Stephen King Re-Read: The Stand

Das letzte Gefecht (The Stand) war ein Meilenstein für Stephen King, und das nicht nur, weil die Größe und das Gewicht des Buches einem tatsächlichen Meilenstein in nichts nachsteht. Es war das letzte Buch für den Verlag Doubleday und brachte ihm seinen ersten Agenten ein, der Stephen King von einem reichen Autor zu einem sehr, sehr reichen Autor machte. In schreibspezifischer Hinsicht gibt es jedoch einen anderen Punkt, der das letzte Gefecht über alles stellt, was der Autor bis dahin geschrieben hatte: es ist lang. Sehr lang. Und das ist wichtiger als man zunächst annehmen mag.

Nachdem King seinen Roman Shining beendet hatte, dauerte es einen Monat, bis er mit seinem nächsten Buch begann: The House on Value Street. Darin sollte es um die Entführung der Verleger-Tochter Patty Hearst gehen. King war der Meinung, dass diese Entführung nur für einen Romancier Sinn ergeben könnte. Doch nach sechs Wochen Arbeit schaffte er nur ein paar Zeilen. Was aber noch schlimmer ins Gewicht fiel für einen charakterbasierten Schriftsteller wie King: seine Figuren fühlten sich leblos an und aus anderen Büchern entlehnt. So saß er vor seiner toten Schreibmaschine, umgeben von Recherchematerial und dachte an den Dugway-Vorfall von 1968. In diesem Dugway-Areal kam es zu einem Unfall: die Army hatte bei einem Nervengas-Test zufällig 3000 Schafe getötet. Er dachte auch über George R. Stewards Buch Leben ohne Ende nach, in dem eine Pandemie fast die ganze Menschheit auslöscht. Außerdem erinnerte er sich an etwas, das er vor kurzem bei einem christlichen Radiosender gehört hatte: “Einmal in jeder Generation wird die Plage über sie kommen.”

Diese drei Ideen wirbelten durch seinen Kopf und manifestierten sich in dem Konzept des “Dunklen Mannes” Randall Flagg. Die Figur basierte auf dem Symbionese Liberation Army-Anführer Donald DeFreeze. King begann mit dem, was er selbst Automatisches Schreiben nennt – und zwei Jahre später war The Stand geboren.

King beschrieb Das letzte Gefecht als sein sehr persönliches Vietnam, einen endlosen Konflikt, den er manchmal regelrecht hasste, den er aber – wie es aussah – nie beenden würde können. In der Zwischenzeit galt es noch, seine hungrigen Verleger bei Doubleday mit der Sammlung Nachtschicht zufriedenzustellen, die aber einen neuen Roman von ihm forderten. Als King mit The Stand fertig war, war er außerordentlich stolz darauf. “Das Buch scheint alles zusammenzufassen, was ich zu diesem Zeitpunkt zu sagen hatte”, erklärte er in einem Interview. Es war genau das, was er wollte: ein Epos von epischer Ewigkeit.

“Ich wollte den Herr der Ringe mit einem amerikanischen Hintergrund machen!”

behauptete er später, und er fügte hinzu, dass er sich zu dieser Aussage vorher nicht hatte hinreißen lassen, falls das Buch nämlich zu einem Desaster werden würde. Denn zu Beginn sah alles danach aus.

Das ursprüngliche Buch war nahe an 1200 Seiten, aber die Doubleday Druckwerke konnten nur 800 Seiten drucken. Also stellte ihm der Verleger ein Ultimatum: Doubleday würde das Buch nicht akzeptieren, es sei denn, es würde um ein Drittel gekürzt. Entweder er nähme selbst 400 Seiten raus oder sie würden es machen. King entschloss sich dazu, die Kürzung selbst vorzunehmen, aber das war der sprichwörtliche Tropfen zu viel. The Stand war das letzte Buch, das bei Doubleday erscheinen würde, denn Kings Vertrag lief damit aus. Sofort heuerte King den Agenten Kirby McCauley an und forderte einen Vertrag über 3 Bücher und 3,5 Millionen USD. Doubleday weigerte sich, über 3 Millionen zu gehen, und das war genau das, was King sich erhofft hatte. Er hatte sich schon längst darüber beklagt, dass ihn der Verlag nicht genügend respektierte, obwohl er dessen Taschen füllte. Von McCauley wurde nun Kings “Umzug” zu New American Library, Kings Taschenbuch-Verlag, in die Wege geleitet, die die Hardcover-Lizenz an Viking übergaben. In der Folge feuerte Doubleday den King-Entdecker und Verleger Bill Thompson.

Auf den ersten Blick ist Das letzte Gefecht kein allzu vielversprechendes Buch. Es ist ein Lobgesang auf ein ländliches Amerika und hat eine fast kindisch-schematische Handlung. Versehentlich entfesselt das Militär eine biologische Waffe (mit dem Spitznamen “Captain Trips”) und räumt damit Amerika ab. Der Rest der Welt wird in einem kurzen Kapitel entsorgt. Ein paar tausend Amerikaner sind natürlich immun gegen die Seuche, und das Buch folgt einigen von ihnen, wie sie sich aus den Trümmern graben. Geleitet von prophetischen Träumen versammeln sich die “Guten” auf einer Farm in Boulder, wohin sie von Mutter Abigail, einer heiligen 108-jährigen Afroamerikanerin, geführt werden. In der Zwischenzeit werden die “Bösen” von Randall Flagg angezogen und haben ihr Lager in Las Vegas eingerichtet.

Der Rest des Buches folgt den glaubensbasierten “Guten” der freien Zone Boulder, die zu ihrer mystischen Reise aufbrechen, um das technokratische Las Vegas und deren Gruppe um Randall Flagg zu zerstören. Die hat sich mit Kampfjets und Nuklearwaffen eingedeckt. Am Ende berührt die Hand Gottes eines dieser nuklearen Geräte und jeder vor Ort stirbt. Die letzten 60 Seiten haben wirklich etwas von Tolkiens “Rückkehr des Königs”. Drei der Helden (zwei Männer und ein Hund) kehren nach ihrem Abenteuer nach Boulder zurück. Allerdings finden sie ihr Zuhause so verändert vor (oder sie selbst haben sich durch ihre Erlebnisse so verändert), dass sie dort nicht bleiben können. Um wirklich ihren Frieden zu finden, schlagen sie sich in die Wildnis.

“Ich litt unter einem regelrechten Karriere-Jetlag”, sagte King über die zwei Jahre, in denen er an dem Buch schrieb.

“Vier Jahre zuvor hatte ich noch in einer Wäscherei für 1 Dollar 60 die Stunde Laken zusammengelegt und Carrie im Hinterzimmer eines Wohnwagens geschrieben. Plötzlich dachten all meine Freunde, ich sei reich. Das war schlimm genug; das Schlimmste an der Sache war, dass es vielleicht sogar stimmte. Die Leute begannen mit mir über Investitionen zu sprechen, über Steueroasen, über den Umzug nach Kalifornien. Das wären genug Veränderungen gewesen, die ich zu meistern hätte, aber ganz zuoberst gab es das Problem eines Amerikas, in dem ich aufgewachsen war und das nun unter meinen Füßen zu zerbröckeln schien.”

Bedrängt von finanziellen und lebenstechnischen Komplikationen, von denen er noch nicht einmal zu träumen wagte – angefangen damit, dass er sich überlegen musste, was er mit dem ganzen Geld anfangen wollte, bis zu der Frage, wie er mit den Legionen neuer “Nummer-eins-Fans” umzugehen gedachte – lebte King ja auch in einer Welt mit wachsender Inflation und steigenden Ölpreisen, willkürlichen Terrorakten, dem Aufkommen der Legionärskrankheit, Plünderungen, die es in New York während eines Stromausfalls gab. Es war ein kompliziertes Leben für einen Mann, der vor 5 Jahren noch in einem Wohnwagen hauste. Ein kompliziertes Leben in einer immer komplizierter werdenden Welt. Aber er konnte diese verworrene Welt und ihre Probleme nicht lösen. Also hat er das Nächstbeste getan: Er blendete alles aus und begann von vorne. Man kann den Spaß, den King dabei hatte, alles auszulöschen, förmlich spüren. Die schiere Freude an der ungezügelten Zerstörung zieht sich durch die erste Hälfte des Buches, vor allem in einem langen Kapitel über den pyromanischen “Müllmann”, der darin einige Öltanks abfackelt und eine ganze Stadt in Brand setzt.

Aber es gab da ein Problem mit der Handlung: wenn die ganze Welt endet, wird es noch genügend Ressourcen für die Überlebenden geben? Wie konnte er seine Figuren dazu bringen, etwas Sinnvolles zu tun? Es würde natürlich postapokalyptische Plagen geben, die Bevölkerung wäre völlig verstreut und würde sich möglicherweise mit ein paar kriminellen Mutanten herumärgern müssen. Aber was sollte der große Aufhänger für die Menschen sein, sich zusammenzufinden, um sich an diesem Konflikt zu beteiligen? Das Problem war, dass King nicht wollte, dass alles aussichtslos erschien. Seine Apokalypse sollte eine epische über einen Krieg der Seelen sein. Und die Lösung die er fand, war wohl eine der gebräuchlichsten in der gesamten Literatur: Träume.

Das organisierende Prinzip in der zweiten Hälfte des Buches sind also nicht die Plagen, sondern die Träume, die die “Guten” nach Boulder leiten und die “Bösen” nach Las Vegas. Schließlich musste er seine Figuren in Bewegung setzen, wo sie doch hätten bleiben können, wo sie gerade sind. Immer wenn King Gefahr lief, in dieses Fahrwasser zu geraten, streute er ein quasi-mystisches Erlebnis ein. Ob es sich um das Verschwinden Mutter Abigails handelt, den “Müllmann”, der eine nukleare Waffe entdeckt, Mutter Abigail, die ihre Gefolgschaft auf die Reise schickt, Nadine, die sich dazu entschließt, Boulder zu verlassen, um mit Randall Flagg ein Kind zu haben, Harold, der eine Bombe einsetzt – stets hat man das Gefühl, dass die Hand Gottes die Figuren in Bewegung hält. Sogar das Ende ist ein klassisches Deus ex machina, denn da taucht die Hand Gottes ja tatsächlich auf und greift in das Geschehen ein.

Die unaufhörliche Einmischung “von oben” ist eine der generellen Schwächen des Buches. Eine andere ist die stereotype Einteilung in gut und böse, schwarz und weiß, nett und gemein. Es gibt die guten Jungs in Boulder und die bösen Jungs in Las Vegas. Es gibt Menschen, die an das Gebet glauben und Menschen, die an Technik glauben. Und es hilft auch nicht gerade, dass die Figuren zu Beginn des Buches zweidimensional sind. Fran ist ein nettes, schwangeres Mädchen. Stu Redman denkt, er sei das Salz der Erde. Larry Underwood ist ein egoistischer Rockstar. King gerät hier in Gefahr, die Fehler aus Brennen muss Salem zu wiederholen – er scheint sie nur auszuweiten. Aber das täuscht. Je länger das Buch andauert, desto tiefer wird die Charakterzeichnung, die King ja ohnehin wie kein anderer beherrscht. King gibt seinen Figuren den Raum, den sie brauchen, um ihn selbst zu überraschen. Und damit überraschen sie natürlich auch den Leser. Am Ende ist nichts mehr übrig von den Gestalten, die sie zu Beginn noch waren. Selbst Mutter Abigail verliert ihre Gnade aufgrund ihres Stolzes. Und Larry Underwood wird zum Helden.

Das letzte Gefecht ist schließlich ein Buch, das durch seine epische Länge King in die Hände spielt, und der nutzt diese Länge nicht so sehr für eine eigentliche Handlung, sondern um seine Charaktere altern und reifen zu lassen. Wer das Buch zu früh abbricht, wird kaum in den Genuss kommen, diesen extremen Wandel und diese hervorragende Figurenzeichnung zu erleben. Für den ist das Buch bereits in seinen Anfängen viel zu lang. Doch King benötigt jede Seite seines Romans, um seine Figuren überzeugend in eine dritte Dimension hineinwachsen zu lassen, und um seine Leser von seinem genreübergreifenden Konzept zu überzeugen.

Die deutsche Version ist bei Heyne erhältlich.

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    Sheridan Le Fanu gilt als einer der Meister der klassischen Schauerliteratur und als einflussreicher Vorläufer des modernen Horrorgenres. Er war nicht nur ein begabter Erzähler, sondern auch ein innovativer Schöpfer von Figuren und Motiven, die bis heute faszinieren.

    Im Oktober 1869 veröffentlichte Le Fanu in der viktorianischen Wochenzeitschrift „All The Year Round“, die von Charles Dickens gegründet und herausgegeben wurde, eine Erzählung mit dem Titel „Grüner Tee“. Darin präsentierte er seinen Lesern zum ersten Mal Dr. Martin Hesselius, einen Arzt, Schriftsteller und Kunstfehler-Experten, der sich auf die Behandlung von übernatürlichen Krankheiten spezialisiert hatte. In „Grüner Tee“ untersucht er den Fall eines Geistlichen, der von einem dämonischen Affen heimgesucht wird, den nur er sehen kann. Die Erzählung ist eine spannende Mischung aus psychologischem Thriller, metaphysischer Spekulation und gotischer Atmosphäre.

    Le Fanu war selbst ein zurückgezogener und geheimnisvoller Mann, der nach dem Tod seiner Frau 1858 kaum noch das Haus verließ. Er litt unter Depressionen und Alpträumen, die sich oft in seinen Werken widerspiegelten. Er starb 1873 an einem Herzinfarkt in seinem Haus in Dublin. Sein literarisches Vermächtnis umfasst zahlreiche Erzählungen und Romane, die bis heute gelesen und verfilmt werden. Zu seinen berühmtesten Werken gehören „Carmilla“, eine Geschichte über eine lesbische Vampirin, „Uncle Silas“, ein meisterhafter Schlossroman, und „The House by the Churchyard“, ein historischer Roman mit einem Hauch von Horror.

    Dr. John Silence

    Der okkulte Detektiv ist eine literarische Figur, die übernatürliche Phänomene mit Hilfe von Magie, Esoterik oder Parapsychologie untersucht. Ein bekannter Vertreter dieses Genres ist Algernon Blackwood (1869-1951), ein englischer Autor, der sich selbst als Theosoph und Mystiker verstand. Sein berühmtester Charakter ist Dr. John Silence, ein Arzt und Psychiater, der sich auf Fälle spezialisiert hat, die eine psychische Invasion oder Besessenheit beinhalten. Silence ist eine ambivalente Figur, die einerseits als Retter und Heiler auftritt, andererseits aber auch als arrogant, dogmatisch und gefährlich erscheint.

    Ein Beispiel für seine umstrittene Rolle ist seine erste Geschichte „A Psychical Invasion“ (1908), die in deutscher Übersetzung als „Griff nach der Seele“ in dem Band „Besuch von Drüben“ in Suhrkamps Phantastischer Bibliothek enthalten ist. In dieser Geschichte wird ein Humorist namens Pender von einem bösen Geist heimgesucht, nachdem er eine Überdosis Haschisch genommen hat. Pender verliert seinen Sinn für Humor und wird von Angstzuständen geplagt. Silence wird zu Hilfe gerufen und erkennt, dass Pender von der Seele einer verstorbenen Schauspielerin besessen ist, die ihn für ihren ehemaligen Liebhaber hält. Silence setzt einen magischen Collie namens Flame ein, um den Geist zu vertreiben, und erklärt Pender seine Theorie über die Dynamik der Gedanken und die Fortdauer der Persönlichkeit nach dem Tod.

    Die Geschichte zeigt die gängigen Merkmale des okkulten Detektivs, wie zum Beispiel die Verbindung von Wissenschaft und Magie, die Verwendung von Symbolen und Ritualen, die Betonung der psychischen Ebene und die Konfrontation mit dem Bösen. Allerdings zeigt sie auch einige Probleme auf, die mit dieser Figur verbunden sind. Zum einen ist Silence kein sympathischer Held, sondern ein überheblicher Lehrmeister, der gerne bevormundet und belehrt. Er spricht in einem herablassenden Tonfall und benutzt pseudowissenschaftliche Begriffe, die seine Autorität untermauern sollen. Zum anderen ist Silence kein unfehlbarer Experte, sondern ein riskanter Experimentator. Er setzt den Humoristen Pender einer gefährlichen Droge aus, um ihn empfänglicher für den Geist zu machen, und lässt ihn allein mit einem magischen Collie, während er selbst das Haus verlässt. Er ignoriert auch die Möglichkeit, dass Pender selbst für seine Probleme verantwortlich sein könnte, und schiebt alles auf eine Geisterdame. Schließlich ist Silence kein moralischer Richter, sondern ein willkürlicher Zerstörer, der das Haus des Humoristen abreißen lässt, um den Spuk endgültig zu beseitigen.

    Die Geschichte zeigt also, dass der okkulte Detektiv nicht nur ein faszinierender Charakter ist, sondern auch ein problematischer. Er repräsentiert eine Form von Wissen und Macht, die nicht immer zum Wohl der Menschen eingesetzt wird. Er stellt auch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie in Frage und fordert den Leser heraus, seine eigene Position zu bestimmen.

    Carnacki

    Carnacki wurde von dem englischen Autor William Hope Hodgson erschaffen. Er ist der Protagonist einer Reihe von sechs Kurzgeschichten, die zwischen 1910 und 1912 in den Magazinen The Idler und The New Magazine veröffentlicht wurden. Diese Geschichten wurden 1913 zusammen als Carnacki, der Geisterdetektiv gedruckt.

    Carnacki ist natürlich ebenfalls inspiriert von der Tradition fiktiver Detektive wie Sherlock Holmes. Er lebt in einer Junggesellenwohnung in der Nr. 427 Cheyne Walk, Chelsea; die Geschichten werden aus der Ich-Perspektive von Dodgson erzählt, einem Mitglied von Carnackis „streng begrenztem Freundeskreis“, ähnlich wie Holmes‘ Abenteuer aus der Sicht von Doktor Watson erzählt werden. Während die Holmes-Geschichten das Übernatürliche nie benutzen, außer als falsche Fährte, ist dies das zentrale Thema der Carnacki-Geschichten, obwohl einige der Geschichten nicht-übernatürliche Enden haben.

    Jede von Carnackis Geschichten erzählt von einer Untersuchung eines ungewöhnlichen Spuks, den Carnacki identifizieren und beenden soll. Er verwendet eine Vielzahl wissenschaftlicher Methoden bei seinen Untersuchungen, greift aber auch auf traditionellere Folklore zurück. Er verwendet Technologien wie Fotografie und seine eigene fiktive Erfindung, das elektrische Pentakel. Er ist nicht voreingenommen und zieht immer seine endgültigen Schlussfolgerungen aus Beweisen, so dass er in einigen Geschichten entscheidet, dass der Spuk echt ist, während er in anderen feststellt, dass er von einem Gegner aus verschiedenen Gründen inszeniert oder gefälscht wurde.

    Carnackis Fälle drehen sich genauso oft um Männer in Pferdekostümen wie um körperlose Dämonenhände, die ihn durch den Raum jagen. Mit einem völlig erfundenen System vokallastiger Magie (The Incantation of Raaaee, The Saaamaaa Ritual) verbringt Carnacki die meisten seiner Abenteuer zusammengekauert in der Mitte seines elektrischen Pentakels und macht Blitzlichtfotos von seltsamen Monstern wie einem Albtraumschwein („The Hog“), einem Fußboden, der sich in pfeifende Lippen verwandelt („The Whistling Room“), und einem Blutsturm im Haus („The House Among the Laurels“). Sein Markenzeichen ist es, seine Gäste am Ende seiner Geschichten aus dem Haus zu schmeißen und zu rufen: „Raus mit euch! Raus mit euch!“

    Manchmal ist sein Feind der Geist eines Hofnarren, manchmal sind es Iren, und manchmal stellt sich heraus, dass es ein mürrischer alter Seekapitän ist, der sich in einem Brunnen versteckt, oder ein nacktes Geisterbaby. Carnacki findet ebenso viele Betrüger wie Phantasmen, er liebt dumme wissenschaftliche Erfindungen (einen Anti-Vibrator, einen Traumhelm, das elektrische Pentagramm), und er liebt auch John Silence-artige Laser-Lichtshow-Zauberschlachten. Und obwohl er gelegentlich einen Raum zerstört oder ein Schiff versenkt, hat er nicht die Vorliebe für Chaos, die andere okkulte Detektive kennzeichnet.

    Flaxman Low

    Die Flaxman-Low-Geschichten sind ein weiteres Beispiel für die frühe Literatur des Paranormalen. Sie wurden von Kate Prichard und ihrem Sohn, dem Major Hesketh Hesketh-Prichard, unter den Pseudonymen „H. Heron“ und „E. Heron“ veröffentlicht.

    In „Die Geschichte von Baelbrow“ wird er zu einem Herrenhaus gerufen, das von einem rachsüchtigen Geist heimgesucht wird. Der Geist hat sich mit einer ägyptischen Mumie verbündet, die im Keller versteckt ist, und zusammen terrorisieren sie die Bewohner des Hauses. Flaxman Low stellt sich dem übernatürlichen Duo mit Mut und Entschlossenheit. Er schießt auf die Mumie, zertrümmert ihren Schädel und verbrennt sie schließlich.

    Er ist also alles andere als ein zimperlicher Geisterjäger. Er schreckt nicht vor Gewalt zurück, wenn es darum geht, das Böse zu bekämpfen. Seine Methoden sind oft radikal und zerstörerisch. Ob es sich um einen leprakranken Spuk aus Trinidad, einen griechischen Geisterkult oder eine tödliche Pilzinfektion handelt, Flaxman Low findet immer eine Lösung, die meist das Haus in Schutt und Asche legt.

    Die Flaxman-Low-Geschichten sind spannend, gruselig und manchmal absurd. Sie spiegeln die Ängste und Vorurteile der viktorianischen Zeit wider, aber auch den Wunsch nach Abenteuer und Entdeckung.

    … und andere

    Die okkulten Detektive des frühen 20. Jahrhunderts sind also eine bunte Truppe von Figuren, die sich mit dem Übernatürlichen befassen. Erwähnen sollte ich noch Sax Rohmers „Fu Manchu“, ein griesgrämiger Antiquitätenhändler, Moris Klaw, und sein seltsames Kissen, das angeblich okkulte Kräfte hat; Diana Marburg, eine Wahrsagerin und Ermittlerin des Paranormalen, die in „Die tote Hand“ einen sechs Fuß langen elektrischen Aal bekämpft, der für einen Mord missbraucht wurde; Aylmer Vance, ein Mann mit einer zerstörerischen Neigung; Jules de Grandin, ein französischer Detektiv aus New Jersey, der sich mit dem Übernatürlichen auskennt und gerne Ausrufe wie „Beim Bart des Goldfisches!“ und „Sie werden bald einem Schwein im Anzug begegnen!“ von sich gibt (auf Französisch klingt es besser); und John Thunstone, ein Abenteurer mit einem silbernen Schwertstock, der es oft mit einer alten Rasse von Vor-Menschen zu tun hat, die einst Nordamerika bewohnten. Diese Liga der okkulten Detektive ist oft rassistisch, gewalttätig und unwissenschaftlich. Sie zerstören Häuser, töten andere Wesen und sind im Grunde genommen eine Gruppe von schrecklichen Menschen, die keine Ahnung von dem haben, was sie tun.

  • Der olfaktorische Handkuß

    Sinne schwinden (schwindet, Sinne!); so ein Lied der Früchte, so ein Lied der Frucht; aus deinem Füllhorn fließt stets und stets des Lebens Energie, der Boden säumt die ausbedungnen Schuh‘. Ein Schritt nur, und es wird die Späte richten, wie der Tag sich aus dem Tage schält. Das B des Bibberns, B des Bangens, B des Badens in olfaktorischen Genüssen. Auratisch schwebst in Windeseile, durcheilst den Luftraum windgeschwind und hebst dich in die offnen Arme, die Hände fächeln Tau herbei, und Kosung dreht sich zum Gerank, zum Wimperg über unsren Köpfen. Die Hand wird nur geküßt im Viert der Räume, auf den Steigen der Zeitenbahn. Uns ist das Fließen angedacht. Ich könnte, käme an, ich konnte, kam ich an, ich kann nicht von dir lassen, den Brautstein auf den Lippen tragend, der den Gesang des deinen Körpers in den Trichter des Gesagten, der Verheißung überführt.