Die drei ??? und der Teufelsberg / William Arden

Der Teufelsberg

Wenn ein Autor eine Figur (oder mehrere Figuren) erfunden hat, die sich dann als dauerhaft herausstellen, kommt es immer wieder zu großen Konflikten, wenn die Fackel übergeben wird, meistens weil der Autor gestorben ist. Oft sind diejenigen, die mit dem Erbe des Werkes betraut werden, nicht in der Lage, gute Entscheidungen für das Franchise zu treffen, weil sie nur das Geld interessiert, das sich mit der Lizenzvergabe machen lässt. Wir kennen das von zahllosen Beispielen, ob nun bei Walt Disneys Imperium, Bob Kanes Batman oder Jerry Siegels Superman. Bei allen späteren Versuchen, eine geliebte Figur aus vergangenen Tagen weiter zu schreiben, dürfen wir nicht mehr den gleichen Standard erwarten, die das Original so erfolgreich gemacht hat. Die Qualitätslücke, die Arthur Conan Doyle mit seinem Sherlock Holmes hinterließ, ist wohl das berühmteste Beweis für diese These, auch wenn Kareem Abdul-Jabbar, John Dickson Carr, Colin Dexter, Mark Gatiss, Anthony Horowitz, Laurie R. King, Steven Moffat und zweifellos einige andere großartige Dinge mit den Bewohnern der Baker Street 221B anzufangen wussten.

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Die Detektive des Paranormalen

Wir haben bereits in einem anderen Beitrag über die „okkulten Detektive“ gesprochen und streng genommen sind sie die Urväter all jener Ermittler, die sich in der modernen Urban Fantasy tummeln. Und vielleicht ist es diese moderne Umsetzung, die einen Trennstrich zieht, denn die okkulten Detektive hatten äußerst wenig mit dem zu tun, was moderne Detektive des Paranormalen leisten, obwohl auch ihre Fälle die Grenzen des Plausiblen überschreiten und sie sich ebenfalls in die gespenstischen Bereiche des Paranormalen vorwagen. Ihre Heldentaten beschränken sich nicht auf die Grenzen der physischen Welt, sondern überbrücken die Kluft zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten, dem Greifbaren und dem Ätherischen.

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In den Korb niesen: Die Guillotine

Guiilotine Ohrringe

Diese vergoldeten Guillotine-Ohrringe von 1793 zeigen oben die phrygische Mütze als Symbol der Freiheit und unten die gekrönten Köpfe des enthaupteten Königs und der Königin. Mit 16.594 Hinrichtungen zwischen Juni 1793 und Juli 1794 wurde die Guillotine zum Symbol der Schreckensherrschaft während der Französischen Revolution.

Sie war sowohl metaphorisch als auch wörtlich zu verstehen.

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Das verschluckte Wort, das doch Gesang sollt‘ werden

Ich will es mir einbröteln
du ächzt und tremulierst
stöhnst und quinkelierst

Schon versaumbartet, versaumbeutelt
versandet’s im geweh trällernder tränen
man weiß nicht gleich, ob’s geheult oder
hingelacht aus dem lustroten rosenmund
aussteigt, auf der Zunge schnaltzt's

benutzt den rachenlappen als trambolin
und weiß noch nicht, ob es gesagt sich
nennen lassen will

Und als vom g'sang ich schon ganz blöd
sitz' ich da und hör’ noch nix
weil’s sich in dich hineinverschluckt

– da kann der magen zürnen

und der darm peitscht wie ein lindenwurm
statt dass du’s heute hast gesagt
musst du es morgen scheißen

Im Akt

Alles ist ein Akt, immer trägt er etwas anderes. Je mehr man spricht, desto stummer wird man. Je mehr man fragt, desto mehr antwortet man sich selbst. Nichts kommt zur Ruhe, nichts verwandelt sich. Alles bleibt Traum, von einem Moment zum nächsten.

Doch wie lange währt die Gegenwart? Sie scheint ewig zu dauern und vergeht doch zugleich. Wohin sie geht, sagt sie uns nicht. Wo sie verweilt, können wir nicht sein – Wanderer im unendlichen Äon.

Wenn ich keine Flächen mehr beschreibe, wachsen Blumen. Sie haben etwas zu geben, doch sobald ich mich nähere, werfen sie sich fort in ein dunkles, schwarzes Loch und sagen: „Es waren deine Worte. Folgst du ihnen, wird niemand wissen, wohin du gegangen bist. Tust du es nicht, bleibt dir nur das Warten.“

Ich muss hinaus. Heute scheint die Sonne, und ich spüre, dass ich hinaus muss. Mein Appetit kehrt nicht zurück, aber ich trinke viel Wasser. Es bleibt ein Vakuum, und mir gelingt es nicht, mich selbst zu beobachten, um herauszufinden, was ich tun soll.

Doch es ist notwendig. Ich muss mich zur Seite drehen, um nicht zu ersticken. Diese dunkle Phase ohne Worte, sie ist das Beben, das zeigt, dass man lebt. Ohne dieses Beben wüsste man es vielleicht nicht.

Schreiben ohne Hände – man könnte Schrift diktieren. Es gäbe immer einen Ausdruck, selbst mit den Augen, und letztlich mit den Gedanken. Doch wenn der Raum, aus dem das Schreiben stammt, geteilt wird mit dem, was zu empfinden wichtig ist, um die richtigen Worte zu finden, dann bleibt doch immerhin die Gefahr, wirklich stumm zu werden.

Worte sind mir gerade ein Gräuel. Nicht, weil ich sie nicht finden kann, sondern weil sie verschwinden, sobald ich sie gefunden habe. Sie verschwinden im Gesagten, werden übergangen. Zeichen helfen wenig, vielleicht bleibt nur der Klang.

Hitchcock: Eine Dame verschwindet

Szene aus "Eine Dame verschwindet"
Szene aus „Eine Dame verschwindet“, © Neue Filmkunst

Ich begrüße euch heute zu einer Buchbesprechung, die gleichzeitig eine Filmbesprechung ist. Das Interessante an Alfred Hitchcock ist nämlich, dass er einer der wenigen Regisseure war, die mit literarischen Vorlagen umgehen konnten und sie oft sogar besser gemacht haben als das, was im Buch stand. Ein solches Beispiel wollen wir uns heute genauer ansehen.

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Die anhaltende Faszination urbaner Legenden

Wir haben ein komplexes Verhältnis zur Angst. Einerseits versuchen wir, alles zu vermeiden, was uns schaden könnte, und lernen von klein auf, uns vor Gefahren zu schützen. Andererseits übt das Unbekannte und Unheimliche in der Dunkelheit eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf uns aus, so dass die Mutigsten unter uns diese Erfahrungen aktiv suchen. Ein Beispiel dafür ist unsere Begeisterung für urbane Legenden. Diese Erzählungen sind mehr als nur Geschichten – sie tragen das verlockende Versprechen in sich, dass in ihnen ein Körnchen Wahrheit steckt. Jeder kennt sie: Bloody Mary, der verschwundene Anhalter oder Krokodile in der Kanalisation. Weil sie uns in der Kindheit oft erzählt wurden, sind sie tief in unserem Gedächtnis verankert.

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Stadt der Mörder / Britta Habekost

Will man das Paris der 20er Jahre einfangen, steht man vor dem Problem, eines der schillerndsten Jahrzehnte der Geschichte vor sich zu haben. Der Geist der 20er war geprägt von einem allgemeinen Gefühl der Diskontinuität, das mit der Moderne und dem Bruch mit Traditionen einherging. Paris war das Zentrum der Moderne in Kunst und Literatur. Gertrude Stein drückte es einmal so aus: „Paris war der Ort, an dem sich das zwanzigste Jahrhundert aufhielt“.

Noch in meinen jungen Jahren war Paris ein nahezu mystischer Ort, den ich so oft besuchte, wie es mir möglich war. So ging es vielen Dichtern zu vielen Zeiten. Schuld war unter anderem der Surrealismus, und es gab eine Zeit, in der ich versucht war, jedes Buch über Paris zu erwerben, in dem der Surrealismus überhaupt nur erwähnt wurde. Britta Habekost hat nun mit „Stadt der Mörder“ einen Kriminalroman geschrieben, der nicht nur in Paris spielt, sondern auch die Gruppe der Surrealisten mit einbezieht. Zwar hat die Autorin unter anderem auch Heimatkrimis verfasst, aber das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass sie auch eine historische Ader hat. Als Britta Hasler hat sie bereits zwei Thriller im Wien der Jahrhundertwende angesiedelt, und das hat mich meine anfängliche Skepsis erst mal verlieren lassen.

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Hercule Poirot: Die kleinen grauen Zellen

Hercule Poirot gehört neben Sherlock Holmes zu den großen und wohl beliebtesten fiktiven Detektiven. Der zierliche und etwas pingelige belgische Detektiv wurde 1920 von Agatha Christie für den Roman „Das fehlende Glied in der Kette“ geschaffen und ist für seinen scharfen Verstand, seine komische Arroganz und seine Rolle in einigen der berühmtesten Krimis, die Christie je geschrieben hat, bekannt. Er hatte eine für fiktionale Verhältnisse lange Karriere und starb erst 1975 mit dem Roman Vorhang. Zwischen seinem ersten und seinem letzten Roman wirkte Poirot in mehr als 50 Kurzgeschichten und 30 Romanen mit.

Ähnlich wie Sir Arthur Conan Doyle seine Abneigung gegen Holmes zum Ausdruck brachte, begann Christie in den 1960er Jahren Poirot zu verachten und äußerte den Wunsch, ihn zu töten. Für die Leser ist es ein Glück, dass sie damit gewartet hat, denn Curtain gilt als einer von Christies besten Romanen, die sie gegen Ende ihrer Karriere schrieb. Interessant ist, dass die New York Times nach dem Tod der Figur sogar einen Nachruf auf ihn veröffentlichte. Es war das erste Mal, dass die Times eine fiktive Figur lobte.

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Die drei ??? und der seltsame Wecker / Robert Arthur

Der seltsame Wecker

Dieser neunte Titel der Drei Detektive und der vorletzte aus der Feder des Schöpfers der Reihe, Robert Arthur, zeugt vom vollen Vertrauen des Autors in seine eigene Erfindungsgabe, die er seit dem fünften Titel, Der verschwundene Schatz (1966), mit wachsender Meisterschaft unter Beweis gestellt hat.

Jeder dieser Fälle hat gezeigt, dass er ein besonderes Gespür dafür hat, aus etwas Ungewöhnlichem eine interessante Untersuchung zu machen – Papageien, die berühmte Zitate sprechen, seltsame Rätsel usw. -, aber die Verwendung der schreienden Uhr ist vielleicht die bisher einfallsreichste. Und das Beste daran ist, dass es nicht nötig ist, sich an fremde Orte zu begeben, wie es in den früheren Büchern Der grüne Geist (1965) und Die silberne Spinne (1967) mit mäßigem Erfolg der Fall war. Was hier geschieht, ist spannend und mehr als gut genug, um in den eintönigen Straßen von Rocky Beach zu spielen.

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