Ist so fürchterlich nicht

Dieses Haus – der Magen eines ausgeweideten Tieres, in den Rinnstein vor der Schlachterei geschmissen – barg dreizehn gallgrüne Zimmer mit jeweils zwei von einer Nikotinpatina zur Blindheit berufenen Fenstern.

Ich sage Fenster, doch waren es Augen. Geweitet von dem, was sich einst auf den jetzt leergefegten Straßen abgespielt hatte. Nach innen gekehrt; ausgelaufen wie angestochener Eidotter. Es waren jene fürchterlichen Narben, die auf jedem Asphalt lauern. Es waren Entbehrungen, die Abwesenheit von Sinn, die ihren milchigen Nebel ausmachten.

Die Zeit ist ein großes, böses Ding.

Es ist die Verwandtschaft mit den Leib der Fassade aus Glas und Beton, aus Unrat und abgestorbenen Seelenkammern, stinkend wie altes, in Verwesung übergegangenes Blut, blasphemisch aufgebläht: ein Schwamm, transformierend von zuvorkommender Höflichkeit in die leibhaftige Qual des Erstickens.

Wie dieses Haus gab es viele Häuser, die nicht in direkter Nachbarschaft zueinander standen. Eingehüllt in die Abgase frevelhafter Gedanken, von Wind aufgewirbelte, zu Staub gemarterte Leichenteile. Willkommen ist der taumelnde Tod.

Die Fetzen seines Staubmantels rasierten die verkrüppelten, blattlosen Sträucher und Bäume, Ruinen einstigen Lebens. Die Sense schürfte rostig und stumpf über zerbröckelte Bordsteine dieser Kloake einer menschlichen Siedlung, die Erlösung durch die Hand eines Mörders verdient hätte. Aber der Tod war in Wirklichkeit nur der Dreck, der von den Bergen geblasen durch die geschlagenen Schneisen pulverte.

Das alles erkannte ich, obwohl sie behaupteten, es sei nur ein gewöhnliches Haus, das man aus Geldmangel noch nicht abgerissen hatte.

Und die Stadt sei so fürchterlich nicht. Dabei lächelten sie: würden sonst so viele Touristen hier erscheinen? Ich sagte ihnen, dass ich mit dem Bus angereist sei, auch wenn ich mich aufgrund meines Kummers nicht eines Datums entsinnen könnte. Dass die Stadt leere Ödnis sei, ein Trug – und mich das Notizbuch eines Freundes hier her geführt hatte, der den Schatten nicht entkommen war; und dass nur den Romantikern, den Süchtigen, den Todgeweihten und Außenseitern der falsche Tand nichts anhaben konnte, sagte ich ihnen.

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