Besorgungen um zehn

Ich gehe auf der Straße und gebe vor, ein Auto zu sein, was man mir scheinbar nicht abnimmt, sonst wäre kein Hupkonzert aufgekommen. Unbeeindruckt blinke ich (hat man kein recht auf Langsamfahrt?) nach alter Herren Sitte mit dem linken Arm. Ich muss gar nicht aussteigen, um den Laden zu betreten, bin bereits das Ausgestiegene höchstselbt. Heute bedient wieder die blonde, feiste Nachbarin, die nach ihrer Schwangerschaft vor über zehn Jahren nie wieder in eine gewisse Windschnittigkeit zurückfand. Außerdem gibt es ja noch das zweite, das jüngere Kind.

Oft höre ich sie über den Hof plärren, ihre Kinder mit einer die Gehörmuschel zersetzenden Eifrigkeit zur Ordnung rufen. Als sie mich einmal zum Kaffee bei sich einladen wollte, bekam ich Panik, denn wie hätte ich ihr Dauergespräch ertragen können? Heute klagte sie über die schmerzhafte Unbeweglichkeit ihres Nackens, entstanden durch die Schlepperei des neues Schlafzimmers. Ich empfahl ihr in meiner stets hilfsbereiten Art eine Salbe, von der ich selbst, wenn ich wieder einmal vor der Schreibmaschine auf dem Stuhl eingeschlafen war, gute Dienste zu vermelden hatte. Dummerweise wollt sie nun, dass ich ihr, wenn ich so eine Salbe hätte, ihr diese in den Briefkasten werfen sollte. Ich tat es nicht, denn es ist meine Salbe. Die Tube weist Druckstellen von meinen Händen auf, ein Muster meines Nackenschmerzes ist entstanden, ein Code, eine Sprache, eine regelrechte Historie! Ich merke erneut, wie ich mit Kommunikationsschwierigkeiten zu kämpfen habe.

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