Das Porzellanmädchen


Da er kein Ziel hatte, wäre es auch nicht wirklich ein Umweg gewesen, aber die Figur winkte ihn zu sich heran. Von da, wo er stand, sah sie aus wie eine alte Gänsemagd, ein Sommerhütchen auf die orangeroten Locken mit einer roten Schleife gebunden; ein weißer Wickelrock – oder was immer das sein sollte – begann unterhalb eines ebenfalls roten Jäckchens, das über einer weißen Bluse geschlossen den Gesamteindruck der Halluzination verstärkte. Nicht wegen der Kleidung an sich – über Moden konnte er sich nicht viel Meinung machen –, sondern weil das Mädchen aussah, als wäre es aus Porzellan.

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  • Lilith

    Geschrieben von A. Anders

    Ich bin, von dir genommen,
    in den kleinsten Winkeln deines Raumes daheim.
    Meine schwarzen Augäpfel
    sind die Dunkelheit der Welt gewöhnt.
    Kein Augenweiß. Nichts Irisierendes,
    das isoliert betrachtet werden kann und will.
    So hocke ich einfach da
    und nehme wahr,
    wie ein Haus Zeit konserviert.
    Mein Mund, eine Melasse, die Fliegen fängt.
    Denn das, was sie nicht fängt, wirft
    sie auf Wunden. Ins hypnotische
    Meer der Mütter greift meine Seele fingerlang.
    Das immer Kleinste der Kleider
    ist ins Nichts geweht, an den Rändern
    verwoben mit mir. Ich wringe,
    stehend im weißen Sand,
    mein Kleid, dein rotes Meer.

  • Heliose

    Geschrieben von A. Anders

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