Das Geheimnis um Mozarts Requiem

Wenige Geschichten in den Annalen der Musikgeschichte sind so von Geheimnissen und Intrigen umwoben wie die Geschichte von Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem. Das in den letzten Monaten von Mozarts Leben komponierte Werk ist nicht nur ein Meisterwerk, sondern auch ein ergreifendes Symbol für sein vorzeitiges Ableben. Die Umstände seiner Entstehung – geprägt von Geheimniskrämerei, Misstrauen und schließlich Tragödie – haben das Requiem als ein Werk von unvergleichlicher Schönheit und mythischer Anziehungskraft unsterblich gemacht.

Das Jahr 1791 war für Wolfgang Amadeus Mozart wie eine dunkle Dämmerung, in der sich das Licht des Lebens mit flüsternder Dringlichkeit verabschiedete. Wien pulsierte im Glanz seiner Vergnügungen, doch hinter den verschlossenen Fenstern seines Hauses kämpfte Mozart gegen unsichtbare Lasten – Krankheit, Schulden und die unausweichliche Vorahnung des Todes. In dieser Phase der Verzweiflung trat eine Gestalt in sein Leben, die ebenso fremd wie unheimlich war und die ohnehin brüchige Grenze zwischen Wirklichkeit und Mysterium völlig auflöste.

William James Grant (1829-1866), Portrait von Wolfgang Amadeus Mozart (Salzburg, 1756 – Wien, 1791) (Photo By DEA / A. DAGLI ORTI/De Agostini/Getty Images)

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Alfred Hitchcock: Der Fremde im Zug

Einer der berühmtesten psychologischen Kriminalfilme, die Hitchcock je gedreht hat, ist zweifellos „Der Fremde im Zug“ (Strangers on a Train), die Verfilmung des ersten Romans der Krimiautorin Patricia Highsmith, die 1951 in die Kinos kam. Auch wenn der Film im Laufe der Jahre von vielen Filmwissenschaftlern als Hitchcocks bahnbrechenden Filmen wie „Vertigo“ oder „Das Fenster zum Hof“ unterlegen eingestuft wurde, blieb die fesselnde Geschichte zweier Menschen, die sich in einem Zug treffen und über die Durchführung eines perfekten Mordes diskutieren, für Filmfans in aller Welt ein beliebtes Thema für Analysen und Debatten. Was Strangers on a Train von ähnlichen Filmen selbst innerhalb des Hitchcock-Kanons unterscheidet, ist die faszinierende Idee, die im Mittelpunkt steht – das Motiv des Doppelgängers, der innere Kampf zwischen Gut und Böse in jedem Menschen – sowie die beeindruckende technische Virtuosität, an die wir uns gewöhnt haben, wenn wir über die Werke des britischen Künstlers sprechen.

Der Fremde im Zug

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Rocky Beach oder das Altern der Popmythen

Es gibt Figuren der Popkultur, die nicht altern dürfen. Sie leben in einer Art erzählerischer Gegenwart, die sich über Jahrzehnte hinweg stabil hält. Genau darin liegt ihr Geheimnis. Während Generationen von Lesern älter werden, bleiben diese Figuren unverändert: Sherlock Holmes bleibt immer der Detektiv der Baker Street, Tarzan der Herr des Dschungels – und Justus, Peter und Bob bleiben die drei Jungen aus Rocky Beach. Ein Erinnerungsraum, in dem auch unsere eigenen Abenteuer gespeichert sind, denn irgendwo da draußen gibt es uns noch in einem kindlichen Alter – und wenn „die Mumie flüstert“ halten wir dort den Atem an als sei das das erste Mal.

Die Graphic Novel Rocky Beach von Christopher Tauber und Hanna Wenzel setzt genau an diesem paradoxen Punkt an. Sie erzählt nicht einfach eine weitere Episode aus der Welt der Die drei ???, sondern stellt eine stillere Frage: Was geschieht mit einer fiktiven Welt, wenn ihre Leser älter werden?

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Würfel, Wahnsinn und Wahrheit – Die dunkle Legende von Dungeons & Dragons

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Die erste Ausgabe von D&D

In den frühen 1970er-Jahren, irgendwo in einem bescheidenen Wohnzimmer im Mittleren Westen der USA, schrieben ein paar Männer Geschichte – ohne es zu ahnen. Gary Gygax und Dave Arneson erschufen mit Dungeons & Dragons nicht nur ein Spiel, sondern eine neue Art des Geschichtenerzählens. Sie brachten etwas in die Welt, das mehr war als Würfel und Regeln, mehr als Tabellen und Miniaturen. Sie riefen eine Welt ins Leben, die jenseits des Sichtbaren lag – ein Reich aus Schwertern, Zaubern, Drachen und Heldenmut. Und sie legten damit den Grundstein für eine Kultur, die bis heute wächst.

D&D entstand aus der Leidenschaft für Strategiespiele, Fantasy-Literatur und mittelalterliche Geschichte. Ursprünglich war es eine Erweiterung zu einem historischen Kriegsspiel namens Chainmail, das mit Fantasy-Elementen angereichert wurde – Magie, Monster, Mythen. Bald lösten sich die Geschichten von ihren historischen Wurzeln. Der Fokus verlagerte sich vom militärischen Taktieren zur individuellen Erfahrung: Spieler erschufen Figuren mit Namen, Hintergrundgeschichten und eigenen Zielen. Es war der Beginn des Rollenspiels, wie wir es heute kennen.

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Eskapismus

Lesen ist wie Reisen. In beiden Fällen verlässt man für eine gewisse Zeit seinen Alltag, kehrt erholt und im besten Falle begeistert zurück und bekommt dadurch eine neue Perspektive geliefert. Wenn Lesen Eskapismus ist, dann frage ich mich, warum Reisen das nicht weniger sein sollte. Der Vorwurf des Eskapismus kann nur von bösartigen und teuflischen Leuten vorgebracht werden. Das erinnert mich an denkwürdige Aussagen wie: „Furcht vor dem Feind“, oder „Fahnenflucht“, Begriffe der Kriegsmaschinerie und von Leuten, die wir heute zurecht aus tiefstem Herzen verachten. Das Gegenteil von Flucht ist Angriff. Sollte man wirklich die möglichen Macher der „Realität“ angreifen? Das halte ich für närrisch. Eskapismus ist die einzige Form des empfindsamen Menschen, in dieser Hölle, die uns umgibt, zu überleben. Und das sollten wir; wir sollten überleben.

Zirbelkiefer

wie – und das frage ich mich wieder – soll man die Dinge sehen
und erkennen und ordnen, wenn man sie nicht beschreiben kann
und wie soll man sie beschreiben können, wenn man sie nicht
sieht wie sie sind sobald man nicht dazu übergeht, seinem Auge
einen Stift zu verpassen und überhaupt das Auge auszutauschen
gegen ein inneres Konstrukt wie etwa der Zirbeldrüse
die dann sieht, was an der Aufhängung des Bewusstseins
vor sich geht

nur ohne Geschmack und derlei anzuwenden

aus ihr entweicht nichts, wie aktivieren?

eine Höhle war das erste, das mir auffiel
aber wie so oft war sie ein imaginäres Ziel dessen
was ‚auch‘ hätte sein können
die Wahrscheinlichkeiten
immer die Wahrscheinlichkeiten
es waren nicht selten die letzten Mohikaner die ich anführte

Sperrgut

die Gestalten trieften als unsere Sonne erklang
auch schon nah das Pferd, das einstige Steppentier
aus dornigen Winden gereift. Jetzt auf zu
einer Hochburg, neben den Zinnen dehnen sich Lücken
als Krähe umschwebt man sie leicht, als bloßer Blitz
verfehlt man sie. Der Staub wurde sich seines Wesens bewusst
und die Ziele keiften sich stetig an ob des Gelingens
außerordentlicher Figuren, die man schon die morsche Treppe –
ums Eck wird’s wirklich eng, so eine Fuge, ein
unmöglicher Raum, in sich abgeschlossen durch Sperrgut

Willkommen auf Musgrave Hall

Bouquinist

Während Nationen weltweit gute Literatur zu schätzen wissen und sie in allen Erscheinungsformen konsumieren, gibt es in unseren Breitengraden leider noch immer eine erstaunliche Unkenntnis und Ignoranz gegenüber einem Medium, das weltweit einzigartig ist. Und es sind die Leser selbst, die sich immer etwas wegzuducken scheinen, wenn es um den Heftroman geht, so als würden sie akzeptieren, dass man ihre Leidenschaft als etwas minderwertig betrachtet wird.

Und nicht nur das, selbst Autoren versuchen einer völlig veralteten Ansicht über Realitäten Rechnung zu tragen, in dem sie den Unglauben herausstellen oder der Unmöglichkeit des Plots Rechnung tragen. Das führt zu einer Verzerrung, die als „typisch deutsch“ betrachtet werden kann, so als wisse man um sein Laster und hoffe auf das Verständnis für diese angebliche Schwäche. Das ist die einfachste Art, die Herkunft des Textes zu erkennen. Internationale Autoren hingegen interessieren sich nicht für eine wie auch immer geartete deutsche Apologetik, die bei Lesern und Autoren gleichermaßen mitschwingt – sie schreiben, als wäre das, was sie erzählen, das normalste auf der Welt. Weiß man um diesen Aspekt, erkennt man leicht, warum gerade durch dieses merkwürdige Verhalten und Understatement die Prophezeiung eines „minderwertigen Mediums“ dann eben doch erfüllt wird. Man bleibt unter sich und von Selbstbewusstsein ist in den meisten Fällen nichts zu merken.

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Feenkreise

Paranormal

Stell dir folgende Szene vor: Du spazierst durch einen malerischen Wald. Die Vögel zwitschern in der Ferne, die Sonne scheint dir in den Nacken, als du auf einen faszinierenden Ring von Pilzen mitten im Wald stoßen. Dein erster Impuls ist wahrscheinlich, diesen seltsamen Anblick näher zu untersuchen. Wenn man jedoch auf den Volksglauben hört, sollte dein erster Gedanke sein, vor diesen Feenkreis-Pilzen wegzulaufen. Seit Jahrhunderten werden solche Erscheinungen auf der ganzen Welt mit dem Wirken von Feen, Hexen oder sogar dem Teufel in Verbindung gebracht, obwohl einige glauben, dass die Kreise ein Zeichen von Glück sind. Feenkreise waren im Laufe der Geschichte ein wichtiger Bestandteil der Folklore und fanden schließlich auch Eingang in andere Medien wie Literatur und Kunst.

Credit: unukorno

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Julio Cortázar: Vertrautheit des Phantastischen

„Was nützt ein Schriftsteller, wenn er die Literatur nicht zerstören kann?“

Die Frage stammt aus Julio Cortázars Roman Rayuela aus dem Jahr 1963, dem dichten, schwer fassbaren und raffinierten Meisterwerk, das gleichzeitig ein hochmodernes Spiel  um das eigene Abenteuer ist. Es enthält eine einführende Anweisungstabelle: „Dieses Buch besteht aus vielen Büchern“, schreibt Cortázar, „aber vor allem aus zwei Büchern.“ Die erste Version wird traditionell von Kapitel eins an durchgelesen, die zweite Version beginnt bei Kapitel dreiundsiebzig und schlängelt sich durch eine nichtlineare Sequenz. Beide Lesemodi folgen dem weltmüden Antihelden Horacio Oliveira, Cortázars Protagonist, der von den lauen Gewissheiten des bürgerlichen Lebens enttäuscht ist und dessen metaphysische Erkundungen das Gerüst einer wogenden, höchst komischen Existenzkapriole bilden. Cortázar sagte lakonisch: „Ich bin auf der Seite der Fragen geblieben.“ Aber es war der formale Wagemut des Romans – seine verzweigten Wege -, der auf die hartnäckigste und persönlichste Anfrage des argentinischen Autors hinwies: Warum sollte es nur eine Realität geben?

Julio Cortázar
Julio Cortazar

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