steinbruch 1

Die Sammlung

Geschrieben von A. Anders

Sie hat einen diskret versteckten Reißverschluss am Fuß.

Ich habe viele Fotografien, wenn Sie mehr brauchen.

Es gibt auch zwei Augenhaken und einen Draht zum Aufhängen.

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  • Der epikureische Garten

    Mag man sich an einen Aspekt erinnern, der, als er noch unverschüttet unser Wesen ausmachte, aufstieg, sich nicht besänftigen ließ: die Heimlichkeit des eigenen unfassbaren Rätsels. Ich war mir als Kind der höchste Philosoph, der mit den Dingen ringt, selbst zu diesen Dinge wird, anstatt sie nur zu greifen und zu untersuchen, wie es die spätere angelernte Distanz fälschlicherweise eine ›objektive Herangehensweise‹ nennt. Die Menschheit (und wir scheinen viel mit ihr zu tun zu haben) ernüchtert; nur ich selbst blieb betrunken, wie es die Götter allzeit gewesen. Das Unglück ach so vieler liegt an der Unfähigkeit, sich zu verweigern. Statt dessen geben sie ihr Fleisch dem Reißwolf der Konvention. Aber das Ringelreihen im Hain, wo wir neben den Weinquellen liegen könnten. Das Odeur unseres Schweißes (der epikureische Garten) scheint mir nach allem, was ich bereits angeschaut, das einzige Ziel zu sein. Nur im Liebesspiel können sich die Momente konservieren, nur darin werden sie unvergänglich sein. Ich erkenne nirgendwo, dass man die Welt entzaubert hätte. Die Brunnen sind gefüllt wie auch die Tassen, die Herzen schwellen an vom prallen Blut; ein Blick treibt alle Wolken aus dem Blau. Du nimmst Raum ein, dein Leib ist mir sinnlicher Gehalt. Kein anderes Mysterium, als über dich zu gleiten, kein anderer Wind als dein Atem, kein anderes Beben als dein Muskelspiel. Kein Zweifel, dass das Leben nur aus dir und mir besteht.

  • Gondel

    Hinter mir brillt die Sonne, schmähschmettert brennendheiße, achGott : knutheiße Fingerzippel vonner Wand wech aufmeim Rükken. Ich steh so da, so steh ich da & yep : uhu=riniere schlenkernd mitter Hüpfte in die Gondeln rein, pisseundpisse : in die Gondel rein, zwikk zum Schluss die Schinkenpacken (in der Mitte dark gefaltet) an=hei!=nander, um auch noch die kompleksbehafteten Droppen ausser Blase zu scharren – in die Gondel rein (schüttl mich nafreilich selber gut foll, lass den Haut-fleisch=Schlauch noch etwas in der goldnen Backblech=Wärme hängen, hängt ja gutest da). Du Gondel!

  • Unerwarteter Besuch

    Aus alten Aufzeichnungen: Kleewald hört förmlich ihr Erstarren. Der Auftrag ist leicht: Eine solche Matrone wird in erster Linie verblüfft sein, wenn er das Spiel beginnt und in dieser weinroten Robe mit Posamentenverschlüssen vor sie tritt. Zunächst will er jedoch abwarten, ob sie es tatsächlich wagt, aus dem Badezimmer zu kommen. Die Wohnung ist geräumig, ein richtiger Bungalow, in dem er sich sogar verstecken könnte, falls sie sich mit einer Schere oder einer Haarnadel dem Unbekannten stellen will.
  • Ich bin die Nacht: 4 Talon

    In früheren Epochen stand die Gemeinschaft voller Ingrimm um den gezwieselten Baum herum wie um einen Scheiterhaufen, das Vieh starb, die Freunde starben, das Land verödete: »Du stinkst wie deine Sünden!«, rief man im Chor. Damals. Ein Wort, das mächtige Welten aus der Vergangenheit herbeizitiert, als hier noch die Holzknechte drahtig und zerlumpt in ihren Hütten, aus Rinde gebaut, lagerten, um den gewaltigen Bedarf an Brenn- und Bauholz zu gewährleisten. Die pumpenden Essen der Hammerwerke verschlangen dabei genauso viel fruchtiges saftiges Tann wie die Glashütten. Außerdem benötigte man Bauland in dieser nahezu lichtungsfreien, waldreichen Gegend, in der fürstlich der Hof der Jagd huldigte oder ausritt, um sich in Ekstase zu bringen durch den Klang prallender Hufen, und demzufolge in recht guter Stimmung ins Schloss zurückkehrte, ob mit oder ohne Beute. Heute handelte man das Vergehen ohne Spott ab, ließ die Muse des Prangers walten, um den Talon zu vollziehen, und der Sünder sollte es für sich allein ausmachen.

  • Das Leben ist nicht immer ein Fest

    inspiriert wie eine trächtige Sau, Ferkel der Dichtkunst drücken auf die Blase, ich schneide die Intimbehaarung mit einer Nagelschere, pisse im sitzen, wie werde ich die Welt entgleiten lassen, die Zugmaschine anstoßen, damit sie den Rest allein erledigen kann, ich spüle
    (oh wie es rauscht in meinem Kopf)
    eine Kippe schwimmt ertrinkend Richtung Beckenrand, sie hat kaum noch Kraft, Schamhaarfetzen kringeln sich und hinterlassen im Wasser Abdrücke wie die Beine von Wassermücken
    (der Wolf sitzt nicht mehr dort)
    Bücke mich, bin mit der Scheißhausschüssel auf Du und Du, lasse das Bild auf mich wirken, Wasser sinkt langsam ab

    -Wieso zappelt der Füsch so
    die Kloake nähert sich wieder meinem Gesicht, unten am Rand hängt ein Rest Sauce fest, ich stelle mir vor, wie ich jemanden zwinge, diesen Rand sauber zu lecken, ich zwinge die Figuren, ihre Bestimmung aufzunehmen, bald, wenn ich hier fertig bin, René Crevel, der war Surrealist, er träumte und träumte und als es nichts mehr zu träumen gab, brachte er sich um
    (der Irrsinn lauert in jedem Bettkasten)
    sehr gut, ich habe ihren Namen vergessen, aber ich erinnere mich an ihr Postfach, gleich einen Brief aufgesetzt, von nun an schreibe ich Briefe
    (aber Semiramis ist nicht Myrrha, ist nicht die Frau in den Wolken)
    ich schreibe, Geliebte, ich schreibe an den Acker, die Bäume, ich schreibe

    -Geliebte
    die Reste, die wir zurücklassen nur ein Bild, nur uns nicht fern, Bewegung, die wir sind in einer staunenden Zeit, die sich selbst schon rühmt, der Liebe ihre Attribute beraubt zu haben, so schöne Körper nur nacktes kaltes Fleisch, wir aber, einander zugewandt, selbst wenn wir uns drehen sehen wir uns an, auch wenn wir gehen treffen wir uns wieder, auch wenn wir fallen durchdringen wir uns, und ein Trank fließt in uns, wir befeuchten die Lippen mit uns, ich möchte dich berühren mit Händen, die ich nur deshalb habe, um dich berühren zu können, damit ich deine Sinne streifen und in dir eine warme Glut entfachen kann

    -Geliebte
    dass ich dich mit jeder schönen Blume vergleichen will, lässt mich auf den Frühling warten in bald angespannter Form, in der ich jedweden Sonnenstrahl bei seinem Erscheinen für dich grüße, hinauszueilen mir erlaube in die unberührten Knosperien, deren wonnigem Schaustück ich bei ihrem Erwachen Gesellschaft leiste so als kämst du zu mir, wie dein Atem sammelt sich der Tau, dein Atem, der mich weckt aus jedem Schlaf, doch im Träume fest belässt, im Traum von dir so nah, daß du schon zu berühren bist von meinen flitternden Händen, ich muss mich kaum viel strecken, wie alles an dir süßem Honig gleicht, der noch in den Waben ruht, bewacht von herrschaftlichen Bienen, nur den für dich gelten lässt zu naschen, der dich berührt ohne dich zu halten auf deiner Reise durch den Blütenstaub, dich aber, Fernste, habe ich nie gehabt, wenn auch ich alle Anderen hatte, die dem Kohlenkeller eignen, die mir Romanzen tanzten und die mich dich vergessen suchte bevor ich dich noch kannte, so unerreicht, weil du wohl einem Stande zugesprochen warst, und unerreicht, weil all die Kurzweil, die dort an deinem Hofe dich umgibt, dich kaum über den Sänger denken lässt, der dich besingt, du aber, fernste, machst mir alle anderen Spreu, und so frage ich das Sternbild meines baldigen Grabes, ob ich nur zur Erde war, um zu erkennen, was für immer nicht für mich bestimmt

    -Das Leben ist nicht immer ein Fest
    ich dringe vor ins Absurde dieser Welt, halte mich an den Grenzen auf ohne Geld wechseln zu müssen, bemühe mich, zu beobachten, die Bewegungen sind grotesk, das darin Gesagte von einem ungleichmäßigen Sinn, man kann sich nie sicher sein, gelebt zu haben, oder, wie Márquez sagt, unser Leben ist nicht das was geschah, sondern das, was wir erinnern und wie wir erinnern, ich denke mir alle Menschen plötzlich weg, und in fünfhundert Jahren, wenn sich die Natur alles wieder zurückgeholt hat, wie etwa Palenque in Yucatan, dann stelle ich mir vor, wie Lloyd Stevens 1839 erstmals vor den Maya-Tempeln zu stehen
    (die Ängste, die mich beim Auffinden unserer Zivilisation überkämen, wären dann mein Indikator)
    auf diesem steinigen und dörren Anwesen in Hardheim im fränkischen Odenwald, dort sitz ein Mädchen

    -Oh Madeleine Ledoyen
    du trägst ein luftiges Kleid, ich wünschte, es wären Fetzen, als ich dich fand, da wartete ich auf das Täubchen, das ich für einen Engel hielt, als du mit mir gingst, erkannte ich Myrrha wieder, die du mir verschwiegst

  • Renate is fatsching yu

    Früher hoben wir alte Zeitungen auf, um das vermaledeite Feuer anzubekommen, wenn die krustigen Zahnstocher partout kein Wölkchen von sich gaben. Oder um auszugleichen, dass wir uns keine Unterwäsche leisten konnten. So eine Schlagzeile über der Mutterbrust sorgte nicht selten für Lacher, wenn man auf Hippie-Partys klein Kurt nach dem milchigen Gesöff schnappen ließ wie ein Bullkarpfen nach der Mücke im Wind. Die Ecken pulten wir dann immer zwischen die Fettfalten, damit ja nichts abrutschte. Auf die Idee, daraus Gedichtchen zu formen wären wir niemals gekommen. Häkeln, Stopfen und Nähen war unser Beruf, liebe Gendertussen – wenn ihr mir diese moderne Höflichkeitsfloskel gestattet! Hatten wir keine Wolle, trennten wir eben alles wieder auf. Heute eine Socke, morgen ein Pullover, übermorgen Handschuhe. Dem gedruckten Zeug einen Hauch altertümlicher Handarbeit zu verpassen, erfreut mein in die Jahre gekommenes Kümmerherz so sehr, dass ich mir gleich einen Dornkat erlauben werde, um mein Glück ja niemanden spüren lassen zu müssen. Denkt immer daran, liebe Dichterlein: Renate is fatsching yu!