wir schauen der welt beim verfall in die zellen die verfallen es ist womöglich ein grosz geschrei auf den wänden sitzend herunterfließend bounce bounce
Jahr: 2025
Der Hexham-Fluch
Die Geschichte der Hexham Heads ist eine Mischung aus archäologischem Rätsel, unheimlicher Folklore und persönlichen Erlebnissen, die die Menschen bis heute nicht vergessen haben. Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1971 sorgen die beiden Steinköpfe nicht nur für wissenschaftliche Diskussionen, sondern auch für andauernde Spekulationen. Was als spielerische Ausgrabung zweier Kinder begann, entwickelte sich zu einem Rätsel, das Fragen aufwirft: Sind die Köpfe Relikte einer längst vergangenen Kultur und sogar Träger dunkler Energien?

Die Zeugen / Jaime Begazo
Auch wenn oft behauptet wird, Jorge Luis Borges sei ein Meister der Irreführung gewesen, verhält es sich vielmehr so, dass er seine Leser doch eher davon überzeugte, dass es keinen Unterschied zwischen „Realität“ und Fiktion gibt. Dazu musste er nicht auf das Werkzeug einschlägiger Philosophen zurückgreifen; er begriff die bedeutende Rolle, die Sprache bei der Schaffung von Realität spielt und entwickelte das, was später die postanalytische Sprachwissenschaft dankbar aufnehmen sollte, durch sein literarischen Spiel.
Jorge Luis Borges wird völlig zurecht als der Inbegriff der Literatur gesehen. Damit löste er einst Kafka ab, wenn auch in gänzlich anderer Weise. Es ist für jeden an der Literatur interessierten wichtig, ihn so früh wie möglich zu studieren, aber nicht zu früh, weil eine gewisse Lebens- und Leseerfahrung vonnöten ist, dem großen Mann durch seine hermetischen Labyrinthe folgen zu können.
Spricht man über Borges, dann spricht man zu Eingeweihten, zu jenen, die einem geistigen Adel angehören, oder einer Gruppe von Intellektuellen, die den Templern ähnelt, man spricht über ein Geheimnis, in dessen Mitte unweigerlich Borges thront. Ähnlich verhält es sich damit, das Buch „Die Zeugen“ von Jaime Begazo zu lesen, der im Grunde – auch wenn er seine eigene findige kleine Erzählung präsentiert – damit nichts anderes tut, als eine letzte Geschichte Borges‘ zu Papier zu bringen, oder zumindest ein Geflecht vorzulegen, das auf das Literaturverständnis des großen Mannes rekurriert, inklusive des äußerst präzisen Stils.
In Borges‘ Erzählung Emma Zunz taucht einmal kurz der Name Milton Sills auf, ein Schauspieler der Stummfilmzeit, der – außer der Erwähnung einer Daguerreotypie mit seinem Konterfei – keine andere Rolle spielt, als Inventar der Geschichte zu sein. Jaime Begazo stellt sich allerdings in diesem kleinen Kabinettstückchen ganz berechtigt die Frage, was es mit dieser Erwähnung auf sich hat, ausgehend von dem Wissen, dass bei Borges kein einziges Wort jemals bedeutungslos ist. Der Erzähler berichtet uns von seinem Besuch in Genf, wo er Borges 1986, kurz vor seinem Tod, die Frage nach Stills stellen kann. Und der große alte Mann erzählt die „wahre“ Geschichte, die sich hinter Emma Zunz verbirgt. Das heißt, er betont die „Realität“ dieser Geschichte. Wäre das, was Borges dem Erzähler berichtet, wahr, könnte das alles, was man über Borges weiß, ins Wanken bringen.
Die Sünden der Väter / Lawrence Block

Eine der wichtigsten Konstanten in Lawrence Blocks mehr als 30-jähriger Schriftstellerkarriere, die mehr als 50 Romane und zahlreiche Auszeichnungen – darunter den renommierten Grand Master of Mystery Writers of America – umfasst, ist der Privatdetektiv Matthew Scudder, der erstmals 1976 in „Die Sünden der Väter“ auftaucht. Damit ist Scudder eine der beständigsten Schöpfungen Blocks und des gesamten Krimigenres. Als ehemaliger New Yorker Polizist, der zeitlebens mit Alkoholismus zu kämpfen hatte, tauchte Scudder bisher in 17 Romanen und einigen Kurzgeschichten auf.
Schon früher beschrieb er die Abgründe, in die junge Erwachsene Anfang der sechziger Jahre gerieten. Es ist eine Welt der Drogen, der Prostitution, der Verkommenheit und der blutigen Wohnungen.
Stubenfragment
Also kam Cornelius heruntergetreppt, um nach dem Zeter und Mordio in seiner Schlafkammer zu sehen. Als er aber die Türe wie immer mit der Schulter aus dem Schloß hebelte (Rost schwebte, ebenfalls wie immer, zu Dielen), sah er gleich, daß er einen Gast hatte, der Geschmack an seinen Keksen gefunden. Da saß ein Kerl auf dem Rande seines Bettes und krümelte sein Traumfahrzeug voll, ganz unbewußt des heiklen Kommens dessen, dem das ganze gehören wollte, und, natürlich auch gehörte.
»Wer um alles in der Welt seid Ihr?«, staunte Cornelius in den Raum. Da fielen dem Eindringling die letzten Krümel aus den Klauen, und, ganz gespielte Scheu, blickten die unterlaufenen Augen pupillenlos auf.
»Oh, nun. Ich bin der Deifl, sieht man das denn nicht?«
»Um ehrlich zu sein… das sieht man nicht ganz. Dabei ist es noch gar nicht Mittnacht, und Meister Vollpferd…«
»Ja, eben der schickt mich. Schnell soll ich eilen, sagte er, um die vergifteten Kekse nicht ihre Wirkung tun zu lassen, sie daher selbst verspeisen. Hätte er es lieber von ihm selbst gehört, dann hab᾽ ich᾿s verpasst, weil ich stet und spät den rossigen Weibsen nach der Falte trachte, herrliches Sapperment!«
»Ja und die Kekse?«
»Sind von einem Ungönner, Bulwer heißt der Mann.«
Der Böse Blick
Der „Böse Blick“ ist eines der ältesten und universellsten Phänomene des Glaubens in der Geschichte der Menschheit. Es durchzieht verschiedene Kulturen, Religionen und Gesellschaften und bleibt selbstverständlich auch in der modernen Welt ein Thema von Interesse.
Ursprung und Grundidee
Die Vorstellung eines „bösen Blicks“ findet sich in antiken Zivilisationen wie Mesopotamien, Ägypten, Griechenland und Rom. Der Kern dieses Glaubens besteht darin, dass ein neidischer oder böswilliger Blick Unheil verursachen kann. Solche Blicke werden als eine Art Energie oder Kraft interpretiert, die Menschen, Tiere oder sogar Gegenstände schädigen kann. Neid oder negative Absichten hinter einem solchen Blick gelten als Auslöser für Krankheiten, Unglück oder Leid.
Der Trompeter
: durch Dornenfelder, hinter Wänden des Schlafs gelegen :
kollabierende Zeitsphären, flügelzerschnittene Luft, in
einer Grube der Impressionen, Miasma aus Staub, Quirl
hochschießender Sphären, durch Dornenfelder, Flügelschlag
mit Weltenklang
(wie frei die Täler)
nebelrein &
alles ist als Spiel erdacht & wo
ich meine Kerze trage, pustet man sie aus.
Die Geister des Hauses
ziehen sich auf die Höhe ihrer Erinnerung zurück, der
schlechtgelaunte Ton der Stufen jammert durch das Lebe
Wesen, das Wände hat, dass wir kommen, dass wir quietschen.
Man wüsste es spätestens jetzt : Räume entstehen, radieren
die Wirklichkeit hinfort, vor dem Haus tut die Welt so, als
hätte sie das, was von den Wänden ummantelt wird, nicht verloren,
als gäbe es noch einen Platz dazwischen, der ausreicht, dem
Haus nicht zu nahe zu kommen. Alles ist Klang, ein Ton, doch war
davor ein Rhythmus. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass
die Trompeten trompten
(denn trompeten kann nur der Trompeter)
Der Gasmann von Mattoon
Am 2. September 1944, mitten im Zweiten Weltkrieg, ereignete sich in der Kleinstadt Mattoon, Illinois, eine Serie seltsamer Vorfälle, die bis heute Rätsel aufgeben. Die Ereignisse begannen mit einem Bericht auf der Titelseite der Stadtzeitung, der einen mysteriösen Angriff durch einen „Anesthetic Prowler“ beschrieb. Diese Geschichte entwickelte sich schnell zu einer bizarren Reihe von Ereignissen, die die Kleinstadt in Angst und Schrecken versetzten.
Die Gesichter von Bélmez
Am Morgen des 23. August 1971 betrat eine Hausfrau in dem südspanischen Dorf Bélmez de la Moraleda ihre Küche und stellte erschrocken fest, dass über Nacht ein Gesicht auf dem Fußboden erschienen war. Es handelte sich weder um einen Scherz noch um eine bloße Einbildung. Das Gesicht war klar erkennbar und wies Züge auf, die an expressionistische Kunst erinnerten. Es war kein gemaltes oder eingraviertes Bild, sondern schien sich direkt aus dem Betonboden zu erheben.

Komposita über das Sterben im Gemäuer
Die möglicherweise bekannteste Daguerreotypie von Edgar Poe ist die Ultima Thule genannte vom 9. November 1848, entstanden vier Tage nach seinem Selbstmordversuch. Dieses Portrait wurde nach einem Zitat aus Poe’s Gedicht Traumland (orig. ›Dream-Land‹) so bezeichnet, weil man in ihm einen Ausdruck trotziger Verzweiflung am Rande des Todes gesehen haben will. Für die meisten Poe-Liebhaber ist dies das Bildnis, das am ehesten zum Charakter seines Werkes zu passen scheint.
Baudelaire bescheinigt dem Bildnis, dass Poe dort ein recht französisches Aussehen an den Tag lege, in Wahrheit war der Dichter vom Alkohol gezeichnet. Das ursprünglich recht feminine Gesicht weißt tiefe Furchen auf, die Augenpartien zeichnen sich unsymmetrisch ab.
Doch nun geschieht etwas Merkwürdiges in einem Leben voller Merkwürdigkeiten. Am 13. November, also vier Tage später, sieht Poe bereits wesentlich erholter aus. Zu sehen auf dem Whitman-Daguerreotypie bezeichneten Portrait.
1849 wirkt Poe dann beinahe wieder hergestellt. Er sieht gesund aus, steckt voller Pläne für die Zukunft, beabsichtigt sich sogar neu zu verheiraten — und stirbt in Baltimore unter mysteriösen Umständen, unter deren Sternen sich sein ganzes düster-tragisches Leben entfaltet hatte.
Poe war, als ich ihm begegnete, etwas älter als ich. Er befand sich wohl, wenn auch die Schatten einer schweren Melancholie die tiefen Augen wie Vorhänge einrahmten. Es faszinierte mich nicht wenig, zu beobachten, wie er nahezu täglich sein Aussehen änderte, ohne jedoch seine charismatische Persönlichkeit einzubüßen. Für uns beide war die Zeit ein Instrument der Willkür, weswegen wir uns nicht an sie zu halten brauchten. Von ihm lernte ich zwei bedeutende Dinge, die er mir, jetzt, wo er auf niemanden mehr Rücksicht zu nehmen hatte, anvertraute. Das eine war das richtige Trinken des Absinth. Er bemängelte, dass es sich in der heutigen Zeit allenthalben nur noch um ein Naschen handeln konnte. Er aber, der Künstler des Rausches, gab sich nicht mit den einfachen Genüssen ab. Er scheute sich zu keiner Zeit, in das Innerste eines jeden Tempels vorzudringen, auch wenn das bedeutete, die Kontrolle zu verlieren.
Das andere war das Konzept, sich durch die Geisteskraft immer tiefer in sich selbst hineinzubewegen. Er sprach in diesem Zusammenhang nicht selten von einem Labyrinth mit dem Minotaurus in der Mitte. Das gab er mir als Grund an, warum er niemals einen Roman geschrieben habe, auch wenn er, wie er zugab, oft daran denken musste.
„Die meisten Romane“, sagte er, „sind wie der Faden der Ariadne. Zum einen scheinen sich die Dichter auf sicherem Boden bewegen zu wollen, um den Weg in jedem Fall wieder zurückzufinden. Zum anderen hängt selbst alles an diesem Faden und jeder könnte ihm folgen, wie viel Verwicklungen und Abzweigungen es auch immer geben mag.“
Er selbst wolle jedoch jeden einzelnen Schritt so ausleuchten, dass man sich auf diesen Faden nicht erst konzentrieren müsse, sondern vielmehr den Ort und dessen Atmosphäre im Auge behalten könne. Neben dem Gedicht gäbe es nur eine einzige Vollendung innerhalb der Poesie. Und das wäre die kurze Erzählung. Diese allerdings nahm er in die Pflicht, das Arabeske und das Groteske so herauszustellen, dass sie dem Spiel einer flackernden Kerze ähnelte, deren Licht über die Wände des Labyrinths irrlichtert.
„Es geht nichts über die Strategie einer analytischen Logik“, sagte er. „Nur so geschrieben kommt die Erzählung einer Komposition gleich.“
„Die Erzählungen der Ratiocination nehmen – obwohl Sie doch jeder mit Ihrem Namen in Verbindung bringt, dann wohl doch den geringsten Teil Ihres Oeuvres ein. Im Gegenteil strapazieren Sie die Logik dort gehörig!“, sagte ich, schon etwas trunken ob der späten Stunde.
„Was zerschmettert uns mehr als das Hinscheiden einer geliebten Frau? Was wäre poetischer als der Tod eines blassen Schwans, so dass unser Geist die wildesten – wohlgemerkt tief purpurnen – Blüten treibt?
Wenn die Komposition mit einer ästhetischen Mauer verbunden ist, die, wie im Zusammenspiel von Grundton, Terz und Quinte, nur auf ein Ziel zulaufen kann: den aus Schmerz und tiefer Verzweiflung geborenen Wahnsinn, dann ist sie nichts anderes als der Kontrapunkt. Denn der Wahnsinn und die Dekadenz, aus denen die Empfindungen entspringen, die wir jenseits von allem vermuten, sind ja gerade der Gipfel einer analytischen Logik, die sich darin zugleich selbst karikiert. Denn dass die Liebe über den Tod hinaus akut bleibt, ist keine Zutat reiner schwärmerischer Phantasie, sondern das Ungeheuerliche unserer wirklichen Einsamkeit“.
Mr. Poe war oft sehr schwer betrunken, was man ihm nicht eindeutig ansah. In diesen Momenten trieben seine Dämonen ihm Blüten auf die Wangen und seine Augen zeugten von erhöhter Nervosität. Die Qual der Besessenheit indes wusste er nur zu mildern, indem er die Feder zur Hand nahm, was er aber nur vermochte, sobald die Wirkung des Alkohols im Abklingen begriffen war. Es galt ihm, den richtigen Moment zu erkennen, denn sobald der Zenit des Rausches überschritten war, kam sehr schnell der Kater über ihn, den er nur mit Opium zu lindern vermochte.
Wie alle Lebenselixiere, ist gerade das Feuerwasser das gefährlichste. Es stärkt den Geist durch flüssig gewordenes Blut, das Leben rast durch die Adern und bringt alle Eindrücke, die der Körper kaum mehr zu archivieren weiß, in magische Aufruhr. Sie werden überdacht und neu zusammengesetzt.
Was also der Körper dort am Grabe von ihrem Geiste empfing, hat weder das Auge bemerkt, noch das Gefühl durch die Kleider zu dringen vermocht, so dass ich hätte seufzen mögen: „Virginia ist’s dort im Windhauch“. Und doch: es blieb nichts anderes übrig, als sie wahrzunehmen. Vielleicht lag die Erinnerung am Ende gar nicht im Gehirn, sondern außerhalb von uns.