Der Brief des Cornelius nebst Antwort des Meister Vollpferd

Mein nomen ist Cornelius Schlehenfeuer, und ich will sie, Hocher Meister, einwandfrei geradeaus fragen, ob ich in ihrer kueche den alchimisten geben dürfte, nachdem ich freilich und von selbst verständlich das ganze von Ihnen gelernt. Noch bin ich etwas dazwischen, mir und dem allem um uns herum, aber schon partizipiere ich, schon mag mir ein holistisches weltbild einleuchten. Diese lampe, die da also zwischen meinen zweien augen sitzt, lässet mich itzo schreiben was ich ja gerade schreibe und Sie vielleicht antworten, was Sie antworten werden, wobei ich sagen möchte, daß Sie mich auch erst einmal begutachten, ob Sie nicht sogleich das feuer erkennen, das mich jetzt seit meiner geburt anno xxx ruhelos lässt.

Im gewölb unseres weinkellers daro in Kaiserhammer dämmerte mir nach einem ansehnlichen rausch, dass alles mit allem verbandelt zu sein scheint, aber ich nur nicht erkennen kann, wie denn nur. Auch will ich meinen ammen entkommen, die mir sticken und nähen aufzwängen, weil ich ja noch nicht einmal das jungmannenalter erreicht. Nähen!
Sie, Lieber Magister Vollpferd werden sich denken können, wie einem geist geschieht, wenn er auf weichen schöößen sitzt und locken in die haare gewickelt bekommt, während er von den sternen, während er von legierungen träumt, wo er doch lieber wie eine sau stinken möchte. Wollen Sie mich also bitte retten?

Wie sie erkennen, kann ich gar nicht schlecht schreiben, woran gemessen werden darf, dass nicht stock und rebe vertan mit mir.

Antwort des Meister Vollpferd

Lieber junger Freund!

Der brief, den Er mir schickte, hat mich ja nicht wenig für Ihn eingenommen! Aber, wenn es mir erlaubt ist, diese frage an Ihn zu richten: will Er sich denn höchstselbst zum golde schmieden?

Wir schaun doch immer nur den abklatsch. Wenn man ihm locken wickelt, sieht Er vielleicht drein wie ein angelein, und an einem überzieher hab ich noch nichts schlechtes gefunden. Wenn er das also kann, soll Er sich doch von den schößen weiter darin instruirn lassen, schlaufen miteinander zu vergarnen. Wer flieht denn einem moment, wenn er sich doch als klug ausgibt, in dem Er etwas lernt. Passe Er doch zunächst gut auf beim erschaffen von weibskram, um den herd der alchimie besser zu verstehn. Heiß wirds Ihm noch woanders werden, das universum schafft man nachgerade da, wo Er nun sitzt und aber nicht sitzen will. Ums Ihm zu vergüten, will ich Ihn trotzedem einmal laden, um das quicksilver beim spielen zu betrachten. Ich treffe Ihn aber nur, wenn Er schön brav die locken trägt, die man Ihm zugedacht.

Mit aufmerksamem wolwollen
Magister Vollpferd von Teufelsdröck

Ähnliche Beiträge

  • Um Mitternacht / Augusto Cruz

    Alte Sendung aus dem „Phantastikon-Podcast“

    Augusto Cruz García-Mora hat mit diesem Roman Ehrgeiz und Mut gezeigt, der eine Mischung aus Detektivroman und kinematografischem Delirium mit einem Hauch Abenteuergeschichte darstellt, gespickt mit einer traumartigen Fantasie. Vielleicht finden Stummfilmliebhaber auf diesen seltsamen Seiten eine gewisse emotionale Komplizenschaft und wissen den Roman sogar noch mehr zu schätzen.

    Das Objekt der Begierde

    Der Film „London after Midnight“ (Nach Mitternacht) ist der erste amerikanische Film, der sich mit Vampiren beschäftigt. Nosferatu wurde 1922 veröffentlicht, ein weiterer seltsamer Film namens „Dracula Halla“ 1921, außerdem soll es noch einen geheimnisvolleren russischen Vampirfilm geben, über den absolut nichts bekannt ist. Das also sind die ersten Vertreter ihrer Art, aber in diesem Buch von Augusto Cruz geht es vor allem um die Suche nach dem als verschollen geltenden „London after Midnight“. Dass sich um diesen Film so viele Legenden ranken ist natürlich ein gefundenes Fressen für einen Schriftsteller. Schon die Entstehungsgeschichte ist merkwürdig. Lon Chaney war zu dieser Zeit der Horror-Darsteller Nr. 1. Sehr berühmt und zurückhaltend, galt dieser Darsteller als äußerst mysteriös, ging nie aus, bevorzugte die erbärmlichen, verkrüppelten und seelisch deformierten Charaktere, und als er starb, hielten alle Kinos des Landes für einen Moment inne und gedachten seiner. Um seine Augen tränen oder verschleiert wirken zu lassen, steckte er sich Drähte in die Augen oder träufelte sich Eiweiß hinein.

    Das Buch

    1927 wurde der Film „London after Midnight“ im MGM-Filmstudio veröffentlicht. Ein Stummfilm unter der Regie von Tod Browning mit dem legendären Lon Chaney. Der Film war nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch ein großer Erfolg, vor allem wegen Lon Chaneys beeindruckendem Schauspiel. Die letzte Kopie des Films ging bei einem Großbrand 1967 verloren. Seit dem Brand kursieren Gerüchte, dass sich noch immer eine Kopie des Films in den Händen eines unbekannten Sammlers befindet, was „London after Midnight“ auf die Liste der begehrtesten Filme aller Zeiten setzt.

    Der exzentrische Artefaktsammler der Stummfilmära Forrest J. Ackerman ruft den pensionierten FBI-Agenten Scott McKenzie um Hilfe. Er beauftragt ihn, die einzige verbliebene Kopie des Films „London after Midnight“ zu finden. McKenzie, einst Vertrauter des FBI-Direktors J. Edgar Hoover, nimmt den Auftrag an und beginnt eine manchmal äußerst gefährliche Suche nach dem Heiligen Gral des Stummfilms. McKenzie hat nicht viel Zeit, denn Ackerman befindet sich im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit und beginnt, Dinge zu vergessen.

    Halb verbürgte Realität, halb fiktionale Ambition, basiert „London after Midnight“ auf einer wahren Geschichte, denn der Film existierte und bleibt bis heute verschwunden. Die aufgeführten Personen in diesem Roman agieren lebendig, die gesamte akribische Dokumentation dieser Jahre, die gleich zu Beginn ein ausgeprägtes Stimmungsbild liefert, tut ihr Übriges. Cruz hat, ausgehend von einigen sehr mysteriösen Fakten, eine sehr konsistente Handlung um diesen Film herum konstruiert. Zu Beginn mag der Stil etwas eigenwillig erscheinen, weil er diese gewisse mexikanische Note besitzt, die den Rhythmus und die Kraft der Erzählung wie ein Destillat erscheinen lässt, wie ein Traum, der die Magie und das Geheimnis nur durch Andeutungen unterstützt.

    In zwei temporalen Bögen entspinnt sich die Geschichte – einer beschäftigt sich mit der Suche nach dem Film, ein zweiter zeigt die Vergangenheit McKenzies als Hoovers Assistent – und der Roman arbeitet dabei wie ein Schweizer Uhrwerk, der die Handlung abwechselnd ineinanderschlingt. McKenzies Erinnerungen an den Direktor werden hier klassisch vorgetragen, während seine Suche mit seltsamen Geschehnissen gespickt ist. Da gibt es Schlösser, Monster, Geisterstädte, Schatten, Legenden, Erinnerungen, Träume in einem abenteuerlichen Setting, das nicht nur Freunde des frühen Films begeistern kann. In einem Kontrapunkt kreist die Erzählung um das Erinnern und das Vergessen. Hiervon zeugen einerseits McKenzies Erinnerungen an Hoover, aber auch an seine Frau und seine Tochter, die eines Tages unauffindbar verschwunden waren und blieben.

    Augusto Cruz hat einen herausragenden ersten Roman geschrieben, der zwar etwas an Austers wunderbares „Buch der Illusionen“ erinnert, aber dennoch ganz eigene Wege geht.

    Augusto Cruz García-Mora ist ein mexikanischer Autor, der 1953 in Tampico geboren wurde. Er studierte Kinematographie in Mexiko und an der University of California. Für seine filmischen Arbeiten erhielt er unter anderem Preise vom Instituto Tamaulipeco para la Cultura y las Artes und vom Centro de las Artes von Oaxaca. Cruz steckte viele Jahre Forschungsarbeit in den Roman, und kann als großer Kenner auf dem Gebiet des Films gelten. Er hat einen erstaunlich visuellen und farbenfrohen Schreibstil, der den Leser in die Welt des Stummfilms einführt. Jeder Schauspieler, von dem er spricht, hat wirklich gelebt, alle Geschichten, die um Filme herum kursieren, sind wahr, und das macht das Buch äußerst interessant. Der Autor hat sich in einem Fernstudium zum Privatdetektiv ausbilden lassen, bevor er sein Debüt zu Papier brachte. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass er alles, was er dabei gelernt hat, in diesem Roman ausbreitet.

  • Das verschleierte Bildnis zu Sais

    Der Krankenwagen trudelt ein und wendet ungestüm. Sein blaues Licht verscheucht die Schneeblindheit. Die weißbraune Grütze tropft aus den Radkästen. Beinahe gleichzeitig trifft ein neuer Funkspruch ein und plappert munter in Michels Volkswagen vor sich hin, der quer über der Straße steht. Die Beamten haben aufgehört, sich um die Bergung zu kümmern und diskutieren gebührlich, auf Schaufeln, Besen und Rechen gestützt, mit den Fahrern, die um jeden Preis hier durch wollen – anstatt die B15 zu nehmen – und dabei wild mit den Händen gestikulieren und damit ein neues Alphabet probelaufen lassen. Die meisten von ihnen sind ausgestiegen, heben sich gegen den Horizont ab wie Manschetten, die das Bündchen der Landschaft verschließen, wie Stulpen am Rande der morgendlichen Szenerie, um sich nicht entgehen zu lassen, was sich dann vielleicht im Bekanntenkreis ausschlachten lässt.

    Mehr lesen „Das verschleierte Bildnis zu Sais“
  • Wismutoxyd

    Der Meister Vollpferd mochte hochgebildete Damen sehr gerne, obdoch es eine ungewöhnliche Hürde zu seiner Gunst gab: Die Mistressen mußten kahlköpfig sein. Seitdem er sich in Erna, die er für die Wiedergeburt eines Perlhuhns aus dem 16. Jahrhundert hielt, verliebt hatte, sprach er von ihr als von seiner ›Universal-Gescherten‹. Aber warum dann doch nichts daraus wurde, beschrieb der Meister wie folgt : »Sie trug große Hüftrollen, mit Taschen rundherum. In jeder von ihnen steckte sie eine Schachtel, in der sich das Herz einer ihrer Liebhaber befand, die einbalsamiert waren. Diese Hüftrollen hängte man jeden Abend an einen Haken hinter dem Kopfteil ihres Bettes. Sie wurde frühzeitig dick und – eben kahlköpfig – und hielt sich blonde Lakaien, die sie scheren ließ. Diese Haare trug sie.«
    »Ist das denn das natürliche Verhalten von Perlhühnern?« Cornelius kannte diese Tiere ja nur aus dem Gehege hinter dem Schloß.
    »In der Tat!« Der Meister Vollpferd, dessen Haare nun nicht mehr blond waren, sah zur großen Steinuhr, über die noch zu reden sein wird.
    »Das Wismutoxyd ist fertig!«

  • Wie Ziegen den Kaffee erfanden

    In einer Welt, die vom Alltagstrott gefangen gehalten wird, gibt es ein Getränk, das seit Jahrhunderten unsere Sinne erweckt und die Flamme unserer Leidenschaften entfacht. Dieses geheimnisvolle Elixier, kein geringeres als der Kaffee, hat Revolutionen befeuert, Künstler inspiriert und Menschen in stiller Einkehr zusammengeführt. Aus einer schlichten äthiopischen Beere entsprungen, hat es sich zu einem globalen Phänomen entfaltet, gehüllt in Rätsel und erfüllt von tiefgründiger Vielschichtigkeit.

    Die Legende besagt, dass Honoré de Balzac, der französische Autor der menschlichen Komödie, bis zu 50 Tassen Kaffee am Tag trank, um sich in einen Rausch der Kreativität zu versetzen. Gekleidet in die weiße Kapuze eines Dominikanermönchs, ausgerüstet mit Tinte, Federkiel und einem endlosen Vorrat an Kaffee, begann Balzac seinen Schreibtag um 2 Uhr morgens und verließ seinen Schreibtisch nur, um sich um seine persönliche Limoges-Cafetière – eine Kanne mit Stövchen – zu kümmern, die seinen starken Kaffee während seiner langen Schreibnächte warm hielt. Er brauchte 15 Tassen oder mehr, um diese Schreibanfälle überhaupt zu stillen.

    Balzacs berühmte Kaffeekanne
    Mehr lesen „Wie Ziegen den Kaffee erfanden“
  • Der Weg nach Raha: 8 Adam und der Reisende

    Jemand (ich kenne ihn nicht) kam mit einer grauen Tasche unter der rechten Achsel an, stand stumm wartend unter dem Wellblechdach der Wartefront am Bahnsteig.

    Stellen Sie sich einen Mann vor, der einen schwarzen gebürsteten Anzug trägt, die Hose geschnürt mit einem baskischen Gürtel, einen Hut (unbekanntes Fabrikat) auf dem länglichen Schädel, ebenfalls schwarz, darunter, im Schatten, ein mehlweißes Gesicht; die Augen liegen sehr tief, zudem vom Schattenschlag des Huts verhangen, ansonsten ganz und gar eine bürgerliche Gestalt, die elefantengraue Tasche jedoch eine unbegreifliche Wahl.

    Mehr lesen „Der Weg nach Raha: 8 Adam und der Reisende“
  • Empfang der Varietät

    Spuren treten auf, wenn der Wille,
    Spuren zu gestalten, überhandnimmt.
    Das Zeichen ist sich stets der Welt
    gewahr, die unsichtbar, aber nahe,
    einen Zugang sucht, einen Begriff

    meist, handelbar, abnorm in seinem
    Abbild. Eine Antenne, die sich wölbt,
    keine Zuneigung kennt, keine Eignung
    des Verständnisses zulässt. Das ist eine
    Bankrotterklärung, die an allen

    Impulsen vorbeiläuft, die überhaupt
    empfangen werden können. Fortan
    verbleibt die Kümmernis hinter einer
    stacheligen Einfahrt, die der Geburts
    Schleuse so exakt gleicht, dass eine

    Verwechslung unwahrscheinlich, aber
    Möglich erscheint. Der Alleingang
    bleibt stetes Streben, Bottiche entleeren
    sich in den Sand, was bleibt, ist nicht
    mehr als eine matte Scheibe, deren

    Qualität Unendliches birgt. Der Winkel
    Gesteht dem Beobachter zu, sich irren
    Zu dürfen. Eine Frage von Präsenz und
    Absenz. Das Unikat dreht seine biederen
    Runden. Sind wir uns einig, bleibt

    Zumindest die Stille trocken. Ich dachte
    Tatsächlich, das habe nichts zu bedeuten,
    bis mir jemand das Maul auswusch.
    Also biss ich auf Granit
    und schmeckte schlanke Brüste.