Geschrieben von A. Anders
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Mondmacher

„Jene runden Türme sind entdeckt, in welchen der Vollmond Mondnatt für Mondnatt gegossen wird, mit einem großen Katapult in den Himmel geschossen (geworfen); die Mondmacher am Werk; ihre chymische (Hochzeit). Der Mond erkaltet unter der Erde, wird fest in den Tiefen, Basalt und Eisen.“ (Sandsteinburg) Subsistenz ( I put a spell on you)
Ich zog meinen Mantel aus, steckte die Hörgeräte in eine der Taschen. Hatte den Tag, jedes Wort nun bewältigt, obwohl ich nichts bewältigen wollte. Nein, ich wollte nichts bewältigen. Auch gingen mich diese Worte nichts an. Ich versuchte wieder etwas fern der Regulierung wahrzunehmen. Meine Ohren haben solchen Dingen immer den Vorzug gegeben. Das Unhörbare wahrgenommen. Das Nichtgesagte. Die stumme Liebkosung, die sich manchmal durch ein labendes Flüstern verrät, zu dem sie wird und so doch zur Welt kommen will. Ich sehnte mich alltäglich nach dem großen Hörverlust, der mich endlich ausgliederte. Ich lief durch den Flur unserer Gespräche. Das dauerte. Dauerte, je mehr ich mich in ihnen verlor. Draußen wuchs Schnelleres. Hier drinnen wuchs ich. Der Teppich dämpfte meine Schritte. Die Muster durchwandelten sich gegenseitig, durchwandelten ihren roten Wirt, formierten sich jedoch gleich wieder, die Energien, die Wärmen, die meine Fußabdrücke hinterließen, zu nutzen, sie zu speichern. Sie wollten nicht den Körper, der in sie schritt. Er gehörte nicht zu ihnen. Hier, wo wir waren, waren wir. Hier wurde der Alltag nicht bewältigt, wurde nichts hart berührt. Wurde nichts unempfänglich gemacht. Hier streiften wir die Dinge mit unserer Anwesenheit. Ich kniete mich ins Rot hinein. Die Wärme gab die Haut wieder frei. Muster leckten sie wach.
Lilith
Geschrieben von A. Anders
Ich bin, von dir genommen,
in den kleinsten Winkeln deines Raumes daheim.
Meine schwarzen Augäpfel
sind die Dunkelheit der Welt gewöhnt.
Kein Augenweiß. Nichts Irisierendes,
das isoliert betrachtet werden kann und will.
So hocke ich einfach da
und nehme wahr,
wie ein Haus Zeit konserviert.
Mein Mund, eine Melasse, die Fliegen fängt.
Denn das, was sie nicht fängt, wirft
sie auf Wunden. Ins hypnotische
Meer der Mütter greift meine Seele fingerlang.
Das immer Kleinste der Kleider
ist ins Nichts geweht, an den Rändern
verwoben mit mir. Ich wringe,
stehend im weißen Sand,
mein Kleid, dein rotes Meer.
Rokokoernte
Geschrieben von A. Anders
Wie es in Frankreich Tradition ist, knüpfen sie hinten auf,
um die grelle Glühbirne zu verstecken und das Licht zu erweichen.
Besonders nützlich, wenn ihr Schatten über einem Bett oder Stuhl liegt.Sehr hübsch! So feminin!
Diese weißen Netzhandschuhe
fügen diese heidnische Anmut hinzu,
wenn Sie den Kuchen schneiden.Ein echtes Gesprächsstück,
das jedem Zuhause ein Kuriositätengeheimnis hinzufügt.
Sie könnten aber auch auf einem Doppelbett mit den Rüschen arbeiten,
die zur Seite des Bettes laufen.Es gibt einige Risse und Reparaturen.
Es gibt auch etwas Schmutz.Eine blasse Schale Rosa
kommt wie alle Zigeunerartikel
in einer schönen handgefertigten Stofftasche.Hohenner, Salon, Vorfreude

Hohenner sah ein paar Minuten nachdenklich drein, hielt sein Kinn mit der rechten Hand fest und stakte, scheinbar tief in sich versunken, auf der Lichtung herum. Richard und Ludwig sahen sich an. Es war kaum zu merken, dass sich die beiden Männer spinnefeind waren. Der Arzt blieb abrupt stehen, richtete sich auf, klatschte in die Hände und sagte: »Also gut. Ich will die Augen!« Female Horse Feet

(c) A. Anders


