Teile von Teilen

Wo wohnst du?
aus Gewohnheit sich zu Hause wähnen, vom Wahn getrieben, da zu sein, also zu wohnen, nicht herzukommen, hinzugelangen, dahin langen, langmachen, das Quartier zu verlagern, dann genauso unsicher um die Hindernisse zu galoppeln, anstößig herumzusitzen in Eierschalen, die gleich mitgebracht, da wird geteilt, meinliebermann, Teile von allen Teilen genommen, die ewige Halbiererei, bis, wie beim Regenwurm, alle Teile lebendig sind, und alle eigenen Gedanken fleddern wie Leichen, ausgegorene, platzende, fertiggedachte
Gedanken, sterbende Prozesse aufgeschichtet zu einer Menge Ungereimtheiten das richtige Dressing, ich in allem oder nichts, Brombeerfallen an der Wasserseite, nur mit Harnisch
zumindest zu bekriechen, ein wilder Garten ohne ejakulierenden Pan, wenn ich nicht drin bin, kann ich auch nicht drin sein, oder mich drin sehen, hinter Bretterumzäunung, da der Kuß deines dämlichen Grinsens, da mein regennasses Hin und Her, die Göttin watet bis zu den Knöcheln im Sperma herum, sagt irgendwann

– Der Nächste
die Existenz ist nur behauptet, da muß man schon ran, dieser Quadratmeter Luft gehört mir nach oben hin unendlich, wo die Luft dann sowieso aufhört, kalte Welt, in der man
die Wärme verteidigt, kalte Welt, in der man die Wärme verloren hat und wieder sucht, mit einem diversen Angebot an Schatten, die noch echte Schatten sind, Oasen der Verstecktheit so mancher Bullenbeißerei. Erst im Angesicht des Phantastischen, wenn die menschliche Vernunft ihre Kontrollmacht verliert, vermag sich das tiefste Empfinden des Seins zu äußern. Was ist, wenn wir uns in den Gegenstand verwandeln, den wir am häufigsten Benutzen, wenn wir in all dem weiter leben, was uns einst gehörte & etwas bedeutete,
wenn das, was wir dann sind, Macht über jene bekommt, die diese Gegenstände nicht in Ruhe lassen können

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    als mit technischen Hilfsmitteln erkannt werden kann. Trotzdem darf ein Strich im Kalender nicht zu der irrigen Annahme führen, die Kessel verlören ihren Druck nur vom Hinsehen. Ein großer Albtraum nährt unsere Binsenweisheiten, er bleibt zum Essen und
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    Am Abend saßen sie im Flur und sangen „Wish you were here“, wozu sie Jim Beam tranken, von unten herauf quoll der Blues wie Reisbrei aus einem Topf.

    – Töpfchen koch
    wir nannten sie der Einfachheit halber „Zupfer“, die Amis, das waren immer nur die Zupfer, die anorektische Journalistin, die neben mir ein Zimmer hatte, saß meistens bei ihnen
    – Töpfchen steh
    ich kam da lang, die Treppe, an ihnen vorbei, um noch mehr Schnaps zu besorgen
    (ein Glasflaschenentwerter)
    der Boden, der Kümmerling
    (die Flaschen)
    – Töpfchen koch
    der Boden nicht mehr zu sehen
    (wer den Boden nicht mehr sieht)
    oh, ihr Gäste und ihr fremden Menschelgen, heute Abend schob ich keine Pizzableche in den Feuerschein, verzupfte nicht Salat, schlug keine Filets, kein angetrocknetes Mehl, heute versoff ich das Geld, das ich gestern verdiente, vor Feuerschein und Gurke
    (ich wurde jeden Tag ausbezahlt)
    mit Leuten, die ich nicht kannte, wie unbekannt mit mir zu feiern, setzt euch doch
    – Setzen wir uns doch
    auf die Stühle, die ich mir geborgt hatte, genauso wie den Tisch, den wir nicht brauchten, weil wir alles auf den Boden schmissen, oh Hasi Hasi, der feiste Baß
    – Töpfchen koch
    dann unten, alles voll, die lange Theke nur noch für mich der Platz, du unnahbares Objekt meiner Begierde, mit Augen wie Bambi
    (Bam Bam Bambi)
    du Körper der Lust, du Heizdecke
    (ich widdere sie)
    rauchiges Universum
    (der Blues)
    Now I left home this mornin‘, I swore I’ve stopped and think
    Made my friends a promise, I wouldn’t even take a drink
    Of that bad, bad Kümmerling
    Woodstock-Anhänger, wie schön war’s damals, als wir noch alle völlig verblödet mit Drogen im Blut, Veganer, Fleischfresser, alles da, Hippies, Leary Leary hey, fickten, soffen, fraßen und am frühen Morgen vom Stuhl fielen, ich saß in meinem Rom, meinem Babylon, meinem Korinth, der sündige Heilige
    (ich reinigte auch die Scheißhäuser)
    Rabelais, Grimmelshausen, Villon, Ovid
    (aber unterzeichnete mit Attila)
    und es gab keine Tür hier, die ich noch nicht eingetreten hatte, war im weitesten Winkel der Welt versteckt und war doch zuhause, in der Welt, aus der Welt, in einem Sternbild, Lichtjahre entfernt von einem anderen Ort
    (hinter den gelb melierten Fenstern und dem Vorder- und Hinterausgang)
    die Gesichter vertraute Ballons, die an mir vorüberschwebten, bekifft, versoffen, planlos, du neue Welt, Stillstand im Rausch, ewiger Bacchos, Eddi spielt Billard, mit seinem flächendeckenden Gesicht glotz er die Kugeln ins Loch, der Queue nur Beiwerk, ein phallisches Instrument
    (und da tat ich meins dazu)
    – Hasi Hasi
    dessen Fruchtbarkeit Siege bedeutet, die Säulengänge des alten Athen, wo statt Philosophie Billard gespielt wird, alles fließt, sagt Heraklit und steigt aus dem Wasser, hinter allem steckt die Idee, sagt Platon1 und zerlegt die Pferdheit zu Rouladen, Eddie zielt und trifft, er darf noch einmal, so will es das Gesetz, Hasi bringt mir noch ein Bier
    (und bringt sich selbst gleich mit)
    ich beobachte die Umluft, sie stellt einen Karton Kümmerling dazu, heute ganz Kelte, trunksüchtig statt wollüstig
    (und wieder widdere ich)
    kniete sie neben meinem Bett, während ich unter der Decke eine Belgerung vorbereitete, näher bin ich dir ja nie gekommen, in der Ecke
    (ich im Bett)
    diskutierte ihr Bettgestell mit Melchior über Physik, für Physik interessierte man sich hier, Lied von der Symbiontenstrategie, das Licht wechselt von Teilchen zu Wellen, ich begann Hasi ebenfalls in einer Heisenbergschen Unschärfe wahrzunehmen, sie akzeptierte meinen abgehackten Wörter
    (während der Klimax bitte nicht sprechen)
    und stand erst auf und ging zur Physik als meine Finger der Biologie wegen neue Wege ging
    – Das Universum
    eine Teilchenschleuder, du führtest doch meine Hand unsichtbar in Gedanken, du hattest mich doch erkannt, wußtest wer ich war
    – Das Multiversum
    oh, jetzt denkt sie an mich, hier entschied sich das Leben, hier wurde das Leben begründet
    – Das Desasterversum
    und der Hintereingang reißt sich auf, zwei fremde Wesen tanzen herein, stören die Dämmerung, die Gedanken, das Meer, augenblicklich reißt mich der Wahnsinn in seinen ausgezehrten Schlund
    (Eddie zielt und trifft)
    und pure Nüchternheit vertreibt jeglichen Nebel aus meinem Gehirn, ich erleide einen Schock und komme nicht dazu, die Beine hochzulegen, der Engel war erschienen und besuchte nun den Sündenpfuhl, um die Seelen aus dem dritten und vierten Kreis der Hölle zu retten
    (Dante wo warst du)
    blond, neckisch und reif wie ein überquellender Fruchtkorb, dem der Zucker austreibt
    – Die Bar
    die Schleusen meines Herzens, schon wieder verliebt, in jede, in jede, da oben warteten sie auf den Schnaps, den bring ich auch, den bring ich gleich, ich bin schließlich Attila, plane den Weltuntergang, plane die Wolke zu finden
    – Sieh doch Mutter, ein Gesicht
    stand auf und bohrte mich durch den archaischen Urdunst, hin zur Skulptur am Ischtar-Tor, eine Schlucht, zu beiden Seiten säumen hohe Mauern den Weg, riesige Ungeheuer starren von den Kacheln, spielen Pool, die graue Maus daneben
    (Gold wird in dreckigen Truhen transportiert)
    aus dem Seitenwinkel meiner glänzenden Augen, die Reaktion hinter dem Tresen, du Hasi weißt, was ich begehre, ein Tropfen rinnt durch die zitternde, pumpende und heimliche Hand, der Traum spricht von der Schuld der Ekstase, die vergessen hinter Herbstlaub lauert, das stampfende Weiß der Augen trägt sich durch die silberne Luft des nur schwarz sehenden Auges, welches sieht, wie die Gier und die Vibration des Körpers beständig schnaufen, dort sieht das Auge alles zucken
    – Seit gegrüßt von einem einsamen Segler in notdürftigen Gewässern
    ich wies meine Soldaten an, von ihren Feldzügen alle unbekannten Pflanzen mitzubringen, im Sommer, mit den Sklaven zusammen, schöpft also Wasser aus den Brunnen und pumpt es in viele kleinere Kanäle
    (damals im Garten)
    Semiramis reagierte und
    – Wer ist der Sprecher
    ein König der Holzbuden und Einmachgläser, aber ein König, sie stimmte voller Holz und Wurzelwerk, erzählte Nebensächlichkeiten, aber Semiramis, du bist kein Engel, wie war denn das, als du in das Ornament gekleidet die Hinrichtung befahlst, mein Sehnerv ist verändert und es bleibt ein Hokuspokus, bist du vielleicht doch ein Engel, dann rette mich, rette mich
    – Vielleicht bin ich ein Engel
    ich habe dich noch nie gesehen, du wurdest ja nicht gemalt, sie nahm mich so ernst wie ein vierjähriges Kind eine Fliege ernst nimmt, mit ausgerissenen Flügeln, die wie ein Brummkreisel auf dem Tisch rotiert, oben sitzen die Hunnen, warten auf den Schnaps, die Stimmen sangen, der Blues, Türen wurden geöffnet und geschlossen
    (eine Eigenschaft, die man ihnen nachsagt)
    die Atmosphäre eine Prothese meines Zustands, ich verwandelte mich in die Seele des Gebäudes, heiße Küsse im Treppenhaus, unter wummernden Bässen und verschwommene Figuren labten vorbei, erwachte irgendwo auf dem Boden liegend
    (war es denn der nächste Tag)
    eine Zahl im Kopf, eine Formel, ein Heureka, ein pythagoreisches Geheimnis, das sich unter meinen rhythmisierten Schädel schob, ich fasste nach einem Namen, nach einem beschrifteten Glas, in dem eine milchigweiße Sensation schwamm, die leeren Flaschen zerfetzten das Sonnenlicht, tausend Flüchtlinge verseuchten, durch meine Augen zu dringen, die Zugbrücken rasten herunter, links und rechts über meiner Nasenwurzel, praktischerweise lag ich direkt neben der Tür, ins Badezimmer
    (die Reise beginnt)

  • Dreh- und Engelpunkt

    Das Bett ist der Ort, an dem man liebt und träumt, die wahre Werkstätte der Literatur, des Dichters eigentliche Heimat, oh Hesperos, Sohn der Eos, sanft und bescheiden und errötend wie ein junges Mädchen, dein Renaissance=Bett im wunderbaren Drang der Liebe, Trank der Liebe, graublaue Augen, oh Mensch, so graublaue Augen, ich kann doch kaum aus meinen Tagen heraus=sterben in die Nächte hinein, Wollust nämlich, Hort der Auflösung, ich kam nackt aus meiner Mutter und trat der Göttin vor den Schoß, steige herab in meine grünen Auen, direkt hinein in mein Gebett im Beet von Aprikosen und Nelken, der Erkenntnisquelle Tod und Thor Geburt und Thor, hold Kreuzungspunkt der Sinne. Sie hat immer da gestanden, am Brunnen. Sie hat dann immer gewunken, am Stall, ging wieder ins Haus und erschlug heimlich Fliegen. Die legte sie in Reih und Glied neben ihre Groschenromansammlung, gegenüber polterte die Tür in den Engeln (Dreh- und Engelpunkt).

    Standort : Selb-Plößberg 1981, in einem fremden Garten traf ich Knabe eine junge Frau.

  • Das Ringlein

    Den Borgias war bekannt, dass ihr Christus ein Fresser und Weinsäufer war; reicher Gastgeber, der die Liebesgespielinnen ganz besonders achtete, denn sie hatten ja viel geliebt. Von Gott berührt wird der Mensch im Safte, das Glockengeläut der Eingeweide kennt keine Grenzen der Moral. Im Vieh ruht Gott, im Euterspritzen, in den Schlingen des Universums behält er sich vor, uns durch Lust zurück zur Quelle zu führen. Das Geheimnis der Beschneidung ist das Geheimnis des Eherings, der zelebrierten Hochzeit; der Jüngling Jesu gab seine Vorhaut seinen Bräuten, die das höchst kostbare Präputium, mit sardischem Stein gerötet, trugen, auf dem zu lesen stand : ›Wegen des vergossenen Blutes‹. Der Hersteller dieses Rings ist der Heilige Geist, seine Werkstätte Marias reinster Schoß. Zuletzt gesehen wurde das Ringlein zu Zeiten Katharinas von Siena, die sich kreischend auf dem Boden wälzte und um die Umarmung ihres süßen, geliebten Jünglings Jesu bettelte. Als verzückte Jungfrau trug sie seine Vorhaut am Finger, warf sich mit Schaum vor dem Mund herum, völlig der Hysterie ihrer Geilheit ergeben.