Im Hause des (Beat 2)

… GEWASCHEN HATTE ER SICH IM TRUNKENEN BILDE DER NACHT EIN STÄNDCHEN DARZUBIETEN UNTER DEM RIESELNDEM FLIEDER DER SCHÖNEN BÄUERIN VERMACHTE DEN WEBERKNECHTEN IHRE ALTE PUPPENSTUBE FAND MAN JAHRHUNDERTE SPÄTER AUF DEM MOND GRÜNDETEN BIENENFRAUEN EINEN NEUEN STAAT AUF EINEM PAPIERFLIEGER ZU ERRICHTEN WÄRE DOCH KONSEQUENT INS FEUER ZU STARREN LIEBTE SIE MICH DOCH NUR SO WIE ICH SIE LIEBTE EINEN ANDEREN HANS DU HAST DIE GANS GESTOHLEN HATTE ER IHR NICHTS OBSCHON ER IHR PORTEMONNAIE IN DER HAND HIELT WÄHREND SIE NACKT AUF DEM BETT LAG UND SICH VERSUNKEN RÄKELTE SICH CATWOMAN IM TAUBENVERSCHLAG AUF DEM DACH DES HEXENBÜRGERMEISTERHAUSES SICH SATT DIE FEDERN AUS DEM MUND FISCHEND ERWACHTE LISBETH UND ERSCHRAK DOCH SEHR DARÜBER HÄTTE SIE NIE EIN WORT VERLOREN LAG DIE WELT VOR DEN TOREN DER HEITERKEIT WURDE EIN BLUTBAD VERANSTALTET ZU DEM GELADEN WORDEN WAR IN FESTLICHER GARDEROBE ZU ERSCHEINEN UM RECHT BALD DIE SITTE BEI TISCH ZU VERGESSEN DIE EINEN DOCH VERMEINTLICH VOM TIER UNTERSCHEIDEN SOLLTE ER SICH NICHT SONDERLICH HELL HIER IM SCHACHT DER PYRAMIDE DACHTE DER WELTENERKUNDER NOCH BEVOR ER EINSCHLIEF FIEL IHM DIE FRAU MIT DEM KOPF EINER ESELIN EIN DIE IHN AM FLUSS ZU SICH GEWUNKEN HATTE RUPERT DIE GEISTER DIE IHM HINTER IHM IM SPIEGEL ERSCHIENEN IHM ALLE GESICHTER GLEICH DEM SEINEN AUCH DAS SEINER FRAU DAS IHN AN EINEN VOGEL ERINNERTE DER LÄNGST AUSGESTORBEN WIRD MAN UNS AUSGESTOPFT IN EINEM TEMPEL AUF GLIESE 832c BETRACHTEN KÖNNEN WIR UNS EIN ANDERMAL GENAUER UM EIN ANDERES MAL ZU ENTDECKEN ZU VERSUCHEN DAS UNS VERRÄT WAS WIR SIND AUS DEM WASSER GEKROCHEN WIE SCHÖNE REPTILIEN UNS VOR AUGEN ZU HALTEN ES WÄRE ANDERS ENTSPRÄCHE VIELLEICHT NICHT GANZ DER WAHRHEIT KOMMT ES SO NAH WIE NIEMAND SONST MIT SEINEN ZÄHNEN IN DAS FLEISCH DER ZEIT ZU TAUCHEN WIR TIEFER WERDEN WIR UNS VERWANDELN DIE DINGE DIE WIR UNS ERFANDEN GÖTTER DIE WIR UNS ERFANDEN UNS ZU UNTERHALTEN DAMIT WIR FALLHÖHEN UND LEITERN ERFINDEN KONNTEN WIR WAS WIR DENKEN KONNTEN ALLES ANDERE BLIEB UNS UNSICHTBAR WIRD UNTER UNSEREN PRÄPERATEN AUF GLIESE 832c STEHEN ZWEI TÜRME NAH BEIEINANDER SIND SIE KAUM MEHR ZU UNTERSCHEIDEN VOM ANDEREN GESPIEGELT ZU WERDEN ÄNDERT DAS GESICHT KAM MIR BEKANNT VOR DEN ALTAR ZU TRETEN WÜRDE BEDEUTEN SICH WAS ANZIEHEN ZU MÜSSEN UND DEN REISIGBESEN ZU HAUSE ZU LASSEN WIR DOCH DIE SCHERZE …

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  • Zurück im Laboratorium

    Als Cornelius das Laboratorium betrat, galvanisierte der Meister Vollpferd justament seine Augäpfel.
    “Du erscheinst mir jetzt rot!” rief er dem jungen Alchymisten zu. “Was wohl, wenn ich die Stromstärke steigere? Es ist gerade so, als ob man dich in dein Gegenteil verkehrte!”
    “Ich glaube viel mehr, dass ihr bald erblinden werdet mit all den Volta-Experimenten! Die Weltformel, das ist allein die Liebe!”
    “Das spricht nicht dein Kopf und schon gar nicht dein Herz, wie du glaubst! Die Lenden sinds.”
    “Ach, und wenn”, sagte der Cornelius müde ob der frischen Begegnung mit dem diabolen Keksedieb, worüber er eigentlich das Wort führen wollt, und warf sich auf die staubbelasteten Polster.
    “Es findet sich in allem alles!” Meister Vollpferd blitzelte und brutzelte. “In dir ist bereits das Müde und Schlaffe sichtbar, so wie in mir die Ungeburt, der Impuls und Drang zum Leben hin, noch fleischlos, rein und – sozusagen – der Gedanke daran. Alles was wird und noch nicht ist, oder vielleicht niemals sein wird. Denn, was ist aus all dem geworden, frage ich, das niemals wurde! Das, mein lieber Cornelius, muss schließlich auch irgendwo sein.” 

  • Ich bin die Nacht: 12 Hohenner will die Augen

    Richard beachtete den vor Nervosität tänzelnden Roland nicht, als er einen einzigen Satz zwischen seinen strichartigen Lippen zerquetschte. »Das warʼs«, sagte er, als wäre eine langfristige Arbeit nun endlich erledigt. Dann stapfte er in seinen gumpelnden Gummistiefel, in die er die Röhren seiner braunen Latzhose gesteckt hatte, auf den Wendenschuch-Baum zu, drehte sich zu den anderen um, die sich nicht rührten und nur beobachteten, wie der Fliegenschwarm um seinen Kopf herum brauste und sich Richard Finner dadurch in den Beelzebock verwandelte. Ein von Schwärmen umgarnter Georges Gurdjieff (die Ähnlichkeit nämlich war nicht zu leugnen). Er befahl Erich, den Doktor zu holen, und das ein bisschen plötzlich, wandte sich dann seinem toten Sohn zu und achtete darauf, nicht auf das Gekröse zu treten. Dann zückte er ein Messer, das er in einer Lederscheide an seinem Gürtel hängen hatte und schnitt das Seil durch. »Und bring auch eine Schubkarre mit!«

    Statt vornüber zu kippen, rutsche Helmuts sterbliche Hülle ein Stück am Stamm hinunter und fiel dann zur Seite. Mittlerweile sah die Leiche aus wie eine Strohpuppe, wie sie immer im Mai vor dem Haus verbrannt wurde. Erich rauschte wütend davon, aber er widersprach nicht. Obwohl es nicht seine Angelegenheit war, stand ihm nicht der Sinn danach, eine Diskussion zu entfachen. Nicht in dieser beschissenen Situation, denn es gab da ein Geheimnis zwischen ihm und diesem Teufel, der den Honigpott besaß, aus dem er sich selbst schon bedient hatte. Er wollte nicht riskieren, dass er mit unterging, falls das alles einmal herauskommen sollte. Aber noch weniger wollte er riskieren, nicht mehr davon naschen zu dürfen.

    Trotzdem fand er eine Möglichkeit, seine Wut auf sich selbst zu mindern. Er entdeckte Roland, der immer noch hinter diesem Baum vor dem Trampelpfad stand und begierig jedes Detail in sich aufnahm, ging schnaubend auf ihn zu und schlug noch im Gehen mit der Faust ins Gesicht. Die ganzen zwölf Lebensjahre wichen aus Rolands Augen, als seine Nase in einem Feuerball explodierte und er zu Boden ging. »Du kommst mit!«, knirschte er, hielt aber nicht eine Sekunde inne, sondern marschierte den gewundenen Weg hinunter zur kasernenartigen Anlage, in der sie alle lebten. Roland rappelte sich auf und torkelte schniefend hinter seinem Vater her. Durch die Nase atmen war von jetzt an erst einmal vorbei. Gar nicht auszudenken, wenn das mit der Münze …

    Etwa zwei Stunden später tauchte Dr. Sebastian Hohenner mit einer Ledertasche auf. Der Hemdkragen schnürte in seinen wuchernden Hals hinein. Er blickte verdrießlich, als er ganz allgemein fragte, was hier eigentlich los sei. Manfred war unten am Feldweg geblieben, um zu verhindern, dass es noch mehr Zeugen gab. »Das waren die Wölfe«, erläuterte ihm Finner das Gemetzel. Hohenner blickte sich erst einmal um, wobei sein Blick an keinem bestimmten Ort verharrte. »Aha!«, sagte er. »Wurden sie gesehen, diese Wölfe?« Darauf antwortete niemand. »Was glauben Sie also, was ich hier mache? Haben Sie die Polizei verständigt?«

    Als wieder niemand antwortete, fuhr er fort: »Das habe ich mir gedacht.«

    »Wir wollten erst sehen, was Sie dazu sagen.« Richard kratzte sich am Kinn und blickte dann zur Fliegeninvasion hinüber.

    Die aus dem Gesicht ragenden Augenbrauen Hohenners sprengten nach oben. »Was haben Sie hier eigentlich veranstaltet? Am Telefon sagte man mir, es hätte einen Unfall gegeben, aber das da drüben sieht mir nicht nach einem Unfall aus. Soll ich es mir wirklich ansehen, was meinen Sie?«

    »Vielleicht können Sie ja den Totenschein ausstellen.« Richard begleitete den Arzt, dem sein wütender Blick angeboren schien, zur Esche, an der das Blut jetzt braun und festgebacken war. Der Gestank stand wie unter einer Käseglocke, aber niemand reagierte darauf. Einige Meter vor Helmuts Überresten entfernt blieben die beiden Männer stehen. »Was zum Henker?«

    Richard zuckte zusammen. »Das müssen die Wölfe gewesen sein!«, sagte er und wirkte dabei nicht wenig debil.

    »Das … scheint mir etwas abwegig, und ich glaube, Sie wissen das auch!«

    Im Hintergrund nutzte Roland die Gelegenheit, den Boden abzusuchen. Niemand achtete auf ihn.

    »Sehen Sie die Rostblättchen?« Der Arzt ging in die Hocke, zog einen Gummihandschuh aus der Tasche seines Wollsakkos und fuhr mit den Fingern an den Rändern der Bauchwunde herum. Richard sah ihn düster an.

    »Wie kommen Sie denn auf Wölfe?«

    »Wer sollte so eine Verrücktheit sonst veranstaltet haben?«

    »Erstens gibt’s hier keine Wölfe mehr, und schon gar nicht im Sommer, zweitens hantieren Wölfe nicht mit einer Säge herum, und drittens holen sich Wölfe nur etwas, wenn sie Hunger haben. Wer immer das hier getan hat, dem ging es nicht um Nahrungsaufnahme.«

    Im Traum ist alles Gegenwart. Jedes Erwachen zieht fürchterliche Konsequenzen nach sich. Die Elemente des Traumes pressen sich zu einem verschwindenden Punkt zusammen, drücken von innen gegen die Augäpfel, bevor sie, von Blutkörperchen aufgegriffen, in den Verdauungstrakt befördert werden, als wolle sich der Körper augenblicklich von aller Illusion befreien, so gering sie auch immer scheinen mag. Es sind nur Bruchteile von Sekunden, die darüber entscheiden, wo und wie man aufwachen wird, langgestreckt oder kauernd. Jede Nacht verändert die Struktur des Denkens.

    »Gut, von mir aus, aber die Bisse … «

    »Stammen von menschlichen Zähnen. Und die Zunge …« Hohenner fingerte in der Mundhöhle herum, gefüllt mit gestocktem Blut, als wäre Helmut an Schokoladenpudding erstickt. »Die hat jemand abgeschnitten und vermutlich mitgenommen, oder haben Sie irgendwo eine Zunge gefunden?« Hohenner erhob sich, wedelte ein paar Fliegen aus seinem Gesicht, und sagte laut, dass es auch Ludwig mitbekommen konnte: »Meine Herren, das hier ist ein Tatort. Ich kann hier keinen Totenschein ausstellen. Der junge Mann wurde ermordet. Will mir jemand erklären, was diese Seile zu bedeuten haben?«

    Es stank nach Senf, Mosterd, Moutarde, Mustard, den man in Dijon nicht mit Essig sondern mit unreifen Trauben bespritzt, den pubertären Reben, die aufgrund ihres Quotienten die Aufnahmekriterien zum Wein nicht erfüllen können.

    Richard tat sich schwer damit, von einem alten Ritual zu sprechen, von dem er selbst nicht genug wusste, das sich aber im Laufe der Zeit als praktisch erwiesen hatte, auch wenn man es kaum mehr nutzte. Die Zeiten der Moderne rückten immer näher und würden bald eine tote Erde hinterlassen haben, die niemand mehr düngt. »Das hier ist unser Sühnebaum, Hohenner! Hier regeln wir unsere häuslichen Angelegenheiten.«

    Der Arzt starrte Richard verblüfft an. »Aber das sind keine häuslichen Angelegenheiten mehr!Damit haben Sie jetzt ein Problem, bei dem ich Sie nicht unterstützen kann. Ich kenne derartige Geschichten natürlich. Wir sind hier sehr weit vom Schuss, wie wir alle wissen. In Hebanz hat vor Kurzem eine Mutter ihren Sohn mit der Zunge an der Tischplatte festgenagelt, weil der sich nachts aus dem Haus schlich, um Zigaretten zu rauchen, die er ihr gestohlen hatte. Ich habe ihn verarztet. Schwamm drüber. Aber das hier ist etwas völlig anderes. Das ist Ihnen doch klar?«

    »Wenn Sie es nicht ausplaudern …« Der Satz war kaum zu hören, so leise kam er aus Richards Mund. Manch gefährlicher Ton bahnt sich sanft seinen Weg.

    »Was?«

    Richard fuchtelte in einer hilflosen Geste mit den Händen in der Luft herum, als wolle er ein Bild dort malen. »Sie sind hier, weil wir dachten, Sie würden sich um die Angelegenheit kümmern, und zwar ohne dass wir hier bei Stahlnetz landen. Einen Totenschein wollen wir von Ihnen, in dem steht, dass mein Sohn von Wölfen angefallen wurde.«

    Hohenner sah ihn an, als hätte er völlig den Verstand verloren. Dann sagte er gefasst: »Selbst wenn es so wäre, wie Sie es wollen, müssten wir die Polizei verständigen. Bei jedem Todesfall übrigens, der einige Zweifel aufwirft. Herrgott, wissen Sie das denn nicht?« Dann warf er seine grimmigen Blicke auf Ludwig. »Und Sie? Sie wissen das auch nicht?«

    »Wir werden die Sache regeln. Aber wir müssen es auf unsere Weise tun«, sagte Ludwig.

    »Und was war mit dem Sturm 1971!« Richard verschluckte sich fast an diesem nahezu brutal herausgespuckten Satz. »Ramelow und dieser andere Kerl?«

    Der Arzt sah überrascht von einem zum anderen. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden Fälle etwas miteinander zu tun haben.«

    »Laut Frankenpost haben Sie damals gesagt, es handle sich um die Bissspuren eines Wolfes.«

    Hohenner seufzte, Luft ging durch seinen Körper. »Ich habe damals gesagt, es handle sich um ein Tier mit einer enormen Bisskraft, und das …« Er deutete hinter sich, »war verdammt noch mal kein Wolf.«

    »Sie wissen, wie viele Menschen in den letzten Jahren einfach verschwunden sind.« Richard wechselte offensichtlich das Thema. »Ich meine, interessiert das überhaupt jemanden? Das hier ist schlimm. Sehr schlimm. Aber wir regeln das eben auf unsere Weise.«

    Hohenner sah ein paar Minuten nachdenklich drein, hielt sein Kinn mit der rechten Hand fest und stakte, scheinbar tief in sich versunken, auf der Lichtung herum. Richard und Ludwig sahen sich an. Es war kaum zu merken, dass sich die beiden Männer spinnefeind waren. Der Arzt blieb abrupt stehen, richtete sich auf, klatschte in die Hände und sagte: »Also gut. Ich will die Augen!«

  • All die toten Dichter (1)

    Wenn das Scheiterfeuer ausfährt, Arme in die Luft walzt und sündengeschwärzt die Grasnaben höllenheiß anlangt, trocknen die schweißverzerrten Gesichter, fallen in sich zusammen, blähen sich neu auf. Mit den Lippen springend führt die Hand den läppischen Wein zum Maule der offenen Kehlen. Aber auch Mineralwasser stehen bereit : Pyrmont, Eger, Karlsbad, Sauerbrunn, Seltz, Fachingen. Aus dem rembrandtschen Feuer hallen Rufe : Man will ins Diesseits brechen, die Aufgabe ist durchaus groß; so sind zwar die Gestalten der langen Nacht nur Boten, die Nachricht aber ist dringlich.

    Da also verlassen sie ihre Schatten wie Pflaumen, die von Bäumen purzeln. Es sind all die toten Dichter und sie fordern ein Buch. Nur Goethe, der Verächter noch im Jenseits, fehlt. Dafür steht der kopflose Schiller Spalier gleich neben Richter, der mich, seinen Landsmann, neugierig anschielt.

    Für diesen seltsamen Besuch habe ich mir einen Vorrat angelegt: Bärendreck, Hefekringel, Puffmais, Rahmstrudel, Zuckermus, Süßholz, Knusperflocken, gedeckte Apfeltorte, Molossol, „verlorene Gier“, Knuddelflecke, Buttensuppe, Pumpernickel. Für ein Bade sind’s zu viele der entrückten Musensöhne. Wer hätte nicht schon gern mit den Geistern der Vergangenheit Zeit in einem Nymphenkübel verbracht? Doch ich befinde mich in der Umgebung nur schlumpiger Moderne, wo Haarhecken und von der Schere abgenagte Nägel dem Abguss regelmäßig einen Pfropf aufsetzen.

  • Schaufenstergefrierungen

    Fresko: Es gibt die vielen Ungereimtheiten beim Anblick einer Szene wie dieser. Ich meine das Steingesicht, das seine Schatten über die Narben wölbt.
    Zugig plempert die Sonne durch den Tag, in Lichtspitzen gekleidet das gelbe helle Ding, verströmt ein Plemper-Leuchten in dieser saumseligen Jahreszeit, Kräuterasche trägt träge Windes Algebra vor. Verfrorene Hüte bedecken wärmend Köpfe, damit diese eben nicht auch angefasst von Kältefingern in den nächsten Hauseingang stolpern müssen, den Regenabprall vor Schaufenstergefrierungen jedoch können sie nicht halten; wie im Spiegel daheim winkt da einer hinter mir mit kunterbunten Wollhandschuhen, ein sportliches Grinsen im ganzen Gesicht, ein Ballon mit Haarverlust sein Kopf. Falten, tief eingeprägt wie die Exerguen auf den karthagischen Münzen. Ich schließe mich an, denn die Bäckerei ist berühmt dafür, nächtliche Stürme wieder in die Flasche locken zu können, aus der sie zwar jeden Abend wieder entkommen werden, aber für den Moment …
    Sonnensoll und Sonnenzins (zwölf Uhr mittags auf der Nachtseite des Mondes) backt die Erde jetzt doch frisch auf. Semmelbrand breitet schwarze Schwingen über raubmordende Täler. Libellenwaben, windelblau und aufgefaltet, flippern mit den neuesten Bällchen, die jüngst in das Sortiment aufgenommen wurden. Lupinenhonig, spreizgeblümt, steht auf jedem Tisch. »Täterätää!« Die Zungen betreten den Saal durchs Aluminiumtürchen neben dem Toilettentrakt. Es wäre mir auch diesmal ernst gewesen, aber ich erwache jedes Mal und frage mich, wo diese Bäckerei wohl steht. Die Antwort ist immer dieselbe: in meinem Labyrinth, das aus Schenkeln besteht, nackte weiße Haut, Mandarinenduft.

  • Bartholomäus: 5 Wie kam die Dunkelheit zustande?

    Als sie den Schrei vernahmen und sahen, wohin Roland deutete, riss Ludwig sein Lasso von seiner Gürtelschnalle und sprintete augenblicklich los. Sie waren gerade so weit gekommen, um zu erkennen, dass keiner die beiden Toten kannte, was einerseits eine Erleichterung war, andererseits die Sache schwieriger machte, denn Fremde würde man unweigerlich suchen. Ludwig sah Bartholomäus vor sich, der keine Anstalten machte, sich von der Stelle zu bewegen, so als erwarte er ganz gelassen sein Schicksal. Hinter ihm klirrte Richard mit den Messern und kam ihm hinterher geeilt. Doch plötzlich geschah etwas Merkwürdiges. Es wurde dunkel, und zwar in einer Geschwindigkeit, als knipse jemand das Licht in einem Wohnzimmer aus. Eingerahmt von Haselnuss, Wacholder und Vogelbeere stand Bartholomäus wie eine Vogelscheuche still und blickte zum Himmel hinauf. Sein Gesicht war eine blasse Menschenscheibe, die Haut gegerbt, von Rundschuppen überzogen. Ludwig konnte ganz deutlich die Fischaugen erkennen, den Haken unter einer verkümmerten Flosse. Er ließ das Lasso kreisen, obwohl er doch sichtlich irritiert war.

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  • Mistrabella

    Tief hängen die Decken des Hauses, festgestampft wie der Gartenboden, der sich rund um das Haus findet, und auch wie der Gartenboden zeugen Fußspuren von verdreht angelegten Wegen. Teekessel baumeln an Ketten, in ausgehöhlten Hühnerköpfen leuchten Kerzen durch Augen und aufgesperrte Schnäbel, die Wände krummer Lehm. Katzen schleichen um Porzellanaccessoires herum, die auf Regalen und bemalten Schränken einstauben. Esrabella wartet auf Bartholomäus, der seine Träume nicht versteht, der ihnen aber dennoch folgen wird.

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