Schwert und Zauberei

Genre- und Subgenre-Labels gibt es aus gutem Grund – um die Leser mit der Art von Literatur zu verbinden, die ihnen gefällt. Zumindest heutzutage obliegt eine solche Kategorisierung eher den Vermarktern und Buchhändlern als einer tatsächlichen Unterscheidung durch Fans oder Autoren. Aber das war 1961 definitiv nicht der Fall, als Mitglieder der Robert E. Howard-Fangruppe, der Hyborian League, erkannten, dass sie einen Namen für jene besondere Art von Geschichten brauchten, die sie gerne lasen und schrieben. Die Frage, wie genau man diese Geschichten nennen sollte, stellte der junge Aufsteiger Michael Moorcock, und beantwortete der erfahrene Schriftsteller Fritz Leiber:

„Ich bin mir mehr denn je sicher, dass dieses Feld Schwert und Zauberei genannt werden sollte. Dies beschreibt die Punkte des kulturellen und übernatürlichen Elements genau und unterscheidet es auch sofort von Mantel und Degen (historischen Abenteuergeschichten) – und (ganz nebenbei) auch von den Mantel und Dolch (internationale Spionage)-Geschichten!“

Von Leiber nicht erwähnt wurde das populäre Filmgenre des Sandalenfilms, Geschichten, die besagter Literatur ähnelten und ein Vorläufer der explodierenden Schwert und Zauberei-Filme der 1980er Jahre waren. Doch lange bevor John Milius‘ Film „Conan der Barbar“ das Subgenre ins Mainstream-Bewusstsein brachte, versuchten Schriftsteller und Leser auf der ganzen Welt zu verstehen, was genau das Sword & Sorcery-Genre so besonders machte.

Schwert und Zauberei kann man am einfachsten als Fantasy-Abenteuergeschichten mit übernatürlichen Elementen beschreiben, die sich unmittelbar auf die Bedürfnisse der Protagonisten konzentrieren.  Dabei ist das Subgenre eine Unterkategorie der heroischen Fantasy, d.h. Geschichten, die den Heldentaten der Helden an exotischen, fiktiven Orten folgen.

Im Mittelpunkt steht ein Abenteuer-Element, denn in erster Linie handelt es sich um Action-Geschichten, in denen die Handlung unerbittlich voranschreitet und Herausforderungen direkt angegangen werden. Der übernatürliche Bestandteil, die „Zauberei“, steht fast immer im Gegensatz zum Protagonisten – obwohl mystische Hilfe oder spezifisches Wissen, das von der Hauptfigur eingesetzt wird, nicht ungewöhnlich sind. Magie wird meist als selten, unheimlich und gefährlich dargestellt, während die List und Kompetenz des Protagonisten die primären Tugenden sind, die gegen das Esoterische und das Fremde ins Feld geführt werden.

Es sind die persönlichen Dimensionen und die Foki dieser Geschichten, die vielleicht ihren wichtigsten Aspekt außerhalb der oben genannten Elemente darstellen. Die Protagonisten der Schwert und Zauberei sind keine selbstlosen Helden auf epischen Quests, aber natürlich hindert sie nichts daran, sich edel zu verhalten oder sich auch in Angelegenheiten von großer Bedeutung verwickeln zu lassen. Aber solche hohen Entwürfe sind nicht ihr Ziel, wenn sie sich auf den Weg ins Abenteuer machen, denn solche Charaktere sind in der Regel Außenseiter in jeder Welt und Situation, in der sie sich befinden. Tatsächlich ist es in der Regel das Abenteuer selbst, das die primäre Motivation für solche Helden ist, und auch der Grund, warum sie Außenseiter und Schurken sind. Ob es darum geht, einen alten Hort zu plündern, eine dralle Magd zu retten, oder einer wütenden Miliz zu entkommen (und ein guter Held dieses Subgenres sollte idealerweise alle drei Erlebnisse auf einmal machen!), immer ist es ihre Unruhe und die Gier nach Abenteuern, die all diesen Ereignissen zugrunde liegt. Man könnte behaupten, dass der typische Held einer Schwert und Zauberei-Geschichte mehr mit dem durchschnittlichen Fantasyleser gemein hat als die meisten Genrehelden – denn beide suchen das reine Abenteuer und die Flucht aus dem Alltäglichen.

Und es ist dieses persönliche Element, das auch einen bestimmten Aspekt dieser Geschichten färbt – es schiebt das Magische und Übernatürliche auf das Schreckliche und Makabere. Während die Helden der epischen oder High Fantasy selbst oft mit Monstern und Magiern konfrontiert werden, ist es in der Regel nur in Schwert und Zauberei-Geschichten so, dass diese Dinge einen wirklich spannenden oder unheimlichen Aspekt annehmen. Indem sie die Perspektive der Geschichte direkt auf den unmittelbaren Kampf des Protagonisten um Leben und Tod richten, nimmt die Sword & Sorcery mehr das Antlitz des wahren Horrors an als epische Fantasy, die solche Konfrontationen als Teil einer größeren Geschichte sieht.

Wie überhaupt die Abenteuerliteratur, neigt auch dieses Subgenre zu kurzen, serialisierten Geschichten. Während die großen Anliegen der High- oder Epic Fantasy einen Teppich aus Ursache und Wirkung erfordern, verschlungene Handlungsstränge, Charakterbögen und endgültige Auflösungen, lehnen sich Schwert und Zauberei-Geschichten mehr an das Episodische an und ermöglichen es dem Helden, neue Abenteuer mit relativ wenig langfristigen Folgen zu erleben. Natürlich spiegeln gute Autoren in ihren Charakteren die Realität eines lebenslangen Kampfes wider – aber es ist die Natur des Genres, dass selbst pensionierte oder tote Protagonisten für neue Abenteuer zurückkehren können, indem sie einfach einen weiteren Vorfall aus ihrer früheren Karriere erleben.

Natürlich ist es möglich, viele Geschichten zu finden, die diese Markenzeichen verwischen oder untergraben, und die dennoch im Kern Schwert und Zauberei bleiben. Als Teil der Tradition der Pulp-Ära behält Schwert und Zauberei immer bestimmte Merkmale des Tempos oder der Haltung bei, auch wenn die Geschichten sehr unterschiedlich sind. In eben dieser Tradition treten Charakterisierung, stilistisches Experimentieren und psychologische Tiefe in den Hintergrund, dafür treten Klarheit und Handlung nach vorne. Nicht dass der Anspruch „ernster“ Literatur fehlen müsste, die aber kann niemals die Rechtfertigung einer Schwert und Zauberei-Geschichte sein. Stattdessen zementieren diese Geschichten den Wunsch des Publikums, unterhalten zu werden, als höchstes Gut, indem sie das Überflüssige und Selbstgefällige vermeiden und sich für ein solides Geschichtenerzählen und ein Gefühl für Wunder und Abenteuer einsetzen. Ähnlich wie ein Schwert selbst, kommen diese Geschichten immer zu einem Punkt.

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    Augusto Cruz García-Mora hat mit diesem Roman Ehrgeiz und Mut gezeigt, der eine Mischung aus Detektivroman und kinematografischem Delirium mit einem Hauch Abenteuergeschichte darstellt, gespickt mit einer traumartigen Fantasie. Vielleicht finden Stummfilmliebhaber auf diesen seltsamen Seiten eine gewisse emotionale Komplizenschaft und wissen den Roman sogar noch mehr zu schätzen.

    Das Objekt der Begierde

    Der Film „London after Midnight“ (Nach Mitternacht) ist der erste amerikanische Film, der sich mit Vampiren beschäftigt. Nosferatu wurde 1922 veröffentlicht, ein weiterer seltsamer Film namens „Dracula Halla“ 1921, außerdem soll es noch einen geheimnisvolleren russischen Vampirfilm geben, über den absolut nichts bekannt ist. Das also sind die ersten Vertreter ihrer Art, aber in diesem Buch von Augusto Cruz geht es vor allem um die Suche nach dem als verschollen geltenden „London after Midnight“. Dass sich um diesen Film so viele Legenden ranken ist natürlich ein gefundenes Fressen für einen Schriftsteller. Schon die Entstehungsgeschichte ist merkwürdig. Lon Chaney war zu dieser Zeit der Horror-Darsteller Nr. 1. Sehr berühmt und zurückhaltend, galt dieser Darsteller als äußerst mysteriös, ging nie aus, bevorzugte die erbärmlichen, verkrüppelten und seelisch deformierten Charaktere, und als er starb, hielten alle Kinos des Landes für einen Moment inne und gedachten seiner. Um seine Augen tränen oder verschleiert wirken zu lassen, steckte er sich Drähte in die Augen oder träufelte sich Eiweiß hinein.

    Das Buch

    1927 wurde der Film „London after Midnight“ im MGM-Filmstudio veröffentlicht. Ein Stummfilm unter der Regie von Tod Browning mit dem legendären Lon Chaney. Der Film war nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch ein großer Erfolg, vor allem wegen Lon Chaneys beeindruckendem Schauspiel. Die letzte Kopie des Films ging bei einem Großbrand 1967 verloren. Seit dem Brand kursieren Gerüchte, dass sich noch immer eine Kopie des Films in den Händen eines unbekannten Sammlers befindet, was „London after Midnight“ auf die Liste der begehrtesten Filme aller Zeiten setzt.

    Der exzentrische Artefaktsammler der Stummfilmära Forrest J. Ackerman ruft den pensionierten FBI-Agenten Scott McKenzie um Hilfe. Er beauftragt ihn, die einzige verbliebene Kopie des Films „London after Midnight“ zu finden. McKenzie, einst Vertrauter des FBI-Direktors J. Edgar Hoover, nimmt den Auftrag an und beginnt eine manchmal äußerst gefährliche Suche nach dem Heiligen Gral des Stummfilms. McKenzie hat nicht viel Zeit, denn Ackerman befindet sich im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit und beginnt, Dinge zu vergessen.

    Halb verbürgte Realität, halb fiktionale Ambition, basiert „London after Midnight“ auf einer wahren Geschichte, denn der Film existierte und bleibt bis heute verschwunden. Die aufgeführten Personen in diesem Roman agieren lebendig, die gesamte akribische Dokumentation dieser Jahre, die gleich zu Beginn ein ausgeprägtes Stimmungsbild liefert, tut ihr Übriges. Cruz hat, ausgehend von einigen sehr mysteriösen Fakten, eine sehr konsistente Handlung um diesen Film herum konstruiert. Zu Beginn mag der Stil etwas eigenwillig erscheinen, weil er diese gewisse mexikanische Note besitzt, die den Rhythmus und die Kraft der Erzählung wie ein Destillat erscheinen lässt, wie ein Traum, der die Magie und das Geheimnis nur durch Andeutungen unterstützt.

    In zwei temporalen Bögen entspinnt sich die Geschichte – einer beschäftigt sich mit der Suche nach dem Film, ein zweiter zeigt die Vergangenheit McKenzies als Hoovers Assistent – und der Roman arbeitet dabei wie ein Schweizer Uhrwerk, der die Handlung abwechselnd ineinanderschlingt. McKenzies Erinnerungen an den Direktor werden hier klassisch vorgetragen, während seine Suche mit seltsamen Geschehnissen gespickt ist. Da gibt es Schlösser, Monster, Geisterstädte, Schatten, Legenden, Erinnerungen, Träume in einem abenteuerlichen Setting, das nicht nur Freunde des frühen Films begeistern kann. In einem Kontrapunkt kreist die Erzählung um das Erinnern und das Vergessen. Hiervon zeugen einerseits McKenzies Erinnerungen an Hoover, aber auch an seine Frau und seine Tochter, die eines Tages unauffindbar verschwunden waren und blieben.

    Augusto Cruz hat einen herausragenden ersten Roman geschrieben, der zwar etwas an Austers wunderbares „Buch der Illusionen“ erinnert, aber dennoch ganz eigene Wege geht.

    Augusto Cruz García-Mora ist ein mexikanischer Autor, der 1953 in Tampico geboren wurde. Er studierte Kinematographie in Mexiko und an der University of California. Für seine filmischen Arbeiten erhielt er unter anderem Preise vom Instituto Tamaulipeco para la Cultura y las Artes und vom Centro de las Artes von Oaxaca. Cruz steckte viele Jahre Forschungsarbeit in den Roman, und kann als großer Kenner auf dem Gebiet des Films gelten. Er hat einen erstaunlich visuellen und farbenfrohen Schreibstil, der den Leser in die Welt des Stummfilms einführt. Jeder Schauspieler, von dem er spricht, hat wirklich gelebt, alle Geschichten, die um Filme herum kursieren, sind wahr, und das macht das Buch äußerst interessant. Der Autor hat sich in einem Fernstudium zum Privatdetektiv ausbilden lassen, bevor er sein Debüt zu Papier brachte. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass er alles, was er dabei gelernt hat, in diesem Roman ausbreitet.

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    Der Archetyp

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    Carrie
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