Es kann verbunden werden, das Geschehen nicht verkleistert, sondern
In einem Rutsch auf das Ziel zugesteuert, das mag im Dunkel liegen,
Mag sich sogar dem Einsatz entziehen, hat aber eine große Geltung
Wenn es darum geht, zu bleiben wie man ist. Die Bewegung treibt sich
Um das fokussierte Etwas herum, schleicht in Schleifen davon, kehrt
Bei mangelndem Licht zurück, um etwas Körperloses zu sagen.
M.E.P.
Charon, der Fährmann
Charon entsteigt dem Urchaos, das den Olympiern vorausging. Als Sohn von Erebus und Nyx, Gespenstern, die Dunkelheit und Nacht symbolisieren, verkörpert Charon eine Mischung aus Hingabe und Distanz. Er befördert die Seelen ohne Urteil oder Gnade über den Fluss des Todes und hält sich ausschließlich an die ewige Tradition, einen Obolus als Gegenleistung für die Überfahrt zu verlangen.
In den Geschichten, die im Laufe der Jahrhunderte auf den behelfsmäßigen Webstühlen der Dichter und Erzähler gesponnen wurden, schimmerte die Beschwörung des Charon nur dunkel in den Tiefen der Vermutungen und Epen. Erst in den Werken von Pindar und Euripides taucht er wieder auf und leitet die Diskussionen über Moral, Sterblichkeit und die Dunkelheit, die nach dem Tod im Reich der Lebenden herrscht. Sein allgemein anerkannter Beitrag zur Literatur ist ausdrücklich von visueller Strenge geprägt – ein abschreckender Wächter, der am Ufer des Styx steht. Im Zeitalter der sokratischen Dialoge und der platonischen Philosophien ist dieser gespenstische Bootsmann ganz in den intellektuellen Bereich gerudert und stark mit den Ritualen des Todes und des Abschieds verbunden.
De Umbris Pactis
Ich saß von der windigen Dunkelheit eingehüllt auf der Brüstung des Rathauses und beobachtete die von hier aus einsehbare Fläche unter mir, denn wir alle waren abkommandiert, um die Schatten zu beobachten, die in unwahrscheinlichen Zahlen und Winkeln in die Stadt einfielen. Sie waren uns allzu ähnlich, und was wir zu berichten hatten, wurde mit großem Interesse verfolgt, wenn auch wir mit keinem unserer Auftraggeber sprachen, ein Beobachter ist nun einmal kein Sprecher.
Wir notierten alles in einer Sprache des Untergangs, denn das war es, was wir sahen. Bizarre Zwischentöne des Schreckens einiger Sekunden mussten wir zur Fiktion werden lassen, um ein Maß für das Unbegreifliche zu finden.
In Teseo Albinesis Aufzeichnungen aus dem Jahr 1539 wird beschrieben, wie der Okkultist Ludovico Spoletano den Satan beschwor, weil er – dem Doktor Faustus ähnlich – glaubte, alles bereits zu kennen, aber doch nichts zu wissen. Das dringliche Bedürfnis, zumindest ein Ding so zu Fassen, wie es beschaffen ist, treibt die Schwärme der Verzweiflung aus Staubwolken heraus und ermuntert jeden Schläfer, festzuhalten, was weniger noch als ein Quellstrom nicht zu greifen ist mit fünf oder zehn oder fünfzehn Fingern.
Turmzimmer zu Karstenfels (Re-up mit Bild)

Ich muß erneut eingeschlafen sein. So viele Schlafe, da mag ein Schlaf getrost kein Schlaf sein. Schlaff natürlich wird der Körper, daher kommt’s; aufstehen, erschlaffen und so fort. Ich stecke im Hotelzimmer meiner Chimären fest, das vorzeitige Erwachen betrifft nur meine doppelte Existenz. Jede der beiden will die Oberhand gewinnen. Das könnte sich als wichtig erweisen, wenn es einmal darum geht, wer ich bin, wer ich heute bin, wer ich gestern war. Der Ausschluß anderer Existenzen ist der konsequente Wegfall vieler alternativer Möglichkeiten, aber die Existenz selbst ist so schwammig, daß jedes Philosophieren darüber nur ein weiteres Spiel bleibt, ein Zeitvertreib; jeder Gedanke an ein anderes Leben ein Schatten, der nie wirklich da ist, aber auch niemals ganz verschwunden; mauvaise foi.
Unter verklebten Lidern befindet sich noch ein Rest der wirklichen Umgebung, eine dampfende Laterne, von Faltern umschwärmt. Da ist keine Erinnerung, nur eine trockene Kehle. Körperfunktionen halten inne, der Puls ist ein kleinwüchsiges Klopfen, die Säfte sind erstarrt, tief ins Gewebe zurückgezogen; die letzten Inseln lauernder Funktionslosigkeit. Bilder kehren mit dem Blut zurück zum Herzen, reisen mit Transferrin im Eisenbahnwaggon, Schubtore geschlossen, damit während der Langsamfahrt niemand aufspringen kann, Rucksack in die Ecke, Guitarre raus (ein Hobo!). Nichts gegen den King Of The Delta Blues Singers oder Steve Earle, wir aber reden hier von Gedanken, von Geschehnissen. Das ist kein Swamp-Soundtrack, das ist eine Geige, die sich Ritzen sucht. Da fällt durch, was sie ausscheidet, klagende, kratzende Diarrhoe.
Das Licht spielt, wie es von jeher mit der Welt spielte. Planetenstaub, angebumst von koronalen Massenauswürfen, Tiktaalik rosea, der dann Affe wurde. Bettzeug, das nach barocken Liebeslagern muffelt. Die Zunge der Zeit hat hier mit fetten Zotten den frischen Geschmack in den Rachen befördert. Der Eindruck ist nur noch ein finsteres, oxidierendes Relief. Wo bin ich? Ich will nur meine Stimme hören, die mir der Katzenjammer zugesteht. Es gibt Märchen, da antwortet der Teekessel überschwappend der magischen Brühe : »Rauss mitt diiir, bevor man die Prinsesssin skalpiert!«
Und ein Pferd tritt ein (Ah! es ist ein Friesenhengst, mit Hafer in den Ganaschen!), der junge Held von burlesker, ganymed’scher Schönheit tränkt seinen Körper im jetzt golden dahinfunkelnden Sonnenschein, der durch die Risse der garstigen Schwiegermutterscheiben taumelt. Dann ein recht merkwürdiger Name, sagen wir, Behroka, sagen wir, Behroka Espenlauba, die zitternd mit noch blonder Mähne im Turmzimmer zu Karstenfels ganz oben unterm Dach dem Einen harrt, der eine sehr, sehr durstige Kehle hat. Das Märchen beschreibt das runde, zugige, und von außen abgeriegelte Zimmer mit ein, zwei romantischen Paradesätzen, verschweigt die Bettpfanne, den stinkenden Essenstrog, erwähnt allerdings die Unmöglichkeit, das Gemäuer zu erklimmen. Viele haben’s schon versucht, hört man da, alle sind sie schauerlich deformiert und zerbreit an ihrem Leib ins Geisterreich gefahren.
Alte Flecke (die vorher ganz frisch erschienen)
Wo das Geäst über die blanken Balken der Schänke streicht und
gemeinsam mit dem Wind die Zeit vom Gehäuse schabt, da standen
die verlorenen Erinnerungen, die nicht mehr Geschehen waren, aber
auch keinen Gedanken mehr infizierten, und sahen auf die Uhr, die jemand
von einem Bahnsteig gepflückt und hierher umgepflanzt hatte. Ihre Zeit
des Spukens würde kommen, wenn die Sonne ein anderes Land bereist und
sich nicht für die Schattenspiele hinter ihrem Rücken interessiert. Doch bis dahin
hieß es : verharren! Den Hüttengesang vernahm man schon
von einer großen Entfernung aus, da waren weder ein Giebel, noch ein Strauch zu sehen.
In einen Tonkrug gesungene Phrasen von Treue und Schicksal, von Torkeleien
an den Häfen und dem Mahlstrom auf hoher See. Öffnet man
die unbewegliche Tür, verstummt all das Raunen und alle Flecke werden wieder alt.
Kein großer Rummel
Der Mond sank nicht aus sich selbst heraus unter seine Achse
Manche Bretter stapelten sich zuletzt und von oben hatte man
Ein ganz anderes Gesicht. Nummernlose Wolken. Kein Halsband
Kein großer Rummel. Überhaupt nichts das man
Zur Kenntnis zu nehmen sich befleißigte um Nutzen zwischen
Den Käferleichen auf dem Rücken wippend also doch
Noch nicht ganz Leichen zu verstecken.
Die Vertrautheit verschwindet wie ein Naturgesetz und
Mit einem Mal. Man sieht es nicht kommen weil es nicht kommt
Schon immer dagewesen schleicht es um nichts anderes als
Einen Knopf der an eine Hose gehört um die Abteilungen
Geschlossen zu halten die sonst ja übervoll die Bäuche aus
Ihren eigenen Fenstern hängen müssten. Das mit den Wegen
Ist nur ein Gerücht. Dass sie sich beim Gehen formen.
Nur die Attraktion der anvisierten Punkte pfadet einen Weg und
Treibt die inneren Gäue wie eine Urlandschaft vor sich her
Die Milch gibt wenn man sie höflich danach fragt und nicht
Einfach in ihrem Wasser rührt. Manche Baldowereien müssen
Unbedingt vor dem Essen ausgeführt werden – niemand denkt
Wenn der Bauch nicht denkt. Und niemand kniet wenn
Das Knie nicht kniet.
Vergangene Weihnacht
Ich würde gerne hineingleiten
in eine Spukhütte an unbenennbarer Stelle
fern jeglicher Beschreibung
nicht dem Wetter ausgesetzt
nicht der Zeit ausgesetzt
und dort die Gestalt der vergangenen Weihnacht
am Kamin stehen sehen
diese Hand wäre es mir wert
geschüttelt zu werden
Pazuzu: Dämon des Windes
Pazuzu ist uns heute vor allem durch den Film „Der Exorzist“ bekannt, aber die weite Verbreitung seiner Ikonographie in der gesamten antiken Welt zeigt, dass er schon zu seiner Zeit ein bekannter und ziemlich beliebter Dämon war. Pazuzu ist auch der einzige prominente mesopotamische Dämon oder die einzige mesopotamische Gottheit, die ihren Weg in Hollywood-Filme gefunden hat – und dafür mag es mehrere Gründe geben.

Das Rätsel der rastlosen Särge
Barbados mag als beliebtes Touristenziel bekannt sein, aber die lokale Kultur und Geschichte besteht nicht nur aus weißen Sandstränden und fruchtigen Mixgetränken. Im Zentrum der Insel steht die Christ Parish Church, um deren Friedhof sich – wie um viele andere Friedhöfe auch – einige Geistergeschichten ranken. Eine dieser Geschichten handelt von einer tragischen Familiengeschichte und dem Vermächtnis postmortaler Unruhen.
Im Jahr 1808 kaufte die Familie Chase eine Gruft für die Beisetzung ihres Kindes, eines Säuglings namens Mary-Anne Maria (manche behaupten, ihr Name sei Ann Marie oder Mary Ann Marie gewesen). Die Gruft wurde 1724 erbaut und enthielt bereits den Leichnam einer Frau namens Thomasina Goddard, die 1807 beigesetzt wurde. Colonel Thomas Chase, der Patriarch der Familie, beschloss, die Verstorbene nicht zu stören, indem er ihren Sarg aus der neuen Familiengruft holte.

Fragen an die Maus
Wie viele Bücher könnte man mit allen ersten Sätzen füllen, die je geschrieben wurden?
Schmeckte der Apfel im Paradies nach Oxford?
Wie kann ich an einem Kreuzweg wissen, in welche Richtung ich muss?
Wieviel Klopapier-Tissues kann ich essen, bis ich Verstopfung bekomme?
Wie groß war Karl der Große und wie lautet der Quotient gegenüber den Schlümpfen?