Stephen King Re-Read: Susannah

Deutlich kürzer als „Wolves of the Calla“, ist „Song of Susannah“ ein rasantes Sammelsurium an Verrücktheiten mit dem Hauptziel, den Höhepunkt der Serie vorzubereiten.

Zusammen mit dem vorherigen ist dieses Buch in einem fast schon irrwitzigen Tempo entstanden. Bis dahin ließ sich King zwischen den einzelnen Teilen sehr lange Zeit, aber zwischen der Veröffentlichung von Glas und Wolfsmond geschah etwas Entscheidendes im Leben des King. Bei einem Spaziergang in der Nähe seines Hauses wurde er von einem Lieferwagen angefahren und so schwer verletzt, dass er das Schreiben aufgeben wollte. Das tat er nicht, er ist einer der wenigen Besessenen, aber er machte sich Sorgen darüber, den Dunklen Turm niemals abschließen zu können, wenn er jetzt nicht dran blieb. Die letzten drei Bücher wurden deshalb in halsbrecherischer Geschwindigkeit geschrieben und veröffentlicht, alle innerhalb von zwei Jahren.

Dieses Tempo war in der Geschichte des Dunklen Turms bisher einmalig, und das zeigt sich auch in der Erzählweise der Geschichte, denn die letzten drei Bücher sind viel enger miteinander verknüpft als die vorangegangenen Bände. Es werden eine Menge Handlungselemente einbezogen, die zuvor entweder nur angedeutet oder überhaupt nicht vorhanden waren.

King verwendet in Susannah auch Konzepte, bei denen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität wirklich zu verschwimmen beginnen. Diese Wechselfälle scheinen in der Leserschaft ein eher laues Echo hervorgerufen zu haben, was allerdings auch daran liegen kann, dass sie gar nicht verstanden, was King tatsächlich tat. Zumindest fällt mir das immer wieder ins Auge, wenn ich mir einige Rezensionen durchlese.

Susannah – im Original „Song of Susannah“ ist Band 6 der Reihe um den Dunklen Turm. Roland Deschain, der letzte Revolvermann und sein Ka-Tet haben die Wölfe in Calla Bry Sturgis besiegt.

Ihr Erfolg war jedoch eher bittersüß, denn Mia, die Dämonin, die von Susannah Besitz ergriffen hat, entführte sie durch die UNBEKANNTE Tür. Schlimmer noch, sie nahm die Schwarze Dreizehn mit – eine magische Zauberkugel, die von Maerlyn geschaffen wurde, um dieses Tor zu anderen Welten zu versiegelt.

Durch die Magie der Manni und die angeborenen Kräfte des Ka-Tets reißen sie die magische Tür auf. Die Gruppe wird jedoch getrennt.

Pater Callahan, Jake und Oy werden 1999 auf Susannahs Spur geschickt, während Eddie und Roland ins ländliche Maine des Jahres 1977 geschleudert werden, wo eine von dem Mafioso Jack Andolini angeführte Gruppe bereits auf sie lauert.

King führt drei parallele Handlungsstränge durch das Buch. An erster Stelle steht die Geschichte von Susannah und Mia, deren einziges Ziel es ist, das Kind, das sie in sich tragen, zur Welt zu bringen. Obwohl Susannah die Mutter ist, wurde die Erziehung des Kindes Mia versprochen. Die Identität des Vaters wird für die meisten Leser jedoch ein Schock gewesen sein.

Susannah ist mit Sicherheit der komplizierteste der Dunklen-Turm-Romane, der ehrgeizigste und zweifellos der kühnste. Was wir bekommen, ist eine bereits detaillierte Serie, die eine zusätzliche Ebene der Tiefe erhält. Schließlich regt das gesamte Epos zu Fragen an, befeuert die Fantasie wie kaum ein anderes zeitgenössisches Fantasy-Werk und lässt den Leser immer wieder selbst über die erstaunlichen Situationen rätseln.

Wie der Titel schon andeutet, geht es in Susannah in erster Linie um die Figur der Susannah, die die letzte Phase ihrer übernatürlichen Schwangerschaft und ihren inneren Kampf mit dem Geist Mia durchlebt, der ohne ihr Wissen Besitz von ihr ergriffen hat, um ihr das Baby zu stehlen und aufzuziehen. Dieser geistige Kampf stellt für Susannah eine große Herausforderung dar. Aufbauend auf ihrem Hintergrund, der in „Drei“ erstmals dargelegt wurde, und gewürzt mit der Tatsache, dass sie nun die wilde Detta Walker als Teil ihrer Psyche und ihre neue Identität als Revolverheldin akzeptiert, lernen wir eine starke Person kennen, die bereit ist, für ihr ungeborenes Kind und für den Dunklen Turm selbst zu kämpfen. Ihre Handlung beinhaltet einen neuen Einblick in die Arbeitsweise des fast allgegenwärtigen Scharlachroten Königs und in die Ebenen, die die Antagonisten der Serie bereit sind zu beschreiten, um ihr Ziel zu erreichen. Susannah ist eine sehr persönliche Geschichte, die sich in erster Linie auf den Kampf zwischen einer Frau und ihren (im wahrsten Sinne des Wortes) inneren Dämonen konzentriert. Sie enthält alle Seltsamkeiten und faszinierenden Elemente, die wir an dieser Serie lieben gelernt haben, mit einem Ende das tatsächlich denkwürdig ist.

Unterstützt wird diese Hauptgeschichte durch die Erlebnisse von Eddie und Roland, die ihre Mission zum Schutz der Balken fortsetzen, um den Fall des Dunklen Turms zu verhindern. Unter anderem statten sie dem damals noch nicht so bekannten Stephen King einen Besuch ab, der aufgehört hat, am Dunklen Turm zu schreiben, nachdem Roland Jake in „Schwarz“ hat fallen lassen.

Ein kleinerer Teil der Handlung ist Jake und Pater Callahan gewidmet. Sie sind auf einer Such- und Rettungsmission, um Susannah zu finden, und so besteht ein Großteil ihrer Aktivitäten darin, ihren Spuren zu folgen. Es ist schade, dass ihnen nicht viel Zeit gewidmet wird, denn Jake ist ein fester Bestandteil der Serie und Callahan ist ein großartiger Neuzugang in der Geschichte.

Seit Beginn ihrer Mission hat Callahan Angst vor dem Tod, und er führt die letzte Ölung für Jake durch. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die Sköldpadda, die Susannah für sie zurückgelassen hatte. Mit der Schildkrötenfigur in der Hand, den Orizas, die sie aus dem Hotel mitgenommen haben, und der zuverlässigen Ruger stürmen Jake, Callahan und Oy das Dixie Pig und man denkt augenblicklich an Butch Cassidy & The Sundance Kid. Solche Referenzen sind im Dunklen-Turm-Zyklus wie wir wissen in erheblicher Zahl vorhanden und es bräuchte ein Lexikon, um sie alle unterzubringen.

Es gibt es einen starken Cliffhanger, der dem zwischen „Drei“ und „tot.“ in nichts nachsteht. Aber diesmal hat es nicht lange gedauert, bis man weiterlesen konnte.

Auch das eigentliche Ende des Buches ist starker Tobak und lässt den Leser sehnsüchtig darauf warten, herauszufinden, wie die Serie enden wird. Susannah ist in erster Linie ein Brückenroman, aber er bringt viele Elemente zum Tragen, auf die King jahrzehntelang hingearbeitet hat, und ist eine schöne Hommage an die Verrücktheit der Geschichte als Ganzes.

Die Erzählung endet zwar mit dem Eintritt von Mordred Deschain in die Welt, aber das Buch ist damit noch nicht zu Ende. Der Nachtrag „Seiten aus dem Tagebuch eines Schriftstellers“ beschreibt die Tagebucheinträge der Figur Stephen King aus den Jahren 1977 bis 1999, in denen er die Reihe von Abenteuern schreibt, die die Suche nach dem Turm ausmachen. Das Buch schließt mit einer Schlagzeile und einem Bericht des Portland Sunday Telegram, in dem erklärt wird, dass Stephen King gestorben ist – offenbar hat ihn der Lieferwagen, der ihn angefahren hat, wirklich umgebracht.

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