Wege & Abgründe sind dasselbe, d.h. rollendes Gefieder, heißt aber auch das Lächeln am Gemäuer. Einer, der es wissen muss, leistet Abbitte in den Katakomben, barfuß, im Gewand vieler Zeitalter, wartend auf das Glucksen der fragilen Spinnweben.
Wir steigen in die Galerie, kommen an, hinauf die Stufen, Stiegen wie Donnerhall. Auf dem Turm ein Salto des Speichels, körperwarm nur noch Sekunden, ein Weltenall fassungslos.
Dimensionen, hart, wie Gries, der durch einen Trichter klingt, hart, wie etwas im Mittelpunkt des Feuers, verwegen flanierend im Brodem der Umgebung, die aus dem Nebel steigt. Gras beugt sich deren Schritten, wie sie lacht, könnte dort ein Orchester lauern.
Etiketten voller Wochentage an Bäume genagelt, vom Harz verändert, kaum wiederzuerkennen im umgekippten Bad der Maipollen, die den Kalender befürworten, Kalender jener Steine, über die wir gerade reden.
Es ist da, das absolute Wagnis, alle sich überschlagenden Ereignisse miteinander zu verweben. Zeitturbolenzen treten an verschiedenen Stellen des Lebens gehäuft auf.
Ich passiere Sandbänke, die wie Walrücken aus dem Ozean stechen, ruhigere Gewässer waren das, als ich noch mit mir selbst Karten spielte, das Würfelglas hob.
Jetzt schreckst du aus dem Schlaf. Dir gilt das Hochzeitslied, dir gilt der Riß, dir gilt das zertrümmerte Türchen, macht hoch das Tor, das Tor mach weit; struwelpeterst im Bett, beginnst betäubt von Liebesträumen wie wild geworden zu schreien, gehst mühelos über das hohe c hinweg. Die menschliche Stimme, welch Zauber, der Einbruch in eine sichere Umgebung.
Ich ziehe es vor, eine Skulptur zu formen, nehme mich der Salzsäule an, Sodom und Gomorrha im Schlafzimmer. Wie klar ich sehe, als würde ich träumen. Das enthauptete Huhn flattert noch einmal auf und davon.
auch er lachte wie der der teufel lacht wie er schmachtet nach dem was übrig bleibt wenn nachdem nichts mehr gesagt werden kann er in die asche greift und leichenbrand nicht von den fängen weicht ihn begleitet ihn unter einem baum zur rast verzückt die zuckerne erinnerung jemandes seel verführt und weggebracht in tiefe dunkelheit wo er haust am gift’gen weiher und seine taten der fäulnis aufzählt und die ihn warm umschlingt und das bette des toten mannes zuweist wo er wie aus einem herd bald neu hinaus stürzt und gestärkt alles von vorn
und schoss aus seinem arsche nicht ein feuer wie der schwefel unter rosenduft sich weidet und der huf den fischkopf matschet bis unlauterer gestank sich aufschwingt über frohsinn in den fluren ist bald da und bald woanders ward geseh’n und bald vertan von hohen brauen die das lästerwerk beklagen ernster miene ernster sprache wegen die dem götterwerk nicht dulden gerede und geschwätz‘ von fürchterbarer art geht frommen burger und des nachts gebt acht verkohlter zungen wegen die den weißen schnee voll panik färben das gewand der trauer häkeln und drunter selber rote drachenschwänze bergen
Die Türen klappern und die Eulen kauzen, sie erledigen ihr finsteres Mahl. In den Katakomben wären sie die Herrscher der klandestinen Welt, auf den Bäumen sind sie die Augen der Nacht, denen das Flirren der vom Irrlicht angestrahlten Insekten die Straße in den Nebel ist.
Aus den Schornsteinen schälen sich die Gespenster der Holzrinde in hellgraue Mäntel. Ihr Ziel ist, wie so oft, das Nirgendwo.
Nur mich treibt es über das unebene Plastrum hinaus, und ich wundere mich, dass ich unbehelligt fliehe, ohne ein forsches Tempo anzuschlagen, ohne die unzureichenden Sinne auszufahren, um die Schatten zu deuten, die gemütlichen Gerüche, die aus schlecht schließenden Fenstern schleichen, von den ätzenden Salben der Gefahr zu unterscheiden. Das stille Wunder der Nacht verschluckt mich an Ort und Stelle, unsichtbar, weil ich mich unsichtbar denke. Nur die Arglosen sowie Kinderseelen könnten mich jetzt noch entdecken, wie ich mich aufmache in die jenseitige Welt, die für mich nicht schwer zu erreichen ist durch das Pfand, das ich bei mir trage.
Aber auch die würden mich nur in einem Traum wie ein Schemen finden, das Grauen in ihnen auslöst ohne Grund, so dass sie sich weigern, allein zu schlafen und darum bitten, es möge eine Kerze scheinen, ihren Atem bewachen, die Tür angelehnt, die Schränke verschlossen, denn vielleicht kröche ich aus dem Gewühl des Unaufgeräumten.
Ohne Grund, nur aus der tiefen Ahnung des Todes heraus, den sie in Gedanken vorwegnehmen und sich damit Zeichnen all ihr Leben lang. Es wird dieses Bild sein, das sie auf ihrem Sterbebett imaginieren, das ihnen sagt: »Alles ist bar jeder Hoffnung. Kein Licht wird dich erretten, wenn du fällst in meine dunklen Schwingen!«
Nichts Sensationelles gebührt mir, keine Chronik verbindet meinen Namen mit Papier, ich fürchte gar, man sieht mich an und vergisst mich gleich beim nächsten Augenniederschlag. Wie schwarze Materie vermutet man mich in leeren Häusern, verlassenen Orten; man spricht mit mir über die Wunder dieser Welt, als wäre ich ihnen näher. Doch ich bin nur der Wanderer, der flieht, auch wenn niemand sich hinter mir zeigt.
Der Mensch und die Paarung ertragen Intensität nicht lange; wie aber steht es mit dem Gedankenerwecker?
Ich folge den orphischen Vasallen, die in ihrer Sangeskunst Melodien aus Gedanken formen, die ein tanzendes Wort ergeben. Aus der Höhle erster Dunkelheit heben vergessen Zorn und Sein, Gespenster, die im Geisterrauch den Mund nicht brauchen. Da bist du, trägst uns durch dein Flötenspiel dem Hafen entgegen, den flaschengünen Nixen zu, den sonnenlosen Reichen, die keine Formen missen lassen.
Man weckte den Toten, der schlief. Ist das nicht ein Lied für dich?
Es ist der Sog der großen Städte, deren Gravitation auf die feinen Geister wirkt und sie schließlich zerstört. Verlorenheit ist im Tumult besser zu ertragen, als unter der schweren Last vom Blitz getroffener Schneisen, Flurschäden, den Monokulturen der Einzugsgebiete. Die Natur repariert nicht, sie reißt alles ein. Die Feuer brennen, gezähmt vom Verwaltungsapparat der Vernunft, in den ausbetonierten Kuhlen, in fremde Bahnen gelenkt (wie auch das Wasser, das jene Planeten begattet, die in einer abgewogenen Entfernung um ihre Sonne kreisen) – auserkoren, das Leben zu bergen, das andere jagen – schlüpfirg, aus dem Urnest gespeichelt. Gesucht werden Aminosäuren, zuletzt gesehen auf der Erde (und auf Gliese 581 c).
In dem Nichts aller Zimmer, aller Räume, in denen weder alte Geschichten mit ihren formalen Resten noch intakter Wandschmuck ihre Aufwartung machten, zündeten sie Kerzen an und besahen sich schnüffelnd Mäusedreck und zerschundene Türstöcke. Sie wieherten wie Tiere in einer brennenden Asinerie, teilten sich auf und vermaßen halb erstickt vor Wut auf sich selbst das großzügige Untergeschoss mit den nassen Wänden, die den Erdhang nur scheinbar davon abhielten, eines Tages neugierig, dunkel und schwer in ihr Leben einzugreifen;
vielleicht sehnte man sich bereits nach der gähnenden Schlucht. Niemand sah sie, auch ich nicht, niemand sah sie je ganz, in ihrem Geschirr, in ihrem Stall, in ihren Heuboxen, dem Groll, den sie sich schenkten und in dem die vielen Ornamente der Düsternis flackernd zerfallen. Jeder stürzte für sich den darmartigen Tunnel, dem kleinen Gescheide entlang, während traubenartige Auswüchse auf sie zueilten. Das Ende des langen Flusses vor ihrer gläsernen Haustür war in weite Ferne gerückt, der Boden schwankte wie ein trunkenes Schiff.
Man stolperte nicht nur einmal, hielt sich an den rebenartigen Gewächsen fest, die eine zähe Flüssigkeit absonderten, die keineswegs an Wein erinnerte, Seidensekrete mochten eine ähnliche Wirkung erzielen, denn es wollte kaum gelingen, seine Finger wieder von den Webstricken zu lösen. Dann aber sah man das Leuchten der Kerzen näher rücken. Die Mädchen setzen sich auf den zerfurchten Boden, ihre tiefen, verborgenen Seelchen sangen Lieder, die sie den Grashalmen abgehört hatten. Wenn morgen die Möbel kommen, wird es wieder so sein wie früher. Sie schliefen ein und träumten von einer gigantischen Glocke, die in einem makellos blauen Himmel hing.
In einem maskierten Universum ist der klare Verstand eine Verwässerung der Illusion, so machen wir ihn unrein und der Schmutz will unsere Augen schützen vor den Dörfern, die nach uns geworfen werden.
Man kann sich dann am besten sehen, wenn man sich nicht erwartet, ein Flirren in den Winkeln der Dimensionen, die ihre Handtücher falten. Diese ganzen Farben schau schau. Im Innern der Blutbahn fängt man sich an den Wänden wieder ein. Ich habe schon einmal gesagt, dass ich es brauche. Ein Heldenepos liegt auf dem Küchentisch. Bring es doch bitte nach nebenan.