Wyrmfelder

Die so entstandenen Wyrmfelder erzeugen Räume, in die man Dinge stellen kann, die dann verschwinden, denn wo es 1 Ding gibt, muss es auch 1 Ding nicht geben, vorzugsweise dasselbe – Ding – die Taschen sind gepackt, von oben nach unten, unter dem Henkel die Adresse: Flatiron Building. Erstaunlich, wie sich die Wäsche in die Löcher faltet, aus denen Lorbeerstrünke (Kugeln Kegeln Säulen) ragen. Nun muss der Geist aus den Flaschen entlassen werden, auf Holzfasern verzichtet die Chronik an dieser Stelle, das Pochen wird substanzlos, der Takt aber bleibt. Ich selbst konnte nicht sehen, wo sich die Zeit verbarg (die erste Ernte wurde an Menschen verschenkt, die keine eigenen Felder besaßen). Gewitterwolken zogen vorbei und nahmen die Gäste mit, die in Reihe auf der Terrasse standen. Jetzt konnten die Gepäckstücke sich durchsetzen, ihre lange Nacht begann wie verabredet.

Ähnliche Beiträge

  • Die Sammlung

    Geschrieben von A. Anders

    Sie hat einen diskret versteckten Reißverschluss am Fuß.

    Ich habe viele Fotografien, wenn Sie mehr brauchen.

    Es gibt auch zwei Augenhaken und einen Draht zum Aufhängen.

  • 1 Zauber

    Ich habe noch diesen merkwürdigen Zauber in einer Kiste irgendwo / da habe ich ob ich will oder nicht damals hinein gegeben : 1 Kanarienvogelskelett, 1 Alfa Bett mit einer Geheimschrift Antonin Artauds (den ich damals noch nicht kannte, der aber sagt : Bevor ich Selbstmord begehe, verlange ich, dass man mich des Seins versichert, ich möchte des Todes gewiss sein. – der sagt : Es gibt Zeichen im Denken. Unsere absurde und regungslose Haltung ist die der größten Empfindlichkeit. Durch die Klüfte einer von jetzt an unhaltbaren Wirklichkeit spricht eine willentlich sibyllinische Welt.)
    1 Superheldenmorgenmantel (rot), 1 Brief wer ich war. Verlorene Geste der Unsterblichkeit, das Rezept einer Suppe. Ich schrieb vermutlich an mich, nein ich schrieb an dich, betrachte die Erde als ein Nachkomme, der hier steht sich erinnert sich bückt etwas gräbt pro forma sagt : hier war. Die Höllenfeuer=Höhlen des Sir Francis Dashwood aus dem 18. Jahrhundert bei West Wycombe sind eine bewusste Nachbildung der entsetzlichen unterirdischen Welt des Trophonios. Nein aber hier ist. Ich glaube, dass es schön ist zu sterben die Zeit aufgelöst 1 Ahoi Brause Geschmack wählbar. Ich glaube, dass es schön ist 1 Zauber wieder gefunden zu haben (dann) und 1 Zauber wieder gefunden zu haben (der) wir uns nicht zu uns hinabbeugen konnten (wir wären damals erschrocken und heute erzürnt).

    Standort : Kaiserhammer, das Rondell 1980, ehemaliger Parforce-Jagdgarten.

  • Der Tod des Sardanapal

    Das verabscheuungswürdige Gemälde über den Tod des Sardanapal, das heute im Louvre zu sehen ist, hat Eugéne Delacroix für eine Ausstellung im Jahre 1827 gemalt. Er hatte dabei nicht bedacht, dass jedes Gemälde auch die Gefahr des Einfrierens eines gewissen Augenblicks birgt, eines rätselhaften Momentes, der die gewesenen Dinge verstärkt und die zukünftigen erfindet.

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  • Stille

    A: Fangen Sie einfach an. 
    D: Ich habe Angst.
    A: Vor was?
    D: Vor nichts.
    A: Was ist nichts?
    D: Die Ungebärde. Der musiklose Automat. Laute Frauen zerstückeln Orpheus.
    A: Haben Sie das denn gesehen?
    D: Ja! Sie nicht?
    A: Wieso sind die laut?
    D: Sie kennen die Stille nicht. Stille ist Empfang.
    Ich empfange dich in meiner Stille. Ich zerstückele dich nicht.
    Nicht in meinem Haus. In meinem Hauthaus hält die Sprache an.
    Bewegen sich Zweige. Bewege ich mich.
    Manchmal instabil. Weil Lärm droht.
    A: Was für Lärm? Und wieso droht er Ihnen?
    D: Applaus!
    Weil die klatschen und applaudieren wollen.
    Weil sie analysieren wollen, was von der Musik übrig geblieben ist.
    Für ihr Gehör.
    Deswegen sind die so laut, wenn sie ihn zerstückeln.
    Sie hören die Musik der Stille nicht mehr.
    Nicht den Wald. Nicht den Berg. Das Meer. Die Wüste.
    Sie müssen selbst laut sein.
    Sonst sind sie nirgends.

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    Esset nicht davon

    Teil 1

    Teil 2

    Vom christlichen Satan über den islamischen Iblis bis hin zum zoroastrischen Angra Mainyu taucht die Idee eines singulären Wesens, das das Böse repräsentiert, als kulturelle Allgegenwart immer wieder in den Annalen der Menschheit auf. Eine gegnerische Kraft, die sich im Kontext bestimmter Traditionen und Gesellschaften auf einzigartige Weise als Archetyp manifestiert. Der hinduistische Ravana etwa, jener zehnköpfige Dämonenkönig, der die Göttin Sita entführte – auch er trägt die Züge des ewigen Widersachers, der Ordnung in Chaos verkehrt. Zehn Köpfe und darin zehn Münder mit zehn verschiedene Versprechen, die alle auf dasselbe hinauslaufen: die Grenze überschreiten, die nicht überschritten werden darf.

    Julius Nisle
    Zeichnung von Julius Nisle

    Der Pakt mit dem Teufel ist die formalisierte Variante dieser Überschreitung. Wenn man so will, ist er die Vertragsform der Sünde, ihre juristische Kodifizierung. Was im Garten Eden noch eine spontane Geste war – der Griff nach der Frucht –, wird hier zum Rechtsakt, komplett mit Gegenleistung, Bedingungen und Unterschrift. Die Geschichte kennt viele solcher Pakte, dokumentiert und undokumentiert, und zwei davon tauchen jetzt vor mir auf und liegen dokumentiert auf meinem Pult. Jenen des Benediktinermönchs Herman im Jahr 1229 einging und jenen, den Elizabeth Knapp im Jahr 1671 verweigerte.

    Wir wissen so viel über Elizabeth Knapp, die in Groton, Massachusetts, lebte, weil die Schrift sie bewahrt hat – Reverend Samuel Willards akribische Aufzeichnungen machten sie unsterblich. Doch die Schrift, die sie für uns rettete, stand ihr selbst nicht zur Verfügung. Sie wusste nichts von jenem monumentalen Artefakt, das ihre Erfahrung hätte kontextualisieren können: dem Codex Gigas. Dieses kolossale Manuskript von 75 Kilogramm, angeblich in nur einer Nacht auf 160 Tierhäuten niedergeschrieben, existierte zu Elizabeths Zeit bereits seit über vierhundert Jahren. Es lag in einer Bibliothek, zugänglich nur für Gelehrte, für Mönche, für jene privilegierte Klasse von Menschen, die lesen konnten und durften. Welche Magd in Neuengland hätte je davon erfahren? Die Gelehrsamkeit war damals, wie heute, ein Privileg, und Elizabeth besaß davon so wenig wie von allem anderen. Sie konnte nicht wissen, dass Jahrhunderte vor ihr ein Mönch einen Pakt mit demselben Widersacher geschlossen hatte, unter anderen Umständen, mit anderen Bedingungen, doch mit derselben fundamentalen Struktur: die Seele als Währung, das Unmögliche als Preis. Sie musste glauben, sie sei die Erste, die Einzige, schließlich die Verdammte.

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  • Der Fall Sissi

    Der Traum vieler Mädchen, eine Prinzessin zu sein, lässt sich leicht mit der von Romy Schneider selbst gehassten Rolle der jungen Kaiserin, die sie im gleichnamigen Gummi-Film von 1956 spielte, in Verbindung bringen. Ein strammes Korsett hat die leibhaftige Kaiserin ja tatsächlich bis zu ihrer Ohnmacht hin geschnürt.

    Ob Elisabeth hingegen etwas mit Magenta und rosarotem Plüsch anfangen konnte, bezweifle ich. Dazu war ihr Leben viel zu tragisch. Wie das aber bei Tortenbauern und Zuckerschmieden so ist, liebt man das glitzernde Süß über alle Verhältnisse hinweg, und wenn dann in der Familie die cinemascopische Legendenbildung mit den vielleicht persönlichen Vorlieben, Puppen an- und auszukleiden, eine genetische Tatsache darstellt, hat man den Salat, beziehungsweise das prunken=trunkene Gebäck.

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