Der Leser: Grass an der König Ludwig-Brücke, Kempten


Nach dem Serial Killer ist jetzt der Serial Kuchner das neue Phänomen. Zugegeben, das ist eine etwas merkwürdige Umschreibung, wenn man bedenkt, dass ein Serial Killer seriell Leichen hinterlässt, die er gekillt hat. Man könnte jetzt nicht wirklich behaupten, dass ich andere Menschen kuchne, anstatt sie zu killen. Nun ja, ich kille sie natürlich auch nicht, aber viel weniger kuchne ich sie. Aber unterm Strich kuchne ich eben doch. Die Verwandtschaft zum Serial Killer besteht also darin, dass ich mir gerne Kuchen einverleibe. Ihr seht es? Leib, einverleiben? Das folgende Porträt ist schon etwas älter, aber als Beweis durchaus annehmbar, die Opfer eindeutig und klar zu erkennen.
Der Druck auf meine rechte Körperseite, auf diese Extremitäten, die Knochen, die äußeren Flächen. Das Hervortreten der Schulterblätter. Die Unterbindung des Blutflusses der Beine. Das Gras berührt, die Wange den Boden. Das Klaffen der oberen Lippe. Die Beckenschaufel wieder und wieder in Erde bewegt. Die starkschnellen Schläge. Links, unter meiner Brust. Unter den Rippenbögen, die flache Atmung. Die Weite von vorn, von hinten Wärme. Die Haut deiner Hand. Das Blut schmeckt eisern. »Maybe the next one. Maybe the next one.«
(angelehnt an die Romanverfilmung "Crash" von David Cronenberg)

Und siehe! Da ward viel grüne Wand vor das Licht gerückt, um das Leben in seiner mächtigsten Gestalt zu feiern.




Alle Bilder von Albera Anders