höhle eine blinde Frau, rührt sie doch den Tee des Herbstes, draußen brodelt Tempest, derselbe Topf. Da nimmt sie auf den Glockenstil und schmeckt verrinnend Zeit daran.
„Oh, komm nur näher und les mir aus den Blättern, die ich koche. Es bläst der Grimm mir alles fort, noch ehe ich es kosten kann.“
Wanderte durch ein ausgebranntes Land und der Mond lag unter nächtlichem Eis. Die Geister sprechen ließ, saß säuselnd da und träumte die Brücke, die ich nutzte.
Das bleiumschwefelt Schwefelweib sprach und sprach in ihrer Sprache: „Brücke bück dich, bück und bäum dich an der Wand entlang, auch hoch zum Mond, sei Gjallar, jelle, Heimdall, plärre, wenn die Wolkenesser aus den Jötunfällen rasen! Dich seh‘ ich schon in mein Gespinste wandern, so fest schläft sich‘s bei Hollen!“
Und der Sturm, des Tempest fester Kern, zerwirbelt alle Bilder, die ein Menschenhirn ersinnen kann. So saugst du aus mir den Mörtel der Zeit, bis ich schwimme im Nichts. Hätte ich dich je gesucht, ich hätte dich nie gefunden, rinnst in meine Tränen und schmeckst schon wie Salz.
Ich bin in Ruinen geklettert auf Stein, um die Ankunft der Farben zu seh‘n.
Phantasus, wer träumt, hat die Nächte gewählt.
In der geisterhaften Bläue fremder Welten fangen sich Auch Ideen, die dem Lärm der Existenz kein Jawort gaben; Nie hat der Staub der Galaxien gewagt, sich für immer niederzulegen, Die Flut einer kosmischen Decke nur über einem einzigen Nullpunkt zu legen. Eingedenk der Röhren, die sich nur dann mit anderen kreuzen, Wenn der Zufall aus dem Allschlaf wuchert und Platz beansprucht, Wo die Mathematik der Urzellen sich in neuen Zellformen erschließt, Die keine Dimensionen scheuen, bleibt über, Was in den Muscheln haust, die dort mit dunkler Intelligenz Und nicht ganz zu erschließendem Dasein tiefer rutschen. Die Hocke ist ihre natürliche Haltung; der Kristall ist Ihr einziger Wunsch, doch sie können sich kaum von den Wänden lösen.
Ich hatte lange nicht gewusst, wie sehr sich die Stufen nach unten auflösten, während ich ihnen folgte. Einmal zählte ich sie sogar, aber ihre Zahl ist mir nicht in Erinnerung geblieben. Irgendwo in meinem Echoraum ist sie gespeichert, aber sie hat wohl keine numerologische Bedeutung. Könnte es nicht möglich sein, dass sich die Gebäude, in denen man gelebt hat, auflösen, bevor sie sich für einen neuen Bewohner zusammensetzen? Dass man sie auch von außen nicht mehr erkennt, obwohl man all ihre Poren studierte, um niemals zu vergessen, was sich anschickte, von drinnen nach draußen zu gelangen, transformiert durch die Dunkelheit innerhalb des Mauerwerks? Sicher bleiben Sätze hängen, die man mit einer speziellen Röhre abhören kann; die aber immer schwächer werden und irgendwann nur noch in ein allgemeines Summen übergehen, in ein Hintergrundrauschen des eigenen Urknalls. Ich höre mich sagen: “Bin unten!”, und beginne mit dem Zählen der grauen Stufen.
Dorfstraßen sind mächtige Wege; das heißt, sie waren es früher einmal. Heute gibt es nur noch Straßen, Wege aber sind kaum mehr zu finden. Der Unterschied besteht darin, dass Straßen irgendwo hin führen müssen, deshalb bewegt man sich auf ihnen, man will die Strecke schnell bewältigen. Ein Weg hingegen ist zum Flanieren gedacht, nicht allein, um anzukommen. Wo auch sollte man ankommen wollen?
Früher war alles besser; aber nur, wenn man heute lebt. Fortschritt ist doch nur das Fortschreiten – das sich-entfernen – vom Guten. Vergessen wir dabei nicht, dass ein Gutes kein Paradies ist, kein endgültiger Zustand des Bestmöglichen; das Bestmögliche nämlich meint keine Existenz. Im Leben kann die Grausamkeit nicht ausgeblendet werden, sie kann nur durch etwas Gutes gemildert erscheinen. In anderen Fällen erreichen wir das Gute überhaupt erst jetzt. Dabei gibt es allerdings kein Wir. Wer spricht, ist entscheidend. Früher war alles besser, weil die Illusion noch funktionierte und weil es etwas Natürliches gab – und das Analoge.
Einen Körper haben, bedeutet, Raum Im Raum sein. Leib, der wir sind, sind Wir der Ort, zu dem wir gehen, sobald Es unsere Schuhe zulassen, die vergänglich Sind. Unter verschiedenen Umständen gleich Bleibende Tätigkeit, die von den Jeweiligen Inhalten völlig unabhängig Ist, eine senkrechte Achse also, kein System, keine logische Folgerung, Brutschutz & Adaption des Unsagbaren.
Soweit der eine; der andere hätte sich Gerne ein Schloss auf die Zähne Gebaut, güldene Zopf-Prinzessinnen darin Einquartiert oder eine Hunde- & Pellkartoffelzucht zugelassen. Sie Wissen es wahrscheinlich besser als ich : Er konnte sich nicht für etwas entscheiden, vor Allem deshalb nicht, weil noch nie darüber In den alten Dampfkesseln gesprochen Wurde, eine Einigung stets zweifelhaft, ein Ehering ist nicht schlchter als ein Gebiss Nach alter Herren Sitte geschmiedet, heißt : Sitzend & im Liegen.
Als der Abend, laut wie selten, in die Nacht geglitten war, mummte sich Anna etwas mehr ein als sonst, wenn sie in die Waschküche hinunter stapfte, den Wäschekorb fest an die Brust gedrückt. Hermann schnarchte, als gurgele er seine Zunge, als würde er sie gleich verschlucken; und vielleicht wird ihm das eines Tages widerfahren, wir sind in einem Alter, da passieren solche Dinge. Ich komme aus der Waschküche mit abgewetzten Handrücken und da wird er liegen, die Lippen blau. Sie schüttelte sich bei dem Gedanken, ihren Mann als Leiche im Bett vorzufinden, hielt es für wahrscheinlicher, vor allem aber freundlicher von ihm, wenn er während einer seiner Wanderungen, die er mit regem Fleiß betrieb, zusammenbrechen würde. »Sei so nett, ja?«, flüsterte sie, schüttelte ihren Mann an der Schulter, der daraufhin zu schmatzen begann und eine andere, stillere Schlafposition einnahm.