Will Eisner: Der Gesetzgeber des Mediums

Will Eisner

William Erwin Eisner wurde am 6. März 1917 in Brooklyn, New York, geboren, in derselben Epoche, Umgebung und unter ähnlichen sozialen Bedingungen wie Jack Kirby. Beide teilten die Vorgeschichte des amerikanischen Comics. Ihre Eltern waren jüdische Einwanderer, sie wuchsen in den beengten Mietskasernen auf und erlebten die Armut der Großen Depression. Beide waren überzeugt davon, dass allein ihr Talent der verlässlichste Weg nach oben war. Eisner selbst äußerte sich gelegentlich zu dieser Parallelität mit Kirby, stets begleitet von einem respektvollen und zugleich wettbewerbsorientierten Bewusstsein, das Männer derselben Generation und Herkunft füreinander entwickeln, wenn beide Bedeutendes leisten.

Eisner begann bemerkenswert früh. Bereits mit siebzehn Jahren verkaufte er Zeichnungen an Zeitschriften, und nur ein Jahr später gründete er seinen eigenen kleinen Comic-Verlag. Mit zweiundzwanzig war er einer der produktivsten und gefragtesten Comiczeichner in New York. Diese frühe Geschäftstüchtigkeit war charakteristisch für ihn. Eisner war nicht nur Künstler, sondern auch Unternehmer, Verleger, Arbeitgeber und ein Theoretiker seiner eigenen Praxis. Diese vielseitige Rolle hob ihn von fast allen anderen Autoren seiner Zeit ab. Für ihn war das Comic eine Institution, die professionelle Standards, wirtschaftliche Nachhaltigkeit und intellektuelle Würde erforderte.

Will Eisner lässt den Spirit über seine Arbeit nachdenken.

Das Jerry-Iger-Studio, das Eisner in den späten 1930er-Jahren zusammen mit Jerry Iger gründete, gilt als die erste industriell organisierte Produktionsstätte für Comics in den USA. Dieses Atelier spezialisierte sich darauf, im Auftrag von Verlagen Comicseiten zu erstellen und dabei verschiedene Rollen wie Zeichner, Tuscher, Letterer und Koloristen voneinander zu trennen. Diese arbeitsteilig organisierte Struktur des Ateliers wurde zum Standard in der amerikanischen Comicindustrie und ist, in leicht abgewandelter Form, bis heute präsent. Eisner hat damit nicht nur die Industrieform des Mediums, sondern auch dessen ästhetische Gestalt mitgeprägt.

Die Erfindung eines Vokabulars

Der Comic „The Spirit“, den Eisner von 1940 bis 1952 für die Sonntagsbeilage schuf, ist das Werk, mit dem sein Name erstmals in der Comicgeschichte verankert wurde. Trotz seiner großen Bedeutung wird das volle Ausmaß dieses Werks oft erst im Nachhinein erkannt. In seiner ursprünglichen Rezeption war „The Spirit“ ein beliebter Zeitungscomic über einen maskierten Detektiv namens Denny Colt. Nach einem vorübergehenden Scheintod kehrte er als der Spirit zurück, um in einer namenlosen amerikanischen Metropole Verbrechen zu bekämpfen. Diese äußere Handlung folgt dem Genre-Standard.

Der wahre Kern dessen, was unter dieser Oberfläche schlummert, ist der Grund, weshalb jede Geschichte des Comicmediums ihren Ursprung bei The Spirit hat. Eisner machte sich die Sonntagsbeilage zunutze. Das war ein Format, das ihm wöchentlich acht bis sechzehn Seiten zur Verfügung stellte, mit einem festen Leserschaft und frei von den inhaltlichen Einschränkungen klassischer Kindercomics. Diese Plattform diente ihm als Experimentierfeld für die umfassende Neuerfindung der Comicsprache. In den zwölf Jahren, in denen er daran arbeitete, erprobte und teilweise systematisierte er das gesamte Vokabular, das heute die Grundlage des modernen Comics bildet.

Der Titel als Bild: Eisner integrierte den Titelschriftzug „The Spirit“ direkt in die Szene: eingefroren im Schnee, überfahren von einem Auto, als Graffiti an einer Wand oder geformt aus Feuer. Der Titel fungierte als Teil des Bildes.

Eisners Skizzen werden ziemlich teuer verkauft

Die Ganzkörper-Establishing-Shot: Eisner führte die Methode ein, eine Geschichte mit einem Weitwinkelbild zu eröffnen, das den Schauplatz, die Stimmung und die Zeit vermittelt, bevor eine Figur zu Wort kommt. Heute ist das gängige Praxis, doch 1941 war es eine bahnbrechende Neuerung.

Expressionistische Perspektive: Kameraperspektiven, die gegen die damals üblichen Comic-Konventionen verstießen: Der Blick von oben auf Treppen, eine Froschperspektive auf eine bedrohliche Gestalt und der Blick durch ein Schlüsselloch als eigenständige Panel-Form. Eisner erkannte die Bedeutung von Panel-Formen als wesentliche Elemente.

Atmosphäre als Argument: Regen, Schatten, Nebel und das Nachtlicht der Großstadt dienen als emotionale Ausdrucksweise. Jedes Wetterelement und jede Lichtsituation in The Spirit vermittelt eine Botschaft über den inneren Zustand der Szene.

Der Nebencharakter als Protagonist: Viele der eindrucksvollsten Geschichten im Spirit-Universum drehen sich eigentlich gar nicht um den Spirit selbst. Sie erzählen von ganz normalen Menschen, einem Postboten, einer alternden Tänzerin, einem Kleinkriminellen … für die das Spirit-Universum lediglich als Kulisse dient. Diese Verschiebung des Schwerpunkts stellt eine der revolutionärsten Entscheidungen in der Geschichte des Genres dar.

Eisner arbeitete während des Zweiten Weltkriegs an The Spirit, zum Teil, indem er seinen Militärdienst leistete. Er schickte Teile der Serie per Post an sein Atelier in New York, was eine logistische Herausforderung darstellte. Diese meisterte er durch präzise und detaillierte Layoutskizzen, die sein Team direkt umsetzen konnte. Diese Vorgehensweise erforderte eine besondere Klarheit in der visuellen Sprache, was dem Werk zugutekam, da die Anweisungen per Post so eindeutig sein mussten, dass sie ohne direkte Beaufsichtigung korrekt umgesetzt werden konnten.

Die Unterbrechung (oder: Zwanzig Jahre Gebrauchsgraphik)

Im Jahr 1952 beendete Eisner die Serie aus geschäftlichen Gründen, die so komplex waren, dass sie eine eigene industriegeschichtliche Analyse verdienen würden. In den folgenden zwanzig Jahren konzentrierte er sich auf den Bereich der militärischen Gebrauchsgrafik. Er gründete die American Visuals Corporation und stellte im Auftrag des US-Militärs Lehr- und Informationscomics für die Armee her, darunter technische Anleitungen, Sicherheitshinweise und Wartungshandbücher in Comicform. Diese Arbeit war zwar nicht glamourös, hatte aber weitreichende Folgen. Sie zwang Eisner dazu, sich intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Möglichkeiten Comics als Kommunikationsmedium bieten und wie sie dabei strukturiert sein müssen.

Militärische Gebrauchsgraphik

Diese Phase wird in der Eisner-Rezeption oft übersehen, da sie weder den populären Kultstatus von The Spirit noch die literarische Anerkennung der späteren Comics genießt. Dies ist jedoch ein Versäumnis. Die Jahre, in denen Eisner im Bereich der Gebrauchsgrafik tätig war, prägten seine Überzeugung, dass das Comicmedium eine vollständige Sprache darstellt. Es ist nicht nur eine Form der Unterhaltung oder Kunst, sondern ein Kommunikationssystem mit eigenen grammatikalischen Regeln, die entwickelt, gelehrt und theoretisch beschrieben werden können. Diese Überzeugung legte den Grundstein für die Bücher, die er in den frühen 1980er Jahren veröffentlichte und die dazu beitrugen, das Comicmedium akademisch anzuerkennen (die Eliten und Türsteher sind furchtbar in ihrem Nichtwissen).

Es existiert eine Art von Bildung, die ausschließlich durch praktische Erfahrung entsteht, eine Bildung des Handwerkers, der durch unzählige konkrete Herausforderungen eine eigenständige Theorie des Möglichen entwickelt, die kein theoretisches Studium vermitteln kann. Eisners Phase der Gebrauchsgraphik spiegelt genau diese Bildung wider. Über zwanzig Jahre hinweg beschäftigte er sich täglich damit, wie Bilder und Worte zusammenwirken, um Menschen zu informieren. Am Ende hatte er ein tieferes Verständnis dafür als jeder andere seiner Zeit. Dieses Wissen transformierte er in eine Form, die das Medium selbst veränderte.

Die Erfindung der „Graphic Novel“

1978 veröffentlichte Will Eisner bei einem kleinen Verlag in New York ein Buch, das er auf dem Cover als „graphic novel“ bezeichnete. Obwohl er den Begriff nicht erfunden hatte, hat er ihn entscheidend geprägt. A Contract with God and Other Tenement Stories präsentiert vier miteinander verbundene Erzählungen, die in einem Mietshaus in der Dropsie Avenue in der Bronx der 1930er-Jahre spielen. Die Geschichten behandeln einen frommen Mann, der seinen Glauben verliert, eine Concierge, die Männer geschickt manipuliert, einen Straßensänger, der im Hinterhof auftritt, und die Auswirkungen einer Hitzewelle auf das soziale Gefüge.

A Contract with God in Übersetzung bei Carlsen

Klingt wie Literatur, und genau das ist beabsichtigt. Ein Vertrag mit Gott war das erste amerikanische Comicwerk, das sich bewusst als literarisches Werk bezeichnete und diesem Anspruch auch gerecht wurde. Es richtete sich an Erwachsene, behandelte reale menschliche Erfahrungen ohne den Rahmen eines Genres und besaß sowohl eine sprachliche als auch eine visuelle Qualität, die den Vergleich mit der Kurzprosa seiner Zeit nicht scheuen musste. Es war, um Eisners mittlerweile historische Bezeichnung zu verwenden, eine Graphic Novel. Jetzt hatten auch Snobs endlich einen Begriff, den sie beim Comiclesen in den Mund nehmen konnten.

Ein Vertrag mit Gott“ ist das Werk, das demonstrierte, dass Comics die geeignete Form besitzen, um literarische Ansprüche zu erfüllen: eine Form, die authentische menschliche Erfahrungen darstellt, ohne Verkleidungen, ohne Genreeinschränkungen und ohne die Welten des Fantastischen, vor dem sich viele Menschen fürchten. Es hat eine bedeutende Rolle in der Literaturgeschichte seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1978 gespielt.

Die autobiografische Ebene verleiht dem Werk eine Tiefe, die über jede formale Beschreibung hinausgeht. Die Dropsie Avenue war ein echter Ort, an dem Eisner aufwuchs. Die Charaktere stammen alle aus seinen Erinnerungen. Die erste Geschichte handelt von einem Mann, der seinen Glauben verliert, als sein Adoptivkind stirbt. Eisners eigene Tochter Alice starb 1970 im Alter von sechzehn Jahren an Leukämie. Acht Jahre später wurde Ein Vertrag mit Gott veröffentlicht. Obwohl dieser Zusammenhang nirgendwo explizit dokumentiert ist, ist er dennoch deutlich spürbar.

Eisner setzte seine Arbeit danach fort und veröffentlichte bis zu seinem Tod im Jahr 2005 weitere „Graphic Novels“ wie A Life Force, The Dreamer, Dropsie Avenue: The Neighborhood, The Plot und viele mehr. Diese Werke schöpfen alle aus demselben autobiografischen und sozialen Fundus: dem jüdisch-amerikanischen Einwanderungsleben, der Dropsie Avenue und dem New York der Zwischenkriegszeit. Eine Welt, die in dieser Form nicht mehr existiert und die Eisner durch seine Comics bewahrte. Sein Spätwerk erreicht zwar nicht immer die dichte Präzision seines Debüts, trägt jedoch die beständige Würde eines Mannes, der genau weiß, was er erzählt und warum er es tut.

Die Theorie des Mediums

Im Jahr 1985 veröffentlichte Eisner Comics and Sequential Art, das erste ernstzunehmende theoretische Werk über das Comicmedium, das bis heute als eines der besten gilt. Das Buch basiert auf Lehrveranstaltungen an der School of Visual Arts in New York und bietet eine systematische Analyse der formalen Mittel des Comics: Panel, Gutter, Timing, Körpersprache, der expressive Einsatz von Schrift und die Vermittlung von Zeit durch Bildfolgen. Eisner richtete sich mit diesem Buch an Studierende und Praktiker und nicht an Akademiker, was seine besondere Stärke ausmacht.

Aus: Comics and Sequential Art

Die Analyse ist praxisnah gestaltet: Jede theoretische Aussage wird durch von Eisner selbst gezeichnete Beispiele veranschaulicht, basierend auf einem Erfahrungsschatz aus fünfzig Jahren intensiver Praxis. Das hebt „Comics and Sequential Art“ von den akademischen Comic-Theorien ab, die in den folgenden Jahrzehnten entwickelt wurden. Eisner beschreibt, wie Comics tatsächlich funktionieren, denn er war bei ihrer Entstehung maßgeblich beteiligt.

1993 veröffentlichte Scott McCloud mit Understanding Comics ein einflussreiches und breiter wahrgenommenes Theoriewerk über das Medium. Es zeichnet sich durch seine Zugänglichkeit, Systematik und klare Argumentation aus, die dem Buch von Will Eisner manchmal fehlt. McCloud hat immer betont, dass sein Werk ohne die Vorarbeit von Eisner nicht möglich gewesen wäre. Diese Abhängigkeit geht über eine einfache Höflichkeitsgeste hinaus, denn Eisner stellte die grundlegende Frage, die McCloud dann beantwortete: Was sind Comics, wenn man sie als eigenständiges Kommunikationssystem betrachtet und nicht als Unterkategorie von Film oder Prosa? Dieses Fragenstellen war die eigentliche theoretische Leistung. Wer zuerst fragt, legt den Grundstein.

Die Eisner Awards, die bedeutendsten Auszeichnungen der amerikanischen Comicbranche und seit 1988 jährlich verliehen, tragen nicht ohne Grund seinen Namen. Dies war ein Signal der Branche an sich selbst. Sie erkannte in ihm einen Menschen, der für die höchsten Ehren des Mediums würdig war, weil er sowohl die populäre als auch die literarische Kunst des Comics verkörperte, Theorie und Praxis vereinte und über sechs Jahrzehnte lang unermüdlich für die Anerkennung des Mediums kämpfte. Diese Anerkennung war für ihn nie selbstverständlich, weshalb er sich auch so beharrlich dafür einsetzte.

Das Comic als Sprache, nicht als Stil

Der zentrale Gedanke, der das gesamte intellektuelle Schaffen von Eisner prägt, lässt sich simpel und doch radikal zusammenfassen: Comics sind eine Sprache und eben keine Technik, kein Stil oder eine Gattung. Das bedeutet, dass sie grammatische Regeln besitzt, die aus der Eigenart des Mediums hervorgehen, und diese Regeln können gelehrt werden. Der Gebrauch dieser Regeln stellt keine Einschränkung dar, sondern eine Ermächtigung; das Resultat ihrer richtigen Anwendung geht über Unterhaltung hinaus und vereint Literatur, Philosophie, Geschichte und Zeugenschaft.

Diese Überzeugung prägt die Struktur von Eisners gesamter Karriere. Seine frühe Phase mit The Spirit diente dazu, die Grammatik durch praktische Anwendung zu entwickeln. Die Phase im Bereich grafischer Gebrauchsdesigns stellte diese Grammatik bei realen Kommunikationsanliegen auf die Probe. In der späteren Phase mit den „Graphic Novels“ und seinen theoretischen Werken formulierte er die Grammatik in einer Form, die für andere nutzbar war.

Eisner hatte diese Struktur nie vollständig vorausgeplant. Sie entstand durch das Zusammenspiel von Talent, Gelegenheit, Verlust und Ausdauer. Doch er erkannte sie, sobald sie sichtbar wurde, und lebte bewusst nach ihren Konsequenzen. Er lehrte, veröffentlichte theoretische Werke und unterstützte großzügig die nachfolgende Generation von Comicautoren. Diese Großzügigkeit wurde von seinen Zeitgenossen als außerordentlich beschrieben. Art Spiegelman, Frank Miller und Scott McCloud haben alle betont, wie prägend Eisner nicht nur für ihr Werk, sondern auch für ihre persönliche Entwicklung war.

Der Doppelte Gründer

Will Eisner verstarb am 3. Januar 2005 im Alter von achtundachtzig Jahren in Fort Lauderdale, Florida. Bis kurz vor seinem Tod war er zeichnerisch tätig; sein letztes Projekt, The Plot (Das Komplott), eine Graphic Novel über die Geschichte und den Einfluss der antisemitischen Fälschung der „Protokolle der Weisen von Zion“, erschien posthum im Jahr 2006. Als Kind jüdisch-amerikanischer Einwanderer in Brooklyn widmete sich Eisner am Lebensende dem Antisemitismus, der einen prägenden Einfluss auf seine Herkunft hatte. Dieser Abschluss spiegelte ein Lebenswerk wider, das stets von derselben Quelle inspiriert war.

Eisners Rolle in der Comicgeschichte ist einzigartig und bleibt ohne Vergleich. Er war vielleicht nicht der Perfekteste, auch nicht der Einflussreichste, aber er gilt als Pionier, der das Medium gleich zweimal neu definiert hat. Zum einen als populäre Kunst mit eigener formaler Sprache und zum anderen als literarisches Format, das den Vergleich mit jeder Prosa standhält. Diese doppelte Definition über vier Jahrzehnte hinweg, zusammen mit einer Phase praktischen Arbeitens, die selbst lehrreich war, ist ein einzigartiges Phänomen in der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

The Crow

the crow

Nun stell dir vor, dass diese Liebe im Nu gewaltsam von dir genommen wurde. Du hast von einem Augenblick auf den nächsten alles verloren. Was würdest du tun? Würdest du verzweifeln? Drogen und Selbstzerstörung über dich stülpen? Jeden, den du triffst, deinen Hass spüren lassen? Oder würdest du etwas anderes machen? Dich etwa in Kunst ausdrücken?

Sein Name ist James, und ihr Name war Bethany. 1978 wurde sie von einem Fahrzeug erfasst und getötet. Laut dem Archiv einer James O’Barr / The Crow-Fanseite war „Beth allein auf einem Bürgersteig in Detroit unterwegs, als ein betrunkener Fahrer in einem Lieferwagen sie erfasste und sie durch mehrere Vorgärten schleifte.“ Dieses Ereignis prägte James O’Barr so gewaltig, dass das Ergebnis Comicgeschichte geschrieben hat und bei all jenen auf Widerhall stieß, die ein Exemplar des Comics The Crow von 1989 besitzen oder den gleichnamigen Film von 1994 sahen oder, wenn alles gut läuft, dem Neustart des Films in naher Zukunft entgegenfiebern. Über all die Jahre hat es fünf Filme über The Crow gegeben, und lange schon kursieren Gerüchte über einen weiteren. Das Projekt, das jetzt von Regisseur Corin Hardy (Hallow) geleitet wird, sichtete für die Rolle der zentralen Figur Eric Draven bereits eine Menge möglicher Darsteller.

James O'Barr
James O’Barr

Nachdem O’Barrs Welt zerbrochen war, wechselte er in die Welt des Militärdienstes, trat den Marines bei und wurde in Deutschland stationiert, wo er begann, Kampfhandbücher zu illustrieren. Tagsüber zeichnete er fleißig für sein Land, aber abends suchte er sich heftige Konfrontationen. Die oben genannte Fanseite bemerkt, dass er sich „während des Feierabends kopfüber in Schlägereien stürzte. Im Nachhinein war sein Verhalten offensichtlich selbstzerstörerisch, und es ist es ein Wunder, dass er noch am Leben ist.“

O’Barr erreichte seine frühe Entlassung aus seinem Militärdienst und entschied sich, nach seiner Heimkehr, die Person zu suchen, die für den Tod der Frau verantwortlich war, die er liebte, und sich zu rächen. Stattdessen erfuhr er, dass der Fahrer bereits gestorben war, angeblich unter natürlichen Umständen.

James O’Barrs Geburtstag wird am 1. Januar gefeiert, aber er selbst ist sich nicht sicher, ob es wirklich sein Geburtsdatum ist. Er kam in einem Wohnwagen zur Welt und wurde erst etwa eine Woche später in ein Krankenhaus gebracht. Sein Vater war, während er das Licht der Welt erblickte, betrunken, und weder er noch seine Mutter konnten sich an das tatsächliche Datum seiner Geburt erinnern. Von diesem Zeitpunkt an drehte sich für O’Barr das Karussell der Pflegefamilien bis er ungefähr sieben Jahre alt war.

Zu zeichnen begann er schon früh; desinteressiert an den Illustrationen, die er in seinen Bilderbüchern vorfand, kreierte er seine eigenen. Er zeigte sie niemanden, wollte die negative Aufmerksamkeit seiner Pflegefamilie nicht auf sich ziehen. Trotz des Trostes, den er beim Zeichnen fand, behielt er seine Arbeiten für sich und isolierte sich sozial.

Durch das Zeichnen entdeckte er jedoch einen Weg, seine Gedanken und Gefühle auszudrücken.

Ohne sich jemals einer Kunstschule angeschlossen zu haben lernte O’Barr, instinktiv Bilder zu schaffen, die von Emotionen durchtränkt waren. Die Charaktere, die seine Geschichten bevölkern, scheinen aus echtem Fleisch und Blut zu bestehen und rufen tiefe Reaktionen des Publikums hervor. Durch seinen künstlerischen Ausdruck entfernte sich O’Barr von den typischen Figuren der meisten Comic-Bücher und wandte sich der Renaissance-Skulptur, lebenden Modellen und der Stillleben-Fotografien zu. Statt einer übertriebenen Helden- und Schurkenanatomie nahm sich O’Barr die Formen von Michelangelos Kunst vor, und dieser Realismus zeigt sich in jedem Bildstrich, besonders aber in The Crow.

James O'Barr
James O’Barr

O’Barr erhält im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern kein Drehbuch und bringt es dann als Bild auf Papier. Stattdessen hat er sein gesamtes künstlerisches Leben als Schöpfer und Illustrator verbracht und wird nur dann in Projekte involviert, wenn er einen persönlichen Bezug dazu hat. Jede Linie in jedem Bild rührt von einer tiefen Emotion, sei es Liebe, Hass, Wut oder Trauer. Jedes Bild hat eine Lebenskraft, die auch das Publikum betrifft. Für O’Barr ist Zeichnen Therapie. The Crow, sowohl die Graphic Novel als auch der Film, drücken den rohen Schmerz von Liebe und Verlust aus, wie ein kaltes Rasiermesser, das über einen Nerv gezogen wird, inklusive der zerstörenden Wut, die daraus folgen kann. Hier wird der Schmerz in das Licht gedrängt und das Publikum wird gezwungen, ihn als das zu betrachten, was er ist: ein Lehrer. In seinem ersten Auftritt wird The Crow auf die Straße gestoßen, registriert den Schmerz aber kaum und sagt: 

„Ich kenne den Schmerz auf molekularer Ebene. Er zieht an meinen Atomen und singt in einem Alphabet der Angst zu mir.“ 

The Crow illustriert all denen Gerechtigkeit, die Mut brauchen, um ins Angesicht der Angst zu blicken. In den Köpfen des Publikums wird die Idee des Antihelden als jemand verfestigt, dessen Handlungen gerechtfertigt sind, der aber genauso viel Angst und Schrecken erzeugen kann wie die Schurken der Geschichte selbst.

The Crow verkörpert Liebe, die zur Wut geworden ist, Verzweiflung, die sich zum Wahnsinn wandelte. Mit krass-weißer Haut, einem schwarzen Haarschopf und dem verräterischen Schwarz über seinen Augen und seinem Mund, das ein nie endendes Grinsen erzeugt, war The Crow eine neue Art von Held der unerbittlichen Rache und äußersten Brutalität, jene Art von Held, die Batman wäre, wenn er ganz seiner Dunkelheit nachgeben würde. Das soll nicht heißen, dass The Crow einfach ein hirnloser Killer ist, der auf Rache sinnt. Weit davon entfernt. Eric Draven ist trotz der Verwandlung immer noch derjenige, der er einst war. Wir erhaschen einen flüchtigen Blick auf ihn, wenn er sich an die schönen Dinge erinnert, die er mit seiner verlorenen Liebe teilte. Obwohl die Geschichte einen düsteren, unbeugsamen Blick auf den sintflutartigen Einbruch der Tragödie bietet, zeigt sie auch, was Gerechtigkeit und Erlösung leisten können. In den Worten von The Crow im Film von 1994:

Von Mausdetektiven und Menschen

Basil, der große Mäusedetektiv / ©Twentieth Century Fox of Germany GmbH
©Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Bist du ein Mensch oder bist du ein Maus-Detektiv? In den Zeichentrickfilmen der Walt-Disney-Studios (in denen ein solcher „Maus-Detektiv“ vorkommt) kann man sich für Letzteres qualifizieren, indem man besonders loyal, freundlich oder unermüdlich ist. Aber vor allem muss man laut Disney besonders mutig sein, um ein Maus-Detektiv zu sein. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Disney-Filme seit langem für die positivsten Darstellungen der Schädlingsgemeinschaft im 20. Jahrhundert verantwortlich sind, von den Maskottchen Micky und Minnie Maus über die winzigen Helfer in Cinderella bis hin zu den triumphierenden Helden in Die Retter in Down Under und dem sternäugigen Rattenchef in Ratatouille. Alle diese Figuren, so unterschiedlich sie auch sein mögen, eint der Gedanke, dass Mäusen das gelingt, was Menschen nicht können; was ihnen an Größe fehlt, machen sie durch ihr Herz wieder wett.

Aber bedeutet es mehr, ein Maus-Detektiv zu sein, als einfach nur eine Maus zu sein? Das fragt Disneys heute beliebter Film von 1986, Basil, der große Mäusedetektiv, der trotz guter Kritiken an den Kinokassen nur mäßig erfolgreich war. Der titelgebende Detektiv des Films ist Basil aus der Baker Street, ein munteres Mausgenie, das in einer winzigen Wohnung unter der Wohnung des echten Holmes in der Baker Street 221 in London um 1897 lebt. Es lohnt sich zu wiederholen, dass Basil nicht einfach nur ein Abbild von Sherlock Holmes in einem mit Mäusen neu geschaffenen Universum ist; er ist das Maus-Gegenstück zu einem koexistierenden menschlichen Holmes. Jeder Mensch hat hier ein Maus-Gegenstück. Dr. Watson hat die dicke, lustige Maus Dr. Dawson. Holmes‘ Vermieterin, Mrs. Hudson, hat ihr Pendant in der Maus Mrs. Judson. Und es gibt sogar eine Mausversion von Königin Victoria, die unter dem Buckingham Palace lebt.

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Malet / Tardi – 120, Rue de la Gare

„120, Rue de la Gare“ ist ein Roman von Léo Malet aus dem Jahr 1943. Hier stellt uns der Autor seine Figur Nestor Burma vor, die aus dem Wunsch entstand, einen hartgesottenen Detektiv nach amerikanischem Vorbild mit einem Hauch englischer Detektivgeschichten zu schaffen. Malet hatte nämlich unter dem englischen Pseudonym Frank Harding mit amerikanischen Figuren und Schauplätzen in den USA zu schreiben begonnen, bevor er auf die Idee kam, einen französischen Roman zu schreiben, der in Frankreich spielt und in dem französische Figuren auftreten.

Burma Gesamtausgabe
In der Gesamtausgabe

Nestor Burmas kritische, ironische und mit Sarkasmus gespickte Äußerungen über Institutionen, Profiteure, Wohlhabende und die gesamte französische Gesellschaft der zweiten Nachkriegszeit decken sich zwar mit den säuerlichen, zynischen und desillusionierten Aussagen der großen Ermittler des amerikanischen Noir-Krimis. Burma ist jedoch nicht einfach ein französisierter Klon seiner Vorbilder(etwa von Sam Spade). Es ließ sich nicht vermeiden, dass viel von Malets eigener Persönlichkeit in die Figur Burmas einfloss (seine Unabhängigkeit, sein freies Reden, seine finanziellen Schwierigkeiten und seine Pfeife).

Aus diesem Grund nimmt „Nestor Burma einen privilegierten Platz in Léo Malets Werk ein: Was Malet selbst erlebt hat, hat er auf seinen Helden übertragen; was er selbst nicht erleben konnte oder wagte, hat er ihm ebenfalls zugestanden, wodurch die Figur zu seinem wahren Doppelgänger wurde. Obwohl er die Figur unsympathisch machen wollte, gibt Malet zu, dass ihm das nicht gelungen ist:

„Da ich, ohne es zu wollen, ein wenig von mir selbst einbringen musste, erschien er trotzdem sympathischer, als ich gedacht hätte.“

Es dauerte übrigens eine Weile, bis sich der Krimi seines innovativen Charakters bewusst wurde. Während der Besatzungszeit wurde das aus den USA importierte Genre im besetzten Frankreich zur Persona non grata. So wie der angelsächsische Film die Kinos nicht mehr füllte, verschwanden die amerikanischen Romane einfach aus den Schaufenstern der Buchhandlungen. Die deutsche Zensur griff durch und beendete die Sehnsucht nach den Ländern jenseits von Kanal und Atlantik. Aber die Leser, die diese Art von populärer Literatur gierig verfolgten, waren nicht mit dem Krieg verschwunden. Sie verlangten stillschweigend nach den Stereotypen des Genres: tropfnasse Trenchcoats mit Umlegekragen, dunkle Gesichter unter zerknitterten Stetsons, Zigaretten, Kaugummi und Femmes fatales in Seidenstrümpfen, Whisky on the rocks, Handfeuerwaffen, schweinische Charaktere und Heldentum in Ich-Form, Slang, sarkastischer und desillusionierter Humor … Action und Drama im Überfluss.

Malet eliminiert jedoch die englischen und amerikanischen Zutaten seiner Geschichte und konzentriert sich thematisch auf das besetzte Frankreich (der Weg Burmas in „120, Rue de la Gare“ beginnt in einem deutschen Stalag, geht weiter in die Freie Zone in Lyon und endet im besetzten Frankreich in Paris). Weniger angelsächsisch geht nicht.

Edition Moderne

Nestor Burma wird als der berühmte Detektiv vorgestellt, der die Agentur „Fiat Lux“ leitet. Der Leser hat also nicht unbedingt das Gefühl, das erste Abenteuer dieses Helden zu erleben, obwohl dies tatsächlich der Fall ist. Im Stalag lernt Nestor Burma einen seltsamen Mann kennen, der sein Gedächtnis verloren hat. Der Mann wurde während des Krieges mit verbrannten Füßen im Wald gefunden. Seitdem weiß er nicht mehr, wer er ist. Umso erstaunlicher ist es, dass er Burma seine letzten Worte in völliger Klarheit zuruft: „Sag Hélène, 120, Rue de la Gare!

Nach seiner Entlassung aus dem Stammlager will Nestor Burma nach Paris zurückkehren, doch als sein Zug in der Gare de Lyon hält, steht Colomer, ein ehemaliger Mitarbeiter seiner Detektei, auf dem Bahnsteig. Nestor ruft ihm aus dem Zugfenster zu, und Colomer eilt zu Burma, kann aber nur noch „120, Rue de la Gare“ rufen, bevor er erschossen wird, ohne dass man weiß, von wem.

Nestor Burma ist alles andere als ein Idiot. Zwei Menschen, die in ihrem Verhalten und ihrem Lebensort so weit voneinander entfernt sind wie der seltsame Gefangene und sein ehemaliger Partner, die sterben, nachdem sie die Adresse „120, Rue de la Gare“ ausgesprochen haben, das kann kein Zufall sein.

Léo Malet legt uns einen Roman vor, bei dem die Handlung nicht die Hauptqualität darstellt. Die eigentliche Stärke des Buches ist unbestreitbar das Charisma von Nestor Burma, und es ist verständlich, dass der Autor ihn viele Abenteuer erleben lassen wollte. Dennoch darf man im Laufe der Seiten nicht den Faden verlieren, muss sich an die Hinweise halten, die die falschen Fährten bis zur endgültigen Enthüllung nähren, muss sich an die anderen erinnern, an das, was sie tun, sagen oder nicht sagen. Hier spürt man den englischen Kriminalroman, der von den verschachtelten Details der laufenden Ermittlungen lebt. Gute Arbeit beim Aufbau des Puzzles, auch wenn die Zufälle manchmal nicht ganz glaubwürdig sind.

1988 adaptierte Tardi das Werk von Léo Malet in einem meisterhaften Comic von 190 Seiten. Wie nicht anders zu erwarten, lehnt sich seine Sicht des Werkes eng an die des Romans an. Wenn ein Zeichner eine bereits existierende literarische Vorlage auf dem Zeichenbrett hat, versucht er in der Regel, das Szenario, das er umsetzen will, so getreu wie möglich wiederzugeben. Es ist fast eine Frage der Ehre, eine Hommage an denjenigen, der alles geschaffen hat. Der von Malet entlehnte Text ertränkt die Panels in einer unumgänglichen Prosa. Tardi behält jedoch die Kontrolle über das Geschehen, indem er ein angemessenes Schwarzweiß, eine Palette von Grautönen und einen charakteristischen Strich vorgibt, der die Strenge des architektonischen Hintergrunds mit der heiteren Art kontrastiert, in der Gesichter und Mimiken in schnellen Strichen dargestellt werden, sowie mit der Sorgfalt, mit der die architektonische Wiedergabe der Gebäude von Lyon und Paris ausgeführt wird… Der Roman ist das Rohmaterial, aus dem der Zeichner schöpft und das er auf ein Minimum reduziert. Man hat den Eindruck von schwarz-weißen Postkarten der Epoche, in die sich imaginäre Figuren einfügen. Das ist großartig, das bewundert man.

Malet / Tardi – Die Brücke im Nebel

Die Brücke im Nebel ist einer der Romane, in denen Léo Malet als sein Alter Ego Nestor Burma am meisten von sich selbst und seiner Jugend verarbeitete. Von seinen Erinnerungen an anarchistische Milieus getrieben, begibt sich der Detektiv zusammen mit einer jungen, schönen Zigeunerin auf die Suche nach dem Mörder eines seit langem bekannten Trödlers. Es handelt sich um einen der düstersten Romane Malets, in dem die Nostalgie nie zu kurz kommt.

Den Schauplatz an der Tolbiac-Brücke wiederzufinden, ist angesichts der Veränderungen, die das dreizehnte Arrondissement seit dem Bau der Bibliothèque François Mitterrand in den 1990er Jahren erfahren hat, eine Herausforderung. Es ist quasi ein neues Viertel am Ufer der Seine, das heute Universitäten, Wohnungen und Geschäfte beherbergt.

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David H. Keller

Nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichten Amerikas Pulp-Magazine zunehmend Science-Fiction neben den üblichen Genres Western, Fantasy und Horror. Redakteure waren auf der Suche nach neuen Autoren in diesem aufstrebenden Segment, und Ende der 1920er Jahre „gab es nur einige wenige Autoren, die in der Lage waren, hochwertige Science-Fiction zu produzieren“, schreibt der britische Literaturhistoriker Mike Ashley. „Die besten in diesen frühen Jahren waren Miles J. Breuer und David H. Keller, beide faszinierend, Ärzte.“ Beide Autoren verbrachten auch den Ersten Weltkrieg im Army Medical Corps; während seines Dienstes half David H. Keller (ein Neuropsychiater) bei der Behandlung von Granatenschockopfern.

Keller schrieb sechs Jahrzehnte lang Romane, während er in seinen verschiedenen medizinischen Berufen arbeitete: als Arzt oder Leiter in psychiatrischen Einrichtungen in Pennsylvania, Illinois, Louisiana und Tennessee, während des Militärdienstes in beiden Weltkriegen. Seine Karriere als Schriftsteller begann früh. 1895, im Alter von fünfzehn Jahren, veröffentlichte er eine Geschichte in einer lokalen Zeitschrift; während des Studiums reichte er ein Dutzend Geschichten und Gedichte bei einer kleine Literaturzeitschrift ein. Doch in den folgenden drei Jahrzehnten schreib er fast ausschließlich für sich selbst. Von seiner Frau angeregt, begann er Ende der 1920er Jahre, seine Geschichten zu verschicken und stellte fest, dass der Markt seinen persönlichen Geschmack endlich eingeholt hatte; seine erste Einreichung bei einer nationalen Zeitschrift wurde sofort angenommen und erschien als „The Revolt of the Pedestrian“ in der Februarausgabe 1928 der kürzlich gegründeten Amazing Stories. Daher ist es fast unmöglich, Kellers Werk mit Genauigkeit zu datieren; viele seiner Stücke waren Jahre oder sogar Jahrzehnte früher entstanden. Darüber hinaus ist viel von seiner Arbeit verschwunden, weil er dafür bekannt war, Geschichten (kostenlos) an Fanzines, Amateurmagazine und obskure Zeitschriften zu schicken. Jedenfalls erlaubte ihm seine neue Karriere, eine kleine Privatpraxis als Psychiater zu gründen, was ihm genügend Stunden am Tag ließ, um ein „Vollzeit“-Autor zu sein.

Trotz der Allgegenwart seiner Texte in den Pulp-Magazinen (ganz zu schweigen von seinen zahlreichen Publikationen in Buchlänge) ist der Großteil von Kellers Fiktion inzwischen vergessen und vergriffen. Dennoch tauchen in Anthologien noch immer einige wenige Geschichten häufig auf. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Psychothriller (u.a. „Das Ding im Keller“ (vielleicht seine berühmteste Geschichte) und Fantasy-Erzählungen, die einen zynischen Blick auf die Hybris der Wissenschaftler werfen (z.B. „The Jelly-Fish“). Eine Bewertung von Kellers Karriere durch den

Stephen King: Billy Summers

Bouquinist

In einer begeisterten Rezension schrieb John Dugdale von der Sunday Times: „Diszipliniert, aber abenteuerlich, gleichermaßen gut in Actionszenen und tiefgründiger Psychologie, zeigt King mit diesem Roman, dass er mit 73 Jahren ein Schriftsteller ist, der wieder auf der Höhe seines Könnens agiert.“

Neil McRobert vom Guardian nannte es Kings „bestes Buch seit Jahren“ und lobte seine „eigene Art eines kräftigen, übersteigerten Realismus“.

Seit fünf Jahrzehnten dominiert Stephen King das literarische Erzählen und mit Billy Summers wandert dieser einzigartige Autor weiter auf jenem Pfad, der schon länger vorhanden ist, den er aber mit „Mr. Mercedes“ eindeutig eingeschlagen hat.

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Dashiell Hammett

Dashiell Hammett lebte zwischen 1894 und 1961 und gilt allgemein als Pionier des Hardboiled-Krimis als literarische Form. Er schrieb eine Handvoll Romane, die die Aufmerksamkeit ernsthafter Leser auf sich zogen, und war ein früher amerikanischer Vertreter der literarischen Moderne und des literarischen Existenzialismus. Und doch wird er als Autor immer noch unterschätzt.

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Die Gründe sind einfach: Hammett schrieb Kriminalromane, die zunächst vor allem in Groschenheften erschienen; sein Publikum war über weite Strecken anspruchslos; seine Figuren waren oft (aber nicht immer) Bewohner von Armenvierteln. Es dauerte eine Weile, bis sich in der amerikanischen Literaturszene die Erkenntnis durchsetzte, dass große Literatur nicht auf geordnete Gemeinschaften beschränkt sein muss.

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