Trümmer des Schlafs

Trümmer des Schlafs: ich komme hoch, zerteile die Oberfläche (noch nicht), sehe ein abgeschmacktes Licht, einen wartenden Tag, er wälzt wälzt wälzt sich, im Bett, der Tag, und träumt, hält fest an dem Traum, der Wahnsinn; du Wahnsinniger! (auch ich bin ständig mit dem Trommelrevolver unterwegs). Nein, ich fasse mich an, der Instinkt des Traumes ist stets erotisches Schweinelager, stets voll … und voll … die Laken: stinkendes, krustiges Blut – und Nahrung (oder Rätsel). Das Fass, das der Böttcher botticht hat nichts zu tun mit dem Böttcher, der den Bottich fasst.

Der Ort, an dem die Vergangenheit angedickt im Jetzt lastet, nämlich unvergangen ist; wir: Speicher der Erlebnisse, Zeitspanne Traum, also : immer. Zufällige Abfolgen transponieren unkausal in eine Möglichkeit, das Wasser : die Metapher des Lebens, der Seele, der unzähligen, ungezählten Szenen, die sich sich auf die Wachsrolle schweißen, die dann zerschmilzt, wiederum für einen neuen Brand erkaltet und so fort. Die Gedanken : Vögel hat man sie genannt, mächtige Steinadler himmelan, insektenfleißige Nachtigallen drunten, schwindend. Rau die Nacht so manches Mal. In kanutischen Kreisen produziert der Malstrom undenkbare Wirren. Weit ist das Ufer, wer es erreicht, der hat sich noch lange nicht in Sicherheit gebracht, der hat die Schönheit im Visier, die Lichtspiele, der wird ganz versessen sein, dem Leben augenblicklich zu huldigen, nachdem er soeben knapp dem finstren Schlund entkommen. Erst wenn die Wirrnis total, die Werte vernichtet sind, das Ich sich in die Allheit beugt wird es erkennen, dass sein Geist (sein Verstand erst recht) nicht ausreicht, etwas jenseitig von sich zu erfassen, dass alle Wahrnehmung der Einflüsterung der Kräfte um uns bedarf, um sich für das eigene Wollen halten zu können, schließlich: dass alle Flüsterei dennoch der eigenen Urheberschaft entstammen und alles im Universum ganz genauso beschaffen ist, dass wir den Kosmos nicht teilen, sondern jedes Partikel ein eigenes All hervorruft, allein durch seine rätselhafte und nie zu klärende Existenz. An die Wand malt man Monster, statt der Säulen malt man geriefelte Stengel mit krausen Blättern und Voluten, statt der Giebel Zierwerk, ebenso Kandelaber, die gemalte Ädikulen tragen. Auf deren Giebel wachsen aus Wurzeln sich ein- und ausrollende zarte Blumen, auf denen dann ganz sinnlose Figürchen sitzen. Und schließlich tragen die Stengelchen sogar Halbfiguren, die einen mit Menschen-, die anderen mit Tierköpfen. Es sind die Blumen, die uns gebracht werden, sprechend gebunden, weil es der Blumenflüsterin gelungen war, die richtigen Blätter zu pikieren, die stachelichten Dornen auszutreiben, das tulpige Aussehen der ausladenden Kelche zu vermeiden – und so will das Geflecht auf einem ausgesuchten Tisch in einer Vase herumprahlen: »Es gibt eine Natur; eine, die nur durch Urgewalt zu wiegen ist.«
Auf sämtlichen Eruptionen lässt sie eine Jungfrau reiten, weil sie gar nicht anders kann, als in der Zerstörung zur Blüte zu gelangen; zur Brutalität passt nur das Zarte, und nur die Gegensätze ziehen sich an. Aber er hört das alles nicht, nicht den Malstrom, nicht die Fusiliertulpen in der Vase; sein eigenes Gähnen verschlingt die Welt. Trotzdem ist sie weiterhin da. Kann es sich da um einen Trug handeln?
Es ist in den leeren Raum hineinsprechen, und weil dies Laute sind, bleibt nur ein Geräusch. Auch wenn er ›Haus‹ sagt, wird nicht Jedem sein Haus erscheinen in diesem Raum, der leer – das bedeutet hier: sinnlos ist, der Sinn nicht speichert. Er murmelt: »Haus!« – es entstehen so viele Häuser wie Ohren (wenn sie denn mit einem Gehirn verquickt sind), diese können jede Größe annehmen und sogar durch Papier oder Haut dringen. Aber: ›Haus!‹ ist möglich, unmöglich ist: wohnen. Das könnte bedeuten : in einem Haus zu sein, das könnte bedeuten : seine Sachen abgestellt zu haben, seinen Kot auf Blut zu untersuchen, das alles könnte – wohnen – sein.
Nenn‘ mir das Wo deines Hauses, wo bist du gewohnt, dich aufzuhalten : das wird immer schlimmer noch, der leere Raum zittert schon, denn irgend etwas müssen die Schallwellen doch zu bedeuten haben! Mehr als das Niesen einer Katze.
»Wisst ihr«, sagt er jetzt in den leeren Raum hinein, »ich glaube, dass wir dort essen, schlafen, fäkalieren, baden, lieben müssen, um zu wohnen, dass dies die Pfeiler sind, an denen wir uns heimelig wetzen, ungeschminkt bei Tisch hocken – ich selbst fresse und saufe wie ein Schwein, was rinnt mir nicht alles aus dem Maul vor lauter Geschwindigkeit! – also der völlig sinnliche Charakter wird dort offenbar.«
So hört es sich also an, als ließe man sich gehen womanwohnt– und draußen (also anderswo) flaniert man seinen Lack durch den Blickewald, sperrt den Rachen auf, der Zahnpastawolken unter die Menschheit tubt, kämmt sich sogar (meinlieberFreund) das spärliche Hornhaar nach irgendeiner Philosophie. Tischsitten – Sitten überhaupt, einstudiert wie ein Theaterstückerl, schlingeln durch die Straßen, und im Haus, das jetzt verlassen liegt, silhouiert unser eigentlicher Charakter, der die Geschichte fortführt, die völlig unappetitlich – und deshalb wahr – ohne uns geschrieben wird.

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